sind wir aber gewiß, würde Herr C. Schwindt au seine Wähler appelliren, ob er im Willen und Ein- Verständniß mit denselben gestimmt habe, so möchte er von 7i8 derselben gewiß ein Mißtrauens-Votum
Mflt: „An den löbl. Geuieinderath der Stadt Diez. Die unterzeichneten Mitglieder des hiesigen evangel. Kirchenvorstaudts haben in der Sitzung des Kirchen- Vorstandes vom 30. Dezember v. I. entschieden dagc- ae! v nestirt, daß er an der Realschule provisorisch angestellte Candidat Künstler fernerhin als Geistlicher dahier in Wirksamkeit trete und die Herzogliche Landesregierung dringend gebeten, denselben sobald als möglich von hier zu entfernen. Wir haben lange gezögert, ehe wir diesen äußersten Schritt gethan haben, allein die Erfahrung hat es namentlich in der letzten Zeit immer deutlicher gezeigt daß der Herr Candidat Künstler nur zum größten Nachtheil hier ferner als Geistlicher auftreten konnte."
„Der Geistliche soll Vertrauen genießen, der Herr- Künstler hat aber durch seine eigene Schuld, durch sein ganzes Betragen, sowohl in seinem Dienste, als auch außerhalb, fast ohne Ausnahme bei der ganzen Bürgerschaft das Vertrauen vollständig verloren. Es ist zu besorgen, daß aller kirchliche Sinn hier zu Grunde geht, wenn derselbe wieder als Geistlicher in Wirsiam- keit treten sollte. Wir haben deshalb, eingedenk unserer Pflicht als Kirchenvorsieher und aufgefordert von der großen Mehrzahl der Bürgerschaft, den oben erwähnten Schritt thun müssen, und zweifeln nicht, daß die Herzog!. Landesregierung nach unserm Antrag verfügen wird, zumal da dem Herrn Decan Grimm diese Verhältnisse nicht unbekannt sind. Aber wir sind der Meinung, daß der Herr Künstler nunmehr auch nicht mehr länger an der Realschule bleiben kann. Die große Mehrzahl der Eltern, welche Kinder in die Realschule schicken, ist sehr unzufrieden darüber, daß Herr Künstler Unterricht an derselben ertheilt und die nachtheiligen Folgen werden nicht ausbleiben, wenn wieder Kinder in die Realschule ausgenommen werden sollen. Die Eltern werden ihre Kinder nicht mehr schicken. Wir theilen daher dem löblichen Gemeinde- rathe unsere Beschlüsse vom 30. Dezember v. I. mit und stellen cs demselben anheim, ob er nicht, wie auch wir, an Herzogs. Landesregierung die Bitte, um Entfernung des Herrn Künstler, richten wolle. Dem löblichen Gemeindcrathe sind die Verhältnisse so gut bekannt, wie uns, und wenn die Vertreter der Stadt und der Kirche gemeinschaftlich handeln, so wird die Behörde erkennen, daß es der feste Wille des größten Theils der Bürgerschaft ist, baß Herr Künstler nicht mehr hier verbleibe. Die Ehre der Stadt erfordert cs, daß wir nicht länger schweigen und wir sind fest überzeugt, daß es zu der Ordnung und R.che der Stadt viel beitragen wird, wenn Hr. Künstler nicht mehr hier ist. — Wir unserer Seits werden nicht nachlassen, bis wir unser Ziel erreicht haben und hoffen, daß der Gemeinderath zum Besten der Stadt das Gleiche thun werde. Diez, im Januar 1850. Andrea? Bücher, Philipp Stötzer, Johann Schuster*), Johann Velde, Kirchenvoisiehcr." s
So lautet das Schreiben von vier wackeren, meistens hochbejahrten Männern an den Gemeinde- rath. Der Gemcinkerath war auch nach kurzer De- batte, die sich einerseits zwischen dem Hausmann des Herrn Künstler, Friedrich Dünkelberg, auch Vorstandsmitglied vom sog. conftitutionellen Verein, und dessen Freunde, dem gewesenen Stadtrechner Schwindt und andererseits den Gcineinderathen Gustav Dünkelberg, Carl Lorenz rc. entspann, bald darüber einig, , daß die ses G esu ch des l öbl i ch e n K i rche n v 0 r- stanres unterstützt werden solle und müsse, und Niemand stimmte von allen anwesenden Gemein- deratren dagegen, als der oben genannte Hausmann des Herrn Künstler und dessen Freund, der gewesene Stadtrechner Schwindt. Drei andere Mitglieder des sog. consttlunoneUen Vereins enthielten sich, als nicht bekannt mit per Sache, der Avstimmng; deß
^ *) Jrrthümlich war in meinem vorigen Bericht der gewesene Kirchcnvorstcher S. Mies genannt.
