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Freiheit und Neehl!"

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Wiesbaden. Sonntag, irr. Januar

1850

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deo Montags, täglich in einem Bogen.-.fit AbounemeMöpiclS beträgt vierteljährig hier' in Wiesbaden i T wärtS durch die Post bezogen mit vechaltnchmapigem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig a^Fuonimen und füio Lei per großen Bcrdrâm- der treten1

samem Erfolge. - Die ZnseratlvnSgcbuhrc» betragen für die vicrspaltige Petitzeile 3 Kreuzer. ' 9 "sreien Zeitung» »cts von wirk-

Die Politik der Volkspartei in den Klein­staaten Deutschlands.

K Wiesbaden, 12. Januar.

ES gibt immer noch Leute unter den Demokraten der kleinen Staaten Deutschlands, welche für einen kleinstaatlichen" Liberalismus schwärmen, und nicht begreifen wollen, daß es jetzt mit der Selbst- ständigkeit der Kleinstaatenpolitik ganz und gar aus ist. Der Kleinstaaten -Liberalismus hat, wer möchte dies leugnen, seine volle Berechtigung gehabt: aber er hat sie nicht mehr.

In den letztverflossenen dreißig Jahren bildete sich, nachdem der alte Absolutismus in Oestreich und Preu­ßen nach den Befreiungskriegen wieder in der vollsten Blüthe sich restaurirt hatte, in den kleinen südwest­deutschen Staaten eine konstitutionelle Opposition, welche einige Zugeständnisse erstritt, von deren Größe und Bedeutung man aber nur in Betracht der sibirischen Zustände in Preußen und Oestreich berauscht sein konnte.

Diese Opposition der kleinen Staaten zauste immer fort an den Ohren des großen Kettenhundes, welcher tu Frankfurt au die Kette gelegt und dem die Aufgabe gestellt war, dafür zu wachen, daß sich ja kein freier Gedanke in das Herz des deutschen Michels diebischer Weise einschleiche.

Der Kettenhund, der alte Bundestag, ließ sich das Zausen der vorwitzigen und vormärzlichen Libe­ralen in Baden und Würtemberg bis zu einem ge­wissen Grade gefallen und das Erstaunen der preußischen Patrioten über die Kühnheit der süddeut­schen Kammerhelden war darob sehr groß.

Der strahlende Ruhm, den einstens die Vertreter eines sehr kleinen Landes, nämlich Badens, umgab, bewies am meisten und hellsten, in welch' unge­heurer Knechtschaft die Völker in den deutschen Groß- mächten sich befanden; leistete aber, wie die Ge­schichte der neuesten Zeit schlagend dargcthan, durch­aus keine Bürgschaft für wirkliche Erfolge, welche durch diese kleinen Staaten für die deutsche Freiheit , erzielt worden wären.

Und letztrcs ist in der That sehr begreiflich: denn die Freiheit wird erst von dem Moment an aufhören * eine bloße Phrase zu sein, von welchem an sie sich die materielle Macht Geld und Bajonette unter- j würfig gemacht hat. Gegenüber der materiellen Macht der absoluten Großmächte konnte diejenige der kleinen ' Gebiete nicht entfernt in Betracht kommen, und folge- ! weise konnte auch der Freihcitsbaum, den die Consti- ; tutioncllen in diesen Gebieten aufzupflanzen gedachten, niemals erstarken und kräftige Wurzeln schlagen.

Wenngleich nun auch fest steht, daß diese liberalen kleinstaatlichen Bestrebungen für die dauerhafte Be- . festigung der deutschen Einheit nichts leisteten, nichts | leisten konnten: so ist doch andererseits unleugbar, daß, so lange die Volkspartci der beiden deut- -

scheu Großmächte gar nicht die Möglichkeit hatte irgendwie sich Geltung zu verschaffen, der Politik der kleineren Staatsorganiömen ein gewis­ses, ganz bestimmtes Ziel gesteckt war und damit eine gewisse Ursprünglichkeit und. Selbstständigkeit zukam- Dieser Politik und ks bedarf wol kaum noch der ausdrücklichen Versicherung, daß wir hier das Endziel der Opposition des Volks gegen den alten Bundes­tag und seine Eonsequenzen, nicht aber die D y n a st e n - Politik in den Staaten dritten, vierten, fünften Rangs deutscher Ration im Auge haben, wenn auch, b-n-efni- ,gen schlauen Regenten, welche begriffen, dass in einer der Volkspartci zusagenden Opposition gegen Jnstcku- tionen des Bundestages die Interessen ihrer Häuser selbst am besten gewahrt würden, diese Hauspolitik in einer Volkspolitik,auf- ging war die geschichtliche Ausgabe gestellt, durch ewiges Pochen auf gegebene Zusagen, durch fortwäh­rendes Begehren zeitgemäßer Reformen in allen Zwei­gen des Staatsmechanismuö, die beiden deutschen Groß­mächte fortwährend in Athem zu erhalten, zu verhindern, daß in Oesterreich und Preußen der drückende Metternich'schc WiUkürzustand nicht fortwährend jnit freieren Lebenöäußerungen in Baiern, Würtemberg und Baden in Vergleich gebracht würde.

