Mit Zttlung.
z^âeiheiL und Recht!"
M 12.
Wiesbaden. Dienstag, 13 Januar
1850»
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Schauerliche Cansequenz.
0 Herborn, 5. Januar. Der bekannte unermüdliche Dr. Heydenreich, derselbe Mann, welcher, in dein am 8. Mai v. I. von ihm in der Kammer erstatteten Bericht über das Volkswehrgesetz, über das Verhalten Preußens zur Reichsversaffung vom 28. März Folgendes setzte: _
„Die preußische Regierung, nimmt plötzlich eine'neue Sprache an; nachdem sie monatelang hinter nebelhaften diplomatischen Noten sich versteckt gehalten, erklärt sie endlich zum erstenmale offen , der König könne die Kaiserwürde und die unveränderte Reichs-- Verfassung nicht annehmen, doch stellt sic nochmals eine Vereinbarung mit derNational- versammlung, obgleich sie selbst nicht daran glaubt, in Aussicht und beruft zu dem Ende die Abgeordneten der Fürsten nach Berlin, wo unter dem Schutze und Einfluß preußischer Bajonette das Wohl Deutschlands berathen und demnächst in der hinlänglich bekannten Weise mit Kraft und Energie bethätigt werden soll!
So weit wagt man bereits den Troy und die Verhöhnung des Botts zu treiben!!
Und wie lange wird es noch dauern, bis man nöthigen falls nach dem ruhmwürdigen Beispiele Oesterreichs selbst die russische Knute zu unserer Beglückung £ er beim ft? Die Geschichte wird solchesTreiben richten! Das preußische Volk aber wird eine solche Schmach nicht dulden; es wird sie mit Macht abwerfen!
Aber wie? hat denn aber die Nationalversammlung die Neichsverfassung nicht auf gesetzlichem Wege verkündigt und ihr dadurch allein schon Gesetzeskraft gegeben? Soll etwa die Neichsverfassung, welche das Volk will, blos darumnichtig sein, weil ein König die Kaiserwürde ablehnt!?
Diè Freiheitskriege gegen Frankreich, wie die Barrikadenkämpfe in Wien und Berlin geben uns von Dem, was die Volkswehr vermag, eine bessere Meinung; und auch daran glauben wir nicht, daß unser Volk, in dessen Schooß sich immer feige Buben verbergen mögen, für das Vaterland nur Adressen unterschreiben, aber keine Opfer an Gut und Blut bringen könne. Wäre dem jedoch so, nun dann sagen wir uns los von einem Volke, d a s d e r Freiheit nicht werth wäre, dann falle es in die alte Knechtschaft des Bundestages oder in eine noch schon schlimmere zurück, dann werde aber seine Schmach auch aller Welt offenbar!!!" .
eben derselbe Heydenreich, der am 8. Mar 1849 die obigen Worte, welche den aufopferndsten Muth für die Neichsverfassung vom 28. März athmen — welche den glühendsten Haß gegen die Branden-
Leben und Abenteuer des John Davys Von^Alexauder Dumas.
(Fortsetzung.)
„Es geht doch nicht.,,
— „Warum nicht?"
„Ich kann es ihr nicht sagen, daß ich sie liebe."
-- „Es ist ja auch nicht nöthig, daß gerade Sic es ihr sagen."
„Wer sollte es sonst thun?
— „Ich werde es für Sie thun."
„Doktor, Sie retten mir das Leben."
— „Das ist mein Amt."
„Wann gehen Sie zu ihr?"
j — „Morgen, wenn Sie es wünschen."
„Warnm nicht gleich heute?
— „Heute ist sie nicht zu Hause."
„So warten Sie, bis sie kommt."
— „Ich werde mein Pferd satteln lassen."
„Nehmen Sie lieber meinen Wagen.«
— „So lassen Sie anspannen."
Der Capitain klingelte so stark, als wolle er die Klingel abreißen und rief: „anspannen!"
Patrick, der Kutscher, schüttelte den Kopf.
