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Wir kommen jetzt zu dem was unser Gegner für die Westerwälder Bahn anführt. Hier tritt unser Landcsverrath" auf, bestehend in Verlästerung des Weiierwaldes.Wenn die Koblenzer so reden, meint unser Gegner, so geht cs an, aber ein Nassauer!" Wenn aber auch alle Nassauer Hymnen auf den W. W. dichten, so wird doch eine Rheinfahrt immer an­genehmer bleiben, als die über seinen Rücken, werden Berzhahn, Hergenroth, Ailertchen und Kackenberg weder mit Weilburg, Diez, Nassau und Ems, noch gar mit Koblenz, Neuwied, Andernach und Bonn ri- valisiren können. Jappelle un chat un chat! Aber die Braunkohlen! Unser Gegner will die Mög­lichkeit, daß Braunkohlen mit Steinkohlen in Con« currenz treten können, daraus erweisen, daß siean der Lahn diese Concurrenz aushalten." Großartiger Scharfsinn! Mein Bester, warum hält doch auf dem Walde Haferbrod und Kartoffelplatz die Concurrenz mit dem feinsten Weißmehlgebäck aus? Wenn an der oberen (nassauischen) Lahn der Ctr. Steinkohlen 54 kr. kostet, also selbst nach unsres Gegners Angabe um 3l kr. durch die Fracht von Lahnstein herauf verfeuert wird, dann haben die Braunkohlen gut concurriren. Und trotz alledem wird auch dort in einem Hause nach dem andern Steinkohlenheitzung eingeführt......

Aber wir wollen auch hier nicht einseitig , nicht rechthaberisch sein. Möglich, daß die Braunkohlen- verwendnng für Stubenöfen und Fabrikbetrieb ver­bessert wird; wir selber glauben und wünschen nicht, daß die reichen Braunkohlenlager unnütz seien, aber wir erwarten, daß jeder unpartheiische uns folgende Sätze zugcben wird. 1) Soll für den Vertrieb der Braunkohlen eine Eisenbahn gebaut werden, so darf diese nicht nach Cöln hin gehen. Sollen unsre Braunkohlen die Ruhrkohlen in ihrer Helmath verdrängen? Wird der Cöllner, der Düpcldorfer ihrer begehren? Man baue eine zweckmäßige Pferdebahn von den Kohlenlagern an die Lahn, verbreite dieselben durch unsre Bahn Lahn aufwärts, nach Gießen und weiter mit der Mainweserbahn; da mögen sie Absatz finden, wo Stcinkohlengrnben ferne sind. Man ver­breite sie in Nassau selbst, die Wissenschaften lehre sie zum Hochofenbetrieb mit Nutzen zu verwenden; das wird die Zukunft der Braunkohlen sein. 2) Braun­kohlen sollen erst Ausfuhrartikel werden, von unzerm Eiwn- und Braunstein aber gehen schon jetzt ungeheure Massen ins Ausland; so gebe man unsern Gruben­besitzern die Lahnbahn , damit sie ihre Produkte zu jeder Zeit absetzen können, damit sie nicht jahrelange Zinsen verlieren, und auf den kläglichsten Umwegen ihren Urbeifluß wegschaffen müssen. Man gebe uns die Lahnbahn, damit wir, wenigstens bis wir unsere Braunkohlen dazu verwenden gelernt, Steinkohlen ins Land ziehen, und unser Erz selber verhütten und ver­arbeiten. *)

Und nun ein ernst, mahnendes Schlußwort an alle unsre Gegner! Es muß Jcdem, der sich für die Lache intereisirt, bekannt sein, daß Hr. Splingard eine Bahn von Cöln nach Marburg »ermeße» und ver­rechnet hat, sein Werk ist mit Karten und Plänen splendid gedruckt. Man opponire uns und fördere dadurch jenes Projekt! Dann bekommen wir frei­lich keine Lahnbahn, aber auch Ihr keine Wiesbaden- Deuzer, denn dann ist die Verbindung zwischen Frank­furt und Cöln da, und Nassau das brauchen wir Keinem zu sagen der berufen ist, in der Sache mit zu sprechen. So laßt uns unsern Weg in Frieden gehen, arbeitet Ihr für Eure Bahn, wir für die unsrige, wer zuerst Geld schafft, der hat gewonnen; Aber vereinigt Front gemacht gegen die Marburg-Cölner Bahn!

Berichte über die Wahlen nach Erfurt.

(Fortsetzung )

f Aus dem Wahlkreis Arzbach.) Wenn auch die Sache etwas verspätet, so wird man doch noch gern das Ergebniß der hiesigen Wahl lesen.

