Frankfurt, 21. Januar. Dererwählte gesetz ge- ; heute Körpew versammelte sich »heute 511m ersten Male. (Fr. I.)
Gotha, 18. Jan. (Fr. 3.) Die ersten aus dem Lande vorgenommenen Wahlen zu unserer Abgcord- netenversammlung sind gegen die Erwartung einer gewissen Coterie zum größten Theil entschieden li- i beral ausgefallen, indem zwei Drittel von den bereits ! gewählten Candidaten anerkannt der freisinnigen Par- ; tei unseres Herzogthums angehören. Nach diesen Vor- ! gängen hofft man, daß auch die übrigen Wahlen in 1 gleicher Weise ausfallen werden. Bemerkenswerth ist die Haltung unseres Beamtenstandes, welcher bei den Wahlen sehr selbstständig sich zeigt, und, aus seinem früheren Jndifferentismus heraustretend, die von der Hauptstadt ausgegangene Empfehlung von Candidaten als Bevormundung und indirekten W a h l z w a n g energisch zurückweist.
AuS Thüringen, 16. Januar. (N. Z.) Der Ur- ' theilsspruch des Volkes über die Wahlen nach Er- , furt ist bei uns bereits gefällt. Wo die Wahlen; schon begonnen, wie z. B. im Meiningschen und Alten- { burgischen, hat nämlich, mit Ausnahme der Residenzen , kaum der zwanzigste Theil der Bevölkerung sich an denselben betheiligt, ja in beiden Ländern haben eine Menge Dörfer gar nicht gewählt, und im Alten- burgischen erschienen ans einigen Gemeinden blos die Richter, um zu melden, daß sie und ihre Gemeinden nicht wählen würden. — Was man in Meiningen von dem Ministerium Wechmar zu erwarten hat, mögen Sie schon daraus entnehmen, daß dasselbe die bereits von dem Ministerium' Speßhard signirte Einladung an die übrigen thüringischen Regierungen zur Beschik« hing der Konferenz wegen Berathung eines auf die Grundrechte basirten Schlußgesetzes wieder zurückgelegt hat. — In Gera hat das Gericht den Redakteur der dortigen Zeitung zu acht Monat Gefängniß wegen eines beleidigenden Artikels gegen das Militär ver- urtheilt, während in derselben Sache die Richter im Weimarschen nur auf vierwöchcntliche Gefängnißstrafe erkannten. Allein in den Fürstenthümern Reuß-Greiz- Schleiz und Lobenstein weiß man trotz aller Grundrechte weder etwas von Oeffentlichkeit, noch von Geschwornengerichten. —
Köln, 19. Januar. Heute ist das Schwurgericht den dritten Tag mit den Männern aus Mühlheim beschäftigt gewesen, welche beschuldigt waren, während des Elberfelder Aufstandes bei Mühlheim die Eisenbahnschienen ausgehoben zu haben. Die Theilnahme des Publikums war eine ungewöhnliche, weil der Wohnort der Angeklagten uns so nahe liegt. Es wurden 47 Zeugen, unter ihnen 17 zum Schutze, verhört. — Mehrere der Hauptbelastnngszengen wichen von ihren früheren Aussagen ab, unter ihnen einer, der behauptete, er sei während des Zuges zur Bahn und auch am Jnstruktionsgerichte betrunken gewesen. Heute Nachmittag wurden alle Angeklagten freigesprochen. Die Freude des Publikums war groß und in Mühlheim ist Fest. (Fr. I.)
Urach. Aus Urach wurde uns gestern ein köstlicher Spaß mitgetheilt. Der Streit der Wirthe mit den mostschenkenden Bürgern ist unsern Lesern bekannt. Der erste, welcher den Schild herausthat, war der Schuhmacher Metzger. Dieser hing Heckers Bild, mit einem Kranze verziert, heraus, und dieses zog so viele Mostliebhaber herbei, daß der Vorrath schnell weg war. Einige Spaßvögel meinten nun, es dürfe kein Tropfen im Fasse bleiben, holten vom Küfer einen Blasbalg und drückten richtig den letzten Tropfen heraus. Nachdem dieses geschehen war, zogen die Gäste in Prozession mit dem Blasbalg, einem großen Krug, einem Spiel Karten, Hahnen u. s. w. zu Schuhmacher Wirsum, welcher sofort den Schild aushing, in welchem Blums Bild prangte. Auch hier hatte der Most wunderbar schnellen Abgang und nun kam die Reihe an Gerber Klett. Dieß ist das Mosthotel zum Struve, und der vierte wird einen Gasthof zum Kossuth eröffnen. (Rentl. Bürger-Z.)
