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ntfon gedacht werden muß, da ein großer Theil des gcwerbtreibcnden Bürgerthums durch den übermäßigen Druck der Einquartierungslast völlig mittellos gewor­den und mehr Fahrnisse im Leihhause als zu Hause hat; an andern Orten ist cs nicht viel besser. Einer­lei! Die Basscrmann'schcn Gestalten sind doch durch den Belagerungszustand verscheucht und die Feierabend- stunde, wie es in demselben Artikel rühmend heißt, ist auf 10/2 Uhr verlegt. In Rastatt wird voraussicht­lich morgen ein früherer Civilcoinmissär des Oberlands, der die preußische Garnison in Constanz und Freiburg zu bestechen suchte und deßhalb heute von dem dortigen Standgericht abgeurtheilt wurde, erschossen. In Mann­heim sind in der Sylvesternacht nicht weniger als 16 Leute, welche die Bestimmungen der preußischen Stadt­kommandantschaft übertraten, arretirt worden und haben Manche eines polizeilichen Exzesses halber eine Correktionshausstrafe von drei Monaten zu bestehen. Weich' behagliches Ruhland im Belagerungszustand!

Die badischen Offiziere erhalten jetzt täglich Unter­richt in dem preußischen Exercitium; die Handgriffe erlernt das badische Offizierkorps jedenfalls (eidjter, als die preußische Aussprache und Baden ist jedenfalls schneller mediatisirt, als ein Oberländer sein gewohn­tesKwchr" inJewehr" umwandelt. Der Prinz von Preußen befindet sich gegenwärtig in Karlsruhe, er hat einen definitiven Plan über die Reorganifirung des badischen Heeres vorgelegt; ob er auch wohl den der Mediatisirung in der Tasche hat? Es find zehn Oberlicutenants zu Hauptleuten und zwölf Lieutenants zu Oberlicutenants defignirt; bei diesem geringen Avan­cement werden wohl preußische Offiziere aushelfen müssen. Als Kommandeur der drei badischen Drago­nerregimenter werden designirt: v. Hinkeldey, Hilbert und der pensionirte Rittmeister Behr.

Karlsruhe, 3. Januar. DerSchwäb. Merkur"- berichtet, daß der Alterspräsident der constitui- renden Versammlung, Pfarrer Schlatter und ein an­derer Geistlicher aus der Nähe (Mühlburg?) zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt seien.

Rastatt, 4. Januar. Vor einigen Tagen sind einige Gefangene, worunter ein zu 20 Jahren Zucht­haus vom Kriegsgericht verurteilter Soldat, von der Arbeit, zu der sie verwendet waren, entkommen. Der Fall machte dadurch nicht unverdientes Aufsehen, weil der sie bewachende preußische Füsilier mit ihnen durch­ging. Vier andere wurden heute früh bei einem Be- freiungsversuche im Spitäle der Bastion XXX entdeckt, als sie eben eine verschlossene Schießscharte eines der untern Räume öffnen wollten. (S. M.)

Mannheim, 6. Januar. Die bevorstehenden Wah­len, sowohl zur badischen Kammer, als zum Erfurter Reichstag, werden hier schwerlich eine große politische Erregung hervorbringen, denn nach allen Wahrnch- mungen wird sich auch hier die demokratische Partei in der ganzen Wahlangclegcnhcit passiv verhalten.

Karlsruhe, 6. Januar. Dem Vernehmen nach find die beiden Lieutenants Heckmann und M eßine r vom vormaligen zweiten Infanterie-Regimente von dem Kriegsgericht jeder zur Cassation und zweijährigem leichtem Festungsarrest verurteilt worden. (Fr. Z.)

Hamburg, 4. Januar. Die Preußen sind durch strenge Ordre in ihre Quartiere konfignirt worden; ohne spezielle Erlaubniß soll sich nach 6 Uhr Abends keiner von ihnen mehr auf den Straßen zeigen. Gestern zogen noch zu später Stunde Patrouillen durch viele Stadttheile. Mittwoch Abend ist u. A. leider ein Soldat der hiesigen Garnison, 22 Jahr alt, am Kopf, am Oberarm und an der Hand durch preußische Säbel­hiebe so übel zngcrichtet worden und zwar ohne die mindeste Veranlassung von seiner Seite daß an der Wiederherstellung des Maunes gezweifelt wird. Man versichert uns wiederholt, die von verschiedenen Seiten in Zweifel gezogene Absicht zu einer Militär- Convention zwischen Hamburg lind Preußen eristire nicht blos, sondern habe noch am vorigen Freitag zu dieser Sitzung des Raths Anlaß gegeben, in welcher Preußens Wünsche in ernstliche Erwägung gezogen werden.

