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ben; hi Obcrliederbach soll man zu ähnlichen Kniffen wurde uns schon heute bestimmt versichert: die Bethei-

seine Zuflucht genommen haben. Hier freilich konnte ligung der Staatsdiener bei dem Walakt sei eine

man solche Mittel, die Leute zum Wählen zu bewegen, ' sehr große gewesen. Letzteres konnte uns in der

nicht in Anwendung bringen, unser Bürgermeister hatte ! That sehr wenig überraschen; denn diese Staatsdiener

" 1 von den Räthen bis zu den Pedellen herab, sind beim

Lichte betrachtet, viel abhängigere Proletarier, als die armen Leute" und können von dem jetzigen Staate, zumal in jetziger Zeit, jeden Augenblick entlassen oder an Dienst und Brod wenigstens empfindlich gekränkt werden, wenn sie sich nicht so verhalten wie man es

nicht in Anwendung bringen, unser Bürgermeis blos die Gefälligkeit, mit seinem Diener jeden Urwäh­ler speziell zur Wahl einzuladen und trotz alledem und alledem eine außerordentliche Minorität. Vivat Ehr­

fort. (Erfurt.)

Nachschrift. So eben erfahre ich das Wabler- gebniß von dem Wahlbezirk Schwanheim: Anwesend waren von Schwanheim zwei Personen, unter diesen der Herr Pfarrer; von Sossenheim Niemand; von Griesheim sieben Personen, welche sich aber der Wahl enthalten haben.

4 Oestrich, 20. Januar. Nach den soeben abgehal- cenrn Urwaolen an hiesigem Orte benachrichtige ich Sie, daß der Gemciuvewahlbezirk Oestrich und Hallgarten keine einzige S t i in m e zur Wahl abgegeben und erklärt hat, zum Volkshaus n a ch Erfurt nicht wählen zu wollen, welches ins Protokoll aufge- nommen und heute nach Wiesbaden abgegangen ist.

A Idstein, 20. Januar. Heute wurden hier die Urwahlen zum Reichstag nach Erfurt vorgenommen.

Wie es vorauszuscheu war, so wählte nur die Min­derheit. Von etwa 700 Urwähler waren 75 erschienen, woraus hervorgeht, daß sich nur beiläufig 110 der Wahlberechtigten an diesem Akt betheiligten.

Unter den 75 Wählenden waren 27 Angestellte, noch etliche zu dervn Anhang Gehörige un 36 gut­gesinnte Idsteiner Bürger, 9 Bauern von Wörsdorf und der Bürgermeister von Engenhahn.

Gewählt wurden: Hofrath Kröber, Posthalter Schmidt von Idstein, G. Baum von Wörsdorf.

Wie wir weiter hörten, soll im Wahlkreis Esch die Theilnahme noch viel geringer gewesen sein, indem dorten nur circa 40 Personen gewählt haben sollen,

22 Esch, 20- Jan. Heute fand dahier die Wahl für Erfurt statt und waren die cingelakenen Gemein­den wie folgt vertreten: Ober-Ems mit 2 (Oberförster Baum und Bürgermeister Lehr); Nieder-Ems mit 18 (der Bürgermeister und Lehrer Pier); Oberroth mit 2 (Pfarrer Molly); Niederroth: Niemand; Kröftellmit 1; Reichenbach mit 6 (Lehrer K o in p f und der Bürgermeister); Heftrich mit 1 (Förster Stein­metz und Esch mit Bürgermeister Ries, welcher die Wahl zu leiten hatte.

Diese Versammlung wählte zu Wahlmännern die sich in ihrer Mitte befindenden Herrn Oberförster Baum, Bürgermeister Ries und Bürgermeister L e h r.

= Niedernhausen, 21. Jan. Bei der gestern hier stattgehabten Wahl, an welcher die Gemeinden: Oberseelbach, Niederseelbach, Oberjosbach, NieverjoS- bach, Bremthal, Vockenhausen, Königshofen und

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constituirten, allein nach dieser Handlung zu einer weiteren Wahl nach Erfurt sich durchaus nicht ver­anlaßt fanden.

4= Nastätten , 20 Januar. Zu der auf heute bestimmten Wahl nach Erfurt haben sich unter circa 600 Wahlberechtigten 25 eingefunden, worunter 17 Beamte und öffentliche Diener.

In erster Classe wurde gewählt Hr. Medizinalrath Wuth mit 8 Stimmen unter 11. Zn zweiter Classe Hr. Amtmann Müller mit 4Stimmen unter 6. In dritter Classe Hr. Sekretär v. Preuschen mit 5 Stimmen unter 9.

* Wiesbaden , 21. 'Januar. Bei der gestrigen Wahl für Erfurt betheiligten sich in der ersten Classe von 138 Wahlberechtigten 70; in der zweiten Classe Von 368 Berechtigten 150, und in der dritten Classe von 1660 nur 301.

Ueber die Zahl der Staatsdiener, welche sich bei der Wahl betheiligten, werden wir wohl später noch ganz genaue Auskunft ertheilen können; soviel aber

oben verlangt.

Sonnenberg, 21. Jan. Hier sollten gestern die Gemeinden, Kloppenheim, Frauenstein, Rambach und Sonnenberg, die Wahl für Erfurt vornehmen. Von 515 Urwählern, welche zu erscheinen berechtigt waren, hatten sich jedoch nur die Herren Bürgermeister der genannten vier Orte eingefunden und da diese kein Wahlbürean constituircu konnten so wurde hier für Erfurt gar nicht gewählt.

H- Eltville, 20. Jan. Soeben hat die Urwahl für das Erfurter Festungsparlament hier stattgefunden. Von 532 Wahlberechtigten erschienen ungefähr sechzig, voran zwei ihrem liberalen Vater durchaus unähnliche Söhne. ___________

Fabeln

$ Wiesbaden, 21. Januar. Die heutige Assisen- Verhandlung (5ter Proceß: Anklage gegen Wilhelm B l u in von Frankfurt, wegen ausgezeichneten Diebstahls) wurde wegen Nichterscheinens eines Zeugen bis zu den nächsten Assisen ausgesetzt. Deßhalb heute darüber nichts Näheres.

Y Diez. (Der Herz vgl. Nass, allgemeine Landeskalender für 1850.) Als man voriges Jahr beim Erscheinen des 1849er Kalenders noch die Form des Absolutismusvon Gottes Gnaden" rc. dar­in gewahrte, was dieFreie Zeitung" schon damals mit Recht rügte, entschuldigte sich das nassauische Ne­gierungsblättchen damit, daß der erste Bogen des Ka­lenders von 1849 schon vor dem 4. März 1848 gedruckt worden sei, wodurch es also zugab, daß später dieser Lockvogel der Pietisten und Absolutisten als nicht mehr den Forderungen der Zeit und des Volkes entsprechend, wegbleiben müsse. 9(un erscheint aber dieses Jahr, nach wie vor, als sei gar keine Revolution u. kein Fuescuius gewesen, kein constitut. Staatsleben euigcireten, der alte Landeskalender, der gewiß in einer Ecke redigirt wird, in welche keine Sonne und kein Mond scheint, mit seinem ganzen Zopfthum des Absolutismus: mit dem von Gottes Gnaden" und demVerzeichniß der zum deutschen Bunde gehörigen hohen souveränen Re­genten." Ich hoffe nicht, daß uns dieAllgemeine" auch diesmal wird bekehren wollen, als sei der erste Bogen von 1850 auch nbch vor dem 4. März 1848 ytiuin-Tvvn^..) »n^ -^ ft» ^ W rin 'JtuusU/Huui oder Fortschritten ihrer Partei nicht mehr nöthig, mit solchen Redensarten nicht durch geführte und san ktio nir te K a in m e rb esch I ü sse vertheidigen oder entschuldigen zu wollen; sie kann jetzt keck auftre- ten und die absolutistische Formvon Gottes Gnaden" als absolut zu Recht bestehend, mit Bibelsprüche ent­schuldigen.

Was nützen nun Kammerbeschlüsse, so lange Pfaffen und Könige noch den Willen und die Macht haben, dem Volkswillen stets entgegen zu treten?

Was wird demzufolge ein,Erfurter Festungs-Hajo bezwecken wollen, der mit so vielen Pfaffen und et­lichen 30 Fürsten es aufnehmen will, die jetzt alle den Willen und die Macht haben, was sich nicht'mit ihrem Gottes Gnaden" und ihrer Bibelauslegung verträgt, ' nicht zu willfahren !

