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Leerheit unir Neeht!^

j^ U^ Wiesbaden. Donnerstag, 17. Januar 1850.

DieRr eie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., aus. waxtâ durch die Post bezogen mit verhältnißmâßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirk­samem Erfolge. Die Znserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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*11* Zum Andenken an die Freiheitsmär­tyrer am Todtenfeste der evangelischen

Kirche, den 30. December 184«

n.

(Schluß.)

Wollen wir das Andenken an die unsterblichen Blutzeugen für Recht und Freiheit auf die rechte Weise feiern, wohlan, so lebe in uns weiter der feste Vorsatz, dieselben gegen die jetzt überall zischenden Schlangen­zungen der Verläumdung zu vertheidigen. Mit ihrem Gifte suchen sie die Ehre und den guten Namen der Hingeschiedenen zu begeifern. Wollten wir dazu schwei­gen, so würden wir uns an der Wahrheit und Unschud versündigen. Ihr wisset, wie die Anhänger des Con- servatismus und Absolutismus dein patriotischen Stre­ben der getödteten und noch lebenden Freiheitskämpfer unlautere Absichten unterschieben, wie sie so manche Thatsachen geflissentlich entstellen, um sie zu verdächti­gen, ihr wisset, wie, um nur ein Beispiel anzuführen, gemeine Seelen den greisen Böhning, der in Grie­chenland und in Baden aus reinen, uneigennützigen Beweggründen für die heilige Sache der Freiheit ge­fochten hat, durch falsche Beschuldigungen zu verkleinern suchten.' Ja, durch die Reaktion ist es soweit gekom­men, daß man die Gebote der Sittlichkeit mit Füßen tritt und selbst die Todten im Grabe nicht ruhen läßt, daß man dieselben lieber tadelt und vcrlänmdet, als die Vorzüge des Geistes und Herzens, die sie besaßen, gebührend hervorhebt. Ihr wisset ferner, wie die Ver- räther der deutschen Sache, die Freunde des Constitu- tionalismus, die politischen Halbwisser und Pfuscher den getödteten und noch lebenden Freiheitskämpfern, sowie überhaupt der demokratischen Partei den Vorwurf machen:' sie seien Schuld an der schrecklichen Verwir­rung, an dem politischen Chaos, in welches Deutsch­land gerathen sei. Sie hätten, sagen jene lügenhafte Ankläger, sie hätten es zu verantworten, daß es in demselben jetzt ärger geworden sei, als es jemals vor der Revolution gewesen, daß Deutschland jetzt unter der Säbelherrschaft stände, und die rothe Monarchie tu vielen Staaten ihre Fahne ausgepflanzt habe. Ich will euch jetzt nicht die unumstößlichen Beweise anfüh­ren, durch welche dargcthan wird, daß alle die vorge­brachten Beschuldigungen falsch sind, daß sie nicht ge­gen die demokratische, sondern gegen die konstitutionelle Partei erhoben werden müssen. Denn diese Beweise sind auch sattsam bekannt. Nur vergönnet mir, daß ich mich auf etwas noch näher einlaffe. Ihr höret nämlich oft, wie so viele theils verblendete, theils nie­driggesinnte Seelen sowohl die Freiheitsmärtyrer, als auch überhaupt die Nationaldeputirten, welche in der Paulskirche auf der Linken saßen und alle denselben gleichgesinnten Männer Umsturz er nennen und sie auf diese Weise als die größten Feinde des Vaterlandes zu charakterisiren suchen. Wir wollen gegen diese Be­

nennung nicht eifern, weil wir das Widerrechtliche und Schlimme, was gern Schmäher in dieselbe hineinlegen, durchaus nicht darin finden. Wir lassen uns vielmehr diese Namen gerne gefallen. Denn was wollten die Männer der Linken, was wollten die Anhänger des Prinzips der Volkssouveränität umstürzen? Solche Staatsgebäude, in welchen die bösen Geister der Will­kür, der Ungerechtigkeit und Volksbedrückung herrschten. An die Stelle der veralteten und morsch gewordenen wollten sie neue aufrichten, in welchen das Volk zu seinem vollen Rechte gelangen sollte. Und was das Gesammtvaterland betrifft, so wollten sie alles umsto­ßen, was seine Zersplitterung, seine Knechtschaft, über­haupt seine traurigen Zustände verursacht. Welcher unbefangene und rechtschaffene Deutsche kann darin et­was Tadelnswerthes erblicken? Die demokratische Par­tei aber, der die Freiheitsmärtyrer angehörten, wird von den Constitutionellen nicht bloß die Umsturz-, son­dern auch Ueberftürzungspartei gescholten, indem jene meinen, das Bessere müsse nach und nach kommen und gleichsam vom Himmel herabfallen, wie einst das Manna in der Wüste bei den Kindern Israels. Auch darüber wollen wir uns nicht ereifern, sondern ihnen die ein­fache, dem schlichten Menschenverstand von selbst ein­leuchtende Wahrheit entgegenhaiten, daß alles Unrecht kein Recht hat, auch nur einen Augenblick fortzubestehen und alles Gute sogleich eingeführt werden soll. Wer sich dagegen stemmt, sei es Wort oder That, der hat entweder den Kopf oder das Herz nicht aus der rechten Stelle. Die Constitutionellen gehören demnach zu den Trägen, welche der Zukunft überlassen, was in der Gegenwart geschehen soll sie sind aus Verblen­dung und Selbstsucht Freunde der Halbheit und gleichen dem Thoren , welcher auf seinem Acker bloß einige Blätter des Unkrautes wegschne det, aber die Wurzel stecken läßt, ohne zu bedenken, daß das Unkraut sehr bald wieder emporwächst und das Gedeihen der Saat verhindert.

