tw Zttlung
„âekhert unb Recht!"
JÜ ^ ß. Wiesbaden. Freitag, 23. Januar MZD.
' DieZjF r ei e Z e i t u n g " erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Logen. — Ter AdonnementspreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., aus« roärtö durch die Post bezogen mit Verhältniß mäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wir!« samem Erfolge. — Die Znserationögcouhren betragen für die vierspaltige Petüzeile 3 Kreuzer.
-t- Die kirchlichen Wirren und das Kirchen regiruent.
Weilburg, 20. Jan. Es ist merkwürdig, wie die kirchliche Bewegung unter dem Landvolk unserer Umgegend um sich greift. Das Wort „freie Gemeinde", welches vor einem Jahre den meßen Bauern noch völlig unbekannt war, ist jetzt in Aller Munde. Besonders macht sich diese Bewegung in den Gemeinden längs des ganzen Weilthals hin bemerklich, wo man vielfach nur auf den Austritt der Gemeinde Langenbach wartet, um dieses Bespiel in Masse nachzuahmeN und sich vorläufig an diesen Mittelpunkt anzuschlicßcn. Das Kirchenvcrmögen ist fast der einzige Halt, welcher der Staatskirche noch übrig geblieben ist. Aber die Bauern rechnen so: wenn der größte Theil einer Gemeinde austritt, so werden die wenigen Zurückbleiben- dcn, wofern sie nicht die Kirchensteuern allein bezahlen wollen, gezwungen, sich anzuschlicßen. Die
Leute haben übrigens ganz vernünftige Ansichten über ' Dörfer ^?!""- ^" ^v urge s Mten die
den Zweck und die Bedeutung freier Gemeinden: sie Sßüraeä nnd Steinfischbach,
suchen kirchliche Unabhängigkeit. Die Briefe der Aus- ! Wahlmänner ernennen,
gewanderten, welche häufig sich in Lobeserhebungen Der ihren GemeGdrn ^ ^ 1,0,1
freien kirchlichen Zustande Nordamerika's ergehen, tra- Wablick, lackt irnlt ^^'>^" und^ waren allein zur ’"/ ^ ^ HR *, - d» Ä na» Ä^^X: ^^itm
und ihre Kirchensachen sich selbst cinnchten, wie'S in Amerika ist, anstatt sich von oben bevormunden zu lassen. Und wer kann ihnen das verdenken? Unser Kirchenregiment trägt denn auch redlich das Deinige dazu bei, um die Leute auf diese Gedanken zu bringen. Nicht davon zu reden, daß die Aussicht auf eine freie demokratische Kirchcnverfastnng immer mehr verschwindet, ist auch das Verfahren des Kirchcurcgiments so inkonsequent, daß sich dasselbe das Volk von Tag zu Tag mehr entUrmdet. Hier schreitet man mir der ; größten Strenge ein, dort sieht man ruhig mit zu, wenn nur keine „politische Tendenz" zu Tage tritt, wie der gesetzmäßige Verband ganzer Kirchspiele zerrissen und umgestürzt wird. Der Gemeinde Langen- i bach entzieht man ihren Pfarrer und sucht ihr mit der ! zähesten Eonsequenz einen Geistlichen, der ihrer ganzen geistigen Richtung widerspricht, aufzudringen, wogegen I alles Snppliziren und Lamentiren der Gemeinde vcr- i geb!ich ist. Dagegen sieht man Jahre lang ruhig zu, ' wie die Gemeinden Altenkirchen, Amts Weilburg, und Rod an der Weil, Amts Ufingen, zu ihren ' Kirchspielen gehörige Gemeinden (Philippstein und G c m ü n den ) eigenmächtig ansstoßen und ihren Geistlichen verbieten, dort Gottesdienst zu halten. Man sieht ruhig zu, wie diese Geistlichen, unter dein „Terrorismus" ihrer Gemeinden stehend, die pflichtmäßige Verrichtung ihrer Amtsfunktionen auf diesen Filialgc-
I Aus dem Amt Rirukel. Herr Redakteur! Eine ■ Zusammenstellung der Wahlergebnisse im Herzogthume , in den Spalten der „Freien Zeitung" erwartend und i meinden, wofür sie doch ihre Besoldung erhalten, Jahre wünschend, zögere ich nicht, I,..... '
lang unterlassen, so daß die eine dieser ausgestoßenen Wahl im Wahlbezirke Seelbach, Justizamts Runkel, '
TOSUSSS«;
Gemeinden (Gemünden) seit dem Sommer 1848 ohne allen Gottesdienst, die andere (P h i l i p p - stein) gezwungen ist, sich einen Braunfels'schen Geistlichen kommen zu lassen und, wie man hört, aus ihrer Tasche zu bezahlen. Warum werden diese Geistlichen nicht wegen Versäumung ihres Dienstes in „Disziplinar- untcrsuchuug" gezogen? Warum schickt man nicht auf ihre Kosten Vlkarien zur Versetzung der von denselben unterlassenen Dienstverrichtungen? Warum geschieht dies Alles blos in Langenbach? Doch nur sofortgefahren und man wird sehen, wo man hingelangt!
