Freit Zetlung.
„âekhert und Reeht!"
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Wiesbaden. Mittwoch, 30 Januar
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*f* Noch einmal die Wahlen.
Zwar ist heute schon der Tag für die Wah- len der Wahl männer vorüber, zwar hat heute schon jede Erörterung über die Frage: „ob wählen, oder nicht" ihre unmittelbar praktische Bedeutung verloren, zwar hat das Volk seinen Entschluß schon gefaßt und ausgeführt: allein dieser tragikomische Schlußakt unserer Revolution bietet auch noch Seiten dar, deren Beleuchtung einen mehr als augenblicklichen Werth hat, und wir versuchen die innere Nothwendig- keit des Richtwählens von Einer diesen Seiten zu entwickeln; vom praktisch-politischen in den historischen hinüberzuführen.
Wir lehnen uns an die Vergangenheit Preußens an. Hier finden wir schon eine Musterentwickelung dessen vor, was die jetzige deutsche Demokratie erstrebt. Hier sind aber auch — und das ist das Bedeutendste! — die inneren Ursachen genau dieselben: es sind dieselben Schauspieler, Regisseure, Souyleure, die beider Aufführung des Stückes mitwirken. Staunen muß man nur über die Naivität dieser gutmüthigen Leute, welche dem Publikum abermals ein Stück auftischen, das schon, als es zum ersten Male in Szene trat, — so gräßlich ausgepfiffen wurde!
Der vereinigte Landtag hatte einer aus allgemeinem Wahlrecht hervorgegangenen Versammlung Platz gemacht. Die Selbstregierung Friedrich-Wilhelms sah sich bei Seite geschoben durch die Gelüste des^ von seiner Souveränität berauschten Volkes. Der Feudalismus legte seine goldenen Gewänder ab, um sie einstweilen mit einer einfachen bürgerlichen Jacke zu vertauschen, und verödet standen die Hallen des stolzen Babylon. , „ ,
Da erhob sich ein Zeichen im Süden und em Zel- chen im Osten, mrd die Junker beteten Alle laut: „Siehe, der Erlöser naht!" Und der Erlöser war gekommen: blutende Freiheitssöhne, ringende Mütter, verstümmelte Leichen und rauchende Schutthaufen gingen ihm vorher. Da öffneten sich die Thore der Burg und eS empfingen den König diesLegionen aus Brandenburg und der Uckermark, und die hatten die Kugeln im Gewehr und die Schwerter haarscharf geschliffen", und Wrangel stand an ihrer Spitze. Auseinander flogen nach allen Winden die Akten, in denen die Freiheit des Volks vergraben lag; auseinander stäubten des Volks Vertreter, nachdem sie ihm vorher angefangen, dem Feudalismus die Quellen zu verstopfen..
Es war zu spät!
Und der König war so huldvoll, dem Volke eine fertige Verfassung zu geben — mit zwei Kammern; denn das Volk war ungeduldig geworden über die langen Schwätzereien seiner Deputirten. Und das Voik nahm die Verfassung an und wählte darnach, weil man ihm das allgemeine Wahlrecht nicht zu nehmen gewagt.
Das war aber zum zweiten Male, daß eine Schwenkung gemacht, und oktroyirt worden war, denn auch der Vereinigte Landtag war nur ein Ausfluß der Königlichen Gnade.
Und von Neuem kamen des Volkes Vertreter zusammen, und die Nöthe ihres Zornes war noch röther geworden, und die Wogen der See schlugen hoch, wir zuvor, am Staatsschiff empor. Und die Minister merkten, daß Sie Sich getäuscht hatten, und waren sehr erbost und gaben abermals dem Volke einen Fußtritt, und schenken ihm abermals eine Verfassung. Diesmal aber war dafür gesorgt, daß die Bayer- männ'schen Gestalten keinen allzugroßen Einfluß gewännen, und das Volk war eingekeilt in den gefüllten und den mageren und den ganz leeren Geldbeutel, und das Geld durfte zum Rechte sagen: komm her und sei mein Bruder, ich will mit dir und du sollst mit mir theilen! die Schlauen wollten aber, daß das Volk leer ausginge.
Und das Volk hatte Alles gemerkt, und hütete sich zum zweiten Male ein Geschenk aus solcher Hand an- zunehmen. Und es erkannte die List; aber es lächelte auch im Stillen über den felsenfesten Glauben derjenigen, die den romantischen Herenbrei nicht verstanden.
