Mit Zeitung.
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Wiesbaden. Samstag, LV Januar
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■ sZur nassauischen Gisenbahnfrage.
□ Wiesbaden, 15. Jan. Der Artikel „Von der Lahn" in No. 12 der Freien Zeitung, die Eisenbahn- fraae betreffend, verräth einen starken Beigeschmack der vonnärzlichen bisersucht der Lahnstädte gegen die Hauptstadt; diese Eifersucht scheint jetzt mit erneuerter Gewalt wieder losznbrcchcn. Es ist in jenem Artikel beinahe mit dürren Worten gesagt, Wiesbaden brauche an keiner Eisenbahn durch das Land Theil zu nehmen, eben weil es Wiesbaden, weil es die Residenz ist; solle diese mittels. Bahn durch das Land gebaut werden, welches überhaupt ein Unsinn sei, so dürfe sie natürlich nicht über Wiesbaden gehen, sondern sie müsse näher bei Frankfurt, in Hattersheim, ausmünden. - Diese feindselige Tendenz gegen unsere arme Stadt ist das BemerkeyWertheste in jenem Artikel; die Gründe, die er gegen die Erbauung der angeführten Bahn durch die Mitte unseres Landes anführt, sind so wenig stichhaltig, daß sie keiner Erwähnung bedürfen.
Die Bahn muß allerdings durch Wiesbaden gehen weil eben die Bahnen der Städte wegen gebaut werden, und weil cs im Interesse des Unternehmens selbst liegt, eine Stadt mit so bedeutendem Verkehre nicht zu umgehen. Aber nicht allein im Interesse von Wiesbaden allein liegt es, daß cs an der Eisenbahnverbindung zwischen Frankfurt und Cöln, welche über kurz oder lang ausgeführt werden muß, seinen Antheil nehme, ein weit höheres Interesse hat das Land selbst an der einzuschlagenden Baynnchtung. Denn abgesehen davon, daß eine Bahn am linken Rhernuser unserm Lande zum offenbaren Nachtheil gereichen müßte, würde eS von einer Bahn am rechten Rheinuser nur wenig Gewinn ziehen, indem der Transport vonMen- schen und Gütern zu Wasser hier auf die wohlfeilste und schnellste Weise schon gesichert ist. Eine Bahn durch das Innere des Landes nach der Hauptrichtung des Welthandels würde hingegen den ganzen inneren Naturreichthum des Landes aufschließen, und die Produkte nach den zwei Haupthändelsplätzen, Cöln und Frankfurt, senden. Diese zwei Platze sind die Zielpunkte unseres nassauischen Handels und mögen auch alle unsere Thäler und Bäche in das Lahnthal auS- münden, im Lahnthale selbst liegen weder Frankfurt
^Die Richtung, in welcher sich jetzt der Welthandel an den Grenzen des Herzogtums hin bewegt, muffen wir als die HanptUnie verfolgen, und vermögen wir diese Linie durch daS Land selbst zu leiten, so können wir dieses Land glücklich schätzen und überzeugt sein, daß sein Wohlstand auf ewige Zeiten gesichert sein wird. Denn wie in früheren Zeiten die Hauptstraße vom Niederrhein nach Frankfurt über Limburg ging und diese Stadt dadurch zu einer großen Blüthe gelangte, so wird eine Eisenbahnlinie in dieser Richtung dieselbe Wirkung hervorbringen.
Lebe« und Abenteuer des John Davys
Von Alexander Dumas.
(Fortsetzung.)
Der Seemann gleicht dem Löwen, der seinen Herrn zerreißt, sobald er ihn nicht mehr liebkoset. Es gehören also ganz andcyè Mittel dazu, die rauhen Söhne des Meeres anzuregen und im Zaume zu halten, als die find mit welchen man die schwächlichen Kinder deS festen Landes beherrscht. Diese heftigen Mittel wußte unser guthmüthiger Capitain nie anzuwenden. Dagegen verschwand die Zögerung und Unentschlossenheit gänzlich im Kampfe und während des Sturmes. Da richtete sich die Riesengestalt Stambaw's ihrer ganzen Länge nach empor, seine Stimme wurde fest und durchdringend und sein Auge schoß Blitze. Aber sobald die Gefahr vorüber war, versank er wieder in seine appathische Wcich- Herzigkeit, den einzigen Fehler, welchen seine Feinde ihm vorwerfen konnten.
