„^verheil und NeeÜt!"
Jü 17* Wiesbaden. Sonntag, 20. Januar ~ 1S5I
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Zur nassauischen Er'senbahufrage.
II.
(Fortsetzung und Schluß.)
□ Wiesbaden, 16. Januar. Wie gesagt, wir mißgönnen keineswegs den Lahnstädtcn eine Eisenbahn, wünschen vielmehr, daß sie zu Stande komme, sie wird aber nur in Verbindung mit einer uüttelrhcimschen Eisenbahn nach der angedeuteten Richtung ihrem Zwecke entsprechen. Denn der Verkehr auf der Straße zwischen Gießen und Coblenz allein ist keineswegs so stark, um die Ertragsfähigkeit einer so kostspieligen und langen Bahnstrecke zu sichern. Ist ja noch nicht einmal eine Chauss« zwischen Diez und Nassau erbaut, ein Zeichen, daß die Frequenz wohl nicht sehr bedeutend sein mag, sonst würde wohl unsere Regierung, die schon so viel auf das Straßenbauwesen verwendet hat, diese Strecke schon langst angelegt haben. Denn ein großer Theil des. Lahnverkehrs kommt von hier über Schwalbach, Rafjan nach Ems und Coblenz, ein anderer geht von hier aus über Limburg, Weilburg nach Wetzlar, also wird der Lahnbahn durch die Mit- telrheinische Bahn stets ein bedeutender Zufluß erwachsen. Die Hauptabsicht mag jedoch bei Erbauung der Lahnbahn dahin gehen, dem Eisenstein und Braunstein einen erleichterten Absatz zu verschaffen. Wir halten dieses Vorhaben für sehr löblich, jedoch noch löblicher wäre cs, darauf Bedacht zu nehmen, den Eisenstein im Lande selbst zu verhütten, anstatt ihn so schnell als möglich ans dem Lande zu schaffen, denn der meiste Gewinn erwächst der Bevölkerung aus der Verarbeitung der Rohprodukte.
Verfolgt man nun unsere Bahn weiter über den Westerwald, so hört man das Geschrei: „Was ist da zu holen, wer wird über diesen Westerwald teilenV" Wenn die Koblenzer so rcdeir, so ist es Ihnen nicht zu verdenken, denn sie wollen die ^iHm natürlich durch iM SE geführt paöi'n, iwui acker von Nassauern solche Reden ausgchen, so weiß man nicht, was man davon halten soll. Wir wollen es nicht einen Verrath am Landcsintercsse nennen, denn wir glauben, daß solche Leute hier nicht wissen,■ was sie sprechen, wir wollen cs vielmehr ihrer Unwissenheit und Krähwinkelei zu gut halten, welche nicht vermag über die nächste Scholle hmauSzublickcn. Gesetzt, der Westerwald sei auch eine Einöde, der Zug einer großen Masse von Reisenden, welche sich nicht den Unregelmäßigkeiten der Dampsbote, bei übler Witterung, kleinem'Wasserstand, Rebel und Frost ’C., aussetzen wollen , würde doch über feinen Rücken gehen. Aber der Westerwald birgt einen großen Reichthum verführbarer Produkte. Diesseits sind es hauptsächlich die unerschöpflicheil Braunkohlenlager, und jenseits bietet eine der industriereichstiN Gegenden Deutschlands, das Siegener Land, seine Erzeugnisse dar. Die Braunkohlen allein lohnen es schon der Mühe, durch ihr Revier eine Eisenbahn zu ziehen, und wir sind überzeugt, ge
Leben und Abenteuer des John Davys.
Von. Alexander D n m a S.
(Fortsetzung.)
— „So sei willkommen," sprach er, indem er mir die Hand reichte. „Du bist ein Bruder. Was willst Du? Was wünschest Du? Du sollst alles haben, wenn Du Geld hast."
„An Geld fehlt es mir gerade nicht," entgegnete ich.
— „Du kommst wie gerufen zur Hochzeit."
, „Zur Hochzeit?" wiederholte ich voll Verwunderung.
■— „Ja wohl; kennst Du Bob?"
„Ftrilich kenne ich ihn."
— „Nun, der verheirathct sich und eben in diesem Augenblicke."
„Er ist nicht allein vom Dreizack?" fragte ich.
— „Sie sind sieben, so viele wie Todsünden."
„Wo kann ich sie treffen?"
— „In der Kirche, mein Sohn, und ich werde Dich dahin führen."
„Bleibt nur immer Jemmy, ich will den Weg schon allein finden."
— „Nichts da. wohl daß die Spione Sr. brittischen Majestät die Hand an Dich legen; ich führe Dich."
Er ergriff mich dabei am Arme lind zog mich auf das freundschaftlichste von der Welt aber auch mit einer
hörte dieses unermeßliche Brannkohlcngcbict zu Preußen oder Baiern, oder irgend einem andern deutschen Land, es würde schon längst durch eine Eisenbahn auSgebeu- tct worden sein.