Und es kam nun eine Versammlung $u Stande wo Simson — doch ein Andrer, als der einst den Eselskinnbacken auf die Philister schwang — der Flügelmann der äußersten Linken war, und wo man zum ersten Male, an der Spitze Stahl und Gerlach, den weißen Berg erblickte. Und diese Versammlung berieth darüber, wie sie des Volkes bischen übriggebliebene Freiheit am besten und ohne Aufsehen verschachern könnte, und wo sie einmal zornig wurde, da war der Zorn immer nur von kurzer Dauer: denn ein Zwinkern des Ministers mit seinen Augeubraunen genügte die sich kräuselnden Wellen wieder glatt zu legen. Aber die Romantik fühlte sich immer noch trotz alledem nickt in ihrem Elemente, und man beschloß zum vierten Male zu oktroyiren, und die Reitbahn von allen Querbalken zu befreien. — Und Manteuffel trat vor den Geltbeutel, und überredete ihn mit süßen Worten, er habe nur das Recht „mein herrliches"^und „mein Junkerthum" zu erhalten, und müsse sich die erbangesessene adelsvollblütige Oberherrlichkeit gefallen lassen. Und Simson drohte mit dem Kinnbacken, und Dahlmann wurde wieder ein „saurer Essigschwamb" und Stahl und Gerlach dachten mit Vergnügen an das Mittagsmahl , wo die vierte Oktroyirung war beschlossen worden. Ueber ein Kleines aber wird sich Alles wieder versöhnen, und die B a s s e r m ä n n e r w e r d e n j u b c n l d M a n t e u f f e l um den Hals fallen, daß er das Vaterland ! zum — wer weiß wie vielten Male ge- ' retet.
Das ist ein Stück Preußischer Geschichte, und
wenn das Unerhörte eintritt, und Simson und Auerswald und Camphausen u. Comp. gegen das oktroyirte und oktroyirende Ministerium zu Felde ziehen und ihm den Krieg erklären: dann wird der „weiße Berg" die Oktroyirung vollenden und allem Scanval der Vocks- reprâsentation — ssür unbestimmte Zeit ein Ende machen.
Der Vereinigte Landtag war im Wesentlichen die Repräsentation der alten feudalen Stände.
Die erste Versammlung der „Vereinbarer" war hervorgegangen aus dem „allgemeinen" Wahlrecht: sie war also nichts mehr und nichts weniger, als der in eine gesetzliche Formel gebrachte Kampf der verschiedenen im Volke vorhandenen sozialen Gegensätze. Die Demokratie war darin in der Minderheit. Erst als das Dasein der konstitutionellen Monarchie in Frage stand, und die Junker des Militärs und Beamtenthums sich wieder zu fühlen begannen, verband sich der radikale Theil der Bourgeoisie mit Der Demokratie zu dem Steuerverweigerungsbeschlusse. Durch das vom König ernannte inkonstitu'tionelle Ministerium war damit dem Königthum selbst der Handschuh hmgeworfem Der Erfolg konnte nicht zweifelhaft sein: Das Volk unterlag.
Dennoch hatte das Königthum in diesem Kampfe eine solche Masse von Kraft absorbirt, daß es das allgemeine Wahlrecht noch nicht anzutasten wagte, v. h. den Ansprüchen des Volks noch ferner einen gesetzlichen Boden leihen mußte. Das Volk, die Demokratie konnte darum die jetzt oktroyirte Verfassung annehmen, weil es sein wichtigstes Recht darin wiederfand Natürlich^ konnte das Königthum mit Der jetzt gewählten verfaffungrevidirenden Versammlung ebensowenig regieren, wie mit der ersten: sie wurde abermals aufgelöst.
Nach dem neu oktroyirten, bekannten Dreiklassenwahlgesetz kam die jetzt in Berlin noch tagende Versammlung zu Staude: der unverfälschte Ausdruck der miserabel», ehrlosen, hündischwevelnden Bourgeoisie.
Zweimal hatte das Volk versucht, den Kampf gegen einen doppelten Feind: das Junkerthum und die Bourgeoisie, aufzunehmen. Die organifirte Macht des Staates und Die Macht des Geldes fanden als Gegner auf dem Wahlplatze nur die von der Ueberzeugung der heiligen Wahrheit ihrer Ideen getragene Hoffnung der Demokratie. Die Wahlfreiye-t, durch öffentliche und Privatabhängigkeit zur Hälfte eine Phrase geworden, war die einzige Waffe, mit welcher Dem Volke zu kämpfen vergönnt war. Als man ihm auch dieje nahm, da wäre es eine Thorheit gewesen, den Kampf noch länger fortzusetzen: d. h. die besten Kräfte nutzlos hinzuopfern, und sich einer Fülle des besten Herzblutes zu berauben. Man überließ Die beiden Gegner sich selber, man ließ die Bourgeoisie den Kampf gegen das feudale Königthum allein fort: setzen, um der Welt zu beweisen, daß die Bourgeoisie
Leben und Abenteuer des John Davys.