Hamburg, 5. Jan. Die demokratische Parthei wählt nicht nach Erfurt; in einer gestern Abend ab- gehaltenen Versammlung sprachen sich die Führer der Partei entschieden für Nichtwählen aus. (Ob.P.Ztg.)

Wien, 3. Januar. Zu Jungbunzlau fand eine Versammlung böhmischer Industriellen statt über die Vorschläge des Handelsministers zur Zolleinigung, die Abgabe eines Gutachtens zu berathen. Es wurde auch eine solche dem Handelsministerium eingereicht mit dem Bemerken, daß eine Zolleinigung mit Aufgeben des bisherigen österreichischen Zollsystems, allerdings zuläs­sig erschiene, wenn der einheimischen Arbeit der gebüh­rende Schutz hierbei zuerkannt würde, und nach Auf­hebung der Zölle auf Roh- und Hülfsprodukte der Fa­brikation und der Zwischenzolllinie mit Ungarn der Interim hierzu, weit kürzer als cs in den gedachten Vorschlägen geschieht, zu bewerkstelligen wäre. Als das für den Moment dringendste Bedürfniß der einheimi­schen Industrie wurde ferner erkannt: die strengste Be­wachung der Gränzen bis zu dem Zeitpunkte der de- sinitiven Handelseinigung mit den deutschen Staaten gegen die jetzt mehr als je stattfindende Einschwärzung fremder Waaren. (R.Od.-Ztg.)

Wien, 2. Januar. Die ganze Stadt ist voll von : einer Neuigkeit trauriger Natur. F.M.L. Baron von 1 Hrabrovsky von Hrabova, ehemaliger Hnhaber des 14. Linien-Jnfantcrie-Negiments, Ritter mehrerer hohen Orden, soll wegen Theilnahme an der magyarischen Insurrektion von der hiesigen Militär-Central-Unter- suchungs-Commission verurteilt worden sein. Er kam vor mehreren Jahren als Divisionär nach Großwar- dein, sodann als commandirender General nach Peter- wardein, und bann in gleicher Eigenschaft nach Pesth. In dieser Stellung spielte er in den Wirren des vo­rigen Jahres eine hervorragende Rolle und ließ na­mentlich Carlowic bombardiren.

Die in neuester Zeit bei den Landesregierungen unbesetzt gebliebenen Stellen bei den Lehen-Archiven sind wieder provisorisch mit tüchtigen Juristen wegen der in Folge des Patentes vom 7. September 1848 und der späteren kaiserlichen Erlasse sich ungeheuer unhäufenden Lehen-Prozesse u. dgl. besetzt worden.

Nächstens sollen die Reichs-Schatzscheine in Um­lauf gesetzt werden. Die Papiere werden als ein Pracht­werk geschildert und in dieser Beziehung den preußi­schen und englischen Creditpapieren gleichgestellt. Aber ob auch in anderer Beziehung?

Der Postenlauf ist durch den Schneefall in gänzlicher Verwirrung. Die Blätter melden, daß der Abgang der Züge auf den nördlichen und südlichen Eisenbahnennächst Meldung" eingestellt sei. Was das heißen soll:nächst Meldung", vermögen wir nicht zu sagen, da wir kein Wörterbuch der österreichi­schen Sprache besitzen.

Wien, 4. Jan. Die heutigeWiener Ztg." ent­hält den Vortrag des Ministerrathes in Betreff der für die einzelnen Kronländer zu erlassenden Landes- Verfassungen und Landtags-Wahlordnung. Morgen wird m der k. k. Hof- und Staatsbruckerei das erste Stück des neuen Jahrganges (1850) des allgemeinen Reichs-Gesetz und Regierungs-Blattes, jedoch vorläufig nur in der deutschen Sprache ausgegeben werden. Dasselbe macht das kaiserliche Patent vom 30. De­zember bekannt, wodurch die Landes-Verfassung für das Erzherzogthum Oesterreich unter der Enns sammt der dazu gehörigen Landtags-Wahlordnung erlassen und verkündigt wird. Das Maria Therefien-Or- dens-Capitel ist zusammengetreten, um über die Er- theilung des betreffenden Ordens an diejenigen Offi­ziere zu entscheiden, welche in den Feldzügen während der verflossenen Jahre Ansprüche auf denselben erwor­ben haben. Der Finanzminister entwickelt in einem an Se. Majestät gerichteten Vortrage die weiteren, zur Führung des Staatshaushaltes zu treffenden Maß­regeln; diese sind: 1) die Einzahlung der noch rück­ständigen Raten auf das 4% proceutige Anleihen 26/2 Millionen; 2) die Einziehung der lombardisch- venetianischen Schatzscheiue 14 Millionen; 3) die Einziehung der deutschen Münzscheine 3% Millionen; 4) in der sardinischen Kriegs-Entschädigung haben im Laufe des Jahres 1850 einzugehen 14% Mill.; 5) werden die Hypothekar-Anweisungen und die Central- Anweisungen vom Jahre 1842 emgelöst, so entfallen von der bisherigen schwebenden Schuld 16 Mill; 6) mittels der Crebitoperation zur Einziehung der lom­bardisch-vcnetianischen Schatzscheine dürfte eine nam­hafte Summe in Baarem cingebracht werden. In Folge dieses Vortrages des Finanz-Ministeriums zeigte sich die Börse sehr belebt, die Fonds stiegen,