ernten. ,
Was die Regierung nun thun wird, wollen wir abwarten, zweifeln aber nicht, daß Herr Kunstler entfernt werde; nur schade, daß der Gcmeinderath die Conduitensiste des Herrn Schulinspektors Wilhelmi, Bruder des bischöflichen Commissariuö, über Herrn Künstler nicht zur Einsicht bekömmt, Vieles würde sich alsdann aufklären. — — Käme der Bürgerausschuß dieser Sache wegen zusammen, so sind wir gewiß, daß von 72 noch keine 6 für Künstler stimmen werden.
Die Wirksamkeit des constitutionellen Wahlcomite's reduzirt sich auf Null: es müßte denn, wie gewöhnlich, im Geheimen agiren: doch es steht fest, daß es beim Landvolk keinen Anklang findet.
Z Aus dem Amt Idstein. Es ist hin und wieder in Zeitungen die Muthmaßung ausgesprochen worden, daß unter der demokratischen Partei hier und da entgegengesetzte Ansichten über das Wählen und Nichtwah- ten zum Erfurter sogenannten Reichstage herrschten, und daß der demokratischen Partei angehörige Manner sich hier und da an den Wahlen nach Erfurt betheili- gen würden.
Wenn auch hin und wieder bei Einzelnen der Volkspartei die Meinung Vorkommen mag, daß man sich an diesen Wahlen beteiligen müsse, — so hat sich z. B. der frühere Reichstagsabgeordnete Venedey in seiner neuesten Schrift dafür ausgesprochen — so 'sind und bleiben dies immer nur einzelne Erscheinungen und vereinzelt dastehende Meinungen, welche sich grundsätzlich, insbesondere vom Gesichtspunkte derRechts- gültigkeit der Reichsverfassung, namentlich des Reichs- wahlgcsetzes, nicht rechtfertigen lassen und auf keinem haltbaren Boden Hthen. Die das Nichtwählen erhei- schenocn Gründe sind zu Genüge bekannt.
Nach allen übereinstimmenden Nachrichten steht vielmehr die Thatsache fest, daß nicht bloß die demokratische Partei, sondern auch die meisten heUschen- den (konservativen sich bei den Wahlen für Erfurt nicht beteiligen werden und daß von einem Zwiespalte oder einer Meinungsverschiedenheit in ersterer Partei in der Wirklichkeit keine Rede ist.
Dagegen ist es mehr als wahrscheinlich, daß im Lager der schwarz-weißen Partei absichtlich gewisse Gerüchte erfunden und insimurt werden, um Zwietracht in die einige und übereinstimmende Gegenpartei Hin- rinzuwerfen.
So halten wir auch die im „Frankfurter Jourualc" vom 12. Januar d. I. gebrachte Nachricht, der vormalige Obertribunalrath Waldeck in Berlin stimme für Betheiligung bei seit Wahlen nach Erfurt, durchaus nicht für richtig, nachdem Wal deck sich früher in entgegengefegtem Sinne cn tschieden auSgespr0« chen hat. — i
Lassen wir uns durch etwaige Machinationen der schwarz-weißen Partei von demjenigen, was wir für- Recht und zum Frommen der Nation dienend erkannt haben, nicht abbringen; jeder der cs mit dem Wohle und der Einheit Deutschlands ehrlich meint, kann und wird nicht wählen.
— Das Vaterland
Soll fest zusammen halten,
Vom Rhein bis an den Ostseestrand, Selbstständig, unzerspalten;
Stets soll es vorwärts, vorwärts gehn, Und ob die Donner rollen, Auf eignen Füßen soll es stehn — Das ist es, was wiè wollen!
Elberfeld, 13. Januar^ (N. D. Z ) Gestern hat „der demokratische Klubb" (demokratisch-koustilutionell) bestiegen, nicht zu wählen.. — Puttmaun's Volks- maun ist heute polizeilich saisirt worden.
