Wahl in dem Urwahlbezirk Dillenburg-Sech s- Helden mit — Es waren: 1) in Dillenburg 458 Urwähler, davon sind erschienen 48 Mann, also auS- gebliebe» 310 Mann. — 2) in Sechshelden 99 Urwähler, wovon keiner erschienen. — Im Ganzen waren also 557 Stimmberechtigte, wovon 48 erschienen und 509 anegeblieben sind. - Das Verhältniß der einzelnen Klassen stellt sich so heraus: In der 1. Kl. von 53 Stimmberechtigten erschienen 20, blieben aus 33; in der II. Kl. von 132 Stimmbcr. erschienen 9,
blieben ans 123; in der III Kl. von 372 Stimmber. erschienen 19, blieben ans 509. — Im Einzelnen ha- ben gewählt und sind gewählt worden:
Erste Klasse:
Namen des Urwählers. Namen des Gewählten t. Hofg -Director Ebhardt Kaufmann Zinko.
2 Oberforstrath Genth „
3. Hofgerichts rath Wenkenbach „
4. Criminalrath Schlosser „
5. Hofgerichtsrath Langhans „
6. Hofg.-Rath v. Brenschen „
7. Staatsproknrator Lautz
8. Hofrath Schmidtborn
9. Prokurator Schenck
10. Philipp Geißc
II. Wilh. E. Haas sen.
12. Jacob Schmidt lr.
13. Ludwig Brabm
14. Friedrich Decker
15. Zinko
16. Friedrich Reinhardt
17. W. Dürbeck
48. Ludwig HaaS
19. F. HaaS
20. Wilh. Ernst Haas jun.
Zweite
1. Prokurator Keller
2. Stenercommissär Kaiser
3. Criminalrichter Grimm
4. Berggeschworn Vietor
5. Subsistut Giese
6. Hauptm. v. Bierbrauer
7. L Meyer
8. W. Weber lr. und 9. W.
Dritte Klasse.
ff ff ff ff Friedr. Reinhardt. Dr. Haas. Friedr. Reinhardt. Zinko.
Friedr. Reinhardt.
Dr. Haas.
Friedr. Reinhardt.
Dr. Haas.
Friedr. Reinhardt. Zinko.
ässe.
Berggeschworn. Vietor
ff
ff
L. Mayer.
Berggeschworn. Victor
ff
ff eber 2r. „
In derselben wählte Accessist Dr. Haas den Scri- benten Müller und fielen außerdem die übrigen 18 Stimmen: 1) von Accessist Grimm, 2) Accessist Schröder, 3) Accessist Schlosser, 4) AccessistEbhardt, 5) Pedell Weber, 6) Pedell Müller, 7) Amtsdiener Bender, 8) Gerichtsvollz. Gilles, 9) Feldw. Schmidt, 10) Schreiber Müller, 11) Canzlift Grüter, 12) Steuercommissairs- Gehilfe Müller, 13) Receptursekr. Geis, 14) Geometer Kunz, 15) Gardist Göbel, 16) Sattler Eckhart, 17) F. Weckert und 18 G. Jüngst — — auf Dr. Haas.
Demnach haben also 28 vom Staat Besoldete und
von der gesammten Bürgerschaft nur 20 gewählt. — Von der Geistlichkeit beider Confessionen und von sämmtlichen Lehrern der Volksschule und des Pädagogiums wählte — Niemand. Von den Mitgliedern des Hof- gerichts wählte — nur die Minorität. Von den Angestellten des Justizamts wählte — ein Accessist. — Die Thatsachen reden.
— Dou der US. DaS Volk hat geredet: still und lautlos hat es seinen Willen, seine Ideen bekundet. Das Volk hat seine Ideen der Oeffentlichkeit übergeben; deutlicher und klarer, als die Schelle des weiland großen Präsidenten der Paulskirche, deutlicher und klarer, als alle Weisheit der Professoren und Doktoren von hoher, geschmückter Tribüne; deutlicher und klarer, als die Baßstimme unsers edlen Nachbarn-Geistlichen, hat das Volk bekundet, was es will und was es nicht will. Das Volk am nördlichen Taunus hat geredet, trotz alledem und alledem, wie der blonde Jakobus sagt; trotz all den kühnen Griffen, welche von verschiedenen Seiten her in Anwendung gebracht wurden, trotz dem, daß die Gemeindcdicner von Haus zu Haus die Bürger speciell zur Urwahl für's Festungs- Parlament einluden, trotz alledem hat sich das Volk an den Wahlen nicht betheiligt- Im Wahlbezirk Wehrheim haben von ohngcfähr 900 Wahlberechtigten 52, nämlich Dr Klasse 16, 2te 10 und 3te 26 Mann. — Im Wahlbezirk Ansbach von ohngefähr 11 1200 Wahlberechtigten Niemand. — Im Wahlbezirk Grävenwiesbach und Merzhausen, ein jeder mit gegen 1000 Wahlberechtigten, Niemand. Im Wahlbezirk Usingen und Nod an der Weil, mit gleicher Zahl Wahlberichtigten mit obigen Wahlbezirken, haben nicht 100 gewählt, und die gewählt haben, sind meistenteils vom Volke bezahlte Staatsdiener. DaS Volk hat geredet, gehandelt, tn« dem es nichts that und stille schwieg.