Berlin, 18. Jan. (Nat.-Z.) Der gewesene Gesandte der Verein. Staaten am hiesigen Hofe, Herr- Hann eg an, ist vor einigen Tagen eine Stunde nach seiner Audienz beim König von hier nach seiner Hci- math abgereist, und er wird wahrscheinlich einige Zeit ohne Nachfolger bleiben, da die internationalen Verhältnisse zwischen Berlin und Washington so wenig diplomatische Arbeit bedingen, daß ein Legationssekre- tär allein sie für längere Zeit erledigen kann. Ja, Herr Hannegan und Herr Fay (das sämmtliche Personal der Legation) waren zu gleicher Zeit Monate lang durch schwere Erkrankung unfähig, den Geschäften vorzustehen, und diese wurden doch zur Zufriedenheit beider Kabinette geleitet. Es ist dies ein Beweis, wie gering leider der Verkehr Preußens mit dem großen Nordamerika ist.
Berlin, 18. Januar. Wie der Mensch so gern glaubt, was er wünscht, schreibt die „Kölnische Ztg.", so trug man sich seit gestern mit den Gerüchten einer durch Camphausen bewirkten Vermittelung, welche den theils gefürchteten, theils beabsichtigten Bruch zwischen der Krone und den Kammern hindern könnte. Leider aber muß ich Ihnen aus einer nicht schlechten Quelle melden, daß jede Hoffnung einer Ausgleichung auf Grund der Camphausen'schen Vorschläge eine eitele war. Wie man mir bestimmt versichert hat, soll die Krone ganz
entschieden entschlossen sein, in Betreff deS berühmten Art. 108 durchaus kein Zugeständniß zu machen.
Beriin, 19. Januar. (Fr. I.) Die Stimmung des Publikums gegenüber der Verfassungs- und Cabi- netskrisis und allen an deren Ausgang sich knüpfenden Eventualitäten zengt zwar nicht im mindesten von einem innerlichen Interesse der Bevölkerung an dem Fortbestand oder dem Wechsel des Ministeriums und an einem Siege oder Unterliegen der Kammern; allein man verfolgt doch mit Neugierde die Entwickelung der eigenthümlich gestalteten Verhältnisse- Man ergötzt sich an Anekdoten, deren jede Stunde neue gebiert, an Bonmots über die Verlegenheit unserer Deputieren, die trotz ihrer beispiellosen Dienstwilligkeit sich wie die „Anarchisten" der Natiolversammlung von 1848 behandelt sehen; man erheitert sich an der Bereitwilligkeit des Herrn Hansemann, unaufgefordert der Krone einen Rath zu ertheilen, wie der Conflikt zu lösen sei, während man überall darüber einig ist, daß Nichts unerwünschter sein würde, als — eine Lösung des Conflikts.
Der 7. Januar 1850 hat keine andere Bestim- mung, als der 9. November 1848 gehabt; die Verfass sungsbot chaft keine andere als die Verlegung und Vertagung der Nationalversammlung: die Bestimmung, nicht angenommen zu werden. Dieses Eindruckes vermag mau auch in den Kreisen der Kammermitglieder sich nicht zu entschlagen, obschon man Anstand nimmt, sich denselben offen zu gestehen. Als heute eine Sitzung der ersten Kammer angesagt wurde, erwartete man die offizielle Anzeige vom Rücktritt des Ministeriums. Der Druck, der auf den Gemüthern der Abgeordneten lastete, war in allen Mienen zu lesen. Die Kammer beschäftigte fich mit Petitionen und mit der Gewerbeordnung. Die Minister waren anwesend. Hr. v. Manteuffel hatte lebhafte Unterredungen mit dem Grafen Jtzenplitz und sah bekümmert aus. Die Tribünen waren leer und eine dichte Schneedecke auf dem Glasdache, durch welches diese Kammer ihr Licht empfängt, gab dem Sitzungssaale heute ein unfreundliches Ansehen.
Trier, 19. Jan. (Mz. Ztg. Wieder ein Sieg des guten Rechts. So eben ist Dr. Grün nach einer glänzenden Selbstvertheidigung, welcher die beredte Vertheidigung seines Defensors Fuchsius vorausgegangen war, von den Geschwornen für nichtschuldig erklärt worden. Der Chef der Geschwornen trägt eben noch die Verdikte hinsichtlich der übrigen Angeklagten vor.