Jedoch hier in Nassau ersticken wir beinahe in unserm Mineralirnuverfluß und wissen nicht, was damit anfangen.
Es wird von unsern Gegnern behauptet, die Braunkohlen vermöchten nicht mit den Steinkohlen zu concu- viren; die Braunkohlen kosteten an der Grube 9 kr, der Eentncr, das Gries der Saarkohlen in Lahnstein 7 kr. der Eentncr. Chimäre!
Die Braunkohlen halten jetzt schon die Eoncurrenz mit den Steinkohlen an der Lahn aus. Auch kostet der Eentncr SaarkohlengrucS in Lahnstein nicht 7 Kreuzer, sondern 23 Kr., und daS Braunkohlenklein kostet an der Grube der Ecntner nur 3 kr., sage drei Kreuzer! Wird aber die Ei enbahn durch das Braun- kohlenrevier gezogen und sogar durch die ausgedehnten Braunkohlenlager selbst, die auf ihrem Wege liegen, so werden sowol durch die zu vervollkommnende Ausbeute, welche jetzt noch in der Kindheit ist, als auch durch den Eisenbahntransport die Kohlen noch wohlfeiler und mit der zunehmenden Wohlfeilheit wird sich ebenso der Verbrauch steigern.
Längs der Eisenbahnlinie werden alsdann Magazine angelegt werden, aus denen der Landmann und der Städter das billigste Brennmaterial holen kann. Dadurch wird, wie schon anderswo gesagt, eine Masse Brennholz für die Hüttenwerke disponibel, ein Vortheil, welcher diesem Industriezweig einen großen Aufschwung verleihen muß, indem alsdann der Eisenstein im Lande selbst verhüttet werden kann.
Der Gewinn für das Land liegt daher in einem größern Verbrauch an Brennmaterial, an Braunkohlen und an Holzkohlen und einer, VertneyrunA.. der Eisen- und wieder ans den Eisenbahnbetrieb selbst lohnend rückwirken.
' Wie aber bei Erbauung der mittelrheinischen Eisenbahnen durch die Mitte des Herzogthuurs Zweigbahnen cineStheils nach Koblenz, anberntheilS nach Gießen unerläßlich sind, ebenso nothwendig wird sich eine Verbindung mit Siegen durch das Siegthal ergeben, da wo die Bahn die Grenze des Landes überschreitet und sich nach Deutz fortsetzt.
Diese Verbindung ist weit naturgemäßer und vor- theilhafter als die von Siegen nach Dillenburg und dem Dillthal entlang nach der Lahn, eine sehr lange Strecke, welche wohl schwerlich zur Ausführung kommen möchte und für welche bei Löhnung des Gütertransports eine Pferdebahn genügen dürfte. Von Siegen aus wird ferner eine Eisenbahn nach Essen in Westphalen gebaut werden, so daß alsdann das innere von Westphalen in direkte Verbindung Pit unserer Bahn gesetzt würde ohne den Rqeiii bei Düffcldorf berühren zu müssen, gewiß ein nicht unerheblicher Gewinn für
Kraft fort, der ich nicht den geringsten Widerstand hätte leisten sönnen. Es lag keineswegs in meinem Plane vor die Ausreißer gebracht zu werden, und ich mache mich aus den Zufall verlassen. Wir gingen durch mehrere Zimmer und kamen endlich in eine Art finstern Keller, in welchem Jemmy ohne mich losznlasscn, immer weiter tappte. Endlich öffnete er eine Thüre und ich fühlte wieder frische Luft. Ich sah empor und erblickte den Himmel über mir. Wir befanden uns auf dem I Kirchhofe in der Nähe der Kirche, leren zwei erleuchtete Fenster mich wie zornglühcnde Augen .anzusehen schienen. Der Augenblick der Gefahr kam; ich griff nach meinem Dolch, aber Jemmy blieb jetzt stehen und sagte:
„Jcyt kannst Du gerade aus gehen und brauchst nicht zii fürchten, Dich zu verlaufen. Ich kehre um und Du wirst mit den jungen Eh.leutcn zurückkommen."
Kaum war ich allein, so suchte ich mich weiter zu orienlircn; die Kirchhofsmancr war nicht sehr hoch und ich kletterte also leicht darüber hinweg Zwar wußte ich nicht genau, wo ich war, doch ging ich, wie ich glaubte, auf dem rechten Wege aus dem Dorfe hinaus. Ich hatte mich nicht geirrt, kaum 25 Schritte von der Straße, stand das Haus, wo meine Cameradell lauerten.
Es war kein. Augenblick zu verlieren. Ich erzählte, was geschehen war. Wir theilten unsere Mannschaft in zwei Pelotons und marschirten schnell aber leise in das Dorf hinein. Der Lieutenant schickte mich mit sechs
die Bahn und die direkte Verbindung mit Frankfurt und dein Mittelrhein.
