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M Zeitung.

âetheik und Recht!"

M 20

Wiesbaden. Donnerstag, 2a. Januar

1850

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*^* Was bedeutet ei» Kongress aller mit -er gegenwärtigen evangelischen Kirchen- verfâssung unzufriedenen Gemeinden?

Schon öfter wurde in der Freien Zeitung die Frage berührt, ob es zweckmäßiger sei, wenn die Partei der kirchlich Unzufriedenen in der Landeskirche ihre Oppo­sition fortsctzt, oder wenn dieselben austräten, um selb­ständige Gemeinden zu bilden. In einem, aus Nassau datl'rten, längeren Aufsatze wurde diese Frage auch jüngst in derNeuen Deutschen Ztg." namentlich mit Berücksichtigung der Nassauisch-kirchlichen Verhältnisse, besprochen/und darin das Verharren und Fortkampfen in der Landeskirche als das einzig Vernünftige darzu- stellen versucht. Von anderer Seite und wir er­innern uns hierbei einer Corrcspondenz aus Dillen­burg wurde auf die Berufung eines Eongresses aller der Sache des freien Christenthums huldigenden Gemeinden durch zu wählende Vertreter hingewiesen, auf welchem gerade diese Frage einen wesentlichen Be- standtbeil der Debatten olleen sollte.

Weder das Eine, noch das Andre ist bisher gründ­lich beleuchtet worden, und wir wollen daher jetzt eine Lösung beider Fragen versuchen. Die erste Frage, die sich uns aufdrängt, lautet: welches sind die näheren Gründe der Forderung des Volks, soweit sie eine freie Kirchenverfassung bezwecken? _

Die Frage der Kircheiiverfastung ist zunächst und an und für sich eine reine Formfrage. Unbestreit­bar läßt sich denken, daß eine Gemeinde tn eigner Wahl wieder ganz zu demselben Prediger greift, we - chen ihr vorher das Kirchenregiment aus eigner Macht­vollkommenheit zu geben für gut befand. Mit andern Worten: die Verfassung der Kirche berührt deren Glaubenssystem an und für sich nicht im Mindesten. Diese theoretisch gerechtfertigte Scheidung gestaltet sich aber ganz anders im wirklichen Leben. Hier tritt uns vielmehr die Thatsache entgegen, daß das Volk stets dann das Verlangen einer freien Kirchenverfassung aus sein Banner schrieb, wenn es sich mit den herrschenden Glaubcusausichten der Geistlichkeit in Widerspruch be­fand. Um in eine schon ferner liegende Vergaugen- Heit zurückzugreiftn, so dürfen wir nur an die Art und Weise erinnern, wie die deutsche Ration, und nament­lich die große Masse des Bauernstandes, zurzeit der Reformation das römische Papstthum bekämpfte. Vor Allem glaubte man durch Selbftwahl der Geistlichen dem veränderten religiösen Bedürfnisse Befriedlgung zu verschaffen, und dem unsittlichen Lerronsmus des Pfaffenthums, welches sich erfrechte dem Volke einen veralteten Glauben aufzudräugcn , entgegenzutreten. Noch viel überzeugender aber rechtfertigt der Riomeut, in dem wir leben, unsre Behauptung. Es wird keinem Menschen einfaUen, zu läugnen, daß eine freie Kirchen­verfassung nur darum ein schreiendes Bedürfniß i|t, weil das Muckerthum und die Orthodoxie im Bunde

mit der absolutistischen Staatsgewalt das Volk allent­halben weiß machen wollen, es glaube, was sie ihm von der Kanzel herab vorpredigten. Die Forderung der Selbstregierung ist nur der Ausdruck einer ver­änderten Glanbensrichtung, oder, wie es einige Geist­liche zu nennen belieben, des vorhandenen Unglandens.

Wohl, Unglaubens gegenüber dem Glauben der Pfaffen, aber Glaubens gegenüber dem Unglau­ben derselben, des Glaubens an die Macht der Liebe, der Freiheit, der Vernunft, während sie nur an die Lüge, die Verfinsterung, die Selbst­sucht zu glauben vermögen. Verzeihung für diese kleine nicht zur Sache gehörende Exkursion: aber Wem steigt nicht die Nöthe des Zornes in's Gesicht, wenn er an solche Mißgeburten der Menschheit denkt V

Was aber die veränderte Glanbensrichtung deS Volkes besagen will: wir brauchen darüber nicht viel Worte zu verlieren. Das Zeitbewußtsein ist nur Eines: die Sachen der freien Gemeinden als derjenigen, welche vom religiösen Drange des Volkes am lautesten Zeugniß ablegen! nur Eine Seite desselben. Die jüngste Revolution aber: sie ist das herrlichste Mani­fest vom ganzen Denken, Fühlen, Ringen und Streben der gegenwärtigen Gesellschaft.