Darmstadt, 21. Jan. (Fr. I) Unser Landtag ist h e u t e Mittag nach 11 Uhr aufgelöst worden! Der Beschluß der zweiten Kammer bezüglich der Freilassung der in die Kammer gewählten, in Untersuchungsarrest befindlichen HH. Wittmann, Schmitz, Mohr und Heldmann; dann die Verzögerung der Berichterstattung in der deutschen Frage, welche der Ausschuß schon 10 Tage in Handen hat, werden allgemein als dre Ursachen dieser, Vielen wenigstens heute unerwarteten Auflösung angesehen. Lehne suchte noch in ausführlichem Vortrage, den Ausschuß zu rechtfertigen gegen den wiederholten Vorwurf der Verschleppung der deutschen Frage. Reh beharrte dabei, daß den Ausschuß allerdings mit Recht dieser Vorworf treffe. Ministerpräsident Janp trat, begleitet von Ministerialrath Maurer, im Verlaufe dieser Debatte ein, an der auch M ü l l e r - M e l ch i 0 rs, den Ausschuß vertheidigend, Theil genommen und verlas das Dekret, welches also lautet:
„Ludwig 2C. Wir haben auf den Grund der Art. 63, 64 und 65 der Verfassungsurkunde des Großherzog- thumö verordnet und verordnen wie folgt: Art. 1. Die vermalige Versammlung der Stände des Groß- Herzogthums ist aufgelöst und die Wirksamkeit jeder der beiden Kammern der Landstände hört mit der Verkündigung dieses Edikts in derselben auf. Art.2. Alle Rechte der in Beziehung auf den 12. Landtag stattge- fundenen Wahlen sind erloschen. Art. 3. Es sollen so bald als thunlich neue Wahlen für beide Kammern der Landstände des Großherzogthums ungeordnet werden. Art. 4. Unser Ministerium des Innern ist mit Vollziehung dieses Edikts beauftragt. — Urkundlich, Darmstadt, 18. Januar 1850. Lubw ig. Jaup."
Kiel, 17. Januar. In der heutigen Sitzung wird zu Anfang vom Präsidenten ein Antrag des Abgeordneten Bünger angekündigt, dahin lautend: „In Erwägung, daß die Unterhandlungen mit Dänemark voraussichtlich zu einem erwünschten Resultate nicht führen werden, wohl aber zu einer Ermattung und Verzweiflung erzeugenden Dauer ausgedehnt werden können; in fernerer Erwägung, daß die Lage der Einwohner des Herzogthums Schleswig unter den gegenwärtigen Verhältnissen von Tage zu Tage unerträglicher wird, und daß die längere Dauer dieses Zustandes nicht blos die materiellen Interessen der Herzog- thümer im höchsten Grade gefährdet, sondern auch die öffentliche Moral untergrabt und die politische Stellung des schleswig-Holsteinischen Staates immer mehr bedenklich macht; in endlicher Erwägung, daß nicht zu beseitigende Hindernisse politischer oder strategischer Natur einer Wiederbesctzung Schleswigs nicht entgegen» stehen, dahingegen wesentliche Vortheile nur von einem raschen Einschreiten erwartet werden dürften, — aus diesen Gründen beschließt die Landesversammlung, die Statthalterschaft auszufordern , daß sie die nutzlosen Unterhandlungen mit Dänemark abbreche und das Her-
zogthum Schleswig von schkeswig-holsteinischen Arup- i Pen baldigst wieder besetzen lasse." — Dieser Antrag tüiro morgen auf die Tagesordnung kommen. (N f.Pr.)
Sondershausen, 19. Januar. Bei den gestern stattgefmirene» Wahlmanuerwahlen zum Erfurter Reichstag hatten sich von 612 Wahlberechtigten nur 197 eingefunden , welche Minorität sovann die Wahl vor- ' nahm. (F. I.)
Großbritannien.
