neu, zur Berücksichtigung. — Der Vertheidiger, Herr Prokurator v. Schütz, beginnt nun mit seiner Ver- theivigung; es ist ihm zwar durch vieles vom Staatsanwalt Zugestandcne erspart, naher auf verschiedene Einzelheiten ciuzugeheu; desto bester sucht er aber Das zu benutzen, was noch nicht berührt und was vom Staatsanwalt, weil nicht gegen den Angeklagten, übergangen worden ist. Es gelingt ihm dies in mancher Hinsicht meisterhaft, namentlich macht aber der Schluß seiner Vertheidigungsrede einen sichtlichen Eindruck auf alle Anwesenden, weshalb wir denselben auch vollständig mittbeilen. Er lautet: „Wie ich hoffe, so ist es mir gelungen, Sie zu überzeugen, daß Schmidt M) keines gewerbsmäßig betriebenen Münzverbrechens schuldig gemacht hat, für diejenigen aber unter Ihnen, welche etwa hierüber noch zweifelhaft sein könnten, für die e muß ich noch mit wenigen Worten der Lebens- Verhältnisse des Angeschuldigte» erwähnen.
Betrachten Sie diese Jammergestalt, diesen durch eine % jährige Haft abgezehrten Mann, den die Sorge um seine Kinder zur Verzweiflung in seinem Kerker gebracht hat; (der Angeklagte bricht in Thränen aus) in dieser langen Zeit konnte der Bemitleidenswerthe nichts für seine Familie verdienen, was er sogar in dem Correctioashaus gekonnt hätte. 8 Kinder strecken daheim ihre Hände aus nach dem Vater, der ihnen schon so lange entzogen ist, der älteste, ein Knabe von 16 Jahren ist lahm (Sie haben ihn eintreten sehen) und für immer unfähig sein Brod zu verdienen, das jüngste zählt erst 2 Jahre. Lasten Sie das Wehklagen der verzweifelnden Gattin nicht ungehört an ihren
Ohren abpralleii. Erwägen Sie die vortrefflichen Zeugnisse, welche einstimmig sowohl sein Werkmeister, der ihn seit 24 Jahren genau kennt und ihm die wichtigsten Arbeiten anvertraute, als auch seine Orts- obrigkeit und seine Mitbürger ertheilen, deren warme Theilnahme für meinen unglücklichen Clienten,_ einen von ihnen geliebten und geachteten Mann , sie trotz der Ungunst des Wetters so zahlreich hierherführte. Strafen Sie den einen Fehltritt, der ein sonst mackelloses Leben verunstaltet, nicht zu hart! Ja, meine Herren, ich bitte und beschwöre Sie, da wo Ihre Ueberzeugung schwankt, da neigen Sie sich der milderen Ansicht zu, da lassen Sie Ihr Herz entscheiden "
Nach einem sehr ausführlichen Ne sum 6 des Präsidenten werden den Geschworenen drei Fragen vorgelegt: „1) Ist Phil. Schmidt überführt, gewerbsmäßig falsche Guldenstücke, wissend, daß solche un- ächt seien, an sich gebracht und von diesen unächten Guldenstücken im April oder Mai v. I. an vier verschiedene Personen je ein Guldcnstnck als ächt oder vollgültig wieder ausgegebeu, an 6 andere Personen zum Zwecke der Berausgebung je eins hingegeben zu habend 2) Dieselbe Frage, mit Ausnahme des Wortes „gewerbsmäßig". 3) War der Angeklagte in einem Zustande der Trunkenheit, daß er nicht wußte, was er that?" Die erste und dritte Frage werden verneint, die zweite jedoch bejaht und es erfolgt das schon mitgetheilte Urtheil.
Sechster Proceß.
Anklage gegen Peter Kilb von Bechtheim wege n Mü n zv erbrcchens.
$ Wiesbaden, 24. Januar. Präsident: Hr. Hof. gerichtsrath Forst; Staatsanwalt: Hr. Staatsproku- rator R e i ch m atm; Vertheidiger Hr. Prokurator Lang.
Der Herr Geschworene Sachs von Erbach, der durch ein ärztliches Zeugniß die Krankheit seiner Frau nachweist, weßhalb er zu erscheinen verhindert ist, wird von der gegen ihn erkannten Strafe von 25 fl. entbunden ; ebenso wird die gegen die Herren Geschworenen Habel und Neffendorf erkannte Strafe von je 25 fl. niedergeschlagen, da sie vollständige ärztliche Zeugnisse beigebracht haben. Herr Neffendorf wird außerdem von heute an für die Dauer von 8 Tagen entschuldigt.
Der Angeklagte ist 38 Jahre alt und Schweinehändler. Er ist angeklagt. 36 holländische Fünfguldcu- stücke, wissend, daß sie falsch seien, an sich gebracht und vollgültig wieder ausgegeben zu haben, und zwar daß er dieß gewerbsmäßig betrieben hat.