Z. Usingen, 22. Januar. Es ist Ihnen wohl nicht uninteressant, zu erfahren, wie die Wahlen zum Erfurter Tanze hier ausgefallen sind, hier 'in einem Lande, von dem die Sage geht, daß blos Buchfinken hier zwitscherten und K a m maschen fichtbar würden. So hören Sie. — Von beinahe 670 Urwählern aus 3 Gemeinden, Wernborn, Cransberg und Usingen waren 34 festlich geschmückt erschienen, und als die Glocke das Zeichen gab, eröffnete Dekan Senft von hier in christlicher Duldung den Reigen. Ihm folgte Amtsverwalter Vonhausen, der sich jedoch seiner Stimme bei dem Wählen enthielt. Von dem übrigen Gefolge kann ich blos noch folgende Personen von
Distinction nennen: 2 Lehrer, ein Bürgermeister (von , Wernborn) und ein Chansseewärter; — die übrigen ! waren Bürger, und zwar 3 aus Wernborn und 25 aus Usingen, die Wahl ging vor sich, und ist noch ziemlich gut ausgefallen. Es wurde gewählt, der oben angeführte geistliche Herr, Rathskassirer Kulmeyer und Postgalter Eckher.
□ Diez. Resultat der Wahlen nach Erfurt: 1. Klasse Lehrer Mayer, von Heistenbach; 2. Klasse: Hofrath Vogler; 3. Klasse: Bayer von Oranienstein. Theilnahme sehr gering; in der 1. Klasse von 40 circa 10; 2 Klaffe von 80 circa 30; 3. Klaffe von 200 circa 50—60.
K. Hofheim, 22. Januar- Die Wahlen fielen hier so aus, wie man es, in Anbetracht der vielen demokratischen Elemente in hiesiger Gegend, erwarten mußte. Von 482 Wähler aus den Orten: Hofheim, Kriftel und Münster haben nur 28 gewählt, nämlich von hier 8, von Kriftel 16 und von Münster 4. Die 16 Kriftler Wähler sind gute Pfarrkinder und Anhänger deS vormärzlichen Schultheißen, mit welchem sic auch zur Wahl kamen. Von der 3. Wählerklaffe waren aus 361 nur 8 erschienen, und zwar 2 von hier: Dr. Großmann und Bader Wenz; 5 von Kriftel und 1 von Münster. Von 91 Urwählern der 2. Klasse hatten sich 13 betheiligt und von 30 der 1. Klasse nur 7 Bürgermeister, Weinbach von Kriftel hat nicht gewählt, nicht so that aber unser Bürgermeister Wöllstadt.
Im benachbarten Hattersheim, wohin die Bürger- aus Ober- und Untcr-Licderbach, Sindlingen und O- Kriftel zur Wahl kommen sollten, haben sich die beiden Liederbache sehr stark preußisch gezeigt, weil ihnen mit preußischer Einquartirung im Falle des Nicht- wählens Angst gemacht worden sein soll. Bürgermstr. Ziegler von Hattersheim hat sich bei der Wahl bc- thciligt.
Allgemein fällt es auf, daß die katholischen Geistlichen aus hiesiger Gegend, obschon sie das Wählen durch ihren Einfluß zu unterstützen suchten, doch sich selbst ferne davon hielten. In den Gemeinden haben die Wahlen zum Festungsparlament zum Theil große Uneinigkeit gesät, indem die Bürger mit ihren Bürgermeistern , die durch ihre Betheiligung an der Wahl eine der großen Majorität ihrer Mitbürger entgegengesetzte politische Ansicht an den Tag legten, sehr unzufrieden sind.
