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dic Vermuthung kommen: Preußen (um einmal bei dieser Bezeichnung zu bleiben) habe seine Propositionen an den eignen Landtag nur darum gestellt, um aus der verlorenen deutschen Sache von dem Erfurter Reichs- Inge und was darum und daran hängt, mit guter Manier loszukommen. Die Erfahrung wird bald leh­ren, ob diese Vermuthung eine unrichtige, oder ob sie vielmehr eine nothwendige, ane der Sachlage cntsprin- gende Schlußfolgerung ist. Einstweilen steht thatsäch­lich so viel fest, und die Erklärung der norddeutschen Gothaer Presie beweist es, daß die Sache des zukünf­tigen Erfurter Deutschlands durch die königliche Bot­schaft vom 8. Januar auch bei ihren besten Freunden einen tödtlichen Stoß erlitten hat. (Nat.-Ztg.)

Italien.

Venedig, 14 Jan. Es ist dieser Tage aus Wien der Befehl gekommen, die Piroguen so nennt man die kleinen zur Vertheidigung der Lagunen bestimmten Ruderboote auszurüsten. Dies wird sich wohl tbnn lassen, so weit die Ausrüstung im Arsenal da­runter verstanden wird; wo man aber die Bemannung vernehmen will, ist nicht abzusehen. Es waren die Italiener, welche bei der Revolution sich betheiligt hatten (und dies waren ?lUc), abgedankt worden , ohne dafür irgend einen Ersatz zu haben; denn die herzlose Politik Metternichs hatte die Flotte als ein italienisches Vermächtniß übernommen und fortgeführt. Konnte es anders sein, als daß der alte venetianische Geist darin zurückblieb und bei der ersten Gelegeuhett sein Eigenthum zurücknahm, welches er in den Hän­den Oesterreichs immer als einen Raub betrachtet hattet Die Marine allein war es, welche den Abfall Venedigs entschied. Oesterreich will jetzt seine Flotte reformiren und durch Einführung des deutschen Com- mando's nationalisiren. Allein das Uebel ist daß es keine deutschen, sondern nur slawische Matrosen (Dal­matiner und Jsiriâner) hat, welche von der Germa- nisirung so wenig wissen wollen, wie die Italiener. Mit der italienischen Sprache sind sie seit Jahrhun­derten vertraut; denn die Venctianer haben von den ältesten Zeiten her ihre Marine aus jenen Provinzen reerutirt. Dazu kommt, daß die Dalmatiner wegen schlechter Bezahlung sehr abgeneigt sind, in Kaiserliche Dienste zu treten. ' Selbst nicht einmal auf die öster- rcichischcn Kauffahrteischiffe lassen sie sich aus, demsel­ben Grunde gern anwerben, sondern suchen ihre Be­schäftigung lieber auf fremden, zumal russischen Schif­fen, wo sie wegen ihrer Tüchtigkeit gesucht und gut bezahlt werden. Admiral Dahlerup ist zwar ein ganz trefflicher Seemann, aber bereits alt, und vermag ge­gen den herkömmlichen Schlendrian um so weniger durchzudringen, als er von dem Kricgs-ministerium in Wien nur kärgliche Unterstützung erhält. Man hat auch dort glänzende Programme von Reformen ver­öffentlicht, die Ausführung ist man aber, gerade wie in anderen Zweigen der Staatsverwaltung, schuldig geblieben. Mag daher die deutsche Flotte sich auch in noch so traurigem Zustande befinden, die österreichische hat nicht Ursache, sich zu überheben. Sie genügt dermalen zu dem Polizeidienste längs der Küste, allen, falls zu einer Erpebition gegen griechische Piraten; aber in einem geregelten Kampfe würde sie die leichte Beute ihres Feindes werden, ohne daß dieses die eng­lische oder französische Flotte wäre. Venedig war nach der Kapitulation durchaus nicht schlecht gesinnt, und mit einiger Klugheit hätte Oesterreich festen Fuß da­selbst fassen können. Jetzt ist die Stimmung so schlecht, wie nur irgend in Mailand. Von einer politischen Administration ist keine Rede; man regiert von früh bis zum Abend und läßt die Dinge in der größten Unordnung und Verwilderung. Die ganze Thätigkeit der Regierung besteht darin, daß sic die Hand am Schwerte und die Kanonen schußfertig hält, und so­dann die KriegSstcucr eintreibt. Die Garnison Vene, digs, einbegriffen die Inseln, beträgt gegen 20,000 Mann, meist Böhmen und Croaten. Zwar wird der

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Belagerungs-Zustand, waS den geselligen Verkehr be­trifft, sehr milde gehandhabt, und der Gouverneur scheint das gewöhnliche Faschingsleben sogar octroyi- ren zu wollen; denn die Oper erhält 60,000 Lire Subvention, und auf dem Marcusplatze müssen täg­lich die Militärbanden spielen; aber es will nicht ge­hen. Die Nobili bleiben auf ihren Villen an der Brenta, in den Palästen am großen Canal öffnet sich kein Fenster. Der prachtvolle Saal der Fenice gleicht einer Caserne, und die neue Gasbeleuchtung trägt nur dazu bei, die schauerliche Ocve der Logen um fo mehr erkennen zu lassen. Das Erscheinen von Offi- cieren in einem Kaffeehause treibt alle Civilisten fort. Die Zuhörer der schönen Militärmusik sind lumpige Bettler, und Fremde wollen auch nicht kommen. Da­bei ein so strenger Winter, wie ja- seit langen Jahren hier unbekannt, mit Schneemassen, welche die Pm- zctta und Riva degli Schiavoni fußhoch bedecken. Dies ist das Bild des heurigen Carnevals von Venedig! (K. Z.)

Stepublrk Frankreich

Paris, 22. Jan. (Mainz Z.) Der gestrige Tag, der 57te Jahrestag der Hinrichtung Ludwigs XVl, war ganz ohne weitere Demonstrationen.

Die sechs Lyoner, welche wegen der Juni-Ereig­nisse verurteilt wurden, haben vom Cassatlonshofe die Ungültigkeitserklärung des Ausspruchs erlangt.

Außer den schon erwähnten republikanischen Jour­nalen sind auch dieRepublik" und derRational" in der 6icn Militärdivifion verboten.

Wir lesen in derAssemblee nationale": Den gan­zen Morgen waren diplomatische Couferenzen im Saale des Ministers des Auswärtigen.

Mehrere Legitimisten erklärten, daß sie, falls Louis Napoleon, nach der Bewilligung des Gesetzes gegen die Juni-Jüsurgenten, eine, wenn auch nur teilweise, Amnestie erließ, stets gegen ihn stimmen wurden

Afsisenverhalrdlttngerr zu Wiesbaden

Siebenter Proceß.

Anklage gegen Peter Kilb von Bechtheim meße n M ü n z v e r b r e ch e n e.

(Schlich)

^ Wiesbaden, 24. Januar. Nach dem Anklage- act und dem Verweisuugserkeuutmß ergibt sich fol­gendes :

Am 4. Septbr v, I. kam der Angeklagte nach Rüsselsheim im Großherzogthum Hessen, um Schweine zu kaufen. Mit Hülfe des Macklers Sei) tiger von da gelang es ihm 4 Verkäufer ausfindig zu machen. Bei dreien kaufte er jc zwei, bei einem drei Schweine. Er bezahlte theilweise mit Papier, Silbcrgcld und Gold. Drei erhielten je 2 holländische Fünfgulden­stücke , der vierte nahm solche jedoch nicht an. Die übrigen nahmen sie blos auf bringendes Zureden: Er zog nun mit seinen Schweinen auf den Markt nach Wiesbaden. Inzwischen wurde von einem der Ver­käufer das Gold für falsch befunden. Diese beschlossen daher, zusammen, hierher zu gehen, um Kilb arretiren zu lassen. Sie machten io fort dem Polizeisergeanten Höhn, dieser dem Kreisamt die Anzeige. Kilb war wirklich auf dem Markte und wurde hierauf sofort arrctirt. Bei der Visitation fand man bei ihm noch 29 falsche holländische Fünfgulvenstücke. Der Ange­klagte will indessen von diesem Gelbe nichts wissen, er gibt an, es müsse ihm, da er mit mehreren zusammen geschlafen und sein Kittel ihm verwechselt worden sei, entweder aus Versehen in seine Tasche gesteckt worden oder in dem fremden Kittel gewesen sein, oder die Polizcidiener hätten es ihm hineingcsteckt. Diese An­gabe ist aber unstreitig sehr mit den Haaren herbei­gezogen. Er wurde sofort dem Crimminalgcrichte über­liefert. Während der Untersuchung ergab sich, daß er auch im Sommer v. iJ. ein falsches Füufguldcnstück an die Wb. Kilmar in Gcröroth verausgabt hatte.

Dieses, wie die sechs übrigen und die ihm abgenom- mencu sind aus einer Fabrik nach dem Zeugniß des Harrn Münzmeisters Zoll mann. Die Zeugenver- hörc bestätigen so ziemlich das schon bekannte. Hatte der Staatsanwalt vor dem Zeugenverhöre schon kurz die Anklage begründet und namentlich hcrvorgchobcn, wie sehr dieses Geschäft mit falschem Geld in neuerer Zeit getrieben werde; daß man selten den Falschmün­zern selbst, sondern immer nur ihren Helfershelfern auf die Spur komme, diese aber eben so gefährlich seien, als die Hauptthäter selbst und deshalb ihnen nachgespürt und zur Strafe gezogen werden müßten, so geht er nun noch näher auf die Einzelheiten über und rccapitulirt auf das Strengste alles Verdäch­tige und Erwiesene. Der Vertheidiger Hr. Procu- rator Lang hebt hervor wie man nichts nach Mu th­ue a ß u n g e 11 und Verdacht s g r ü ndcn, sondern nur nach Thatsachen und Beweisen entscheiden dürfe. In der vorliegenden Sache sei sehr wenig erwiesen. Es sei zwar richtig, daß der Angeklagte falsches Gold angegeben hab, erwiesen sei aber nicht, daß er ge­wußt habe, daß es falsch fei; erwiesen sei ferner nicht, woher er das Gold erhalten habe. Und doch sei die Anklage auf Verbindung mit Falschmünzern und auf den Umstand, daß der Angeklagte gewußt habe, daß das Gold falsch sei, gerichtet. Verdachtsgründe dürf­ten hier durchaus nicht maßgebend sein. Bei dreien sei die Verausgabung erwiesen, bei dem vierten aber nicht, ob das angeboteiie Gnld falsch gewesen sei; die Verausgabung falschen Goldes bei Wb. Kilmar nicht genau erwiesen. Wenn er den Leuten das Agio hervorgehoben habe, so sei dies richtig gewesen, das habe damals darauf gestanden. Was der Angeklagte über die Visitation angebe, das könne richtig sein, das Gegentheil sei ihm auch hier nicht erwiesen. Was die gewerbsmäßige Verausgabung betreffe, so sei diese im vorliegenden Falle nicht vorhanden und auch nicht erwiesen. Der Angeklagte habe 14 Tage früher Gold auf dem Markte eingenommen, und es so auch wieder ausgegeben; ob es falsch gewesen sei, das habe er ja gar nicht gewußt. Die Zeugen Koch und Mayer hätten ihm die besten Zeugnisse gegeben und hielten ihn durchaus nicht des Verbrechens fähig, dessen er hier angerlagt szi. Er beantrage deshalb das Nicht- schuldig. Der Staatsanwalt replicirt hierauf, daß die Umstände der That aus den Zeugnissen zu fol­gern seien, die böse Absicht des Angeklagten sei zwar nicht erwiesen, sie gehe aber aus Allem hervor. Der Angeklagte habe das Golo an sich gebracht, um es zu verbreiten, er müsse mit Falschmünzern in Ver­bindung gestanden haben rc.

Nicht allein die Beweise, sondern auch die auS sol­chen sich bildende Ueberzeugung müßten maßgebend sein. Nachdem der Vertheidiger hierauf noch kurz er­widert und der Präsident sein Stefanie beendet hat, werden den Geschwornen drei Fragen vorgelegt. In der ersten ist die Verbindung mit Falschmünzern und die gewerbsmäßige Verausgabung; in der zweiten nur die Geberbsmäßigkeit der Verausgabung, wissend, daß das Gold falsch gewesen sei, vorausgesetzt; in der dritteu aber von der Gewerbsmäßigkeit abgesehen.

D i e G es ch w o r e n e n b c a ntworteten die erste Frage mitJa" und der Angeklagte wird deß­halb, trotz der hervorgehobenen Milderungsgründe des Vertheidigers zu fünf Jahren Zuchthaus, in die Un- tersuchungskostcn und zur Entschädigung der Betroge­nen (Wittwe Kilmar, die übrigen find bereits ent­schädigt worden) verurteilt.

Druckfehler-Berichtigung.

In der gestrigen Stummer der Freien Zeitung, auf der dritten Eolumuc, in dem Artikel Berlin, 20. Jan., Zeile 31 von unten, muß statt 250,000 blos 25,000 Mann gelesen werden.

Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.

Bekanntmachungen.

(69) Nachdem mir Herr Dickson sen. durch zwei glaubhafte und ehrenwerthe Männer die Erklärung hat zukommen lassen, daß das hier und da verbreitete Gerücht, als habe er irgend Jemanden Nachtheiliges über mich erzählt, namentlich mich eines feigen Betragens beschuldigt oder überhaupt meine Ehrenhaftigkeit angetastet, auf Uuwahrheiten beruhe, so sehe ich mich veranlaßt, meine be.eidigenden Erklärungen gegen Hrn. Thomas Dickson zurückMehmen.

Wiesbaden, den 25. Januar 1850.

W. EZrewer.

(70) Auf der: Grund vorstehender Erklärung sehe auch ich mich ver­anlaßt, meine Beleidigungen gegen Hrn. W. Brewer zurückzunehmcn. Wiesbaden, den 25. Januar 1850.

^hottuis ific&son»

(62) Sonntag, ten 27. Januar, Morgens halb 10 Uhr, findet der erste Gottesdieust der freien christlichen Gemeinde von MoSbach- Biebrich statt und wird derselbe durch den Prediger der deutschkatholifcheu Ge­meinde zu Wiesbaden, Herrn Graf, geleitet werden.

Die Vorsteher der freien christlichen Gemeinde Mosbach-Biebrich.

~ FreichristUche (vcutschkacholifche) Kirchennachrichten.

(66) Da Herr Pfarrer Graf nächsten Sonntag, den 27. Januar, der freien Gemeinde zu Mosbach den ersten Gottesdienst abhält, bleibt derselbe hier ausgesetzt.

Wiesbaden, den 28. Jan. 1850. Der Vorstand.

(67) Nachdem die iu Wen Blättern zur Sprache gekouuneue Ange­legenheit zwischen mir und Herrn Th. Dickson ihre' vollständige Er­ledigung gefunden hat, halte ich es nicht mehr für nöthig, die Zeugnisse der Herrn Wissel und Zimmermann einer Critik zu unterwerfen.

Wiesbaden, den 25. Januar 1850.

W. Eèwwer.

I GROSSER MASKH-BALL 8

D zum Besten der Wittwen und Waisen des Orchesterpensionfonds E W mit verstärktem Orchester, Sonntag den 3. Kebrnar d. 3. im M M Gasthaus zu den " DU M Vier Jahreszeiten. M

E BilletS zum Subskriptionspreiß für Herrn a 36 fr., für Damen W

M ü 24 kr. sind von Montag, den 28. Januar an in der L. Schellen- W M bc rg'schen Hofbuchhandlung, in der H. W. R i t tcr'schen Buchhandlung A und bei Herrn Kaufmann I. W. Kaeiebicr in ha hm '

(59) Tauinlsstraße Nr. 32

ist der zweite Stück, bestehend eins Ü Piepe», Küche, Dachkammern :c. auf den 1. April d. I, sowie die Parterre-Wohnung gleich oder auch später zu vermieiheii.

Theater zu Wiesbaden.

S a m st a g, Den 26. Jau. StraL bürg, oder Eine deutsche Stadt Volksdraina in 5 Aufzügen von T H. Schmidt.

Druck und Verlag der 6, Ritter'schen Buchdruckern.