(Fortsetzung folgt.)
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
Bekanntmachungen.
Flüchtlings - Angelegenheit.
(57) Folgende Gabelt sind mir zur Unterstützung politischer Flüchtlinge übersandt worden :
Von dem Frauenverein „Humania" in Mainz 215 FrcS. — Von Herrn L. Bg. in Frankfurt o M 15 FrcS. — Von Hin. Dr. Eisenmann in Wurzdurg in zwei Sendungen zusammen 180 Fres. - Von Hrn. C-S in Koblenz 25 FrcS. - Von Hrn. J-n in Koblenz 5 Rthir. - Von Gelnhausen (demokr. Verein 40 fl. - Von Hrn. M. K-e in Gießen gesammelts 35 fl. - Vom Verein zur Unterflützung politischer Flüchtlinge in Gießen 50 fl. - Vom schwäbischen Frauen- m Jnngfrauen-Verein in Stuttgart 100 fl., nebst einer Sendung KieidungSstiicke. — Vom Verein für gesetzlichen Spaß unv Volkowitz in Koblenz 121. fl. — , -
- Namen der unterstützten Flüchtlinge statte ich hiermit den edlen Gebern den wärmsten Dank ab, und benutze diese Gelegenheit um auf die in Folge des strengen Winters fortdauernde Noth der Unglücklichen aufmerksam zu machen.
Straßburg im Januar 1850. , ««* e«u®.
Obiae Geldbeträge und Kleidungsstücke wurden dem unterzeichneten Konnie zur Bertheilunz durch Hrn. Raveaur überwiesen und find ferner dem Comite folgende Beiträge und Kleidnngs- ^^cTE Frankfurt a. M. (durch Hrn. Theodor Schuster) in vier Sendungen 100 60 100 fl 200 Fres. — Von Hrn. G. W. in Stuttgart 1 fl. 45 Er. — Von Hrm
3 i/Nürnberg 25 fl.'— Von Hrn. G. in R. im Badischen ist. und ebendaher den Betrag zweier Sammlunaen mit 13 fl. 36 fr., nebst mehreren Paar Socken. — Ferner durch Hrn. Theodor Schuster in Frankfurt a. M einen Packt mit Kleidungsstücken und einen solchen durch Hrn. A. ^^'JndM "wir" Namens der unterstützten deutschen Flüchtlinge den edlen Gebern unseren Dank aussprechen, richten wir an alle Menschenfreunde die wiederholte Bitte daß sie insbesondere bu der Strenae per Jahreszeit nicht aufhören möchten, den unglücklichen Verbannten auch ihre fernere Tbeilnabme zuzuwenden. Die örtliche Lage unserer Stadt macht aus ihr nothwendiger Welle einen Sammel- und Durchgangspunkt für alle Flüchtlinge, mögen es solche sein, die das Gluck haben aus Rastatt zu entkommen, mögen sie aus der Schweiz hierher rei,en, um sich in ihre Heunalh zu begeben, oder mögen sie die Letztere verlassen, um einen Zufluchtsort im Innern zu finden, ober m Amerika eine zweite Heimath zu suchen, immerhin ergießt Ilch ber_ Strom über Ltragburg Bel der täglichen Zunahme ter Zahl der Flüchtlinge, die hier durchprsltren oder ihren vorübergehenden Aufenthalt nehmen, wird auch die Noth immer größer, und wir lind bei den seuhetigen be,chranften Mitteln fast außer Stand, alle Anforderungen, die an uns gemacht werden, nur uothdurslig be-
Wir litten daher dringend um fernere Zusendungen von Geld und Kleidungsstücken, welche, wie bisher an den Cassirer und Correspondenten des Comite'S, Bürger A. Schneegans, Kaus- mann in Skaßburg (Gutenbergsplatz) gerichtet werden mögen.
Straßburg, den 18. Januar 1850. ,
" Die Mitglieder des Comites:
F. D. Heim, Weiuhändler und Kommandant der Nationul- garde. Stufr, Professor. Gcistodt, Kaufmann. Holtzapfel, Advokat. A. Schneegans, Kaufmann.
(65) Weil die Unterhandlungen, worauf ich gestern verwies noch im Gange sind, sehe ich mich genöthigt, das Publikum nochmals auf eine der folgenden Nummern der Freien Zeitung zu verweisen.
Wiesbaden, den 24. Januar 1850.
Brewer,
(62) Sonntag, den 27. Januar, Morgens halb 10 Uhr, findet der erste Gottesdienst der freien christlichen Gemeinde von Mosbach- Biebrich statt und wird derselbe durch den Prediger der deutschkatholischen Gemeinde zu Wiesbaden, Herrn Graf, geleitet werden.
