überall seine falsche Guldenstücke, die er nicht für solche hielt, auszubringen suchte. In einigen Häusern gelang es ihm sie wurden aber immer bald erkannt, worauf er sie zurücknahm. So erging es ihm auch in Neuhof wo er arretirt wurde. Mehrere Zeugen geben darüber an, er sei zum Bürgermeister geführt, da vlfi- tirt jedoch nur 1 Guldeustück bei ihm gefunden wor- den' Im Hofe habe er vorher, was nicht beachtet worden wäre, in der Nähe der Dunggrube anscheinend seine Nothdurft verrichtet, wobei Einige ein Schut- teln am Hosenbein gesehen haben wollen. Man habe nichts bei ihm, ihn überhaupt gar nicht verdächtig ge- snnden und wieder entlassen. Bald darauf sei er jedoch wieder gekommen, um in Neuhof zu übernachten, zu welchem Behufe er einen Nachtzettel verlangt habe. Dem Bürgermeister sei dies verdächtig vorgekommen. Der Ortsdiener habe unterdessen im Hofe einen falschen Gulden gefunden, später noch einen, wovon er sofort Anzeige gemacht habe, es wäre darauf noch weiter gesucht und wären in der Dunggrube noch 28 falsche Guldenstücke gefunden worden, worauf er nach Wehen ans Amt abgeliefert worden sei. Die vorherrschende Trunkenheit des Angeklagten wird von vielen Zeugen bestätigt Dieß daö Wesentlichste der Zeugenaussagen. Des Angeklagten Lebenswandel wird von vielen Zeugen, namentlich von Schreiner Leisring von hier und dem Bürgermeister Reges von Aurin- gen als durchaus musterhaft geschildert. Gestützt auf dieses erkennt die allgemeine Stimme tu dem Angeklagten nur einen Verblendeten, der sich durch seinen Leichtsinn, mehr aber durch seine schlechten pecuniären Verhältnisse zu den ihm zur Last gelegten Verbrechen hinreißen ließ. Hr. Prok. v. Schütz gibt sich deshalb auch alle mögliche Mühe, seinen Klienten zu schützen, indem er jedem Zeugen die genaueste Antwort über oft sehr zweifelhafte Punkte abverlaugt und dadurch manches günstige Resultat erzielt. Bei dieser Gelegenheit kann übrigens der Staatsanwalt nicht umhin, „gegen solche Fragstellungen, wobei den Zeugen gleichsam die Antwort in den Mund gelegt würde," zu protestiren. Abends um halb sieben Uhr wird die Sitzung geschlossen. Die Zeugenverhöre sind zu Ende.
(Schluß felgt.)
Nachtrag. So eben halb zwei Uhr wird der Angeklagte zu "4 Wochen Gefängniß, in die Untersu- chungskostcu, 233 fl. betragend, und zur Entschädigung der Benachtheiligten verurtheilt, ihm jedoch in Berücksichtigung seiner langen Untersuchungshaft die Gefängnißstrafe erlassen.
Deutschland.
* Wiesbaden, 23 Januar. Gestern wurde uns das Urtheil des Ober-Appellations-Gerichts zu Wiesbaden mitgetheilt, durch welches über den Redakteur der „Freien Zeitung," I. Oppermann eine Geldstrafe von 20 fl, unter VerfäUigung in die Proceß- kosten, welche mindestens ebenfalls 20 fl. betragen, verhängt worden ----wegen Ehrenkränkung des „Deutschen Vereins zu Wiesbaden," beziehungsweise der Mitglieder desselben.
Die Ehre der Constitutionellen ist restaurirt, wir wünschen ihnen von Herzen Glück dazu. Die kleinen Erfolge sind für gemüthliche deutsche Seelen so süß: und wir mißgönnen Niemanden die Freude.
Die Geschichte deS schon beinahe ein volles Jahr andauernden Preß-Prozesses, welche auch für weitere Kreise des Interessanten genug bietet, werden wir demnächst mittheilen, und bei dieser Gelegenheit werden wir das Urtheil des Ober-App.-Gerichts,welches wir ans juristischen und rein logischen Gründen fürdurchaus unrich - tig halten müssen, einer genauen Kritik unterziehen.
Uebrigens ihr liebenswürdigen Gegner in den „Deutschen Vereinen", weder das wiederholte Schleppen auf die arme Sünderbank, noch auch die Geldstrafen, noch auch sonstige Angriffe aller Art, vermögen irgendwie unsern Eifer in dem gerechten Kampfe zu schwächen oder gar zu ertönten; und mit Ruhe werden wir Euch stets die Worte des Dichters eutgegeuhalten:
Wem es gelingt, in seine Brust
Nur eine stille Nacht zu schauen:
Der hat wol fürder keine Lust Sein Haus auf Euren Sand zu bauen.
Drum laßt mich meiner Wege gehen!
Nicht Sturm, nicht Klippe soll mich schrecken:
Die Welt, die ich im Traum gesehen,
Will ich Euch Herrn zum Stoß entdecken.
= Aus dem Lorsbacher Thal, 2t. Jan. (Die Eisenbahnanlage durchs Herzogthum) ist in neuerer Zeit in diesen Blättern mehrfach besprochen worden. Bald wurde einer Lahnbahn , bald einer Rheinbahn, bald einer Bahn von Wiesbaden nach Limburg über den Westerwald das Wort geredet. — Was die erstere betrifft, so hätte dieselbe Vieles für sich, wenn die Lahnschifffahrt nicht bestände und eine andere nicht nothwendiger erschiene.
Was die Rheinbahn betrifft, so spricht gegen ihre Dringlichkeit die vorhandene Wasserstraße; welche nur während einiger Wintermonate, wo der Verkehr ohne- dieß sehr gering ist, unpracticabel wird.
Sonach erscheint nur die Bahn von Süden nach Norden als dringend nothwendig. Man begreift jedoch hier nicht, warum sie durchaus von Wiesbaden auö- gehen soll. Zugestandener Maßen gibt es kein günstigeres Terrain, als von Hattersheim durch das Lors- bacherThal, entweoer über Heftrich, Esch, Camberg rc. oder über Niedernhausen, Seelbach, Idstein durch den Camberger Grund. Hierdurch würde den übrigen Bewohnern des HerzogthumS der große Vortheil eben so leicht mit Frankfurt, als mit Mainz und Wiesbaden in Verbindung zu kommen und Wiesbaden wäre dadurch nicht ausgeschlossen, sondern nur auf einem, etwa 1 — 2 Stunden weiteren Umwege, als die über Erbenheim und Breckenheim projektirte Richtung nothwendig macht, zu demselben Ziele geführt. Und nicht allein dieser Vortheil für den allgemeinen Verkehr, sondern auch die bedeutende Kostenerfparniß, so wie die gewiß nicht fehlende Betheiligung der Kapitalisten Frankfurts bei Ausführug dieser Bahn von Hattersheim aus verdienen eine ernste Berücksichtigung.
Münster, 17. Januar. (Nat.Z.) Temme hat von der demokratischen Partei des Kreises und der Stadt Ragnit eine Adresse zugesandt erhalten, welche ich, wenn ich nicht fürchtete, zu viel Raum in Anspruch zu nehmen, vollständig mittheilen würde. Die Adressanten wollen gerade jetzt, „wo das Verfahren gegen Temme das Unerhörteste übersteigt", demselben einen Beweis ihrer alten treuen, nie veränderten Anhänglichkeit an ihn und an die Sache des Volkes geben. Wir wollen — fährt die Adresse fort — Ihnen hierdurch nicht helfen, können es auch nicht; wir wissen, daß diese Worte eben so ungehört verhallen werden, wie manches bessere Wort, das in dieser Sache gesprochen ist; wir wollen nur den Gegnern zeigen, daß wir unverbrüchlich festhalten an unsern treuen Vertretern, und daß jede Verfolgung jenes Band noch fester knüpft."
Wie ich mitgetheilt, hat ein Justiz-Ministerial-Re- script befohlen, den Abschluß der Voruntersuchung ge. gen Teinlne zu ^beschleunigen. Es ist möglich, daß dasselbe auf die Sache Einfluß haben wird, obschon bis jetzt noch nichts davon zu merken ist. Jeooch selbst, wenn dies der Fall, wird Hr. Temme wenig Vortheil davon haben. Denn, vor Kurzem, nach Eingang jenes Reskriptes, ist vom hiesigen AppellariouS- Gericht beschlossen, daß die erste diesjährige Schwurgerichts - Sitzung erst im Anfänge April statlsiuden solle. Temme würde auf die^e Weise jedenfalls noch drei Monate Untersuchungshaft zu überstehen haben. Gründe für dieses Hmausschiebeu lassen sich um so weniger auffinden (daß Rücksichten auf den Temme'- schen Prozeß obgewaltet, darf man nicht annehmen), als im vorigen Jahre bereits eine SchwurgerichtS- Sitzung ausgefallen ist, da nur zwei statt drei stallge- fundeu haben.
Trier, 19. Jan. (Westd. Z.) Der Prümer Prozeß ist beendigt. So eben, 4 Uhr Nachmittags, vernehmen wir den Spruch der Geschwornen, er lautet gegen Jaquinot Vater, Spring, Spanier, Neisser, Nelles, Werweiler und Kollmann auf Schuldig; Grün und alle übrigen Angeklagten sind freigefprochen. Wie es heißt, wird Kollmann zum Tove (?) verurtheilt werden. Grün in Begleitung seiner Frau ward von der harrenden unabsehbaren Menge mit Jubel empfangen und über die Diedrichstraße, den Markt bis in die Brodstraße begleitet. Als der Zug in die Nähe des Kornmarktes kam, wo ein Dutzend Pickelhauben Spalier bildeten, ward er plötzlich angehalten, und nun fehlte es nicht an Kolbenstoßen. Was die Veranlassung hierzu war, bleibt uns bis jetzt ein Räthsel, da wir auch nicht die geringste Provokation, sondern nur den harmlosen Jubel des Volkes wahrnahmen. Grün zog sich mit seiner Frau in ein nahegelegenes Haus zurück. Augenblicklich erblicken wir einzelne Gensbarmen und das abziepende Soldatenpiquet. Einzelne Bürger schließen ihre Laden. Also auch hier ward die Freude und der Jubel des Volkes durch die Soldateska, Preußens Söhne, die von dem Bürger und Bauer gekleidet und genährt werden, gestört 1
Saarbrücken, 17. Januar. In der Sitzung des Bürgervereins vom 6. Jan. dieses I. ist beschlossen worden, sich an der Wahl zum Sonderbund-Reichstage in Erfurt nicht zu beteiligen.
Cöslin, 16. Januar. (Nat.-Ztg.) Das Präsidium des hiesigen Appcllationsgerichts (v. Schrötter) hat an die Direktoren der Kreisgerichte ein Rescript erlassen, das als Beitrag zu der Geschichte des Scheinkonstitutionalismus in weiterem Kreise bekannt zu werden verdient.
Nachdem dasselbe den Empfängern eingeschärft hat, an den Wahltagen keine Rechtsgeschäfte zu dulden, fährt es wörtlich fort:
„Sie werben sich vermöge Ihres Amtes gedrungen fühlen dem Gerichtspersonal die hohe Bedeutung der bevorstehenden Wahlen zur Erkenntniß zu bringen und ihm anschaulich zu machen, daß es die heilige Pflicht eines Jeden, der es mit dem Vaterlande redlich meint, vorzugsweise eines jeden Beamten ist, die königliche Staatsregierung in ihrem Streben nach Begründung der Einheit Deutschlands gewissenhaft zu unterstützen.
Das Präsidium hegt das Vertrauen, daß das Gerichtspersonal auch in dieser Beziehung seiner Obliegenheiten eingedenk sein und der Theilnahme an der Wahl zum deutschen Volkshause sich nicht entziehen wird. Nach« beul sie geschehen, wollen Sie aber darüber Bericht erstatten, ob sämmtliche Beamte Ihres Bezirkes ihrer Bürgerpflicht nachgekommen sind und welche sich wider walten ihr entzogen haben. Eine gleiche Anzeige wollen Sie in Ansehung der Rechtsanwalte erstatten, welche das ^râiiDium direkt auf ihre Pflicht aufmerksam gemacht hat."
Wir machen zu diesem Erzeuguiß nur die einzige Bemerkung, ob denn in dem ganzen Departement nicht
Direktor so viel Achtung vor seinem eigenen Stande uiiv so viel Muth haben wird, dein interimistischen Präsidenten v. Schrötter auf bie Zumuthung eines solchen Spion- und Polizistenvienstes die gebührende Antwort zu geben.