Karlsruhe, 9. Jan. Vor einiger Zeit erhielt Hr. Malsch, Oberbürgermeister dahier, ein aus ' Frankfurt dadirtes Schreiben Brentano's. Dieser wünscht darin, daß sich Hr. Malsch höheren Orts für
ihn verwenden möchte, verspricht niemals nach Deut- schland zurückkchrcu zu wollen, und bittet als Gegenleistung um Verabfolgung seines mit Beschlag belegten Vermögens. (Mannh. I.)
Karlsruhe, 12. Jan. Mit dem heutigen Tage werden die Verhandlungen unseres militärischen Ehreir- gerichtes geschlossen. — Von der Reorganisation unseres Armeekorps vernimmt man heute, daß dieselbe in Beziehung auf die Reiterei vollendet sey. Diese wird in Zukunft aus drei Regimentern bestehen. Das erste derselben, nur zwei Schwadronen enthaltend, soll unter den Befehlen des zum Oberstlieutenant ernannten Prinzen Friedrich, Sohns des Großherzogs, im Lande bleiben; die beiden andern Regimenter, aus je vier Schwadronen bestehend, werden" unter dem Commando des Oberstlieutenants Hilpert und des zum Major beförderten Rittmeisters v. Glaubitz nach Preußen verlegt. Das Commando über die gesammte Reiterei soll dem Obersten v. Roggenbach in Mannheim übertragen werden. Als Standquartier für fünf nachfolgende Bataillone Infanterie wird Neu-Ruppin bezeichnet. (S. M.)
Stendal, 11. Januar. (N. Z.) Die Schwurge- richtHeriode hat vorgestern mit der Verhandlung eines politischen Prozesses begonnen. Die Angeklagten waren drei Führer der Salzwedler Volkspartei: der Assessor Overbeck, der Kaufmann Richter und der Gym- naßallehrer Mastus, Abgeordneterzur aufgelösten zweiten Kammer. Gegen sic hatte ein gewisser Gfrörer, der in den dreißiger Jahren eine Degradation vom Registrator zum Kanzlisten sich hatte gefallen lassen, um dadurch der Fortsetzung einer gegen ihn wegen fälschlich abgelegten Amtscides eingeleiteten Untersuchung zu entgehen, bei dem Oberpräsidenten denunzirt, oder, wie er sich ausdrückte, in einem Schreiben den guten Ruf der Salzwedler in Schutz genommen und die sogenannte Anarchie' den Volksführern in die Schuhe geschoben. Darauf hin war eine polizeiliche Vernehmung des Gfrörer und eines Diätarius, der Sekretär des mehr als antidemokratisch-konstitutionellen Klubbs zu Salzwedel war, angeordnet und zuletzt die gerichtliche Untersuchung cingeleitet. Gegen alle drei Angeklagte war die Anklage auf Versuch zum Aufruhr gerichtet, weil sie iu einer Volksversammlung zur Verfolgung des Steuerverweigerungsbeschlusses aufgefordert haben sollten; außerdem waren Overbeck und Richter noch der Erregung von Haß und Verachtung gegen die Maßregeln der Regierung beschuldigt, weil sie die bekannte Erklärung von 169 Abgeordneten der aufgelösten Nationalversammlung verbreitet, Masius desselben Verbrechens angeklagt, weil er eine Adresse an das Ministerium Brandenburg verfaßt, in welcher dasselbe zum Rücktritte aufgefordert wurde. Alle wurden freigk- sprochen.
Stettin, 13. Januar. Wie sehr hier jede Theilnahme für die bevorstehenden Wahlen nach Erfurt erloschen ist, mögen Sie unter anderm daraus abnehmen, daß während der Zeit, wo die Wählerlisten hier auf dem Rathhause auflagen, nur 5 Personen sich bemüßigt fanden, von denselben Einsicht zu nehmen. Die demokratische Partei fand eS bei solcher Stimmung bis heute noch nicht für nothwendig, eine Ansprache bezüglich der Nichtwahl zu erlassen, da es einer besou- deru Aufforderung nicht mehr zu bedürfen scheint. (R.-Z.)
Berlin, 12. Jan. Die „Nationalzeitung" weist nach, daß der Regierung im Jahre 1840 110,949,167 Thlr. zu Gebote standen, in den Jahren 1842, 1843 uad 1844 diese Summe sogar um mehrere Millionen überstiegen wurde und 1846 noch die Höhe von 108,832,530 Thlr. erreichte. Diese Bestände aus den
Ich nahm Abschied von Dr. Butler und allen meinen Cameraben, mit denen ich jedoch mich nie sehr eng verbunden hatte. Mein einziger Schulfreund war Robert Peel und tiefer befand sich bereits seit einem Jahre in Oxford.