London, den 15. Januar. — Uneingeschränktes ! Vereinsrecht uno ungefesselt freie Presse find, so wie es die charakteristischen Merkmale eines freien Landes ausmacheiss, die Hebel jeder friedlichen Reform, der licherste Schild aller Regierungen- Die englischen Volksmänner wissen dies nicht nur, sondern lange Uebung hat ihnen eine sichere Praxis in der Anwendung dieses Grundsatzes gegeben. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, wie der Parlaments- und Finanzreform-Vereln Männer, denen die Kraft deS Wortes zu Gebote steht, um durch populäre Beredsam» keit zu belehren uno zu überzeugen, nach allen Richtungen in die Provinzen ,en.sendet, um da, wohin der Strom neuer Bestrebungen gewöhnlich erst später und langlam zu gelangen pflegt, die Geister zu erhel- len, die Energie zu wecken, den Willen zu beflügeln. Welche Früchte bie>es zwar Aufopferung erfordernde, aber sicher lohnende System getragen hat, Darauf konnte der Verein bei seinem Jahresbericht mit Zufriedenheit und Genugthuung Hinweisen. Denn wie zäh auch immer die alte Tradition besonders in den Provinzen ' ’$' rojM^r diese von Grunvherrschaft und Aristokra- i tie gefesselt gehalten werden: die mächtige Stimme der ; Wahrheit findet bei Jedem ihren nothwendigen Wie- derhall, zu Dem sie unverfälscht dringt. Aber der Verein glaubt durch mündliche Belehrung allein seiner Pflicht noch nicht genügt zu haben; er bemächtigt sich auch der Presse, um seine Prinzipien zu verbreiten und einzuschärfen. Er beginnt mit einer Reihe von | Aufsätzen, Die in verschiedenen Blättern erscheinen, über ! die Nothwendigkeit einer Reform Dem Stempelgeseßge- I bung. Nach dem richtigen Grundsätze, daß man daS Uebel nur in seiner Nacktheit darznsteUen habe, uni es Allen als solches klar zu machen, wird der Ursprung, der Verlauf und der Inhalt jener Gesetzgebung vorgeführt. Die elbe begann im Jahre 1694 unter der Regierung Wilhelms und Maria's. Eine I Steuer ward auf Pergament und Papier nur auf 4 I Jahre gelegt, um Die Kosten des Krieges gegen Frank- ■ reich zu bestreiken. Sie ward trotzdem in Zeiten tie« feil friedens berveyalten, ja sie wurde unter fast allen nachfolgenden Regenten, selbst unter der jetzigen Königin Victoria erweitert uno vermehrt. So har Die 'Stempelgeieggebuug durch Die 159jahrige Erweiterung eine KompUzirtheit gewonnen, deren Zergliederung selbst für den Geschichtsforscher cm mühsames Werk sein mußte. Der Verein zerlegt sie dem Publikum unverdrossen, bis hinab auf den Schlußstein deS Gebäudes, nämlich daS im Jahre 1815 angefertigte Statut für die Stempel. Diefes ist somit 34 Jahre in Operation; Die Angriffe, Die auf dasselbe gemacht i wurden, waren nicht gering, aber sie waren ze>streut und deßhalb machtlos. „Der Angriff des Fman>-Re- form-Vereins tragt einen ganz andern Chai akter; er wid koncentnrt und stark sein; und von seinen vielen Anhängern unterstützt, wird derselbe nicht eher rasten, als bis die Stempelgesetze abgeschaft sind."
London, 16. Januar. Ein Abonnent des „Daily NewS" hat sich Die Muhe genommen, auSzurechnen, daß Die Nationalschuld Englands, Die etwa 770 Mill, j Pfd. betragt, seit dem Anfang der Welt, deren Schöpfung der Einsender auf 5850 Jahre rückwärts Dativs, in jeder Stunde sich um 1j Psd. vermehrt har. — Der Wahnsinn hat wenigstens Methode. Die Leser , erinnern sich wohl noch, ivie ein Anderer jüngst den s Umfang des BturmeereS berechnet hat, das durch die i Tovtungen in allen Schlachten seit dem Beginn der i Welt gebildet werden könnte
Der Winter hat dieses Jahr hier eine Strenge an» * genommen, wie sie sonst ungewöhnlich ist. Schon im i Sommer schleicht hier daS Elend in aller Entsetzlichkeit i auf den Straßen umher. Aber wer beschreibt den jetzi- ! gen Gipfel Der Noth, deren Alltäglichkeit p z Mitge- ; fühl fast zur Empfindungslosigkeit abzustumpfen droht? I — Das „Morning Chronicle", auf dessen ergreifende I Briefe über den sozialen Zustand Englands "wir be» I reits aufmerksam gemacht haben, versucht jenes Elend : folgenden» ßen zu schildern: „Eine Welt von Weisheit ist in den Instituten für Die obdachlosen Armen zu lernen. Da muß man die elende Menge um die Anstalt versammelt sehen, um auf das O offnen der Thüren zu warten, barfuß, vor Frost erstarrt, stundenlang im Eise und Schnee auf der Straße stehend, indem der Wind durch ihre zerrissenen Kleider fährt. Dort das Schreien der Hungrigen, das Wehklagen Der vor Kälte bebenden Kinder und die verzweifluiigsvol- len Klage» der Männer zu hören, Die ihre Hand nach einem Pfund trocknen Brode ansstrecken, ist ein Bild, dessen uikheimliche Züge uns durch das ganze Leben verfolgen können. Da sieht man 400 der »lendesten Geschöpfe — mit einem Worte, die allerärmsten Menschen in der allerreichsten Stadt Der Welt."
— Auch das Organ Lord Palmerston's, der „Globe", zeigt nun offiziell Die Beilegung der russischtürkischen Differenz in folgender Weise an: