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+ Der Constitutionelkn Berhängniß und Deutschlands Schicksal.

Rüstig, rüstig, nimmer müde!

Feuer brenne, Kessel siede!

Koche Diplomätenbrei, Daß der Zauber wohl gedeih'!

Immer näher rückt der Tag zum Stelldichein in Erfurt, und trotz aller Zeichen des Mißlingens hoffen noch immer jene Amphibiennaturen, genannt Constitu- tionelle, sie würden wieder einmal ein parlamentari- chcs Concert geben können, das die Ohren der Für­sten und Völker bezaubere. Aber ihr Gesang hat vie Gewalt beim Volke verloren und in Sanct Petersburg

schreibt man -roten zum konstitutionellen Terte, in ab­soluter Durtonart, sodaß die Musiker nimmer den rechten Ton treffen werden. Uno die Propheten der Neuen Deutschen und desEdlen" wähnen noch im­mer, ihrem Verhängnisse entrinnen zu können.

Ein langgenährter Wahn ist wohl schwer abzulegen, aber, er wird nicht zur Wahrheit, weil er lange ge­nährt wurde. Der Absolutismus hat längst die Larve abgelegt und schreitet festen Trittes seinem Ziele zu. DaS französisch-russische Projekt von 1828 wird wic- ber offen besprochen, und aus Berlin, dem neuen Je­rusalem der Kaiserträumer, berichtet man die russische w^.,...v ^..... -..

Note, welche die Theilung 'DelN^WiVs verlangt, als ' das göttliche Recht der Könige ist zernichtet, das Volk eine ganz einfache Sache, die sich von selbst versteht. M Das Volk zeigt überall seine Gleichgültigkeit für die I Projekte von Gotha und seinen Unglauben gegen die , Propheten des Constitutionalismus unv dennoch will man den Wahuglauben oktroyiern.

Doch die Constitutionrllen, nach zwei Seiten hin­kend, wähnen noch immer, Kraft dieses Hinkens, eine moralische Macht zu sein, berufen, ^ttj^ >">' ^» gestalten. Prinziplos, wie sie find, hoffen ste Alles vom Zufall der Umstände, welcher die Weltordnung zu ihren Gunsten hrrbeiführcn werde; aber der Absolutis­mus schafft sich die Umstände durch die Gewalt, und die Demokratie stärkt sich innerlich, um den Kampf­

platz geordnet betreten zu können.

Die ganze Weltgeschichte ist nur der Bericht über den alten Kampf zwischen der Wahrheit und der Lüge, : zwischen Gewalt und Recht, Zwischen Autorität und Freiheit, Ormudz und Ahriman, Licht und Finsterniß, wie es der Weise des grauen Alterthums genannt.

Scheinbar immer besiegt, zog die Demokratie ans jedem Kampfe neue Kraft und bessere Stellung für den : nächsten Kampf. Wohl macht der AbfolutismuS jeden s Fortschritt streitig., aber jeder Ausgang des Kampfes i schloß ihn enger und fester ein, und der letzte, entschei- beute Kampf naht stürmend gegen,Pen Mittelpunkt der Gewalt. Aber zu allen Zeiten gab cs solchcDäm- mcrungsvogel, wie unsere Constitutionellcn, Vic vor dem Kampfe zwischen den Lagern flatterten, um als lästiges

Leben und Abente,rer des John Davys

Aon Alexander Dumas.

(Forlstynng.)

Der Capitain konnte den Armen nicht begnadigen, wenn nicht vie strenge Disciplin leiden sollte; denn ein Offizier darf auf einem Schiffe den Untergebenen gegen­über nie Unrecht haben.

Die Matrosen erlitten die Züchtigung alle mit mehr vder^wenigcr Muth. Zuletzt kam die Reihe an Bob, dessen harte Haut wohl etwas gerötet wurde, aber keinen einzigen Tropfen Blut fahren ließ. Nach dem zwanzigsten Streiche richtete er sich auf; man sah es ihm an, daß er sprechen wollte, und alles wurde still.

Ich wollte weiter nichts sagen/ sprach er, indem er sich an den Capitain wendete,als daß man mir, da ich einmal da bin, gleich noch die zwölf Hiebe gebe, die Daviv bekommen soll. Es kommt mir nicht zu, Herr Capitain, zu entscheiden, ob er ein Deserteur ist oder sticht; eins aber weiß ich; wenn er zwölf solche Hiebe bekommt, wie ich sie empfunden habe, stirbt er, seine Frau wird Wittwe und seine Kinder werden Waisen. Ich habe schon einmal 36 ausgehalten, also her mit den übrigen zwölf/

Stambow befahl mit nassem Auge Bob herunterzu- steigen und Daviv folgte ihm. Es trat eine tiefe Stille

Hinderniß von beiden Seiten zertrümmert zu werden.

Im Bauernkriege verrieth die Bourgeoisie die Bauern, bangend, die Freiheit könnte ihre Privelegien zerstören, und sie frohlockte über den Untergang des Volkes. Aber als die Bauern zertreten waren, da nahm man den behäbigen Bourgois ihre Privilegien und zahlte aus ihren Geldsäcken die Kosten des Krieges. Auch jetzt werden diese Amphibien mit ihrem Fleische die Adler und Aasgeier sättigen müssen.

Reiset nach Erfurt, ihr konstitutionellen, zur con- stitutioncilen Vermählungsfeier, wie einst die Hugenot­ten nach Paris. Die Bartholomäusnacht wird auch euch kommen, wie dem Volke in Baven. Die Ret­tung des Abgeordneten, der ein Mann des Volkes, war euch nicht dringlich; ihr höhntet, als das Volk um den gemordeten B l u m (durch eure Schuld gemor­det) jammerte; ihr habt frohlockt, als das Blut des Volkes und seiner Führer in Baden floß; ihr nanntet es gesetzlich, als man das Militär auf die Reichsver- faffung schwören und dann dasselbe gegen diese Reichs- Verfassung kämpfen ließ: alles Blut kommt über euch! Habt ihr weniger als die Demokraten gefrevelt ? Habt ihr nicht die Empörung heranfbcschworeu helfen? Wenn die Majestät von Gott gesetzt ist, so hat das Volk ge­frevelt, als es sich gegen die Majestät erhob, und ihr habt den Frevel begünstigt, habt das Volk zum Kam- Kse gerufen. Die Majestar ist durch euch entehrt. Die

GchLt vor denGesalbten des Herrn

ver Glaube an

//

hat Sie zitternd gesehen, vor denen es zu zittern gc-

wohnt, beides auch durch eure Schuld. Weil ihr weniger gefordert, als die Demokratie, deshalb seiv ihr nicht weniger strafbar. Ihr halft der Majestät ihren Gotlerschem rauben, habt mit Gewalt gefordert, euch gegen die Ordnung der Dinge empört, die Maje­

stät entweiht, die Autorität zerstört.

juijiyut .yi euv -ottvini/fu viHAy oen verrath am Volke gesühnt? Das macht die Empörer nur zu Ver- räthern. Durch vas Volk die Fürsten zu schrecken, sie zu nöthigen, euch ihre Rettung zu vertrauen, habt ihr im Volke den Durst nach Freiheit durch Hoffnungen genährt, habt es gegen die Throne geführt und euch dort als Aolksbändiger empfohlen, und dann habt ihr dem Volke Alles geraubt, was ihr ihm versprochen, und das Volk der Gewalt und seine ehrlichen Führer

den Henkern überliefert. Und alles schuldlos vergos­sene Blut soll blos geflossen sein, euern Ruhm unv eure Macht zu erhöhen.!? Euer Ruhm ist hin, eure ! Macht ist Ohnmacht; denn die Fürsten hassen euch als Empörer und das Volk haßt euch als ! Verrälher.

Im Augenblicke der Noth gebraucht die Macht je­des Mittel; aber wenn die Noth vorbei, wirft man das schlechte Mittel weg.

Der constitutionelle Empörer, der den König vor ' der Wuth des Volkes zu Madrid rettete, ging mit dem Könige Arm in Arm, rauchte von ven Cigarren

ein. Die neun Riemen zogen blaue Streifen auf vie Haut veS Schneiders; beim Dritten Schlage sprang be­reits die Haut auf und beim vierten spritzte das Blut umher.

Genug!" rief der Cap'tain.

Jedermann athmete frei auf. Die Leute wurden abgcfnhrt unv mir befahl ver Capitain, nach Dem armen Taviv zu sehe». Nach zwei Stunden lag er im hitzigen Fieber.

Wir befanden uns auf der Höhe von Monvencgo und gedachten den zweiten Tag darauf gegen Abend in Gibraltar zu sein,wenn die schwarze Wolke dort/ sagte der Capitain zu mir,die wie ein liegender Löwe aus sieht, uns nicht etwa einen schlimmen Streich spielt."

Die Matvsen spielten und plauderten auf dem Vor- dertheit.'; der Capitain ging auf unv ab, der erste Lieu­tenant lag halb auf der Lafette einer Kanone und Bob schien aufmerksam ven Schauinflocken zu folgen, welche unser Schiff aufregte. Ich setzte mich neben ihn und fing an, ein irr'ändisches Liedchen zu pfeifen. Einen Augenblick hörte er mich an ohne etwas zu sagen, bald aber drehete er sich um, nahm seine Müye ab, drehete sie zwischen den Fingern herum und sagte, ob es ihm gleich offenbar schwer wurde:mit Verlaub, Herr Davys, ich hörte von Eltern sagen, es fei gefährlich, den Wind zu rufen, wenn sich am Horizonte eine so schwere La­dung befindet, wie die dort, welcher der Großadmiral

der Majestät; als aber die Franzosen in Madrid ein. gerückt, ließ König Ferdinand den Freund Riego zuerst an den Galgen hängen. Die Majestät läßt nicht mit sich rechten, die Majestät vergißt keine Kränkung.

(Schluß folgt.)

Berichte über die Wahlen nach Erfurt.

N- Höchst a M., 20. Januar, Herr Redakteur! Ich beeile mich, Ihnen das Ergebniß der heute dahier stattgefundenen Wahl zum Erfurter Stelldichein mit- zutheilen. Wie bekannt bildet Höchst mit den Ort­schaften Nied und Zeilsheim einen Wahlbezirk. Es waren anwesend von Höchst circa 45 Wähler, nämlich die Herren: Bürgermeister Adelon, Hèrz Frank, Hof- kammerrath Fritze, von Laugenau, Conrad Weingärt­ner, Dr. Schüler, Gastwirlh Adam Zuckschwerdt, Land­rath Petsch, Receptur - Accessist Bach, Sattlermeijster Keim, Joh. Erlaubn, Kreisamtssekretär St. George, Lehrer Weil, KreisamtSaccessist Snell, Bauaccessist Kre­kel, Ignatz Adam, Glöckner Hepp, Pfarrer Devora, Apotheker Kaysscr, Oberförster Vonhausen, Feldwebel Kohl, Andreas Adelon sen. Posthalter Bauer, Inspek­tor Ackermann, Bote Buch, Löb Ettinghausen, Lehrer Gottschalk, Medizinalrath Dr. Thilemus, Mathias Gärtner, Leonhardt Filsinger, Adam Ohl, Gerhard Pfeiffer, Roth, Lorenz Balling, Baumeister Götz, Peter Bechet, Schreiner Hammel, Nikol. Schmdling, Nacht­wächter Anton Schindling, Anton Schweizer, Mayer Schott, Michael Hochheimer und drei Gensdarmen. Von JRied: Bürgermeister Sittig, Lehrer Frensch An­ton Schall und ein llnbekannter. Voit Zeilsheiin: ein­zig und allein der Herr Bürgermeister Fleck. Dies waren alio M'nincliMe llrrnahfpr «Ali ix.;4.P-, M . und ^eilshttin! Von diiyer großen Minderheit wur­den zu Wahlmännern gewählt: von der dritten und zweiten Clässe vie Herren Georg Döst und Jean Gärtner von hier, von der ersten Classe Anton Schweizer von hier; zu bemerken ist dabei, daß die Erstgenannten nicht bei der Wahl anwesend waren und der Letzte mit 1, zage einer, Stimme zum Wahl­manne gewählt wurde; es waren von der ersten Klasse nur zwei Wahler anwesend, die Herren Apotheker Käyßer und Anton Schweizer, der Erste gab dem Letz, ten und der Letzte dem Ersten seine Stimme und daS Loos entschied für ven Herrn Gemeinverath Anton Schweizer. Glöckner Hepp, Peter Bechel, Sattler Keim und Accessist Bach bildeten unter dem Vorsitze des hiesigen Bürgermeisters den Wahlausschuß.

Schließlich bemerke ich Ihnen noch, daß ven Ur­wählern in dem benachbarten Untcrliederbach von ihrem Bürgermeister bekannt gemacht wurde, sie müßten bei Strafe von 10 bis 100 fl. in dem Wahlort Hatters­heim erscheinen; möglicher Weise könnte ihr Nichter­scheinen auch preußische Einquartierung zur Folge ha­

an

der Wolken in diesem Augenblicke zu unserer Verfügung bereit hält."

!Ich sehe ja überall reinen Himmel/

Die Wolke Den nuten bringt uns einen ächten ; und wirklichen Sturm."

Abmälig wurde Der Wind, der unser Schiff trieb, unsicher, wie keuchend; die Luft vcrvunkclte sich; das grünliche Meer nahm eine aschgraue Farbe an uud matt hörte in der Ferne das dumpfe Rollen des Donners. Es ist dies ein Ton, der Schweigen auf der Erde und auf dem Meere gebietet ; auch hörte in demselben Augen­blicke jedes Gespräch auf.

Der Capitain fragte den Matrosen oben im Takel« werke, wie der Wind sei.

Er kommt stoßweise/ antwortete der Gefragte, und jedesmal schwächer und wärmer."

Komm herunter!"

Der Matrose gehorchte dem Befehle und trat unter seine Cameraden. Der Capitain setzte seinen Spazier­gang fort und alles war still.

Dein Camerab scheint doch Unrecht gehabt zu haben," sagte ich zn Bob;die Segel schwellen von neuem und das Schiff geht gut."

Das ist das letzte Röcheln deS WindeS/ murmelte Bob.Noch drei oder vier solche Seufzer und es ist vorbei."

So geschah es; das Schiff machte ba d nur noch die Bewegungen, die ihm die Wogen mittheilten.