In Williams-House begann ich meine gewöhnliche Lebensweise wieder; aber diesmal schienen meine Aeltern sich davon fern zu halten und selbst Tom hatte etwas von seiner fröhlichen Laune verloren. Ich konnte mir dies nicht erklären und fühlte, gleichwohl ohne zu wissen warum, den Einfluß der allgemeinen Verstimmung. Eines Morgens endlich brachte Georg einen Brief mit dem großen königlichen Siegel. Meine Mutter setzte sogleich die Tasse, welche sie eben an den Mund führen wollte, wieder auf den Tisch. Mein Vater nahm die Depesche mit einem: Ah! — waö er nur hören ließ, menn zwei einander widerstrebende Gefühle in ihm kämpften, — besah sie von allen Seiten und sagte endlich, indem er sie mir hinreichte: „da, es geht Dich an."
Ich erbrach das Siegel und fand darin meine Ernennung als Mitshipman an Borb des Dreizacks, Ca- pitain Stambow, zu Plymouth. Der so lebhaft gewünschte Augenblick war also gekommen; aber als ich sah, daß meine Mutter sich umdrehete, um ihre Thränen zu verbergen, als mein Vater das rule Britannia zu pfeifen anfing, als selbst Tom mit keineswegs fester Stimme sagte: „nun, mein Offizier, nun ist es Ernst" —
ich das Schreiben fallen ließ, vor meiner Mutter auf die Knie sank, ihre Hand ergriff und sie wemeub küßte.
Mein Vater hob die Depefche auf, las sie drei bis viermal durch, um den ersten Ausbruch des Gefühls vorüber zu lassen, stand dann hustend auf schüttelte den Kopf, ging mehrmals im Zimmer auf und ab und sagte, während er vor mir stehen blieb : „John fasse Dich unv j sei ein Mann."
Die Arme meiner Mutter umschlangen mich bei diesen Worten, als wolle jie sich stillschweigend dieser Trennung widersetzen und ich blieb vor ihr gebeugt liegen. Lange schwiegen wir alle; bann lösctc sich allmählich bie liebe Kette, die mich hie>t und ich stand auf.
„Und wann soll er fort?" fragte meine Mutter."
— „Am 30 Septbr. soll er an Bord sein und heute haben wir den 18. Noch sechs Tage kann er bleiben; am 24. reisen wir."
„Darf ich ihn begleiten?" fragte schüchtern meine Mutter.
— „Ach ja, gewiß, gewiß," sagte ich. „Ich will Dich erst so spät, als möglich verlassen."
„Dank Dir, mein Sohn," entgegnete meine Mutter mit einem unbeschreiblichen Ausdrucke, „bank Dir, mein John; vurch dies einzige Wort hast Du mir alles ver- , was ich m:;' Deinetwillen litt."
Am bestimmten Tage brachen wir, mein Vater, meine Mutter, Tom und ich, auf.
IV.
Der Capitain des „Dreizacks" Stambow, ein alter Freund und Waffcngcfährte meines Vaters, empfing mich, wie seinen Sohn. Er war ein Mann von 60 bis 65 Jahren, gehörte der englischen Aristokratie an und besaß eine gewisse Trägheit, die sich am deutlichsten zeigte, wenn er strafen sollte. Er konnte kein Strafurtheil anssprcchen, ehe er eine Prise lange in den Fingern herumgedrchet hatte. Diese Zögerung nahm dann dem Urtheile den Schein der Gerechtigkeit, obgleich er nie mit Unrecht strafte. Diese Gutmüthigkeil ist auf einem Schiffe am gefährlichsten. Dieser schwimmende Kerker, wo nur einige Bretter das Leben vom Tode trennen und die Zeit von der Ewigkeit, hat seine eigenen Sitten und ganz besondere Bewohner, er bedarf deßhalb auch ganz besondere Gesetze. Ein Matrose steht zu gleicher Zeit über und unter dem civilisirten Menschen; er ist edelsinniger, mutiger, größer furchtbarer, aber die Gefahr, die seine guten Eigenschaften steigert, entwickelt auch seine schlechten.
^Fortsetzung folgt.)