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Serie MM......

Freiheit und Recht!"

M 23

Wiesbaden. Sonntag, 27. Januar

IMO

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A Die Eifenbahnfrage für Nassau.

V. Artikel.

Wir glauben hinlänglich dargethan "zu haben, daß ungleich größere Vortheile durch die Köln-Wiesbade­ner, als durch die Lahnbahn erreicht werden, sowie daß erstere Bahn nicht im Interesse einer Stadt, son­dern aller Theile des Lankes erbaut werden würde.

Wenn der Hr. Correspondent in No. 6 der Nass. Allg. weiter die Besorgniß bezüglich dieser Bahn aus- sprtcht: daß dieselbe durch die Anlage einer Eisenbahn längs dem Rheine ruinirt sein werde, so bedenke der Hr. Correspondent nur, daß einer Eisenbahn auf der linken Rheinscite von Coblenz bis Bingen sich solche Schwierigkeiten entgegensteUen, daß diese Strecke an 20 »DillHonen kosten würde; das rechte Rhein­ufer bietet zwar weniger Schwierigkeiten, als das linke Rheinnfer dar: doch sind dieselben immer der Art, daß die Bahn immer mehr als die Hälfte theurer wird, als diejenige durch das Land, der sich nur ge­ringe Schwierigkeiten, im Vergleich zu denen am Rhein und durchs Lahnthal, entgegensteUen, obgleich der Herr Correspondent von der Lahn im 3ten Artikel deren merkwürdigerweise zu finden glaubt.

Wir wollen jetzt dem Laufe der Lahnbahn etwas näher folgen. Die Lahnbahn beginnt auf der rechten Seite der Lahn bei Gießen, und verfolgt die­selbe längs den Orten Heuckclshcim, Alzbach, Dorlar, Walkgieruich, Naunheim, Niedergiernich, Wetzlar, Ober- und Niederbol vorbei nach Leun. Bon hier aus zwischen Leun und Diskirchèn zieht die­selbe, mittelst einer schiefen Brücke, auf die linke Seite, verläßt dieselbe jedoch gleich vor Biskirchen wieder und zieht, durch eine zweite Ueberbrückung der Lahn, wieder auf die rechte Seite, welche dieselbe bei günsti­gem Terrain, an Löhnberg vorbei, bis vor Weilburg einhält, wo sie die Lahn mittelst einer etwas schiefen Brücke überschreitet und durch einen Tunnel, neben dem für die Lahnschifffahrt, an Weilburg vorbeiziehen würde.

Von Weilburg bis Villmar ist bei dem engen Thale und kurzen Krümmungen der Lahn das Terrain so ungünstig, daß zwischen Weilburg und Kirschhofen ein zweiter Tunnel, sowie zwischen Kirschhofen und Grävcnkck der dritte und vierte Tunnel und bei Au­menau drei Brücken und weiter nach Arfurt hin durch den Schalsteinfclscn der fünfte Tunnel angelegt werden müssen. Von Villmar zieht die Bahn auf der rechten Seite bei günstigem Terrain an Runkel, Steeten, Dehrn und Dietkirchen vorbei nach Limburg, und weiter an Staffel (wo eine Brücke über die Elbe nöthig wird) und Aul vorbei nach Diez. Von Diez abwärts müß­ten gleich oberhalb Fachingen sowie auch unterhalb Fa- chingen Uebcrbrückungen der Lahn sowie auch die An­lage eines Tunnels stattfinden, und alsdann würde die Bahn bei Balduinstein anlangen. Unterhalb Balduinstein müßte jedoch zum Umgehen der großen

Biegung, welche hier die Lahn um den Cramberger Berg macht, eine Brücke und ein Tunnel angelegt werden, um alsdann auf günstigerem Terrain nach Laurenburg zu gelangen. Von Laurenburg bis Nassau bildet das Lahnthal ein enges Defile, und es ist hier nur mittelst langer und hoher Einschnitte in Fel­sen, eines Tunnels am HoUerich und einer Brücke über die Lahn möglich, nach Nassau zu gelangen.

Bon Nassau abwärts muß die Bahn wieder auf die linke Thalseite verlegt werden, und deßhalb gleich unterhalb Nassau ober der Schmivlay schon die elfte Ueberbrückung stattfinden. Die Bahn würde diese Rlch- tung bis nach Oberlahnstein einhalten, und von da mittelst der zwölften Uev.NENckung der Lahn an Horchheim, Pfaffenkorf vorbei nach Ehrenbreitstein und von da auf der rechten Rheinseite nach Deutz führen.

Die Hauptschwierigkeiten auf dieser Linie von Ehren­breitstein bis Deutz finden sich gleich unterhalb Ehren­breitstein, an dem sog. Hammerstein und vom Drachen­sels bis unterhalb Königswinter. Es würden hiernach bei dieser Eisenbahnanlage im Lahnthale an 9 blö 10 Tunnels von zusammen 12,000 Fuß Lange und 12 Brücken erforderlich sein, ohne der vielen Ein­schnitte, der Curven und wohl nöthigen Futtermauern, ohne der Dämme, namentlich im obern Lahnthal bei Gießen und Wetzlar zu gedenken.

Von der DlUbahn nach dem Siegthale, welche uns durchaus nicht im Interesse des Landes za liegen scheint, glauben wir füglich abstehen zu können, und bemerken wir nur, daß der Bahn sich, um vom sogen. Hückergrund in den Freiengrund zu gelangen, bedeutende Schwierig­keiten durch Anlage sehr langer Tunnels oder geneigte Ebenen entgegensteUen, ohne die Schwierigkeiten in dem Dillthale selbst weiter zu berühren.

Der Herr Correspoukei: von der Lahn wird nun aus der Vergleichung der verschiedenen Richtungen sich wohl am besten das Urtheil selbst bilden können, durch welche Richtung einer Eisenbahn unser zwar an Pro­dukten reiches, aber gleichwohl wegen der geringen Benutzung derselben doch armes Nassau den größten Bortheil erzielen wird. Auch wird derselbe zu der Ueberzeugung gelangen, daß selbst bei 'Erbauung einer Eisenbahn durch das Lahnthal diese letztre nur durch ihre Verbindung mit der Taunus-Eisen­bahn, und zwar durch das Aarthal nach Wiesbaden, von Gewinn für unser Land sein kann.

Berichte über die Wahle» nach Erfurt.

(Fortsetzung )

A Aus dem Amte Weilburg, 22. Januar. Die vorgestrige Wahl der Wahlmänner zum sogenannten Erfurter Volksause, zu Weilmünster, hat in vielfacher Beziehung ein sehr merkwürdiges Resultat geliefert. Die beiden ersten Wahlklassen haben nicht gewählt. Aus der ersten war nur Einer erschienen, welcher, ohne seine Stimme abzugeben, nach Hause ging. Aus der

Zweiten waren etwa 8 bis 12 gegenwärtig, welche sämmtlich erklärten, nicht wählen zu wollen. AuS der dritten, der eigentlichen Proletariatsklaffe, hatten sich nur acht eingesunken und zwar sämmtlich von den Abhängigsten allerBürgcrorvnungen, von den stuvir- ten Proletariern ein Oberförster, ein Geistlicher, ein Arzt und vier Elementarerer, zu welchen sich noch ein alter Bauersmann von Dietenhausen gesellt batte. Diese Wahlkörperschaft wählte nun gegen alle Discre- tion den nicht erschienenen, freisinnigen Hüttenbesitzer Buderus zu Audenschmiede, bei welchem sie sich ihren Dank zu holen haben. Die Wahl in dem Wahl- kreise Grävenwiesbach ist, wie man vernimmt, noch glänzender für die Demokratie ausgefallen, denn es hat sich kein Einziger gefunden, welcher die Bolkssouveräne- tât verläugnete. Einige waren zwar, trotz des unge­heuren Schnee's, erschienen, aber nur, um zu erklären, daß sie nicht wählten.