Burke dagegen, der erste Lieutenant, war ganz dav Gegentheil, ein Mann von 36 bis 40 Jahren und in Manchester von armen Eltern geboren, die ihm eine bessere Erziehung geben lassen wollten, alv sie selbst erhalten hatten, aber beide bald starben. Der junge Burke nahm Dienste auf einem königlichen Schiffe, lernte da die ganze Strenge der Disciplin au sich felb|i kennen,
Und cs ist für gewiß anzunehmen, daß, wenn die Eisenbahnlinie von Ostende oder Rotterdam bis Triest ganz ohne Unterbrechung hergestcllt sein wird, welches binnen wenigen Decennien bewirkt sein kann, auch ein großer Theil des englischen Handels diese Richtung nach der Levante und Ostindien nehmen wird.
Wir geben daher dieser mittelrheinischen Bahn vor jeder andern im Herzogtum den Vorzug, und glauben, daß sie vor allen andern zuerst als die Hauptbahn in Angriff genommen werden müsse.
Wir mißgönnen den Lahnbewohnern keineswegs die Erbauung einer Lahnbahn, aber diese verhält sich zu jener, wie ein Vizinalweg zu einer Heerstraße, wie die Lahn zum Rhein.
Wenn die Hauptbahn gebaut ist, so fließen die Nebenstraßen derselben von selbst zu. Die Lah nb ah n wird erst ihre rechte Bedeutung erhalten und reut bar werden, wenn unsere mittel* rheinischeBahn vollendet ist, und sie die Lahn- bahn als nothwendige Seitenarme aufnimmt. Wir glauben, daß beide Bahnen sich gegenseitig unterfingen, daß jedoch die Lahnbahn für sich allein schw erlich bestehen könn e.
' (Fortsetzung folgt.)
Deutschland.
Wiesbaden, 16. Januar. Nach der N. A. Z. fiel in den am 13. d. M, vorgenommenen Ergänzungs- wahlen des Bürgerausschusses der Stadt Wiesbaden die Wahl auf folgende Personen: ~
Im 1. Viertel: Kaufmann Heinrich Schirmer; Kaufmann Wilhelm Oeffner; Prorector Spieß; Stadtrath Kalb; Rechnungskammer-Revisor Schmidt; Kaufmann August Jung.
Im 2. Viertel: Apotheker Stephan Herber; Kupferschmied Friedrich Jung; Kaufmann I. I. Möhler; Hofgerichtsrath Forst; Buchhändler Loms Friederich und Rathsschreiber Conlin.
I in 3. V i e r t c l: Tünchermstr. Philipp Schram in; Christian Krell; Schirmverwalter W^eis; Wagnermeister Louis Brenner; Flurschütz Schweisguth und Maler Ernst Lotichius.
Im 4. Viertel: Domäneurath Ler; Stadtschultheiß Fussinger; Registrator Lehr; Obersteuerrath Herget; Overlieutenant Gräser und Hofrath Henoch.
Im 5. Viertel: Ministerialrath Bertram; Prokurator von Arnoldi; Ministerialrath Werren; Jonas Weil; Schulinspektor Ebenau und Instituts- Vorsteher Kreis.
Im 6. Viertel: Gasthalter Albrecht Götz; Goldarbeiter Friedrich Lugen b ü h l; Kammacher Ludwig Montag; Medizinalrath Dr. Said; A. Mom- b.erger und Kaufmann I. Ph. Altstätter.
Im 7. Viertel: Goldarbeiter Rohr; Konditor S ch l e m m e r; Hofuhrmacher M o l l i e r; Feldgerichts-
und wurde, als er höher stieg, unbarmherzig gegen die Andern. Die Strafen, die er dictirte, schienen stets von der Rache eingegeben zu sein, als wollte er den Unglücklichen, die er züchtigen ließ, die üble Behandlung entgelten lassen, die er ohne Zweifel früher selbst erfahren hatte. Im Augenblicke des Kampfes oder des Sturmes dagegen konnte man an ihm eine gewisse Unentschlossenheit bemerken, wenn er auch, so lange die Kanonen donnerten oder der Sturm wüthete, fest auf seinem Posten stehen blieb, so daß Niemand ihm den Vorwurf machen konnte, ea habe seine Pflicht vernachlässiget.
Diese beiden Männer, denen das Schicksal des Schiffes und aller Leute darauf in Die Hände gegeben war, behandelten einander artig, aber immer kalt und förmlich. Wir sollten mit dem ersten günstigen Winde absegeln und noch fehlten sieben Matrosen, die aus dem Dienste entwichen zu sein schienen. Es wurde Berathung gepflogen und die erfahrensten Matrosen) Die man dazu zog, weil sie in diesen Dingen mehr Erfahrung und Kenntnisse besitzen, als ihre Oberen, sprachen ihre Mei- nun dahin aus, die Flüchtigen könnten nirgends anders, als in einer der Deserleurherbergen und zwar im „grünen Erin " in dem etwa 8 engl. M. von Plymouth entlegenen Dorfe Walsmouth sein.