Deutlich konnte man am Sonntage sehen, wie wenig sich das Volk vom Erfurter Kränzchen ver­spricht. Cs bedurfte keine Aufforderung, sich nicht an den Wahlen zu hetheiligen. Das Volk weiß, was es soll, obschon eine gewisse Partei immer noch an seiner Mündigkeit zweifelt.

Der Wahlkreis bestand, inct Arzbach, aus sieben Ortschaften. Von den sechs auswärtigen Gemeinden war auch nicht eine Seele erschienen. Doch vier wa­ren vertreten durch ihre Bürgermeister, denen es zum Theil noch Freude macht, mit dem Zöpfchen zu spie­len. Die Arzbacher hatten sich ebenfalls nur sehr spärlich an der Wahl betheiligt. Im Ganzen mochten ungefähr zwanzig Urwähler gewählt haben. In der ersten Abtheilung, Hauptkaste, wählte ein Mann sei­nen Wahlmann einstimmig. Welche Majorität!

Mehrere Urwähler sollen offen erklärt haben, daß sie nicht wählen würden, weil das Alles nur ein Kinderspott sei. Sie meinten , man sollte es doch erst einmal mit der in Frankfurt gemachten Verfassung

) Es hat uns sehr verdrossen, daß unser Gegner uns lehren will,darauf Bedacht zu nehmen, den Eisenstein im Lande selbst zu verhütten", da wir doch in dem mehrangeführten Aufsatze ein großes Lamento über die Verschleppung des Rohproduktes ebenfalls angestimmt und daraus Argumente für unsere Lahnbahn gezogen. Ja selbst in einem kurzen Artikel imFrankf. Journal", auf den unser Gegner doch Rücksicht nimmt, hatten wir dies angedeutet.

Probiren; erweise sich solche als nicht gut fürs Volk, i so hätte man immer noch Zeit, eine bessere zu machen. |

0 Wellmich, 25. Januar. Bei den am 20. im Wahlbezirk Kestert stattgehabten Urwahlen haben sich die Wahlberechtigten großenthcils eingefunden , aber nicht alle an den Wahlen betheiligt. Die Triebfeder ihres Erscheinens war einzig die Androhung der Ltra- i feil von Seiten der Herrn Bürgermeister; denn die meisten Herrn ließen bekannt machen; Wer nicht init- wählt, verfällt in die Strafe von 20 200 fl. In [ Wellmich wurde dieses unterlassen. Die Wahlberech­tigten von da haben sich deßhalb fast alle der Wahl enthalten. Mit welcher Begeistrung gewählt wurde, mag folgendes Factum zeigen: Dem Schweinhirten von Nochern wurden circa 50 Stimmen gegeben.

Gewählt wurden zu allgemeiner Heiterkeit in der 1. Klasse der Jude Ackermann von Weier, in der 2. Kl. Nicolaus Melchior von Wellmich und ind der 3. Kl. Matthias HoUbach von Kestert.

AB. Aus dem Amte Wehen, 28. Januar. In der Nummer 21 derNass. Allg." befindet sich ein, allem Anschein nach von einem nberständigen Pensionär und Reaktionär herrührender Artikel d. d. Wehen, 21. Jan., welcher in sehr gemüthlicher, aber etwas eüifäl- tigcr Manier die dort stattgefundenc Wahl zum Erfur­ter Reichstag bespricht. Wir erfahren durch diesen Artikel, daß die Wahl in musterhafter Ordnung vor» genommen worden sei, und daß den Wählern ihre da­bei beobachtete Haltung zur besonderen Ehre gereiche; wir erfahren aber nicht, wer denn eigentlich diese mu­sterhaften und würdevollen Wähler waren, wahrschein­lich weil die Bescheidenheit den Herrn Artikelschreiber verhinderte sie zu nennen. Um so mehr halten wir es für unsere Pflicht, das Publikum hierüber nicht im Zweifel zu lassen: in Wehen wählten nämlich nur die dortigen Herrn Angestellten mit Ausnahme des Herrn Amtssckretärs und des Herrn Medizinalacccssisten, ferner ein Pensionär und einige wenige Proletarier.

Genauer können wir das Ergebniß der Wahlen im Wahlbezirk Neuhof angeben. Daselbst erschienen von 51 Urwählern aus erster Klasse 11, von 93 Ur­wählern 2ter Klasse 13 und von 304 Urwählern 3ter Klasse 40; also zusammen von 448 ürwählern 64. Sie erschienen aber nicht um zu wählen, sondern um dem Bürgermeister zu erklären: datz sie nicht wähl­ten, worauf sie sich dann wieder entfernten.