Nun finden wir aber auch in dem neuen Kalender

Frankfurt, 18. Jan. (F.J.) General v. Radowitz ist in Folge einer auf telegraphischem Wege heute hier­her gelangten Einladung des Staatsministerii nach Berlin abgereift. Für die voraussichtlich kurze Abwe- aar schöne Fabeln und Räthsel, die sämmtlich darauf ; sentit des Herrn V. Radowitz ist demselben der- hinzielen, das Volk zu verdummen und wenn wir uns niglich preußische Generallieutenant v. Peucker substi- nicht irren, so steckt hier gewiß wieder einPrediger tuirt worden, welcher als Chef des Generalstabes Sr. des Volks" dahinter, der solches erbärmliches Zeug, k. Hoh. des Prinzen von Preußen in Karlsruhe weilt.

namentlich den Landleuten, als zu Nutz und Frommen auftischt; man will gar wissen, ein Schul-Inspektor schriebe solches Zeng ! Wir fragen, ist das recht, solches erbärmliche Zeug in einen Kalender zu schmieren, zu­mal -das Volk auch noch durch ein sogenanntes Privi­legium gezwungen werden soll, einen solchen^Verbum- mungökalenver zu kaufen? Wir begegnen z. B in dem neuen Kalender einer Erzählung von Cometen, womit man das Volk von seinen irdischen Bedrückern ablen- ken und auf den Himmel, die Astronomie, wie in Ruß­land, Hinweisen will; dannwas aus einem Holzhauer werden kann", vomwackern Dorfschulthciß" rc. re, warum nicht Etwas noch von der Genofeva? Sind das belehrende, aufklärende Sachen?

Meinten es die Pfaffen und Könige wirklich gut mit dem Volke, so müßten sie suchen dasselbe mit den neueren Gesetzen vollständig bekannt zu machen und da konnte Vieles durch den Kalender geschehen, wenn man z. B. statt solcher Sinn und Gefühl abftumpfender

1) die freie Gemeindeordnung,

2) die Kreksamtsordnuug,

3) das Gesetz über die Armenpflege,

4) den Gerichtsvollzug,

5) das Strafgesetzbuch,

6) das Schwurgerichtögesetz,

7) die Codification,

8) die Grundrechte rc. re.

darin abdruckte, was dem Landvolk namentlich besser zu Nutz und Fromm gereichte und erwünschter wäre als diese Fabeln; und durch solche Belehrungen würde derAnarchie" sowohl, als der Willkür von Beamten, Pfaffen und Bürgermeistern entgegen gewirkt!

So fahrt nur fort, ihr blinden Reaktionäre, so fördert ihr am meisten die Demokratie und wenn euch die Bauern einmal nicht mehr die Kalender abkaufen, wozu ihr sie trotz eures Privilegs nicht zwingen könnt, weil es nach den Grundrechten aufgehoben ist, so wer­det ihr vielleicht bessere Aufsätze .schreiben und das Gottes Gnadenthum" streichen.

CV. Aus dem Amte Idstein, 17. Jan. Dadurch, daß der Gerichtshof das Gesuch des Geschwornen Herrn Joh. Bender ablehnte, (siehe den Artikel über die Assisenverhandlungen zu Wiesbaden in Nro. 12 dieses Blattes) hat derselbe sich einen Verstoß gegen das Nass. Staatsrecht zu Schulden kommen lassen. Es besteht fernerhin keine Staatskirche mehr, heißt es in diesem Staatsrecht. Durch diesen Satz ist der Unterschied zwischen anerkannten und nicht anerkannten Confessionen gefallen. Einen Geistlichen der Mennoniten aber vor dem Gesetze anders zu behan­deln, als einen solchen der früheren Staatskirche, scheint dem Schreiber dieser Zeilen nicht die rechte Art zu sein, wie eine Behörde Gesetze auslegen soll.

Daß aber Herr Bender ein Prediger derMenuo- 'mrCTTTnnTs^^nrr^J^ obgleich er es weder

versteht, noch für nöthig hält, deshalb einen Heiligen­schein um sich zu verbreiten, diese Versicherung sei hier» mit gegeben. Over besteht etwa noch ein gewisser Un­terschied zwischen einem Prediger und einem Geist­lichen ? Daß Herr Bender nicht vom Staate an­gestellt, sondern von seiner Kirchengemeinde durch freie Wahl berufen wurde, oder daß er sein Amt nicht im faltigen Chorrock, sondern im Kleide eines schlichten AckèrSmannS verrichtet, oder daß er endlich nicht Got­tes Wort für Geld an den Staat verkauft, sondern dasselbe seiner Gemeinde gratis verkündigt, alles die­ses kann an der Sache nichts ändern!