6 Merenberg, 24. Januar. Da über das Er­gebniß der am 20. d. M. in Mengerskirchen vollzo­genen Wahlmännerwahl bis jetzt öffentlich nichts ver­lautet hat, dasselbe aber zur Kenntniß veS Publikums zu kommen verdient, so theile ich Ihnen nachträglich mit, daß die Zahl der erschienenen Wähler etwa nur % der Wahlberechtigten des Bezirks betrug, (wovon nur 2 aus dem hiesigen Flecken- daß aber auch kiese wenigen Getreuen bis aus 16 erklärten:sie seien zwar gekommen; aber nicht um zu wählen." Fast merkwürdig dürfte es erscheinen, daß gerade in der 1. Klage, die doch bei Weitem am stärksten vertreten war, von den 54 Anwesenden nur Eiaer wählte und 53 erklärten:das Wählen sei unnöthig und ein Unsinn u. s. w." So haben wir denn also einen Wahlmann mit Einer Stimme für die 1. Klasse, einen mit 9 Stimmen für Ore 2. Klaffe und einen mit 3 Stimmen für die 3. Klasse und 2 S im men gingen verloren. Wer nun glaubt, die Nchtoethei- ligung an der Wahl sei nur Folge der Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit des Landvolkes, der irrt gewaltig; es ist vielmehr bittere Aosichtlichkeit.

K. Holzappel, 22. Januar. Am Sonntag hat­ten wir hier große Wahlschlacht! Aus der ersten Classe waren sieben Mann erschienen. Boran der edle Ober- schultheiß Bingel (nicht der Bürgermeister) und einige, die sich als Männer der ersten Classe wollten sehen lassen. Trotz ihrer Minorität, hatten sie die Stirne zu wählen, und zwar einen Abwesenden, den Bürgermeister Lotz von Scheid. (Ob dieser annehmen wird, habe ich nicht erfahren.) Die aus der zweiten Classe, die zwei Oberförster und einige Schulmeister, waren aber wenigstens so gesittet, nicht zu wählen und so sich der allgemeinen Ansicht unterzuordnen. In der dritten Classe erschien der Kirchenrechner, er wählte glücklicher Weise nicht. In der Kirche war vorher des Himmels Segen auf die Wahl herabgefleht worden. DaS hat sichtlich gewirkt, denn Alles ging in der größten Ord­nung vor sich.

Der Kindermord

Im Land Judäa herrschte HervdeS der Tyrann, Der, seinen Thron zu stärken, Oft Tag und Nächte sann.

Da ward ihm einst verkündet: Geboren ist der Held, Der von der Knechtschaft Ketten Erlösen wird die Welt."

Und zu den Waffenknechten Sprach er im Herrscherton: Haut nieder alle Kinder, Dem Herrn der Welt zum Hohn."--

In manchem schönen Lande, Herrscht Despotismus jetzt, Der jede freie Seele In die Verbannung hetzt.

Auf manchem Herrscherthront Er fich ganz ficher fühlt, Er weiß: eS sind oft Knechte, Die man für Männer hielt.

Doch blickt er auf die Jugend, Dann fällt ihm schaudernd ein, Daß unter diesen Kleinen Der Heiland könnte sein.

Drum spricht er zu den Diener», Die manVockSlehrer" heißt: Bemächtigt euch der Jugend Und tobtet ihren Geist.

Und jeder wackre Lehrer, Der dem Gebot nicht folgt, Der wird vom Despotismus Aufs Grimmigste verfolgt.

Doch, wie das ChristuSkindlein Der Mörderhand entging, Weil der allmächtige Himmel Beschützend eS umfing:

So wird, trotz Despotismus, Der Heiland uns erstehn, Den tausend edle Herzen Dom Himmel fich erfleh'n.

Fr. M.

Leben und Abenteuer des John Davy4.

von Alexander Du mal.

(Fortsetzung.)

Nun, so will ich mich bestreben, ihm za ver zeihen, nicht meinen Tod, dem vergebe ich ihm gern, sondern die Schande meiner Frau und das Elend meiner Kinder. Ich will mich bestreben ihm alles zu ver­zeihen. «

In diesem Augenblicke wurde der Schlüssel in dem Schlosse umgedrebet, die Thüre öffnete sich zum zweiten, male und der Capitain trat ein.

Wer ist hier?" fragte er.

Ich, Herr Slanbow," antwortete ich freudig, da ich alles von diesem unerwarteten Besuche hoffte; ich wollte Abschied von David nehmen."

Es folgte eine Pause, dann sprach der Capitain: ich komme, um Dich als Mensch nm Verzehung zu bitten, daß ich als Richter Dich verurtheilte; aber die Disciplin that an meiner Stelle diese strenge Pflicht. Ich konnte nicht anders handeln."

Ich wußte, was ich zn erwarten hatte, Herr Capitain; ich wollte den Tod geben und habe dafür den Tod verdient; freilich erhalten nicht alle Verbrecher der Art dieselbe Strafe."