UM Zeitung.
„Fverherk und Recht!"
Wiesbaden. MLttwvÄ 16. Januar
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»||* Zum Andenken an die FreiheitSmär- tyrer ane Todtenfefte der evangelischen
Kirche, bett 30. December 184V.
f Theurer Todten zu gedenken, ist eine heilige Pflicht, welche das liebevolle, dankbare ^er; gern erfüllt. An diese heilige Pflicht erinnert uns ganz besonders der heutige Tag, welcher dein Andenken an die im Laufe dieses Jahres dahin geschiedenen Verwandten und Freunden geweihct ist. Schon so manches Todtenfest haben wir mit einander gefeiert, aber noch keines mit tieferer Trauer und größerem Schmerze, als das diesjährige. Woher dieß, meine Brüder? Etwa einzig und allein daher, weil der Tod dem einen und dem andern unter uns ein geliebtes Familienglied oder einen treuen Freund entrissen hat? Ach nein! Wir sind zugleich betrübt, weil so manche schöne Hoffnung, welche im März 1848 jedes achte Patriotenherz hegte, in Folge des wieder erstarkten Absolutismus wie eine frühverwelkte Blüthe zu Grabe gegangen ist. Sowol tief entrüstet, als auch bekümmert sehen wir, wie jetzt in den niedern und höhern Schichten des deutschen Volkes so viele geschäftig sind,, die Himmelstochter, die unsterbliche Freiheit, einzusaIgen. Im Rückblick auf den Frühling von 1848, wo das deutsche Volk auf halbem Wege stehen geblieben ist, rufen wir wehklagend, wie einst Jeremias: „Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin, und uns ist keine Hülfe geworden." Doch wir verzweifeln noch nicht, wir sind nicht traurig, wie Die, welche alle Hoffnung verloren haben. Denn du, theure Teutonia, von dem Absolu- tismus niedergeschmettert, erschöpft und ohnmächtig, bist noch nicht todt, sondern schläfst nur, um frische Kräfte zu einem neuen und, wie wie wir hoffen, siegreichen Kainpfe gegen die Schande zu sammeln. Früher oder später, wenn der belebende Odem der Freiheit dich wieder mächtig durchdringt, wirst du aus deinem todtenahnlichen Schlafe erwachen und mit neu gestärkter Hand die Segeln abwerfen, womit dich wieder der Despotismus umschlungen hat. Zur richtigen Einsicht gelangt, welche dich vor deinen bisherigen Fehlern und Versäumnissen bewahrt, von hoher Begeisterung durchglüht, welche nicht blos feurige Reden, sondern auch zum völligen Siege führende Thaten erzeugt, wirst du dann den heunothlichen Boden von allem Unkraut reinigen, was das Volk verdirbt und elend macht, damit wir auf einer neuen Erde wandeln, auf der Gerechtigkeit wohnet und Friede und Freude sich küssen.
Aber, meine Brüder, wie können wir heute die dumpfen Töne der Todtengiocken vernehmen, ohne mit unaussprechlicher Wehmuth an die hochherzigen Männer erinnert zu werden, welche seit dein vorigen Jahre im Kampfe für die heiligen Rechte, für die Freiheit der Völker gefallen sind? Im Geiste stehen wir jetzt
Lebe»» imb Abenteuer des Johr» Davys
Von Alexander Dumas.
(Fortsetzung.)
„Er hat sie wahrhaftig von einer Fregatte und einer Goelette unterschieden 1" sagte mein Vater freudig. „Komm her, John, daß ich Dir einen Kuß gebe."
Wirklich auf dem See schaukelte sich, mit den englischen Flaggen geschmückt, eine allerliebste kleine Brigg, an der vorn in goldenen Buchstaben stand: Anna Maria. Die unbekannten Leute, dft seit fünf Monaten im Schlosse wohnten, waren Schiffsbauer aus Portsmouth. Als sie uns erblickte, lösete sie alle ihre Kanonen, vier Stück. Ich war außer mir vor Freuden.
In der Bucht des Sees, am nächsten dem Park, lag das große Boot, auf dein sich Tom mit sechs Matrosen befand. Die ganze Gesellschaft stieg hinein. Tom stellte sich an das Steuer, die Ruderer griffen derb zu und wir glitten leicht auf dem See hin. Sechs andere Matrosen unter Georg erwarteten den Capitain am Bord der Brigg, um ihm alle seinem Range gebührende Ehren zu erweisen. Mein Vater übernahm das Com- mando und die Brigg setzte sich in Bewegung.
Ich konnte mein Entzücken nicht bergen, als ich so in der Nähe und im Großen diese wunderbare Maschiene sah, welche man ein Schiff nennt; ich klatichte in die Hände und Freudenthrânen rollten über meine Wangen.
an den Gräbern der Unvergeßlichen, welche durch die Standgerichte in Baden, in schauderhaftem Wider- i spräche mit der Humanität, dem Tode überliefert wur- j den. Mit trauerndem Herzen gedenken wir der tapfern Magyaren, welche Hayn au, der Tilly des 19. Jahrhunderts, mit Cannibalcnwuth erwürgen ließ. In Bezug auf sie wird es bei keinem von uns, überhaupt bei keinem freisinnigen Manne, heißen: aus den Augen, aus dem Sinn. Hre Heldenthaten, ihr Patriotismus, wie ihr schreckliches Ende stehen noch lebhaft vor unserer Seele. Wir werden die Verklärten lieben und verehren, so lange bis auch unser Herz der Tod mit kalter Hand zerbricht. Das Gedächtniß derselben ^leibt im Segen, auch wenn man längst nicht mehr die Stätte kennt, wohin man ihre erschlagenen Leiber gelegt hat. Noch unsere spätesten Nachkommen werden ihre Namen, die im Buche der Geschichte ewig glanzen werden, mit Hochachtung und Bewunderung nennen, werden die Hingeschiedenen fertig preisen, ob des Helven- muthes, womit sie für die Rettung des Vaterlandes Alles wagten, Alles erduldeten und Alles opferten. Die Blutsaat, durch ihren Märtyrertov gestreut, kaun und wird für die Zukunft nicht vergeblich sein. Gewiß werden aus ihr bessere Zeiten für die durch schmählichen Verrath dem Absolutismus unterworfenen Völker erblühen. Denn aus den Gräbern der gestand- rechteten, sowie der im Kampfe gebliebenen Patrioten, baut sich die Gerechtigkeit, baut sich die Nemesis einen Tempel und die Geister de/ Freiheitsmärtyrer werden unter den Schaareu der noch lebenden freisinnigen Jünglinge und Männer neue, wackere Führer werben, die dem eingdschüchterten Volke neuen Muth einhauchen, neue Helden, welche nicht blos das Schwert des Geistes, sondern auch in der rechten Stunde, das von Stahl und Eisen zu führen wissen. Hei! den Vollendeten, sie haben einen guten Kampf gekämpft, sie haben .ihren Lauf mit Ehren vollendet, und während Hunderte und Tausende, ihre heiligen Schwüre vergessend, dem Vaterlande den Rücken kehrten, in den Tagen der Gefahr und Noth, haben sic Glauben gehalten, drum ist ihnen beigelegt die Krone der Gerechtigkeit in der Heimath der Seligen. —
Wir, meine Brüder, können es Keinem verargen, wenn er in Klagen und wohl auch in Thränen ausbricht, weil der Absolutismus, der, um sich seines Sieges zu vergewissern und seine Herrschaft zu befestigen, keine rohe Gewaltthat und keine Grausamkeit scheut, die Reihen der wackeren Patrioten gelichtet hat. Je mehr die Zahl derselben zusammenschuulzt, desto schwerer hält es nachher, das Vaterland zu retten. — Wir beklagen es schon, daß so Viele, den Blutgerichtcn glücklich entgangen, in andere, zum Theil weit entfernte Länder, haben fliehen müssen. Wir haben wohl den Trost, daß sie in günstigeren Zeiten in ihr Vaterland zurückkehren können, aber sie fehlen doch meist, wie uns die Erfahrung lehrt, in den Stunden uudTa- ' gen, welche in Absicht auf das Gelingen der guten
Von diesem Tage an hatte ich nur einen Gedanken, nur eine Erholung, nur ein Glück, — ne Brigg. Mein Vater und Tom machten sich cm Vergnügen daraus, mich in allen Handgriffen zu unterweisen uiid mir alles zu erklären. So war mir, als sei ich gar nicht mehr ein Kiiid, ich träumte von nichts als von Schiffen, Stürmen und Schlachten. Außerdem wurde im Park ein kleiner Schießstand eingerichtet, wo ich mich im Schießen übte.
So vergingen drei Jahre und ich war ein tüchtiger Schütz und Seemann. Aber man hatte meine übrige Bildung vernachlässiget. Ich verstand zwar von der Geographie so viel als ein zehnjährigcr Knabe wissen kann, auch etwas von der Mathematik, aber von dem Lateinischen hatte ich keine Idle. Ich sollte die Schule zu Harrow besuchen, wo der junge Adel von London gebildet wird. Die Trennung wurde mir sehr schwer nur Tom begleitete mich. Der Doktor Butler war Rckror der Schule. Er empfing mich in seinem großen Lehnstuhle, las den Brief meines Vaters, nickte, nm mir anzuzeigen, daß er mich unter die Zahl seiner Schüler äufnehmcn wolle und fragte mich dann, was ich verstehe.
Ich antwortete, ich könne ein Schiff dirigiren, reiten, schwimmen und schießen.
Der Doktor wiederholte mit Stirnrunzeln seine Frage aber Tom kam mir zu Hilfe und versicherte, ich habe die Wahrheit gesagt, ich verstehe alles dies.