Um dies auszukundschaften, wurde ich auserwählt, da ich erst auf das Schiff gekommen und folglich noch nicht bekannt war. Der Lieutenant gab mir einen gemeinen Matrosenanzug, den ich anlegen mußte, nahm
schösse Wilhelm Poths; Heinrich Weygandt m? Färber Begere.
Im 8. Viertel: Prokurator Lang; Badewirth Heinrich Hammelmann; Kaufmann Neuendorff; Friedr. Felser; Schreinermeister Jakob Momber- ger und Spenglermeister Iakob Jung.
Jn^ 9. Viertel: Maurermeistet Wilh. Rücker; Prof. Fresenius; Prokurator von Eck; Tapezierer Nicol; Pumpenmacher Stumpf und Revisor Pfeiffer.
Im 10. Viertel: Christian Hahn; Reinhard Weil; Friedrich Schweisguth, Tüncher; Georg L^innekohl, Schreinermeister; Christian Cramer, Schlosser und Wattenmacher Herrmann.
Im 12. Viertel: Wilh. Weber; Schreinermeister Ruppert; Conrad Heus; Carl Güttler; Lehrer Thielmann und Friedrich Rühl.
Km 12. Viertel; Kirchcurechner L etzcrich; Lehrer Christian Maurer; Gelbgießer Metz; Karl Groos; Karl Bilse und Maurermeister Rocker.
0 Biebrich. (Freie Gemeinde') Man hat mehrfach ausgesprengt, die Mosbacher und Biebricher hätten sich von der Kirche getrennt, um der Kirchen- steuer los zu werden und in Biebrich lasse sich die Angelegenheit der freien Gemeinde nie auf eine solide Basis bringen.
Derartige Gerüchte find aufs glänzendste dadurch widerlegt, daß sich die meisten Mitglieder unserer freien Gemeinde zu einem viel höheren Betrag verpflichtet haben, als ihre Kirchensteuer ausmachte. — — __
Es ist wirklich wunderbar, daß man so häufig daS Lostrennen von der protestantischen Staaskirche für den gegenwärtigen Augenblick durchaus unberechtigt findet und als eine Ueberreizung, als eine Schwindelei bezeichnet. Man betrachte doch einmal die Sache von der Seite: Volkssonverämtät auf kirchlichem Gebiete, Souveränität des freien G elftes in Glau- benssachen, das ist doch offeubar daS Wesen des Protestantismus. Wie sieht es aber im gegenwärtigen Augenblick in der protestantischen Kirche aus?
Statt der freien Verfassung erblicken wir die gras- seste geistliche Bureaukratie; statt des frei forschenden Geistes nur allzuhäufig starres Formen- und Dogmenwesen. Allerdings ist eine dem protestantischen Prinzipe entsprechende Neugestaltung der Kirche versprochen, aber es regt sich nichts innerhalb der Kirche, um dieses Versprechen zu verwirklichen. Nicht, weil ihnen der Inhalt jener Zusagen nicht genügt, sondern weil derselbe nicht verwirklicht wurde, deßhalb sind viele Protestanten aus der Kirche geschieden. Die meisten haben dabei ausdrücklich erklärt, sie würden von dem Augenblicke an der Kirche wieder zufallen, in welchem innerhalb derselben die gemachten Versprechungen verwirklicht sind. Wir begreifen daher gar nicht, wie man sich gegen die freien Gemeiuden so ereifern kann.
dann fünfzehn der ältesten Matrosen und so machten wir uns auf den Weg, die Flüchtigen auszu spüren und wo möglich einzufangen. Es wurde bestimmt, daß ich voraus und in jene Herberge kommen sollte, während der Lieutenant mit seinen Leuten in einem Gebäude, das er bezeichnete, bis Mitternacht warten wollte, bis zu welcher Zeit ich zu ihm zurückgekehrt sein sollte.
Ich lief so schnell als möglich, fand das mir bezeichnete Haus, bas wie eine achte Dicbeshcrbcrge aus- fab, klopfte an der niedrigen Thüre an und rief. Keine Antwort. Ich wiederholte den Ruf, aber ohne bessern Erfolg.
Ich trat einige Schritte von der Spelunke zurück, um zu sehen, ob sich vielleicht noch irgendwo anders ein Eingang zeige, aber die Fenster waren oerbarricadirt und ich mußte also noch einmal klopfen und rufen.
„Wer ist da," fragte endlich eine sanfte Stimme, die ich an einem solchen Orte durchaus nicht erwartet hatte, und die einem jungen Mädchen angchören mußte/
— „Wer ich bin, schönes Kind?* antwortete ich. „Ein armer Teufel von Matrosen, der ins Loch wandern muß, wenn Du ihm nicht bald die Thüre aufmach st."
„Zu welchem Schiffe gehörst Du?"
— „Zum Boreas, der morgen früh unter Segel geht."