^ Weilburg, 23. Januar. Die Berichte über die Wahl zum sogenannten Erfurter Reichstage von Hier und Löhnberg werden Ihnen bereits schon unterm 20. d. M. zngekommcn sein. Zur Fortsetzung kann ich Ihnen noch melden, daß in Odertieseuhâch zusammen 15 Wähler gewählt und auch richtig ihre Caiidi- däten durchgebracht haben. In Dridorf, wo 11 Ortschaften wählen sollten, sind 4 Wähler zusammengekommen und haben nicht gewählt. In Weilmünster kamen 11 Wähler zusammen und wählte». In Weinbach hat sich das für Erfurt vielleicht im ganzen Lande günstigste Resultat ergeben: cs haben nämlich daselbst von 575 Wahlberechtigten im Ganzen 180 gewählt; es würde sich auch da ein anderes Resultat Herausge- steUt haben, wenn nicht der Bürgermeister von Cubach bei Androhung der gesetzlichen Strafe dazu aufgefordert hätte, wie aüf's Bestimmteste mir versichert worden ist. Auch in Mengerskirchen sollen nur Wenige gewählt haben.
0 Oberursel, 22. Januar. Wenn man auch schon früher der Wahl nach Erfurt ein schlechtes Prognostikon in hiesigem Wahlbezirk gestellt, so hatte sich doch wohl Niemand träumen lassen, daß ein Erfurter Kränzchen hier so wenig Sympathie erweckte. Nachdem vorher die projektirte Wahl dreimal durch die Schelle angekündigt, wurde endlich am verflossenen Sonntag znr That geschritten. Herr Bürgermeister Kunz las vorschriftsgemäß die betreffenden Gesetzesparagraphen im Nathhaussaale vor und forderte darauf dreimal die aus etwa 30 Personen bestehende Versammlung im Namen des Gesetzes auf, zur Wahl eines Ausschusses und der Urkundspersonen zu schreiten; — allein vergeblich; die Menge sah sich einander an, zerstreute sich unter Lachen, und überließ es den beiden allein übrigbleibenden Bürgermeistern von Oberursel und Bommersheim, Betrachtungen über ein Erfurter Kränzchen oder Putschmännchen (vielleicht besser) anzustellen. Desto größere Theilnahme fand dagegen eine an demselben Tage veranstaltete Abendunterhaltung im Gast- Hose zum Bären. Man sah in dem dazu schön verzierten Daale unter anderen Decorationen die Grundrechte des deutschen Volks in Goldschrift, illuminirt und sehr sinnig mit zwei sich kreuzenden Schwertern und frischem Tannenreisig verziert, prangen. So einfach auch das Ganze, so verfehlte es doch" nicht in einer so reaktionären Zeit seinen Eindruck zu machen. Das glanzende Licht in frischem Grün , die goldene Schrift ans blinkenden Schwertern ruhend, mußte vielmehr den Eintretenden zu dem Gedanken führen, daß die ewigen Menschenrechte, trotz aller Octroyirungspläne und Sonderkränzchen sich weder wegdiplomatisiren noch I mit Pickelhauben zudecken lassen.
Die Mitglieder des Gesangvereins und der Abend- j schule des Herrn Henninger unterhielten die sehr zahlreiche Gesellschaft abwechselnd mit passenden Liedern und Deklamationen, dabei wurde nicht vergessen, in den Zwischenpausen die Beine nach dem Takte der Musik in Bewegung zu setzen. Den Schluß bildete eine sehr gelungene humoristische Vorlesung des Herrn
Henninger über „die Sepp'schen Lampen" (Sepp- sche Lampen, die Erfindung eines hiesigen sehr genialen Meisters, dürften bei der nächsten Nassauischen Gewerbe- Ausstellung eine der ersten Stellen einnehmen, indem sie bis dahin mehr wie alle anderen zur Lichtverbreitung Oberursels beigetragen haben), welche uns treffende Wahrheiten in witziger Form vorführte. Als Deklamatoren traten auf: die Herren Schmitt, Herzfeld, Brenner, Brands, Stempel, G. Burckhardt, Halm, Schuckart und A. Burckhardt II.; sämmtliche Redner ärndeten den ungeteiltesten Beifall, und wir können einem so uneigennützigen edlen Bestreben dieser jungen Männer nach Bildung nur den gedeihlichsten Fortgang wünschen.
Möchten doch die, welche unter Volksbildung Umsturz und Verderben wittern wollen, zugegen gewesen sein, sie hätten sich überzeugen können, wie hier bei Anwesenheit aller Confessionen und bei verschiedenen politischen Meinungen die größte Eintracht herrschte, und wie es hier Niemand versuchte, dem Geiste der Wahrheit einen Kappzaum anznschnallen.
Nachdem der politischen Flüchtlinge mit einem Scherflein gedacht worden, schied die ganze Gesellschaft vergnügt, und Referent harte während des ganzen Abend keine Gelegenheit zu bemerken, daß Jemand ob seines Nichtwählens nach Erfurt Reue verspürt habe.