Sache besonders entscheidend sind. Dennoch seid und bleibet unverzagt, meine Brüder, ist die Noth am größten, ist Gott am nächsten, dem die Knechtschaft der Völker ein Gräuel ist, der uns aber gebietet, zur Zertrümmerung der Schmach unsere ganze Kraft mit Weisheit, Muth und Beharrlichkeit zu gebrauchen. So hemmt denn der Thränen vergeblichen Lauf, eure Klage weckt die Todten nicht auf, welche bei Wien, bei Pesth und Arad, bei Waghäusel, Rastatt und Mâ- Heim im stillen Schooß der Erbe ruhen. Uns geziemt cs, daß wir an diesem doppelt ernsten Tage Entschlüsse fassen, wodurch wir bas Todesgedächtniß derselben am würdigsten begehen. Dahin geyört' vor Allem, daß wir es uns zur Aufgabe machen, die Hinterbliebenen der Freiheitsmärtyrer mit Nath und That zu unterstützen, so lange sie dessen bedürfen. Haben diese doch ihr Leben, der irdischen Güter Höchstes, zum Opfer gebracht, wie sollten wir nicht zu dem weit geringeren Opfer, welches die Barmherzigkeit und Menschenliebe von uns fordert, bereit sein? Brüder, die ihr in den Märztagen von 1848 das anbrechende Morgenroth der Freiheit mit Jubel begrüßtet, die ihr nachher gelobtet, mit Gut und Blut für die defchworue Neichsverfaffuiig vom 28. März cinzustehen, die ihr die badisch.pfälzijche Volkserhebung für eine rechtmäßige erklärtet und nun ihren unglücklichen Ausgang beklaget, schützet, so viel ihr vermöget, die Wittwen und Waisen der im Kampfe gefallenen und von den Standgerichten erfaßten Patrioten vor Verlassenh it und Noth. Zwar sind schon viele Gaben für sie auf den Altar des Vaterlandes niedergelegt worden, aber schwerlich werden sie für alle und für immer ausreichen. Wir würden indessen die Manen der Verklärten betrüben, wenn wir jemals aufhören wollten, auch den geflüchteten Patrioten Beistand zu leisten. Viele von ihnen befinden sich noch, wie be- sannt, in der Schweiz, die aber nicht im Stande ist, alle zu versorgen. Den Boden der mit den absoluten Großmächten im Bunde stehenden Schein-Republik Frankreich, welche nur Zweien deutschen Flüchtlingen einen Aufenthalt in ihrer Mitte gestattet, dürfen sie nicht betreten Fast nirgends mehr auf der europäischen Erde, außer in England und in der Türkei, öffnet sich ihnen eine Freistätte. Ertönt da nicht an euch alle der Ruf, diesen Männern zu helfen, so viel wir können, damit sie nicht Gefahr laufen, etwa durch Noth und Elend eine Beute der Verzweiflung zu werden? Zwar geht die Reaktion in ihrer Härte so writ, daß sie Die verfolgt, welche sich ihrer nothleidenden Brüder in der Schweiz annehmen, und Staatsdiener, welche für dieselbe nur CoÜectcn veranstalten, sogar quieszirt und ab- sctzt. Aber dergleichen Schreckmittel dürfen unS nicht irre machen, wenn es gilt, die Pflichten der Menschlichkeit auszuüben. Vielmehr folgen wir nach wie vor dem heiligen Gefühle deS Mitleids, welches Gott in unsere Brust gepflanzt hat. (Schluß folgt.)
„Weiß er sonst nichts t" fragte der Dokcor mit verächtlichem Blicke. Tom sah ganz verblüfft aus, denn er hatte geglaubt, meine Erziehung fei beinahe vollendet, und es für beinahe ganz unnöthig gehalten, daß man mich in die Schule schicke, wo ich doch nichts mehr lernen könne. Der Rektor verwies mich in die letzte Classe worüber ich schamrot!) wurde, als die Thüre sich öffnete und ein Schüler hereintrat.
Es war ein junger Mann von sechszehn bis sscbzehn Jahren, mit bleichem Gesichte, feinen aristokratischen Zügen und stolzem Blicke; sein schwarzes Haar war gelockt und sorgfältig zurückgcworfcn; seine Hände waren weiß und voll wie Damenhändchen und an einer derselben trug er einen werchvollen Ring.
„Sie haben mich rufen lassen Herr Buller," sagte er an der Thüre mit einem hochmüthigeu Tone, der selbst in seinen gewöhnlichsten Worten lag.
— »Ja, Mylord," antwortete ter Pro essor.
„Darf ich fragen, was mir diese Ehre verschafft?"
Er sprach die beiden letzten Worte mit einem Lächeln, das uns nicht entging.
„Ich möchte wissen, Mylord, warum, da gestern die Ferien abgclaufen sind, Sie troy meiner Eiâladung nicht mit den andern Zöglingen zu mir zu Tische gekommen sind."
— „Ersparen Sic mir diese Antwort."
„Das kann ich leider nicht; sie haben dem Herkommen gänzlich zuwidergehandelt und ich wlderhole eS,