Von Alexander Dumas.
(Fortsetzung.)
Um vier Uhr bezog ich die Wache und blieb also bis zwei Uhr früh auf dem Verdecke; während dieser ganzen Zeit sah ich Bob nicht wieder erscheinen, der also seinen Freund David nicht verlassen hatte. Um zwei Uhr wurde ich abgelvset; ehe ich aber in meine Kammer ging, wollte ich vor dem Kerker vorübergehen, um mich zu überzeugen, ob die wegen David gegebenen Befehle vollzogen worden wären. Es war geschehen; man hatte ihm die Ketten abgenommen, der Geistliche war zu ihm gekommen, nm ihm die Tröstungen der Religion zu bringen, bei ihm geblieben bis 1 Uhr und hatte ihn nur auf die dringende Bitte Davids selbst verlassen. David und Bob waren also allein; ich legte mein Ohr an die Thüre, um zu erfahren, ob sie schliefen oder nicht; aber beide wachten noch und Bob tröstete soviel er vermochte seinen Freund David.
„Im Ganzen genommen," sagte Bob, siehst Du, David 's ist nur ein Augenblick, eine zetwas fest ungezogene Halsbinde, weiter nichts. Hast Du schon einmal etwas in die unrechte Kehle bekommen? Nun siehst Du, gerade so ist es. Ich sah einmal an einem Tage dreißig Mann auf dem Schiffe hängen, brasilianische
Seeräuber, die wir erwischt hatten, und die ganze Geschichte war in einer halben Stunde abgemacht, so daß auf jeden gerade eine Minute kam. Bei Dir, David, wird es noch schneller gehen, siehst Du, weil die ganze Mannschaft beisammen und alles vorbereitet ist."
— „Ich fürchte mich auch nicht vor dem Aligenblicke deS Todes selbst," sagte David mit fester Stimme „sondern vor den Vorbereitungen."
„Die Vorbereitungen, David? Ah, Du bist ja unter Freunden und die Vorbereitungen werden also nichts Unangenehmes haben. Ja, wenn Du am Lande und wegen Diebstahl gehangen würdest, das wäre etwas anderes; dann kämst Du mit dem Henker und dessen Knechten in Berührung, was immer eine fatale Sache ist; eö gäbe Zuschauer, die Dich verachteten, weil Du als Mann nicht von der Arbeit Deiner Hände hättest leben wollen. Hier ist es ganz anders; jeder wird Dich bedauern, David, und sollte jeder Matrose einen Monat von seinem Leben hergeben, um ein neues Leben für Dich zusammenznsteuern, ganz gewiß weigerte sich nicht einer, seinen Beitrag zu geben, die Offiziere gäben gewiß sogar das Doppelte, alS wenn sie auch hier noch einmal so viel hätten als wir. Und obgleich der Capi- tain seinem Alter nach die kürzeste Zeit noch zu leben hat; würde er doch sicherlich eben so wenig knausern als die andern und ein ganzes Vierteljahr geben."
— „Das thut mir wohl, Bob," sagte David auf- athmend, als wäre ihm ein gewaltiger Stein von der
Brust gewälzt; „ich fürchtete verachtet zu wtrDen, weil ich eines schmachvollen Todes sterben muß."
„Verachtet, Du, David? Niemals."
— „Glaubst Du, daß im Augenblick des Sterbens vor allen Leuten der letzte Der Offiziere auf Dem Schiffe mich umarmen würde, wie es beute Der würdige Stan- bow that? Ec hat mich umarmt, Bob, ja, als wäre ich Seinesgleichen; aber wir waren allein."
„Was das betrifft, David, so mein' ich, ich kenne einen, der Dir Diese kleine Freude nicht versagen würde wenn er wüßte, eö machte Dir Vergnügen, — nämlich Davys."
„Ja, ja, Davys ist gut gegen mich gewesen und ich werbe eö nie vergc«en, weder hier, noch dort oben."
„Soll ich ihm etwas von Deinem Wunsche sagen?"
„Nein, Bob, nein, Der Stolz hat mir die Worte eingegeben, Die ich Dir sagte und Der Stolz ziemt sich nicht für einen Christen, der eines solchen Todes sterben soll. 9km, alles mag geschehen, wie eö angeordnet worden ist. Aber, Bob , wer wird darnach meinen armen Leichnam begraben?"
— „Wer, David, wer? — Ich."antwortete Bob ; „Niemand, außer mir soll ihn anrühren, siehst Du. Du sollst Dich rühmen können, so sauber in Deine Häage- matte gelegt eingenähel worden zu sein, als habe die beste Nätherin in London Die Arbeit gethan. llcbrigenS werde ich untenhin einen Sack mit Sand thun , damit