Berichte über die Wahlen nach Erfurt
(Fortsetzung.)
Q Von der Ems, 22. Januar. Gestern war in unserm Thäte, wie überall in Nassau, die Zeit der Wahlen zur Festung Erfurt. In Würges sollten die
ien Freunde . x, Ordnung und Recht und müßten daher gegen ein Wahlen protestiren, das gegen das Gesetz, die Ordnung und das Recht sei. Auf diese Erklärung der wackeren Bürger von Walsdorf wußte ! Niemand zu antworten — nnd man ging auseinander, i — In Bamberg sollte außer der Stadt noch das ! Dorf Erbach den Wahlakt vollziehen. Der Bürger- : meister von Erbach läßt am Tage vorher noch den Schnee bis Samberg scheppen, um den Bürgern eine : breite und bequeme Straße zu sichern. Aber die Ver- . suchung war nicht MächtH genug, die Bürger mein. ; ken, der breite Weg führe zum Verderben, der Bürgermeister müßte allein gehen. In Samberg aber erschienen 24 Mann , — und diese wählten Herrn v.
: Schütz, Herrn Dr. Moritz Lieber und Herrn Lauer.
MO8KZK
F. AuS dem Amt Wallmerod. Die auf den 20. d. M. bestimmten Urwahlen zum f. g. Reichstage sind geschehen, und wie' zu erwarten stand, zur Freude jedes guten Bürgers ausgefallen. In den Wahlbezirken Meudt, Hahn und Nenkershauren wurde — nicht gewählt ^- ' Im Bezirk Wallmerod gelang »8 dem fü?s Wohl ssiuer Mitbürger uncriniiDlidien, und an glänzende Erfolge gewöhnten Volks - Dcpukirtcn Tripp von Hundsangen, durch seine geistig ausge» zeichnete parlamentarische Beredsamkeit, und Mckhülfe seiner freundritterlichen Verwandten und Nachbarn fürjedeSteuerklaffe, außer den Ofsizieren, auch „ceum" oder „eeiiige Gemeene" herbeizubringen.
Durch diesen wahrhaft glänzenden Volkstribun, kamen die Wahlen zu Stande, und zwar so stark besucht , daß in der 3ten als zahlreichsten Klasse, zwei Bürgermeister, ein Polizeidiener, ein Förster, ein Amtsdiener ein Rczepturbedienstrter und zwei Hundsanger Proletarier in allem acht Urwähler zusammen kamen, und beglückten mit größtmöglichster Majorität, drei Wahlmänner, worunter wie sich von selbst versteht, auch Herr Tripp. Gleicher Erfolg fand im Bezirk Salz statt, wo mehrere Bürgermeister im Heiligen . Diensteifer und verzeihlichen Irrthum das Urwähler- zyuen das Risultat der , Recht mit dem Wahlmannamt , nach dem ihnen be- M. Uiüiramt^ 9?>,„m ! saunten Nassauischen Wahlgesetz vecwechselten, und ^?^^7gT'»^^!^^^^^ ----- -- ------ -
22 Sulzbach, 20. Januar, Heute wurde hier die Urwahl als Introduktion zu dem Erfurter Kränzchen vorgenommcu. Mit Einschluß der dem Wahlorte zu- getheilten Gemeinden Eschborn, Niederhofheim und Soden fanden sich bei dem Wahlakte etwa 25 Personen ein, ausschließlich der ersten und zweiten Wählerclasse angehörig. In erster Klasse wurde gewählt der Laud- tagSabgcordnktc Müller von Eschborn mit 5, in zweiter Klasse der Ockonom Schaar von Sulzbach mit 4 Stimmen. Soden und Niederhofpesm wählten nicht.
mitzutheilen. Ungefähr ?/12 der Urwähler der sieben Dörfer waren erschienen — so zwar, daß Gaudernbach, Wirbclau und Falkenbach gar nicht — Aumenau nur durch letzteren vertreten waren. Es würde schwerlich zum Wahlakte gekommen sein, wenn nicht gegen jegliches Erwarten plötzlich 16 Wähler von Blessenbach, geführt von ihrem Seelsorger und 25 dergleichen von Hofen, bestimmt von ihrem Bürgermeister, Der Strafe angedroht hatte, mit Todesverachtung, wie kühne Schwimmer durch das weiße Meer zum Dorfe herein sich gewalzt hätten. Die Reichen wählten Den Bürgermeister Stahl von Aumenau; die Wohlhabenden den Bürgermeister Jost von Falkenbach und Die Armen den Bürgermeister Dorn von Hofen. Die erste Klasse hatte 14 Wähler aufgebracht — absolute Stimmenmehrheit 7’/2. Wo das Geld wählt, kommen auch Die Brüche zur Geltung. O Deines göttlichen Verstandes! du mit Sittlichkeit gekröntes Wahlgesetz; — an dich gedachte gewiß Klopstock, da er feinen Messias mit den Worten begann:
„Dinge unsterbliche Seele, der geknechteten Menschen Erlösung!"