Hinter Patrick kam Tom; der Capitain fiel ihm um den Hals.
burg-Manteuffel'schen Oktroyirnngen unter „Wrangel- schen Bajonetten" sprühen — gesprochen und geschrieben hat, — derselbe Heydenreich erläßt in dem heutigen Herborner Kreisblatt einen (leider auch von dem, ehemals der demokratischen Partei des Landtags angehörigen E. Wenckenbach mitunterzeichneten) Aufruf zur --Theilnahme an den Wahlen zum Erfurter Vereinstag. Nachdem in diesem Aufrufe Hr. Heydenreich der ministeriellen Partei der Kammer, zu der er selbst auch gehört, Weihrauch gestreut, weil sie den Anschluß an Preußen genehmigt hat, „an jenen Staat, der in sich selbst mächtig war, unter den Stürmen der letzten Zeit Ordnung aufrecht zu erhalten und einem Treiben die Spitze zu bieten, das nur auf völligen Umsturz alles Bestehenden abzielen konnte", (Bravo, Herr Heydenreich ! Das ist die bekannte Redensart, die auch stets der Fürst Metternich gebrauchte! Großer Lehrer, gelehriger Schüler!) heißt es wörtlich weiter:
„Aber was jetzt noch von Einheit und Freiheit zu erreichen möglich ist, das wollen wir thörichter Weise nicht zurückstoßen. Preußen und seine Verbündeten berufen einen Reichstag, wollen die Frankfurter Neichsverfassung, so weit es möglich ist, zur Grundlage der weiter zu schaffenden Ordnung nehmen, haben ein Volks ha ns, also Volksabgeordnete für die Gesetzgebung des gemeinsamen Bundes bestimmt. Auf diesem Wege erscheint es uns möglich, nach und nach ein einiges Deutschland zu erreichen und ist dieses erst geschaffen, so wird auch die Zeit herbeigeführt werden, in der eine Hollere Freiheit unserem Volke zu Theil wird, ohne daß sie erst Krieg und Unheil, Armuth und Zerstörung über Stadt und Land ausschütten wird. Der Reichstag zu Erfurt ist bestimmt, die erste Hand an das Werk zu legen, das zwar nicht mit so hohen Worten und so überspannten Erwartungen angekündigt wird, wie das Parlament, das wohl stiller, mühsamer, aber sicherer Gesetzliche ck und Ordnung, danach aber auch die Freiheit uns darbiete» wird."
Und nun vergleiche man Zumal den H^yd e n - reich vom 8. Mai 1849 mit dem Heydenreich vom 5. Januar 1850.
Was ihm damals eine „Schmach" war, ein „Trotz gegen das Volk", eine „Verhöhnung des Volks", ein „Vorbote der russischen Knute", das ist ihm jetzt ein rühmliches patriotisches Unternehmen für Gesetz, Ordnung und Recht. Während er damals versicherte, die preußische Negierung glaube selbst nicht einmal an ihre vorgeschlagene Vereinbarung, verspricht er uns jetzt von derselben preußischen Negierung die Einheit und Freiheit Deutschlands. Während er damals voraussetzte, das Volk werde dieWaffen ergreifen für die Neichsverfassung, von Volks Heer und Barrika- d e n sprach, gegen „feige Buben" loszog, und erklärte, wenn das Volk für die Neichsverfassung sein Blut nicht einsetze, sei es die Freiheit nicht werth, — ver
Tom seufzte tief; eS war nun kein Zweifel mehr, daß der arme Capitain den Kopf verloren hatte.
Eine Viertelstunde darauf fuhr der Doktor fort. Sein Besuch hatte daS ertreulichste Resultat für meinen Vater und für mich, denn nach zehn Wochen heirathete mein Vater Anna Maria und nach der gehörigen Zeit kam ich glücklich zur Welt.
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Aus den drei ersten Jahren meines gebend erinnere ich mich an nichts weiter, als daß meine Mutter mir immer sagte, ich sei ein allerliebstes Kind. Tom setzte mich häufig auf seine Achsel und ließ mich reiten, nahm Vogelsnester für mich aus auf den höchsten Bäumen, zeigte mir die Hunde und die Pferde und trieb tausend tolle Streiche. Einmal nahm er mich auch auf die Achsel, meine Mutter küßte mich zärtlicher als gewöhnlich ; mein Vater nahm seinen Stock und ging mit uns. Wir wanderten idurch den Park und kamen an den kleinen See. Es war' sehr heiß. Tom zog seine Jacke und sein Hemd aus, trat an den Rand, hielt die Hände über den Kopf, that einen Sprung, wie eS die Frösche machten, wenn ich sie am Ufer störte, und verschwand in dem See. Ich schrie gewaltig und lief dicht an das Ufer; mein Vater hielt mich zurück und unterdeß kam Tom wieder zum Vorschein, der mir nun zuredete,
folgt er jetzt die besiegten, mit Verbannung und Elen kämpfenden Reichsverfassungskämpfer mit Verdächte- gungen.