□ Dotzheim, 20. Januar. Heute sollte dahier die Wahl für Erfurt stattfinden und waren hierzu die wahlberechtigten Bürger der Gemeinden Schierstein, Görgen born und Dotzheim eingeladen. Da jedoch die Bewohner dieser Orte für den Erfurter Verein durchaus keine Sympathieen haben, so kam hier keine Wahl zu Stande.
§§. Niederlahnstein, 23. Januar. In Betreff der Wahl zum sogenannten Volkshause nach Erfurt, hatte sich der hiesige Gemeiuderath im Anfänge dieses Monats mit einem Vortrage folgenden Inhalts an die Landesregierung gewendet:
„Durch einen Erlaß des hiesigen Kreisaintes zu Nassau vom 3. Dezember ist den Gemeinderäthen des Kreisbezirks der Auftrag ertheilt worden, unter Mittheilung eines Auszugs der inmittelst erschienenen Verordnung über die Wahlen zum Volkshause zu Erfurt, die Ortswahllisten zu den Wahlen der Wahlmänner unverzüglich aufzustellen; wir sind dieser Auflage willig nachgekommen, haben die Wahllisten zur bestimmten Zeit ausgestellt, und liegen dieselben v. 21. Dezember ab, zu jedermanns Einsicht offen."
„Wir haben uns also für diese Wahl thätig bezeigt."
„Nach weiterer Ueberlegung haben sich aber uns solche Bedenken entgegengestellt, daß wir uns dieser Thätigkeit ohne Weiteres nicht länger unterziehen zn können glauben, erlauben uns dieselben h. Landes- Regierung vorzutragen und um Belehrung zu bitten."
„Durch das Reichsgesctzblatt v. 28. April v. J. ist die Verfassung des deutschen Reichs für das Her- zogthum Nassau zum Gesetz erhoben und von sämmtlichen Staatsdienern und der Volks wehr beschworen worden. Der größte Theil der Unterzeichneten gehört der^ letzter» a» und hat den Eid nach §. 193 dieses Gesetzes geleistet. Dieses Reichsgesetz aber steht dem hier fraglichen Wahlgesetz offen und unverkennbar entgegen; ob,chon nun jenes nicht von allen doutschen Staaten anerkannt und d-lher nicht faktisch ins Leben getreten ist, so haben sich uns dennoch folgende Fragen cntgegengkstellt, die wir uns nicht so beantworten können, daß wir uns bei diesem Wahlgesetz weiter be- thätigen können, bis uns diese Frage so gelöst worden, day sich unsere Gewissen nach unsrer Ueberzeugung damit beruhigen können. 9
1) Sind wir von unserm Eide von selbst dadurch entbunden, daß die zum Gesetz erhobene, von uns bc- schworne Reichsverfassung bis jetzt ohne unser Verschulde» nicht ins Leben getreten ist?
2) Wenn dieses nicht, müssen wir nicht von diesem Elve förmlich entbunden werden, bevor wir uns irgend nner Handlung unterziehen können, die dieser beschworne Reichsverfassung offenbar widerspricht!?
3) ^ann uns die Staatsregierung oder nur die dieses Relchsge,etz rechtsgültig beschlossen habende National Versammlung von diesem Eide rntbinden?
Wir halten die Lösung dieser Fragen um so mehr im abgememen Interesse für nöthig, wenn die Heiligkeit des Eides nicht für illusorisch gehalten, oder gar jum Spielwerk herabsinken soll, und bitten, uns hierüber baldgefällige Belehrung bei den so nah bevorstehenden Wahlen zn ertheilen."
Bis heute wurde unserm Gemeinderathe auf diese Anfragen keine Antwort zu Theil?! vom Kreisam e wuden aber die Wahllisten zugesendet.
Aus der unterbliebenen Antwort der Staatsbehörde der Gemeiuderath einstimmig, daß Letztere der Ansicht desselben nicht entgegen sei und enthielt sich daher der Abstimmung.
Bei der am 20. b. M. vorgenommenen Wahl wählten: aus der ersten Classe: Niemand. Aus der zweiten Classe: Zollinspektor Olfen ins, Balthes Wambach und Mathias Elbert. Beide letztere aber aus Mißverständniß, weil bei den neulich stattgefundenen Ersatzwahlen zum Bürgeransschuß Straf- welche wie sie glaubten, auch auf diesen Akt Anwendung finden könnten. Aus der bn Glasse: Vr Kissel, welcher, beiläufig gesagt, E vec floffenen Jahre eine Zeitlang die Stelle eines Vorsitzenden,m hiesigen demokr. Vere.N begleiet hatte. Im benachbarten Oberlahnstein wählte Niemand.