Als dieses aber HerrKreiSbcamte Vogler in Lan­genschwalbach erfuhr, hatte er einen gescheuten Einfall, in der That so gescheut, daß wir ihn derNass. Allg." zur weiteren Verbreitung empfehlen, nämlich: er schrieb eine nochmalige Wahl aus. Voraussichtlich werden sich hierbei die Urwähler recht zahlreich beteiligen. Herr Vogler verdiente für diesen gescheuten Einfall nach Erfurt gewählt zu werden.

§ Wicker, 25. Januar. Am 20. d. M. war für uns die Wahl nach Erfurt zu Hochheim. Von hier fanden sich dortselbst sieben Wahlberechtigte ein. Es scheint, als ob selbst die Vorsehung an diesem Acte keine Freude habe, denn der Tag der Wahl war, ab­gesehen von den Gesinnungen der Wahlberechtigten, ein höchst ungünstiger.

(S. Von der Aar.) Bei der am 20. d. M. in dem Wahlkreis Michelbach stattgehabten Wahl zum Reichstag nach Erfurt, haben von circa 550 Wahlbe­rechtigten noch keine 20 gewählt; erschienen waren zwar viele, doch wie es scheint, nicht um zu wählen. Die Wahlversammlung bestand, außer 5 Bauern von Holzhausen über der Äar, fast nur aus Bürgermeistern, Staatsdienern und Schullehrern.

Breit Hardt und Stecken roth betheiligten sich gar nicht bei der Wahl. Gewählt wurden in erster Klasse Müller Z i m in e r m a n n von Michelbach; in 2ter Klasse Bürgermeister Euler von Rückershausen mit 2 Stimmen und in der 3ten Klasse Herr Ober­förster Halbei von Strinz.

8. Von der Liederbach, 20. Januar. Folgendes ist das Resultat der Wahl zum Erfurter Verein im Kreise Sulzbach, wozu die Ortschaften Eschborn, Soden und Niederhofheim gehören. Von 438 Urwäh­lern, wovon 26 zur ersten Klasse, 75 zur 2ten Klasse und 337 zur 3ten Klasse gehören, waren erschienen 32. Von diesen enthielten sich 3 Mann der Wahl, so daß im Ganzen 29 wählten, sie gehören sämmtlich der er­sten und zweiten Klasse an, indem die dritte Klasse nicht wählte. Von diesen Wählenden fommenauf Sulz­bach 25, Eschborn 4, Soden und Niederhofheim Nie­mand. Gewählt wurden Oeconom Schaar von Sulz­bach, und der besänne Müller I. von Eschborn. Nun wird das Vaterland gerettet werden!

K Straß-Eberèbach, 23 Januar. Bei der auf den 20. d. M. ausgeschriebenen Urwahl erschienen aus unserem Kreise der Oberförster Thielmann (derselbe, welcher der hiesigen Wehrmannschaft den Eid auf die Reichsverfaffung abnahm und solchen auch seihst ge­schworen hat) und ein Genosse.

Da der Bürgermeister Speck sich nicht bewogen fand im Bunde der Dritte zu sein, so wurde nicht gewählt.

Wie wir hören, soll sich in den meisten Nachbar- - freiten Niemand zur Wahl eingesunden haben.

D e n t f ch l a n d.

* Wiesbaden, 27. Januar. Gestern fand die Wahl eines Gemeindcraths für den ausgetretenen Christmann statt. Der Candidat der Volkspartei, Carl Götz, erhielt die Majorität und derjenige der Herrenpartei, Regiernngörath Rößler, unterlag.

Breslau, 24. Januar. Die N. O. Z. bringt folgende Zusammenstellung.

I.

AuszugausderProclamation desKöniqs vom 22. März 1848.

Nachdem Ich eine constitutionclle Verfassung auf den breitesten Grundlagen verheißen habe, ist es Mein Wille, ein volkstümliches Wahlgesetz zu erlassen, welches eine, auf Urwahlen gegründete, alle Interessen des Volkes, ohne Unterschied der religiösen Glaubensbekenntnisse umfassende Vertretung herbeizuführen geeignet ist, und I dieses Gesetz vorher dem vereinigten Landtage zur Begutachtung vorzulegen, dessen schleunige Berufung Ich, nach allen bisher Mir zugegangenen Anträgen, für den allgemeinen Wunsch des Landes halten muß.

