rett Ztilung.
„jFretfictf und Recht!"
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Wiesbaden. Samstag, 26. Januar
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Die Eisenbahnfrage für Nassau.
IV. Artikel.
II. Wiesbaden, im Jan. Den uns in No. 12 d. Bl. von dem Correspondenten „VMK Von der Lahn" hin- geworfenen Handschuh über diesen Gegenstand heben wir mit Vergnügen aus und wollen, obwohl der geehrte Cor- respondent uns in keiner Weise wiederlegt hat, sondern sich nur in allgemeinen Sätzen bewegt, seine ausgestellten Behauptungen etwas näher beleuchten, sowie aber auch gleichzeitig die Richtung der Eisenbahn durch das Lahnthal und die der Ausführung sich darbietenden Lokalschwie- rigkeiten — was wir in unserm II. Artikel absichtlich unterließen — zur Vergleichung mit den andern Richtungen durch unser Land, anführen. Vorerst müssen wir jedoch bemerken, würde der vereheliche Correspon- dcnt die in Num. 1, 4 und 5 dieser Blätter enthaltenen Artikel über diese Frage gehörig aufgefaßt haben, so würde er sich überzeugt haben, daß wir nur die Wichtigkeit des Objektes selbst im Auge hatten, sowie überhaupt nur auf die möglichen Eisenbahnrichtungen durch unser Land aufmerksam machen wollten, uns speziell aber für keine der bezeichneten Richtung damals ausgesprochen haben.
Wenn weiter der Herr Korrespondent von der Lahn anführt, wir hätten He Behauptung ausgestellt, eine Eisenbahn längs der Lahn sei nicht gut denkbar, so müssen wir ihn der unrichtigen Abfassung besichtigen — weil wir im zweiten Artikel nur bemerkt haben, eine Eisenbahn bis zur hessischen Grenze, also ohne Verbindung mit der Main-Weserbahn sei nicht gut denkbar — nachdem wir zuvor auf He Schwierigkeiten zur Erlangung einer Concession auf hessischem Gebiete aufmerksam gemacht hatten. Was letztere betrifft, so sind dieselben durchaus nicht so leicht zu beseitigen und der Verfasser des Artikels YMK. wird sich bei einem Versuche sehr leicht von der Richtigkeit unserer Behauptung überzeugen; wir bemerken demselben jedoch vorübergehend, daß die berührten Schwierigkeiten sich schon der. früher projektirten Lahnbahn entgegen stellten, als die Mam-Wescrbahn selbst noch ein Projekt war und die Vorarbeiten erst begonnen hatten. —
Der vereheliche Korrespondent will aber wie wir aus seinen Artikeln in Nro. 12 dieser Zeitung und Nro. 6 der „Nassauischen Allgemeinen" entnehmen, nur eine Eisenbahn von Gießen bis Eoblen; und hauptsächlich nur für leichtern und schnellern Transport der inländischen Rohprodukte nach dem Rheine, ohne hierbei auf die weit herkommenden Gütertransporte, so wie auch eine Verbindung resp. Fortsetzung der projektirten Lahnbahn bis Köln einen besondern Werth zu legen.
Hierauf können wir nur kurz erwiedern, daß eine Eisenbahn blos von Gießen bis Koblcn; duf ch das Lahnthal, bei den außerordentlichen Schwierigkeiten, und dadurch sich ergebenden Kosten eine wahre Chimäre ist, da die Einnahmen kaum die Betriebskosten decken würden, und von Zinsen für das Anlage-
kvpital kaum die Rede sein kann. Eine Eisenbahn durch unser Land kann, wie wir auch schon früher erwähnt haben, nur dann sich vollständig rentiren, und hat nur dann einen Werth für dasselbe, wenn die Eisenbahn die Verbindung zwischen der Köln-Mindener und Tanns-Eisenbahn und zwar bei Wiesbaden Herftellt. Denn nur diese Verbindungsbahn ist das in dem deutschen Eisenbahnnetze fehlende Glied, während dies durch die Lahn-Eisenbahn, ohne Verbindung mit der Tanns-Eisenbahn, auf keine Weise erreicht wird, da die Lahnbahn, auch selbst von Köln nach Gießen, mit der Köln-Mindener und Hamm-Paderborn-Cas- seler-Bahn in entgegengesetzten, wohl etwas kürzern Längen, auf einen Punkt (nach Kassel) hinsteuert, also eine Verbindung blos mit dem Mittelrhein und resp. | Unterrhein herstellt, welche letztere schon besteht. Gies- j sen und Koblenz sind weder Handels- noch Stapel« । Plätze, deren Verbindung durch eine _ so kostbare : Eisenbahn (die nur unter den Lerhältnigen, wie sie | der Herr Korrespondent von der Lahn angibt, eine ; Lokalbahn abgebcn würde) nöthig wäre. Unsere Rohprodukte können auf der Köln-Wieöbadcner-Bahn aber i eben so gut, ja noch mehr und besser, wie bei der Lahnbahn abgesetzt und nach den Richtungen gebracht werden, wo sie am meisten verarbeitet werdest. Beyer wäre es jedoch, wenn der Herr Verfasser des Artikels von der Lahn dahin sein Bestreben'richten würde, daß die Rohprodukte unseres Landes so viel wie möglich im Lande selbst verarbeitet wurden, und wir nicht nöthig hätten, dieselben so schnell außer Land zu schaffen und verarbeitet im 70fachen und noch theuern Werthe ■ wieder zu beziehen. Wie schon bemerkt, wird durch die Lahnbahu nur die einzige Verbindung mit dem Mittelrheine bewirkt: wie ganz anders sind aber die Verhältnisse bei der Köln-Wiesbadener Bahn.