Die Vorsteher
der freien christlichen Gemeinde Mosbach-Biebrich.
(63) Warnung an das deutsche Volk
vor dem von hier ausgewiesenen, nach Montabaur gewanderten und sich einen Rechtspraktikanten nennenden, sogenannten Knögel. Wir bitten und warnen das Volk im Namen der Menschlichkeit alle nur erdenkliche Vorsicht zu gebrauchen bei aUenfallsigcn demselben zu ertheilenden Aufträgen oder Vollmachten.
Nastätten im Januar 1850.
G. Müller. Georg Phil. Crecelius. Phrl. Trumpp. G. Eonrad Steeg, Wmwe. Joh. Schreiber. Conrad Buchen- auer. Leonhard Kratz. David Saueressig. C. Fischel. G. PH. Cathrein. Peters u. Cathrein. Franz Peters. Joh. Jac. Höhner. Franz Schreiber. Wilhelm Holstein. Metz. Elisabethe Schultheiß. Carl Joseph Schreiber. Mathias Stutzer. Jacob Binge.
Verkauf einer der gröstten Laden-, Magazin- # Comptoir-Ein-
(51) richtungen für Colonialwaaren.
Durch den Kauf des Hauses von Herrn Friedr. Emm er mann in Wiesbaden besitze ich eine der schönsten und größten Laden-Einrichtungen für Colonialwaaren. — Ferner kaufte ich tue Magazin- und Comptoir-Einrichtungen, welche ich, da ich ein anderes Geschäft betreibe, wieder verkaufe.
Liebhaber, welche die ganze, oder ein Theil der Einrichtung kaufen wollen, belieben sich an Herrn Friedr. Emm ermann, oder an mich direct zu wenden. — Bei der Comptoir-Ein- r-chtung besindet sich ein ganz neuer doppelter Pult, welcher sich für jedes Bureau eignet.
Wiesbaden, den 21. Jan. 1850. AAuli»K Steib.
In der H. W. Ritte r'schen Buchhandlung in Wiesbaden ist erschienen und zu haben:
Verwandlung der Anklage
gegen
Redacteur Julius Oppermaun, Buchhäudlergehilfen Christ. Limbarth und Buchhändlerlehrttug Friedrich Frauenholz zu Wiesbaden,
wegen
Austordernnq zu hochverrätherifchen Handlungen und Beleidigung des Königs von Preußen
vor den
Asslsen zu W è eÄ li a d e n
am 23. und 24. Octoder 1S3D.
Groß Octavsormat 5y2 Bogen stark, broschirt 21 kr.
(1292) Durch die H. W. Nitter'sche Buchhandlung in Wiesbaden ist zu beziehen :
Komischer Bolkskaleadee für 1850.
Herausgegkben
von
Adolph Brennglas.
Mit vielen Illustrationen von Th. Hosemann. Fünfter Jahrgang, broschirt.
Preis 36 fr.
(1269) Bei Aug. Sorge in Osterode ist soeben erschienen und in der unterzeichneten Buchhandlung vorräthig:
Allgemeiner und immerwährender
Gesnn- Heilskalender
auf jedes Jahr und jede Zeit auwendbar.
Für das deutsche Volk herausgtgeben, nach den besten Quellen bearbeitet, wie auch theils durch eigne Praxis bewährt gefunden und zum Wohle desselben an'S Licht gestellt
von
Carl Pattli.
Preis 54 Kreuzer.
H W. Nitter'sche Buchhandlung in Wiesbaden.
Bei H. F. Grote in Arnsberg ist erschienen und in der H. W. Rittcr'schcn Buchhandlung in Wiesbaden zu haben:
Grundzüge
eines deutschen -Strafverfahrens.
Von
D. H. Temme,
Könial. Preuß. Appe!iatio»s - Gerichts - Director.
(64) Andreas ©tumb Eheleute von Biebrich lassen am 31. Januar, Morgens 10 Uhr ihr in der Mainzerstraße gelegenes Wohnhaus, nebst Hintergebäude und Garten, welches sich zu jedem Geschäfte eignet, auf dem Rathhause in Mosbach freiwillig versteigern.
(1301) Feste und gut getrocknete Lohkuchen franco in's Haus geliefert per Tausend 6 fl bei August Herz im Nerothal.
NB. Bestellungen können in der Expedition dieses Blattes gemacht werden.
(l) G. Aßmann, Lauggasse, kauft fortwährend Fässer verschiedener Größe.
(43) Es wird eine gute Köchin gesucht. Näheres sagt die Expedition.
Sparst zu Wiesbaden.
Durchschm'ttspxeiße:
IL Butter.....18 fr.
25 Stück Eier.... 38 kr.
Druck und Verlag der C. Ritte r'schen Buchdruckerei.