Von dem Zeitpunkt an, in welchem die Volkspar- tei in Preußen und Oestreich einigermaßen ein ^clb eroberte von denrans sie ihre Grund­sätze verfechten konnte, war eben diese negative Ausgabe des kleinstaatlichen Libc.ralismus erfüllt und es ist dringend geboten, daß nach diesem Zeitpunkt dieser Liberalismus über seine Stellung sich vollständig klar wird und namentlich begreift, daß er vollstän­dig in seiner Entwicklung von den Erfolgen der Volks­partei in den beiden deutschen Großmächten be­dingt ist, und daß Deutschland nur durch den Sieg d c r -Volksparthe i in ^ . H^HHaateü frei und einig werden kann.

Schon als der matte vereinigte Landtag im Jahre 1847 in Berlin zusammentrat, konnte man deutlich wahrnehmen, wie sehr das Interesse an den badischen Kammerphrasen erlosch, und aller Orten in Deutsch-

land richteten sich die Augen derer, welche für eine Sinn und Ver-

Entwicklung der deutschen Zustande ftänoniß hatten, auf Preußen.

Als die Revolution des Jahres machte sie der Volkspartei Preußens auch die unmittelbare That möglich, daß sachgemäß und folgerichtig

18-18 ausbrach, uns Oesterreichs und bewirkte so, in überraschender

Schnelle an die Stelle des kl ein staatlichen kon­stitutionellen Liberalismus die d e u t sch e Demokratie sich setzen konnte.

Nachdem so Preußen und Oesterreich eine aktive Rolle in der Entwicklung Deutschlands übernommen hatten, konnte Baden als solches nicht mehr den Ein­fluß auf Deutschland geltend machen, den es vor der Revolution allerdings inne gehabt.

Die badischen Erhebungen, welche für Baden selbst große Revolutionen waren, blieben für das übrige Deutschland lediglich Putsche.

Aus diesem Unglücke Badens muß die Demokratie der kleinen Staaten eine heilsame Lehre ziehen. Wenn in allen kleinen Staaten heute die Regierungen ge- W, würden, und Preußens und Oesterreichs Volks­partei verhielte sich passiv oder würde besiegt, so wür­den morgen diese sämmtlichen Regierungen wieder restaurirt.

Sollte aber hönte das preußische Königshaus für immer den preußischen Landen Lebewohl sagen, so würden morgen noch sehr viele fürstliche Karrossen sich' über die Grenzen in Bewegung setzen.

So liegt die Sache. Die Zeit der Putsche ist für die kleinen Staaten durchaus vorbei und die Demokraten in denselben haben fortwährend ihr Augenmerk auf die Verfahrungsweise der österrei­chischen und preußischen Demokratie zu richten.

Die Demokraten der kleineren Staaten, die âm Rhein und diesseits der Mainlinie liegen, haben nament­lich und M, so mehr, wenn sie dem Einkönigsbund angetraut worden sind, das Vorbild der preußischen Demokratie festzuhalten; allein keineswegs dürfen sie dabei die Vorgänge in Wien, dessen acht revolutio­näre K r a ft schon in einem sehr heißen u. langwierigen Kampfe'sich erprobt hât, äußer Acht lassen.

Nach diesen entwickelten Gesichtspunkten muß die Demokratie in, den Kleinstaaten ihr politisches Verhal­ten in der Prärie bemessen. Ihre frühere Rolle deS Anregens haben die,kleinen Slaaten mit derjenigen des Zusehens, und Äb w a r te n S zu vertauschen.

Gegenwärtig chat die Volksparthei der kleinen Staaten, insbesondere die derjenigen, welche dem Ein- königsbündniß anhängen, eine eklatante Gelegenheit zu beweisen, daß sie ihre Stellung begriffen hat.

^anVoft t»ä H^t t^mh^ "'" S^ -TO * ^ s * ♦♦ für Erfurt, und bezüglich ihrer hat bekanntlich die preußische Demokratie mit bewundernswürdiger Ein­stimmigkeit laut und feierlich erklärt: sie werde nicht wählen.

Die Volksparthei der Kleinstaaten darf daher schon, abgesehen von allen übrigen Gründen, welche in diesen Blättern schon weitläufig erörtert wurden, einfach deß­halb nicht wählen, weil Preußen nicht wählt. Es wäre z. B. mehr als lächerlich, es wäre kindisch, wenn die Demokraten in diesen Staaten, selbst wenn sie Aussicht hätten, 2 oder 3 Demokraten bei der Wahl durchzusetzen, in derselben politischen Sache han­deln wollten, in welcher das preußische Volk ganz theil nah m! os und kalt sich verhalt.