Wir enthalten uns eines jeden Wortes der Kritik über ein solches Verfahren. Wo die einfache Thatsache so laut redet, da können wir schweigen.
Wir halten zwar Heyvenreichs Bericht vom 8. Mai und seinen Aufruf vom 5. Januar beide für sehr geistlose und nicht beachtenswerthe Machwerke, aber wir hielten es doch für der Mühe werth, dieselben einmal öffentlich zusammenzustellen, damit das Volk sieht, was es von einer Partei zu halten hat, bei welcher ein Heydenreich — für confeqeut gilt.
Der Plan eines Staatsgerichtshofs in Preußen.
Noch lebt in allen Gemüthern die tiefe Wirkung der drei schweren politischen Prozesse der letzten Mo- nate, — noch haben die drei „großen Verbrecher", Waldeck, Jakoby und Kranthofer, kaum Zeit gehabt, des Sieges ihrer Unschuld sich zu erfreuen, — und schon beabsichtigen Preußens Netter die Gründung eines neuen Institutes, das den Staat fortan vor dem „Skandal" solcher Freisprechungen bewahren soll. Eine mit allem Anscheine der Authenticität prunkende Berliner Corresx. eines Nachbarblattes bringt unS die Nachricht,- «s solle Preußen noch vor Beschwörung der Verfassung mit einem StaatsgerichtShof beglückt werden. Dieser StaatsgerichtShof „soll, wie der in Frankreich errichtete, in außerordentlichen Fällen des Hochverraths und besonders bei weitverzweigten Verschwörungen" (wie z. B. die Gödsche-Ohm'sche) „an die Stelle der gewöhnlichen Strafgerichte treten, um das Urtheil bei solchen außergewöhnlichen Verbrechen den Zufälligkeiten" (daß die Geschworenen gesunden Menschenverstand besitzen?) „und etwaigen Lokaleinflüssen zu ent- liche Gerichtshof, da etwas den Departementalräthen, aus denen er in Frankreich hervorgeht, Analoges bet uns nicht eristirt, theils durch Wahl der Kammern, theils aus Mitgliedern des Geh. Oher-Tribunals.
Soweit die Correspondenz unseres NachbarblatteS. Sehen wir nun, was hinter diesem ministeriellen Plane liegt. Zunächst scheint derselbe allerdings auf eine lange Fortdauer des jetzigen Regierungs-Systems zu rechnen und will dasselbe mit einer neuen, vernichtenden Waffe gegen seine Gegner versehen. Indem aber noch Gegner von solch furchtbarer Natur vorausgesetzt werden, daß es so außerordentlicher Mittel gegen sie bedarf, wird auch eingestanken, daß die staatlichen Zustände, welche wir nach 14monatlicher Herrschaft dieser Minister besitzen, fern von Festigkeit und BestehenS- kraft sind. Und ein solches Geständniß aus dem Munde
zu ihm hiucinzukommen und mit ihm zu schwimmen, wie der Schwan und die Fische. Ich weigerte mich aber hartnäckig, bis mein Vater zu Tom sagte: „laß ihn in Frieden , er fürchtet sich."
Dies Wort war ein Talisman, mit dem man mich zu allem bringen konnte. Ich hatte meinen Vater und j Tom von der Furcht immer wie von einem so verâcht- i lieben Gefühle sprechen hören, daß ich, so klein ich auch noch war, doch bei dem Gedanken erröthete, man könne glauben, ich fürchte mich. „Nein, ich fürchte mich nicht," sagte ich, „ich will zu Tom gehen."
Tom kam sogleich aus den Wasser heraus, mein Vater kleidete mich aus und hob mich dann auf den Rücken Toms , um dessen Hals ich meine Arme schlang. So .ging es in das Wasser hinein. Tom mußte an kein Drücken meiner Arme fühlen, daß mein Muth nicht so groß war, als ich gern hätte glauben lassen wollen. Im Anfänge fuhr ich vor dem kalten Wasser zurück, doch allmählich gewöhnte ich mich daran. Nach acht Tagen konnte ich mich schon allein im Wasser erhalten und im Herbst schwamm ich wie ein Fisch.
Um diese Zeit kamen mehrere fremde Männer an, mit denen Tom und mein Vater häufig sprachen. Sie aßen und schliefen in dem Schlosse und ich konnte mir nicht erklären was sie wollten. Sie blieben den ganzen Winter. Endlich kam im Mai der Geburtstag meiner Mutter. Ich fand an demselben früh statt meiner gewöhnlichen Kleider einen vollständigen Mitshipmansanzug.