Hiermit erledigt sich die zweite Frage van selber, die Frage: wer ist der Gegner des herrschenden Kir- chenregimento? Es sind alle diejenigen, für die es Be­dürfniß ist, den Grundsätzen der modernen Zeit einen Altar zu errichten in ihrem Herzen; der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einen dauernden Kultus darzubringen, Alles anzubeten, zu verehren, was zum Wesen der Menschheit gehört. Wir haben nichts da­gegen, wenn man insoweit die religiöse Demokratie mit der praktisch-politischen wcnrifizirrn will.

Versuchten wir nun bisher, die kirchlich-reformato­rische Parthei auf ihren wahren Ausdruck zurückzufüh- ren, so handelt es sich jetzt um das Wie der Durch­setzung ihrer Forderungen.

Beleuchten wir zunächst die Zugeständnisse deS Kir- cheuregiments..

Spätestens 814 Tage nach Pfingsten soll eine Generalsynode berufen werden. Die Geistlichen eines Kirchspiels haben ein gleiches Stimmrecht mit der Ge­meinde selber. Die Synode besteht also jedenfalls zur Hälfte aus Geistlichen. Nur mit den Stimmen weniger Gemeinden verstärkt hätte demnach das der Natur der Sache nach konservative Element das Ueber- gewicht. Wenn uns hier ein Vergleich gestattet sein soll, so möchten wir an das Zweikammersystem erinnern. Die Geistlichen bilden die privilegirte erste Kammer, die Gemeinden die Volkskammer. Der ein­zige nur formelle Unterschied besteht darin, daß die Abstimmungen nicht getrennt, sondern gemeinsam vor sich gehen. Die Geistlichkeit hat unbezweifell ihr Veto.

Sich auf einen solchen Plan cinzulassen, hieße aber

nichts Anderes, als dem Teufel zuzumuthen, gegen seine Großmutter Krieg zu führen. Wir glauben in der That vom Volke, daß ihm der Grundsatz'der Ga"ch- heit ein viel zu heiliger ist, als daß es ihn den; n e und Intriguen einer kleinen Part, ei Preis geben

Wenn cs dem Volke wirklich Ernst ist uni die o v t berührten Grundsätze, wenn das Bedürfniß einer eli- giösen Reform ein wahres und tiefes Herzensbeo irfniß ist, dann bleibt ihm keine andere Wahl übrig als selbstständig seinen eigenen Weg zu gehen, dann'kann es nicht anders handeln, als nach dem Beispiele seines größten Reformators: der ein für allemal Rom den Fchdchaiwfchuh hinwarf. Mag es nun aus eigenem Eufichluye seine Opposition in der Landeskirch - fort­setzen, natürlich ohne sich auf eine Vereinbarung mit der Geistlichkeit einzulassen zwie die Besch ckung der Synode eine solche involvirte); oder mag es austrelen ans der Landeskirche: es sei in jedem Falle sein eigener, selbstgefaßter Entschluß.

Die Nothwendigkeit dieser Folgerung geht auS dem innern Wesen der Parthei hervor, welche w r vorhiil zu skizziren versuchten. Wir wiederholen es, um nicht mißverstanden zu werden: der Geistlichkeit werde offen der Fehdehandschuh hingcworfcn, sei es innerhalb der Landeskirche, sei es durch Verlassen des alten Gebäudes.

Darin aber besteht der große Vorzmz dieser Wah­len vor allen andern, daß dieselben von einer rein moralischen, ohne alle materielle Hülfs-mittel ausge­rüsteten Macht geleitet werden. Nichts kann hier ent­scheiden, als die wahre Ueberzeugung, das sittliche Vertrauen. '

Dieser Kongreß mag dann die Entscheidung der $i age: ob austreten oder gricht ? unmittelbar, in oE Hand nehmen. Er wird es besser können, wie die Presse, welche allen Erörterungen für und wider zahl- lo,e Spalten öffnen müßte, ohne daß ein andres Ende des Kampfes abzusehen wäre, als durch die faktische Euschcldung der Gemeinden selber. Freilich kann auch von einem zwingenden Beschlusse des Kongresses kemc Neve sein; aber der moralische Sieg der einen oder der andern Meinung wird hier ohne lang hingezogene Kämpfe entschieden, und von einem an­dern, als moralischen, Siege kann doch wohl Niemand im Ernste sprechen wollen.