Durch die Verbindung der Köln-Mindener mit der Taunus Eisenbahn, durch die Kojn-Wicsbakener-Bahn : würde das fehlende Stück in den Hauptgüterzügen durch Deutschland und zwar auf dem kürzesten Wege hcrgestcUt.
Wir lassen hier kurz die dadurch bewirkten Verbindungen folgen: von Köln nach Frankfurt — durch die projektirte Köln-Wiesbadener und Taunus-Eisenbahn; von Frankfurt nach Leipzig — durch die Main-Eisenbahn über Hanau, Aschaffenburg, Gemünden, Würzburg, Schweinfurt nach Bamberg und von da über Hof durch die baierische Nordbahn nach Leipzigs oder auch durch die Main-Weserbahn (wenngleich auf etwas längerem WegeMberKassel und mit der Thüringer Bahn nach Leipzig; von Kagel weiter über Paderborn, Bielefeld nach Bremen, Hannover, Braunschweig, Ham- i bürg, Rendsburg und Kiel (Schleswig-Holstein); von i Leipzig über Wittenberg, Jüterbogk nach Berlin und ! Stettin (Ostsee); sodann von Leipzig nach Dresden, ! Breslau und weiter nach dem Norden, sowie von | Dresden über Prag nach Wien und Triest (nach dem adriatischen Meer und der Levante); ferner von Frank
furt durch die Main-Neckarbahn nach Frankreich und der Schweiz, sowie durch die Neckarbahn über Heilbronn nach Stuttgart und dem Bodensee. Weiter würde durch die Main- und bayerische Nordbahn die Verbindung mit Nürnberg, Augsburg, München und Salzburg einerseits, und andererseits über Memmingen nach dem Bodensee und westlichen Tyrol, sowie für die von Osten nach Westen und Süden nach Nordwesten (Der Nordsee, nördlichen Frankreich) gehenden Züge, die Verbin, dung mittelst einer Eisenbahn von Wiesbaden bis Köln durch die Köln-Aachener, die belgischen und holländischen Bahnen vollständig hergestellt.
Ferner sönnen wir hier nicht mit Stillschwei. gen übergehen, daß durch die Herstellung dieser Enen- bahn es leicht möglich wird, daß d-e für Die mer an- tilischt Welt so wichtige ostindische Ueberlandspost für Deutichland gewonnen werde, worauf der erst vor kurzem verstorbene Lieutenant Wag y or n und der jetzige Erminister von Schwarzer, letzterer im Namen des österreichischen Lloyd, so viel Gdlb verwendeten. Frankreich setzte bekanntlich Tausende daran, um den Lauf dieser Post durch Deutschland zn verhindern.
(Fortsetzung folgt.)
Berichte über die Wahlen nach Erfurt. (Fortsetzung )
R. Braubach, 20. Jan. Meine zufällige Anwesenheit ^dahier benütze ich, um Ihnen das Ergebniß der hiesigen Wahl mitzutheilen. Nachmittags sagte mir mein Wirth, daß heute die Urwahlen ins deutsche Volkshaus stattgefunven, und daß von 54 Urwählern erster Klasse 3 erschienen und den Hrn. Justizrath Freudenberg mit Majorität gewählt hätten; daß von 110 Ur» Wählern zweiter Klage Emer erschienen und daß von Bleien Hr. Landoberzchultheiß Dombois mit Stimmen« einhelligkeit gewählt worden; daß endlich von 341 Urwählern dritter Klasse 8 erschienen, welche Hrn. Decan Dombois mit großer Majorität gewacht yatte-t. — Wüßten Sie — fuhr er fort — welche Mühe sich ge- wisse Herrn gegeben, um das wahlscheue Volk für das Wählen zu stiinlnen, wie fein sie manöverirten, um die Majorität^für ihre Candivaten zu erlangen, dann erst könnten eie den Sieg ber Demokratie vollständig begreifen. — Abends versicherte man mich, der Herr Dekan sei gesonnen, sein Mandat als mit seinen Grund- fä^en nicht verträglich aus einen andern zu übertragen.