Bromberg, 15. Januar. Es ist unglaublich, was bte Liga polska in einem Jahre für die Hebung des Polenthums gewirkt hat; jeder polnische Bauer, ja sogar jeder Knecht, macht jetzt einen deutlichen Unterschied in dem Benehmen gegen den Deutschen und den Polen. Dieser Verein ist auf's Vollständigste organi- sirt; die Central-Liga hat ihren Sitz in Posen, in je» der Kreisstadt ist ein Kreis-Comite, außerdem in jedem Kreise 3 bis 4 Spezial-Comite's. Alle 14 Tage finden die Versammlungen statt, in denen namentlich das Organ des Vereins, der „Wielkopolanin", vorgelesen wird. (N. Pr. Z.) ö '
Berlin, 19. Jan. (Westd. Ztg.) Die 15 Propositionen find erst ein sanftes Vorspiel zu der großen Symphonie,. welche binnen Kurzem daS „rothe" Schwarzweißthum aufgeigt. Die Einführung von ' Kautionen für die Journale wird bas Nächste se.n, i was die aufrichtige Regierung vornehmen wird. Im Ministerium wird der Gesetzentwurf Darüber schon be» rathen. Der Treubund, der natürlich dem Ministerium für seine Propositionen gebankt hat, hat sich vorgestern in seiner Kongreßsitzang sehr an ber Versicherung des Deputirten aus Osthavellanv erbaut, baß es vort feine Demokraten gäbe, weil die Bauern Jeden , den sie dafür hielten, „mit Prügeln zur Vernunft brächten." Das nennt man in Preußen Freiheit der Ueberzeugung. Die Bauern haben recht; denn davon, baß die Staatsanwaltschaft wegen Mißhandlung eines Demokraten durch Reaktionäre einschreite, hört man nichts; unb bas nennt man richterliche Unparteilichkeit. — Die Unverschämtheit der Reaktion, welche versichert, die 15 Propositionen sollten die Konstitution retten, und wenn die Kammern sie nicht annähmen, so käme Die Krcuzzeitnngspartei ans Ruder, ist zu rührend: Kreuzzeitung und herrschendes System! Wo ist der Unterschieds
Kiel, 18. Jan. (Nat.«Z) In der heutigen Sitzung der Lanbesversammlung begründete Bürger seinen mitgetheilten Antrag (über Wicverbesetzung Schleswigs durch schleswig-holsteinische Truppen). — Nach längerer Debatte, in welcher auch der Departe« mentschcf des Aeußern das Wort nahm, um über den gegenwärtigen Stand der Dinge Mittheilung zu machen (die Vertrauensmänner erwarten danach noch immer Bescheid auf eine aUerunterthänigste Vorstellung vom 27. Dezember) wurde beschlossen, Den Antrag et» nein Ausschuß von Mitgliedern zu überweisen. Bei der Wahl des Ausschusses, die auf M. T. Schmidt, Th. Olshausen, Dr. Lorentzen, Balemann und v. Kaup fiel, hatte sich Rechte und Centrum während einer eingetretenen Pause verständigt.
Dresden, 20. Januar. (Mz. Z.) Die früheren Voraussagungen über die Straferkenntniffe gegen die auf dem Königstein befindlichen: Heubner , Bakunin und Rockel haben sich bestätigt. Dieselben lauten auf Tod. Morgen wird die Publikation erfolgen.
Mannheim. (N.D.Z.) (Ein Andenken.) Es kommtuns ein Brief zu Händen, welchen Der standrechtlich erschossene Valentin Streuber im Angesicht des Todes an seine Freunde geschrieben hat. Die festen Schrift- züge bekunden den gelassenen Muth, mit welchem dieser Mann seinem Schicksale entgegen ging. Das Schrei- । den ist werth, zu andern theuren Reliquien unserer ge« - faUenen Märtyrer gesammelt zu werden. Es lautet j wie folgt: „An meine Freunde C., H. unv H. Indem : ich Euch hiermit vor meinem Hingehen an den Ort, , von woher feine Wiederkehr ist, zum letzten Mal mei« ! neu tiefgefühlten Dank für alle Die Liebe, Treue und Freundschaft, welche Ihr seither mir und meiner Frau erwieset, zurufe und Euch Lebewohl sage, behellige ich Euch zugleich mit meiner letzten Bitte, und nur der feste Glaube, baß Ihr mir diese Bitte gewähret, gibt mir die nöthige Beruhigung auf meinem letzten Gang; die Bitte nämlich: meine arme, alte, gebrechliche Frau, für Die wenigen Tage, Die sie noch zu leben hat, nah- rungs- und sorgenfrei zu stellen. Gewähret mir diese meine letzte Bitte und grüßet mir alle alten Freunde, Bekannte, Brüder und Schwestern zum letzten Mal
I recht herzlich und saget ihnen allen, daß ich für ein«