Die nähere Ausführung unseres Vorschlags zu er­örtern gehört weiter nicht hierher. Es ist dies viel­mehr Sache derer, welchen vernünftigerweise daran gelegen sein muß.

Noch berühren wir mit kurzen Worten den Plan, die ganze Angelegenheit auf einem demnächstigen Con- gresse der demokratischen Vereine verhandeln zu lassen. Wir sind nicht nur aus Klugheitsrücksichten, sondern auch aus anderweitigen Gründen dagegen. Denn wir wissen es nicht nur zu würdigen, wie weit, na­mentlich in den Augen des Landvolks, die religiöse und die praktisch-politische Demokratie von einander

Des Neichsschnlmeisters Liebestraum.

Diè Freiheit war erstanden Und Alles huldigte ihr, Sogar die stolzen Fürsten, Sie beugten sich vor ihr.

Es mag im Pulverdampfe, Es mag im Schulstaub sein, Ich weiß, für meine Ehre Setz't Du Dein Leben ein."

Fr. M.

Mit ihren Flammenaugen Schaut sie im Kreis umher, Als eben der Reichsschulmeister Recht schüchtern kam einher.

Lebe»» und Abenteuer des John Davys.

Von^Alexander Dumas.

Sie ließ so manchen Hohen GanzZuubeachtet steh'n Und sprach mit süßer Stimme Erst zu dem Schüchternen:

Sei mir gegrüßt, mcüHRitter, Du Schöpfer meiner Wehr, Ja, Du bist's, der im Stillen Mir schafft ein st heud' Heer."

Du'.bist derZreue Wühler, Der mit des" Geistes Kraft Eindringt in's Herzsder' Jugend, Und dort Bcgeist'rnug schafft."

(Sortierung.)

David, der ein blutiges Messer in der Hand hatte, wurde von vier kräftigen Matrosen gehalten, während der erste Lieutenant seine Uniform auszog und am linken Oberarme eine große Wunde zeigte. Wie erstaunt ich auch war, an der Sache selbst ließ sich keinen Augen­blick zweifeln; David hatte den Lieutenant Burke ver­wundet. Dieser war zum Glück durch den Ruf eines Matrosen, welcher, das Messer blinken sah, aufmerksam gemacht worden, hatte mit dem Arme parirt und so den Stoß, der feiner Brust bestimmt war, in die Armmuo- kcln erhalten. David hatte den Stoß wiederholen wollen Burke ihn aber an der Hand gefaßt, worauf Matrosen ihn festnahmen.

Fast zu gleicher Zeit mit mir war der Capitain auf dem Verdecke erschienen und hätte ebenfalls Zeuge

dieses Auftrittes sein können. Unmöglich läßt sich der Ausdruck des Schmerzes beschreiben, der sich bei dem Anblicke des Geschehenen auf dem Gesichte des würdigen Mannes zeigte. Er hatte im Herzen immer die Partei Davids gegen Burke gewonnen; diesmal aber gab es keine Gründe, welche eine solche Gemalthat entschuldigen konnten; es war ein Mord, ein wirklicher vorbedachter hinterlistiger Mordanfall und der Capitain befahl also, David in Ketten zu legen und in den Kielraum hin­unter zu bringen. Dann wurde das Kriegsgericht auf den zweiten Tag zusammenberufen.

In der Nacht vor der Versammlung dieses Gerichtes ließ mich Stambow zu sich rufen um mich zu fragen, ob ich nichts besonderes über jenen unseligen Vvifall wisse und ob ich erfahren, daß David neuerdings von Burke hart behandelt worden sei Ich wußte aber nichts als was der Capitain auch wußte. Ich wollte also zu David gehen, um wv möglich von ihm fehlt Aufklärung zu erhalten, aber dies war gegen di G - setze; David mußte bis zu dem Augenblicke, da er vor dem Kriegsgerichte zu erscheinen hatte, ganz all in bleiben.

Den andern Morgen gegen zehn Uhr versammelte sich das Kriegsgericht in der großen Kajüte; in de Mitte derselben stand eine große Tafel mit einem grünen Dp- piche und darauf lag eine große B.dei; de Nackter nahmen Play, nämlich der Capitain, der zweite und dritte Lieutenant, der Steuermann und der älteste Mid-