Wenn auch die Vicinalwege Eisenbahnen werden, durch welche auf Staatskosten die Wähler wie Wallachische Widder zur Schlachtbank geschleift werden sollten, wählt doch kein Mensch mehr; Denn in 1850 soll die Mundklemme in Deutschland wie der schwarze Tod herrschen uno weitere 77 Unteroffiziere des herrlichen Kriegheeres das 40te Lebensjahr zurücklege» (Prophet Antichrist Cap. 7%). Ein Wachter im Dunkel — des Amtes Runkel.
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Leben und Abenteuer des John Davys.
Von Alexander Dumas.
„Ach!" tenant alles ich schwöre
(Fortsetzung.)
fuhr er dann fort, „ich würde dem Licu- verziehen haben, wie ein Christ thun muß, es ans die Bibel, die da vor Ihnen liegt
meine Herren Ich würde es ihm verziehen haben, daß er mich meinem Vaterlande, meiner Hei mach, meiner Familie entriß; ich würde ihm verziehen haben, daß er mich schlagen ließ, wie einen Hund!.. Ich hätte ihm willig alles verziehen, was mir selbst und mir allein Leid und Schmerz bringen konnte. Aber die Schande meiner Frau und Kinder! — Meine Frau in einem Gefängnisse und meine Kinder in einem Waisen hause! Als ich diesen Brief erhielt, war cs als zögen alle Teufel der Hölle in mein Herz ein und riefen mir alle auf einmal zu: Rache! Noch jetzt, ja noch jetzt meine Herren, im Angesichte des Todes bedaure ich weiter nichts, als daß ich ihn nicht besser traf."
— „Hast Du noch etwas zu sagen?" fragte der
Capitain.
„Nein, mich nicht lebe, werde
Herr Stanbow, außer daß ich Sie bitte, lange schmachten zu lassen. So lange ich ich immer meine unglückliche Frau und meine
armen Kinder vor mir sehen und Sic können wohl
glauben, daß cs beger ist, ich sterbe und zwar je eher desto besser. «
-- „Man führe den Gefangenen zurück," gebot der Capitain in einem Tone, der nichts weniger als fest war.
Zwei Marinesvldatcn führten den David sogleich ab. Wir Zuschauer mußten ebenfalls abtreten, denn das Kriegsgericht begann die Berathung ; aber wir blieben alle vor der Thüre, um daS Resultat zu erwarten. Nach drei Viertel Stunde trat der Profoß heraus und hielt in der Hand ein mit fünf Nauwucmutcrschriftcn versehenes Papier — das Tvdesurthcü David Munsons.
Obgleich wir alle nichts anders erwarteten, so war die Sensation doch tief und schmerzlich. Ich empfand in diesem Augenblicke, wie schon mehr als einmal vorher, bittere Reue. Zwar hatte ich mir nicht vorzu- werfen, David mit festgenommen und auf das Schiff gebracht zu haben, aber ich war bei jener Expedition gewesen. Ich drebete mich um- und sah hinter mir Bob der die Thränen nicht mehr zu verbergen suchte, die ihm über die Wangen rannen.
„Herr Davys," sagte er, Sie sind immer die Vorsehung des armen David gewesen. Wollen Sie ihn in diesem Augenblick verlassen?
— „Was kann ich für ihn thun, Bob? Weist Du ein Mittel, ihn zu retten ? Nenne es, und wäre es mit Gefahr meines Lebens, ich will es versuchen."
„ja, ja," murmelte Bob, „ja, iw weiß, daß Sie ! ein braver junger Mann sind. Könnten Sie nicht der ! ganzen Mannschaft den Vorschlag machen, den Capitain in Masse um Davids Leben zu bitten ? Sie wissen, wie gut er ist."
— „Traurige Hoffnung, Bob , wenn Du nur diese hast. Aber Du baft Recht, man muß alles verstreben. Sprich mit den Leuten, Bob, wir Offiziere können das nicht."
„Aber Sic können dem Commandanten das Gesuch seiner alten Matrosen überbringen, nicht wahr? Sie können ihm sagen , die Bitte käme von Männern, Die bereit wären auf das erste Wort für ihn zu sterben/
— „Alles was Du willst, Bob. Rede nur mit Deinen Gameraten/
Der Vorschlag Bobs wurde freudig ausgenommen und James und ich erhielten den Auftrag, dem Capitain die Bitte der Mannschaft zu überblinzcn.
„Aber, liebe Leute," jagte ich, „meint Ihr nicht, daß wir zu Herrn Burke gehen und ihn bitten sollten, uns zu dem Capitain zu begleiten? An ihm, ter an allem Unglück Davids Schuld ist, wurde das Verbrechen begangen. Er wird, wenn er sich uns anschließt mehr ansrichten, als wir alle.
Der Vorschlag wurde mit düsterm Schweigen ange» hört. Doch war er so natürlich, daß Niemand ihn zurückuueß. Nur einiges zweifelndes Gemurmel ließ sich hören. Bob zuckte die Achseln.