Wir haben übrigens, meine Brüder, noch nicht alles gethan, wenn wir die betrauerten Blutzeugen der Freiheit gegen ungerechte Tadler und schändliche Ehrabschneider in Schutz nehmen. Es liegt uns auch ob, in ihrem Sinn und Geiste für das Vaterland unablässig zu wirken. Dieß ist um so nöthiger , je schlimmer jetzt seine Lage ist. Zwar sucht die Reac­tion den Stimmführern der Wahrheit und des Rechts Hände und Füße zu binden und den Mund zu ver­schließen und Mancher, der, so lange noch die Glocken der Revolution ertönten und die Volkspartei Sieges­hoffnungen hatte, für die Sache der Demycratie sehr rührig war, ist jetzt durch die Schreckensherrschaft des Absolutismus kleinlaut geworden oder ganz und gar verstummt. Allein, meine Brüder, eine solche Muth- losigkeit darf sich unserer nicht bemächtigtn, daß wir die gerechten Forderungen der Demokratie aufgeben und die Hände feige in den Schoos legen. Sonst ' werden uns sehr leicht und bald die noch wenigen

Märzerrungenschaften, welche uns nach der erlittenen Niederlage übrig geblieben sind, entrissen werden. Darum wollen wir fortfahren, die demokratischen Ideen, welche ohnstreitig zu den höchsten und heiligsten der Menschheit gehören, unter dem Volke zu verbreiten, welches immer noch zu wenig mit ihnen bekannt ist, und sie gegen ihre Widersacher mit Freimuth und Würde zu vertheidigen. Solchen Bestrebungen stellen sich jetzt allerlei Hindernisse und Gefahren entgegen, welche manchen freisinnigen Mann bestimmen, das Feld der politischen Wirksamkeit zn verlassen und seine Thätigkeit andern Dingen zuzuwenden, die wohl gut und nützlich sein mögen, die aber nicht die Hauptsache sind und zu einer jeden andern Zeit ausgeführt wer. den können. Die Hauptsache ist. und bleibt immer die Erlöjung des Vaterlandes von seiner Schmach und Noth. Die Bildung der deutschen Volksstämme zu Einer großen und freien Nation. Darauf muß von allen freisinnigen Deutschen hingearbeitet werden. Je schwieriger dieß ist, desto eifriger, desto beharrlicher müssen sie wirken totz aller Drohungen des Absolute-, mus, trotz des bösen Dämons, welcher schon namen­loses Unheil über die Völker, und insbesondere über unser Vaterland gebracht hat. Ihr kennt diesen Da. mon. Es ist das Spionir- und Angeber-System, wo­durch das Volk in hohem Grade demoralisirt wird. Eine Menge unläugbarer Thatsachen spricht dafür, daß es gegenwärtig wieder in vollem Gange ist.

Wir müssen Alles aufbieten, die Elenden, welche sich als Spione und Denunzianten gebrauchen lassen, soviel als möglich unschädlich zu machen. Wir müssen sie deswegen dem Volke bezeichnen, damit es sich vor ihnen hüte und sie der wohlverdienten Verachtung Preis gebe.

Zuletzt noch, meine Brüder ermahnen wir euch, die dem deutschen Volke entrissenen Palladien, das von ihm erwählte Nationai-Parlament und die Reichsver« fassung, welche von demselben in Frankfurt gültig be« schloffen ward, mit aller Energie festzuhalten. Es ver­steht sich daher von selbst und ist bei jedem freisin­nigen, ehrliebenden Deutschen eine ausgemachte Sache, daß er wegen des Erfurter Stelldichein auch nicht einen Schritt vor die Thüre thut. Wer sich an den Wahlen zu demselben betheiligt, dem zürnen noch die Manen eines Blum, Trützschler und ihrer übrigen Schick­salsgefährten, welche für des Volkes Rechte geblutet haben.