Der Anschluß an Preußen ist nun allerdings eine Sache der gegenseitigen Verständigung beider Regierungen. Wenn jedoch irgend ein Land außer Nassau ein lebhaftes Interesse am Zustandekommen dieser Ei- ' senbahnlinie haben muß, so ist es Preußen. Denn einmal dient diese Bahn, auch wenn das linke Rhein- ufer vom Feinde besetzt ist, zu einem schnellen Truppentransport längs des ganzen rechten Rheinufers hin, sowohl zum Succurs der Rheinfestungen als auch zur Vertheidigung der Rheinübergänge, dann ist sie auch wie dazu geschaffen, das Uebergcwicht des preußischen Verkehrs am Mittelrhein zu befestigen.
Diese nassauischen Bahnen, welche bei dem gemeinschaftlichen Interesse dann auch zugleich preußische sein werden, können uns an unserer politischen Selbstständigkeit nicht mehr beeinträchtigen, als es die politischen Verhältnisse überhaupt mit sich bringen. Aber unserer Regierung, welche jetzt mit der preußischen so eng liirt ist, wird es wohl ein Leichtes sein, vorausgesetzt, daß es ihr ernst ist, Preußen zu gemeinsamem beiderseitigem Vortheil für unser Projekt zu gewumen, und dessen Ausführung sollte wohl von unserem Gouvernement um so mehr mit Nachdruck betrieben werden, als dieser Eisènbahnanschlnß wohl der einzige reelle Gewinn sein möchte, den wir von der Allianz mit Preußen davon tragen.
Assisenverhandlunge» zu Dillenburg.
0 Dillenburg, 16. Jan. Vorgestern wurden unsere Nsstsen eröffnet. Der erste Fall war eine Anklage wegen GewPthätigkeit gegen den Schneider Friedrich Geisler. ^otonfpn .k'->,M^.<y^ bürg. - Staatsproknrator Lantz fungirte für die Anklage, Hofgerichtsprokurator Braun für die Vertheidigung. Nach der Anklage bestand das Verbrechen in Folgendem:
Der Handelsjude Abraham Weinberg von Hartenfels kam am 13 Februar 1849 (auch hier zeigt sich wieder eine große Langsamkeit der Untersuchung, da in dieser einfachen Sache zwischen dem Anfänge derselben und der Aburtheilung fast ein Jahr liegt) nach Alpenrod und wollte dort bei dem Wirth Pfeifer übernachten; er wurde jedoch daselbst von den anwesenden Gästen, worunter auch die drei Angeklagten, etwas geneckt, befürchtete Mißhandlungen und ging deßhalb in daS Haus des Pèter Quadt lv., welcher zwar keine Wirthschaft betreibt, aber gewöhnlich die HândclSjuden beherbergt. Hier fand er noch zwei andere israelitische Viehhändler, Simon Friedemann von Selters uns Salomon Börnstein. Seine Unterhaltung mit diesen beiden wurde plötzlich unterbrochen durch Lärm auf der Straße. Dort hatten sich viele Alpenroder Bürger,
Mann nach der Herberge, während er mit den neun andern nach der Kirche weiter schritt
Ich glaubte, man würde mir die Thüre wieder öffnen wenn ich rufe, aber ich irrte mich und wir mußte» die Thüre cinschlagen. Das war bald geschehen und wie befanden uns in der Stube Jcmnn/S, wo alles finster war und wir uns erst Lnbt machen mußten. Wir snch.en so alle Kammern und Stuben durch und gelangten endlich an die Krllcrtuüre, die wir leicht ebenfalls öffneten.
Da ich mich des Weges ziemlich deutlich erinnerte, ging ich voran; kaum aber war ich die letzte Slufe hinuuler- ! gestiegen und hatte einige Schritte gethan , als eine I Stimme nahe an meinem Ohre Renegat murmelte. Zugleich war es mir, als Elle ein großer Stein von der Kcllerwölbung herab auf meinen Kopa Ich mh tausend Funken, ich stieß einen Schrei aus und sank bewußtlos nieder.
Als ich wieder zu mir kam, lag ich in meiner Hängematte. Ich hatte blos einen derben Faustschlag von dem Wirth des „grünen Erin" erhalten, ohne daß der Erfolg des Unternehmen,» dadurch gehindert worden war. Der Lieutenant Burke war in die Kirche gedrungen, als die ganze Gesellschaft beisammen war, so daß die Flöck)« tigen wie in einer Mausefalle gefangen wurden mit Ausnahme Bobs , der durch ein Fenster entkommen war. Dafür hatte man einen guten Freund Bobs, einen Hoch- zeitsgast, mitgenommen, einen armen Teufel, den Schneider David.