511 Oherlahnstein erschienen die Wähler in Masse, verschwanden aber während der Vorbereitung gänzlich, jo daß bei der Wahl nur der Herr Bürgermeister allein übrig war. — In Niederlahnstein wählten die Wähler der ersten Klasse nicht —sieht die Aristokratie jetzt >chon die Nichtigkeit dieser Handlung ein? „ . +f Dillenburg, 20. Jan. (Erfurter Stati- stik.) Damit man beurtheilen kaun, wie groß das Interesse für die Erfurter Wahlen in hiesiger Gegend ist, theile ich nachstehend das statistische Ergebniß der
Leben und Abenteuer des John Davys.
Von Alexander Dinnas,
(Fortsetzung.)
— „Aber, Herr Stanbow," fiel ich ein, „denken Sie auch an die ungewöhnliche Lage des unglücklichen David, an die, vielleicht wohl gesetzliche, aber dock gewiß ungerechte Gewalthâtigkeit, die ihn zum Matrosen gemacht hat. Bedenken Sie, was er gelitten har und verzeihen Sie ihm im Namen der göttlichen Barmherzigkeit, wie Gott ihm verzeihen wurde!"
„Gott ist von seinen Bescklüssen Niemand Necken- schaft schuldig und er kann die höchste Barmherzigkeit sein, da er die höchste Allmacht ist; ich aber habe bestimmte Vorschriften empfangen, die ich vollziehen muß, und diese Vorsckriften werden vollzogen werden."
James wollte auch etwas sagen, aber der Capitain winkle, um ihm Schweigen zu gebieten.
„So haben wir Sie nur noch um Verzeihung für diesen unsern Schritt zu bitten," murmelte James mit zitternder Stimme.
„Diese gewähre ich Ihnen gern," antwortete der Capitain mit ganz veränderter Stimme, „denn der Schritt ist ganz auch nach meinem Herzen. Entfernen Sie sich und lassen Sie mich mit Herren Burke allein. Sagen Sie der Mannschaft wie leid es mir thue, daß ich ihr
nicht gewähren könne, was sie einmüthig bittet, und melden Sie zugleich, daß die Hinrichtung morgen Mittag stattfinden werde."
Wir gingen.
„Nun?" riefen uns alle entgegen, als sie uns kommen sahen.
Wir schüttelten traurig den Kopf, denn wir hatten nicht den Muth zu sprechen.
Die Matrosen gingen mit passivem Gehorsam auf ihre Posten und fünf Minuten darauf schien nichts vor» gefallen zu sein.
Ich selbst hatte eine Art Gewissenspflicht zu erfüllen ; ich war bei der Expedition gewesen, welche den uii- glücklicken David auf unser Schiff gebracht und hatte seitdem Gewissensbisse gefühlt. Ich ließ mir also das Gefängniß desselben öffnen. Er saß, die Stirn auf die Knie gestützt, auf einer hölzernen Bank und war an den Händen und Füßen geschlossen. Als er die Thüre aufgehcn hörte, richtete er den Kopf empor, da eö aber dunkel war, erkannte er mich n^cht sogleich.
„Ich bin es, David," sagte ich, „eine unschuldige Ursache Deines Unglücks und wünsche Dich noch einmal zu sehen, um Dir zu sagen, wie sehr ich Dein Schicksal beklage.
— „Ja, ich weiß eS," sagte David, indem er aufstand, „ja, Sie sind immer gut gegen mich gewesen. Gott vergelte es Ihnen; die Barmherzigkeit ist eine schöne Tugend und sie wird Ihnen oben einst die Pfor-
len zu in Himmel öffnen. — Sie sind auch ein junger Mann , Der viel weist, sagen Sie mir, glauben Sic, da st cd wirklich ein anderes Leben gibt, wo man Be- lohnung für das erhalt, was man hier gelitten hat?"
„David," antwortete ich, „das ist eine Sache deS Glaubens, nicht des Wissens; nickt die Bücher lehren uns glauben, sondern das Herz, dem die Hoffnung ein Bedürfniß ist. Ja, David, es gibt ein anderes Leben wo Du einst Deine Frau und Deine Kinder wiederfin- den wirst."
— „Aber, Herr Davys," sagte David besorgt, „ich habe doch ein Verbrechen begangen."
„Bereuest Du es, David?"
— „Ich will mich bestreben, es zu bereuen, ich will mich bestreben, ob ich gleich dem Tode noch nicht nahe genug stehe,' um ganz frei von meiner Liebe und meinem Hasse zu sein. Wenn ich nun nicht die Kraft zur Reue hätte, ich fürchte nicht, daß es der Fall sein wird, wäre nicht der schimpfliche Tod, den ich erleiden muß, eine Büßung?"
„Vor den Menschen ja, nicht aber vor Gott."
(Fortsetzung folgt.)