Der aus jene Weise zu bildenden neuen Vertre­tung Meines Volkes werden dann auch, Meinen be­reits kundgegebencn Entschließungen entsprechend, Vor­schläge über folgende Punkte vorgelegt werden:

1) über Sicherstellung der persönlichen Freiheit;

2) über freies Vereinigungs - und Vesammlungs- recht;

3) . über eine allgemeine Bürgerwehr-Verfassung mit freier Wahl der Führer;

4) über Verantwortlichkeit der Minister;

5) über die Einführung von Schwurgerichten für Strafsachen, namentlich für alle politischen und Preßvergehcn 1

6) über die Unabhängigkeit des Richtcrstandes;

7) über Aufhebung des erimirten Gerichtsstandes, der Patrimonal - Gerichtsbarkeit und der Domi- nial-Polizeigewalt.

Außerdem werde Ich das stehende Heer aus die neue Verfassung vereidigen lassen.

Berlin, den 22. März 1848.

Friedrich Wilhelm.

Gr. Arnim, v. Rohr. Gr. Schwerin. Bornemann, v. Arnim. L. Kühne.

II.

Auszug aus der Königlichen Proklama­tion vom 11. November 1848.

Ich wende Mich deshalb in dieser entscheidenden Zeit an das ganze Land, an Euch Meine treuen Preus­sen Alle, mit der Zuversicht, daß Ihr den ungesetzlichen Widerstand, den ein 4teil Eurer Vertreter, uneinge- dcnk ihrer wahren Pflichten gegen Volk und Krone, der Verlegung der National-Versammlung entgegen» stellt, ernst und entschieden mißbilligen werdet. Ich mahne Euch, nicht Raum zu geben den Einflüsterun­gen, die Euch glauben machen, Ich wolle Euch die in den Märztagen verheißenen Freiheiten verkümmern, Ich wolle wieder ablenken von dem betretenen consti- tutionellen Wege!

Preußen! Ihr, die Ihr noch feststeht in dem alten guten Vertrauen zu Mir, Ihr, die Ihr noch ein Ge­dächtniß habt für die Geschichte meines Königlichen Hauses und seiner Stellung zum Volke, Euch bitte Ich, daran ferner festzuhalten, in guten wie in bösen Tagen. Ihr aber, die Ihr schon darin zu wanken beginnt, Euch beschwöre Ich, Halt zn machen auf dem betretenen jähen Pfade und abzuwarten die Thaten, die da folgen werden! Euch allen aber gebe ich nochmals die unverbrüchliche Versicherung, daß Euch nichts verkümmert werden soll an Euren constitutione!» len Freiheiten, daß es mein heiligstes Bestreben sein wird, Euch mit Gottes Hülfe ein guter constitutione!» ler König zu sein, auf daß wir gemeinsam ein staat­liches und haltbares Gebäude errichten, unter dessen Dache, zum Frommen Unfereë Preußischen und ganzen Deutschen Vaterlandes, Unsere Nachkommen sich ruhig und einträchtig der Segnungen einer echten, wahren Freiheit Jahrhunderte lang erfreuen mögen!

Dazu wolle Gott feinen Segen verleihen!

Auszug aus der Denkschrift des Ministeri­ums an den König vom 5. Dezember 1848.

Gewiß ist die Vereitelung des vor länger als sechs Monaten begonnenen Versuchs der Vereinbarung einer Verfassung zwischen der Krone und den Vertre­tern des Volkes ein sehr beklagenswerthes Ereigniß. Wahrhaft verderblich aber würde es sein, wenn, um dieser Vereitelung willen, die Sehnsucht des Landes nach einer Verfassung, von welcher es Wiederherstellung eines festen Rechtszustandes und des in allen Verhält­nissen des öffentlichen Lebens gestörten Vertrauens mit Recht erwarten darf, noch längere Zeit unbefriedigt bleiben sollte.

Ew. Königliche Majestät können wir daher nur pflichtmäßig rathen, Ihrem Volke eine Verfassung, die zur Begründung, Befestigung und Erhaltung wahrer Freiheit geeignet ist, unverzüglich unter dem Vorbehalt zu gewähren, daß dieselbe von den zunächst und zwar sofort zu berufenden Kammern einer Revision zu unter, werfen sei.

Wir haben eine solche Verfassung, unter strengster Festhaltung der von Ew. Königlichen Majestät im März d. I. ertheilten Verheißungen, entworfen und dabei nicht nur die Vorarbeiten der zur Vereinbarung der Verfassung berufenen Versammlung, sondern auch