Deutschland.

& Wiesbaden, den 15 Januar. (Ein un­verantwortlicher Redakteur.) Herr Riehl hat vor einiger Zeit, bald darauf, nachdem der alte Adam die Nay. Allg. Ztg. durch die Anpreisungen der Ohm'schen Lügen noch weit unter die bekannte Berliner Kreuzzeitung placirt hatte, erklärt: bei unsern Preßgesetz-Zuständcn sehe er sich genöthigt, den Corrc-

Leben und Abenteuer des John Davys.

Von Alexander Dumas.

(Fortsetzung.)

Bravo!" rief Peel;sein Arm hat nicht gezittert; sein kleins Herz besitzt Muth."

Dann nahm er das Pistol, verschloß es in seinem Sekretair und steckte den Schlüssel in die Tasche.

Jetzt komm' mit mir," sagte er darauf.

Ich hatte solches Vertrauen zu ihm, daß ich folgte ohne ein Wort zu sagen.

Er ging in den Hof hinunter, die Schüler standen da in Gruppen beisammen. Sie hatten den Schuß ge­hört und sahen sich um, woher er wohl gekommen sein mochte. Robert ging gerade auf meinen Gegner, Paul Wingfield, zu.

Weißt Du, von wo geschossen worden ist?" fragte er ihn.

Nein," antwortete Paul.

^Von meinem Zimmer aus. Weißt Du, wer ge­schossen hat?"

Nein."

John Davys. Weißt Du, was er getroffen hat?"

Nein."

Die Weterfahne dort, sie hin."

Alle sahen dahin und konnten sich von der Wahrheit überzeugen.

Und was nun?" fragte Paul.

Du hast Davys geschlagen; er kam zu mir, um sich mit Dir zu schießen und schoß, um mir zu beweisen, daß er sein Ziel genau zu treffen wisse, mitten durch die Fahne.

Paul wurde sehr blaß.

Du hast nun die Wahl, entweder Dich mit ihm zu schießen oder ihn um Verzeihung zu bitten, oder Dich mit mir zu schlagen. Bis heute Abend wähle."

In diesem Augenblicke schlug die Schulstunde und alle zerstreuten sich in die Classen.

Gegen Abend brachte mir Robert einen Brief von dem Gegner, worin dieser wirklich um Entschuldigung bat. Peel stellte mir dann aber auch vor, daß es in der Schule nicht Sitte sei, sich zu schießen, sondern zu boxen und in dieser edlen Kunst gab er mir denn auch von diesem Tage an Unterricht.

Ich habe dieses Abenteuer ausführlich erzählt, weil es eine Vorstellung von der Verschiedenheit geben muß, die zwischen mir und den andern Kindern stattfand. Meine Erziehung war aber auch so ganz ungewöhnlich gewesen, daß man sich nicht wundern darf, wenn mein Charakter dadurch bestimmt wurde; so jung ich auch war, so hatte ich doch immer meinen Vater und Tom bei jeder Gelegenheit so verächtlich von der Gefahr

sprechen hören, daß ich sie mein ganzes Leben hindurch nicht für ein Hinderniß ansah.

Uebrigens befolgte man in der Schule genau die Anordnungen, welche mein Vater in dem Briefe an den Rektor getroffen hatte; man gab mir einen Fecktlehrer und ich machte schnell Fortschritte; in der Gymnastik und übertraf bald alle übrigen Schüler.

Di: Zeit verging schneller , als ich erwartet hatte; ich war fleißig und man hatte bis auf meinen eigen- sinnigen und starren Charakter keinen Tadel gegen mich; mit großer Freude sah ich aber die Ferien herankommen. Je näher die Zeit rückte, um so lebendiger wurden die Erinnerungen an Williams-House. Jeden Tag erwar­tete ich Tom. Eines Morgens endlich während der Spielstunde sah ich unsern Reisewagen herankommen und ich eilte ihm entgegen; Tom war erst der dritte, welcher ausstieg. Mein Vater und mente Mutter halten ihn begleitet.

Dies Wiedersehen war ein unbeschreibliches Glück für mich. Es gibt im menschlichen Leben etwa drei ober vier solche Augenblicke in denen man vollkommen glücklich ist, und so kurz sie auch sein mögen, so reichen diese Augenblicke doch hin, den Menschen an das Leben zu fesseln.

Mit meinen Eltern machte ich einen Besuch bei dem Doktor Butler, der mich, da ich selbst zugegen war, nicht zu sehr lobte, aber doch meiner Mutter zu verstehen gab, er sei mit mir zufrieden.