^Alle aufs Deck!" rief der Capitain.

Alle fanden sich ein, bereit den Befehlen zu gehorchen die gegeben werden würden. I

Der erste Lieutenant stand etwas unruhig auf und trat zu dem Capitain, mit dem er einige Worte wechselte.

Achtung!" rief der Capitain.

Dieses Wort wurde in der größten Stille mit starker Stimme gesprochen und cs turiMebtc die ganze Mann­schaft. Mit festem und sicherm Blicke sah er um sich, ob Jeder auf seinem Posten fei , dann fuhr er fort!

Die Kette des Blitzableiters ins Wasser! Alle Eimer und die Spritze gefüllt! Das Zündkraut von den Kanonen weg! Alle Oeffnungen und Fenster zuge-, macht, daß auf dem ganzen Schiff kein Zug sei!"

Nach wenigen Minuten waren die Befehle vollzogen und Jedermann befand sich wieder auf seinem Posten.

(Fortsetzung folgt.)

B. Theater zu Wiesbaden.

Wiesbaden, 21. Januar. Wir haben heute über zwei Vorstellungen zu berichten, über denPariser Tauge­nichts" und über denGlöckner von Notre-Dame". Es

ist uns erfreulich, die Darstellung im Ganzen lobend i anerkennen zu können.

Es scheint aber, daß Stücke, wie die beiden genann­ten den dermaligen Kräften unserer Bühne mehr ange­messen sind, als die classischen.

Frl. Boden schien ihre Rolle mit vielem Eiser studirt zu haben und gab den Taugenichts recht gut. Ebenso waren sehr gelungene Darstellungen die des Ge­neral Morin von Hrn. Meyer und die der Baronin Morin von Seiten der Frau Flindt, welche letztere in derartigen Rollen immer Beifall ernsten wird. Hr. Meisinger als Bizot streifte, wenn man ihm nicht so schon Uebertreibung zur Last legen kann, doch stets dicht an dieselbe. Er hat indessen das Publikum mit seinem Jsolani wenigstens thetlweise, wieder ausgesöhnt. Hr. Wilke als Edvard war, wie auch bisher.

Als einen offenbaren Mißgriff aber müssen wir es bezeichnen, daß Ler Frl. Diemar die Rolle der Elise zu Theil wurde. Dieselbe ist für solche Rollen durch­aus untauglich, Ihre geringen Mittel sind nur auf einem sehr eng abgegrenzten Felde vielleicht ausreichend, in untergeordneten Rollen; jenseits dieser Grenzen ist ihre Erscheinung sehr störend.

Der Glöckner von Notre-Dame ist die Ausgeburt einer wilden, wahnsinnigen Phantasie. Nichts als Ueber­maß und die ungeheuerste Uebertreibung in jeder Scene

und in jedem Charakter! Ein solches Stück mag ge­eignet sein, einen Eindruck hervorzubringen, auf ein abgestumpftes Publicum, für das das Crasse moch einen Reiz hat, aber das deutsche Publikum sollte man einstweilen mit solchen Ungeheuerlichkeiten noch nicht tractiren. Das Stück verfehlte denn auch bei der großen Mehrzahl jedcn Eindruck. Wir haben stets gesehen, daß das Publikum bei nur einigermaßen genügenden Dar. stcllungcn gerade heißen Höhepunkten hingerissen wird und eine Zeit lang vergißt, daß es im Theater ist, während gestern bei sehr guter Darstellung die Einen unberührt blieben, die Andern aber lachten. Wir finden dies sehr naturgemäß. Wenn öfter derartige Stücke zur Auffüh­rung kommen, so darf die Direktion nicht klagen über den Verfall des Geschmackes; denn grrade durch solche Extravaganzen wird er herbeigeführt.

Die Darstellung war, wie schon gesagt, fast ohne Ausnahme sehr gut. Wir wollen für heute und bei diesem Stück nicht näher ins Einzelne cingchen und be­halten unS eine specielle Critik für daS nächste classifche Stück, dessen recht baldige Aufführung wir hoffen, vor.