Während das ehrliche Interim sein redlich Theil dazu beiträgt, die Selbstständigkeit der Haus Politik der Fürsten der kleinern Staaten, durchaus zu ver­nichten, und ganz deutlich die Mediatisirungen in Aus­sicht stellt, während also so das Interim in der Ma­nier des Mephistopheles das Gute schafft, und mâch-

Leben und Abenteuer des John Davys.

Bon^Alexander Dumas.

(Fortsetzung.)

Mit Ihrer Erlaub'niß, ich bin an das Häuschen gewöhnt, wie es das Häuschen an mich ist. Ich weiß darin alles zu finden und brauche nur die Hand darnach auszustrecken. Hier verlebte ich meine Kinderjahre; die Meubeln stehen alle noch an derselben Stelle wo ich sie immer gesehen habe; an diesem Fenster hier saß meine Mutter auf dem großen Lehnstuhle; diese Flinte da hing mein Vater auf und da steht baS Bett, in welchem der würdige Mann seinen Geist an Gott zuriickgabr Sein Geist /st hier anwesend, ich weiß es, verzeihen Sie mir, aber ich würde es fast für ein Verbrechen halten, willkührlich etwas um mich her zu verändern. Wenn Sie freilich befehlen .. /'

Behüte mich Gott!" rief Sir Eduard;ich kenne die Macht der Erinnerungen selbst zu gut, als daß ich mich an den Ihrigen vergreifen sollte. Bleiben Sie, bleiben Sie ruhig in Ihrem Häuschen; aber Ihr Gehalt wird verdoppelt und Sie mögen sich meinetwegen mit dem Pastor besprechen, um davon einige arme Fa­milien zu unterstützen. Wann halten Sie Ihre Mit­tagsmahlzeit ?"

Um zwölf Uhr.â

Auch ich bin es so gewöhnt und ein für alle­mal, Sie werben stets Ihr Couvert im Schlosse finden. Sie spielen gelegentlich eine Partie L'hombre?"

Ja. Har Robinson Zeit, so gehe ich zu ihm oder er kommt zu mir und dann ist das Spiel nach einem wvhlverbrachten Tage eine Erholung, die wir uns wohl erlauben dürfen."

An den Tagen an welchen er nicht kommt, werden Sie an mir einen Partner finden, der sich nicht so leicht schlagen läßt, und wann er kommt, so bringen Sie ihn zu mir, wenn er will und wir spielen Whist."

Sie erzeugen mir große Ehre."

Etwas ermüdet von der Wanderung kam mein Vater in das Schloß zurück, wo er seinen Leuten an- deutete, baß er sich vvrgciiommen habe, auf dem Schlosse ganz so fort zu leben, wie auf einem Schiffe. Mit Sonnenaufgange sollte eine Glocke statt der Trommel das Signal zum Aufstehen geben; von diesem Augenblicke bis zu dem, in welchem jeder an seine Arbeit zu gehen habe, sei eine halbe Stunde zum Frühstück bestimmt. Nach dem Frühstücke folgte auf dem Schiffe das Waschen des Deckes , im Schlosse sollten dafür Die Zimmer ge- reiniget und die Schlösser rc. geputzt werden. Um neun Uhr wollte dann der Capital» begleitet von allen seinen Leuten Jnspectivn halten und er machte bekannt, daß jeder der einen Dienstsehlcr begehe, die auf den Schiffen üblichen militärischen Strafen zu erwarten habe. Um

zwölf Uhr würde Die Arbeit durch das Essen unter­brochen und von da bis vier Uhr, während Der Capi- tain einen Spaziergang mache, wie sonst auf Dem Schiffe sollren die 8eute sich mit der Ausbesserung alles schad­haft Gewordenen beschäftigen. Um fünf Uhr würde die Glocke zum Abendessen rufen. Darauf sollte, wie auf dem Schiffe, um acht Uhr ein Theil der Leute zu Bett gehen, während der andere wache.

Es war> dieselbe Monotonie wie auf dem Meere, aber es fehlte dem Capilain das Schaukeln Der Meeres wie dem Kinde das Schaukeln der Wiege, in der es so lange von der Mutter eingeschläfert nume. Es fehlte der Sturm, in welchem der Mensch auf dem Schiffe wie die alten Riesen , mit Gott kämpft und so blieb eine Leere in seinem Herzen, deren sich bald d:e Lange­weile bemächtigte. In Ihrem Gesolg kam die gewöhn­liche Begleite! in, die schreckliche Krankheit d.s Herzens und Geistes, der Spleen, gegen welchen die Kunst der Arztes nichts vermag. Der Capilain zog sich m,hr und mehr von seinen Freunden zurück, selbst Tom schien ihm zur Last zu sein. Er ging allein umher und schloß sich Abends in sein Zimmer ein. Bei Tische er ge­rade nur soviel, daß er nicht verhungern konnte und ein Buch nahm er gar nicht mehr in Die Hand. Sv kam der Herbst heran und man erwartete, der brarè Capitaili werde denselben nicht überleben, wenn nicht ein Wunder geschehe. Dies Wunder that jedoch Gott durch einen Engel.