Griechenland.

Ath-u. Der Ministerwcchsel ist vor sich gegan­gen. Die Bildung des neuen Ministeriums wurde zuerst dem Generallieutenant Metaras angeboten, da dieser aber die Ernennung von acht lebenslänglichen Senatoren zur Bedingung machte, welche ihm für ewige Zeiten die Mehrheit in der ersten Kammer sichern soll­ten, so lehnte der König ab und berief den Admiral Kriezis, der sodann ein Ministerium aus fünf Sena­toren und einem Deputieren zwei Jnselgriechcn, zwei Rumelioten und zwei Moreoten zu Stande brachte.

I t a l i e n.

Neapel, 20. Dezbr. (Eine weitverzweigte Verschwörung.) Sie erinnern sich vielleicht des Vorfalls während der Segnung des Volks durch den Papst im November. Man hatte ihn hier ganz ver­gessen, indem Jedermann der Ansicht war, daß es ein Gaunerstreich war, um die dadurch verursachte Ver­wirrung zu einer Taschenernte zu benutzen. Man war deßhalb nicht wenig erstaunt, zu vernehmen, daß im Geheimen eine strenge Untersuchung stattgefunden und man einer weit verzweigten .Verschwörung auf die Spur gekommen, welche den Tod des Königs und des Papstes zum Zweck gehabt haben soll. Die Sache ist abenteuerlich genug, doch soll der Staatsanwalt auf 39 Todesurtheile, wovon viele in contumacia, ange­tragen haben. Die Sache wird oder soll nächstens vor die öffentlichen Debatten des Tribunals zwischen An­kläger und Vertheidiger kommen, und man wird als­dann sich erst eine klare Idee von dem, was wirklich an dieser mysteriösen Geschichte liegt, bilden können. Bei der Art, wie die Regierung die Tribunale gebildet, dürfte es den Angeklagten schlecht ergehen, wenn ein Schatten zu ihrer Last eristirte.

Florenz, 26. Dezember. Man war hier seit eini­gen Tagen ui der größten Besorgniß. Allgemein wurde erzählt, die Polizei habe Anzeige von einem Komplotte, welches am Weihnachtstage ausbrechen würde. Vor­sichtsmaßregeln waren getroffen, allein es hat sich ge­

zeigt , daß die Furcht unnütz war; denn der Tag ist ganz ruhig vorübergegangen.

Sicher scheint zu sein, daß man einen wichtigen Briefwechsel zwischen den flüchtigen Italienern in der Schweiz und einigen Adepten Mazzini's, die noch in Toskana sind, entdeckt hat. Auch ist eine große An­zahl Kisten mit aufrührerischen Büchern, die aus der Schweiz gekommen, aufgefangen und weggenommen worden. Unter diesen Büchern befindet sich auch daS Evangelium" von Lamenais, in's Italienische über­setzt. -

Rom, 30. Dez. (Ob.-P.-Ztg.) Man sagt hier allgemein, der Pabst werde den 15. Januar, ohne Rücksicht auf das Zustandekommen des Anleihens oder des Abzuges der französischen Truppen, hier eintreffen. Cardinal Lambruschini soll die Geschäfte der Car- dinalscommission allein übernehmen, Cardinal Orioli wird erster Staatssekretär; Cardinal Antonelli Ge­sandter bei den katholischen Mächten. Der Pabst hat ein Rundschreiben an alle Bischöfe und Erzbischöfe Italiens erlagen, worin er ihnen die größte Sorgfalt empfiehlt, daß bei den jetzt herrschenden irreligiösen Anfichten die Lehre der katholischen Kirche in ihrer vollen Reinheit erhalten werde.

Turin, 2. Jan. In der vorgestrigen Sitzung der Deputirtenkammer gab das Ministerium ein Programm seiner innern Politik, mit welchem die Organe der gemäßigt liberalen Partei sich sehr zufrieden erklärten.

Die Berichte aus dem lombardisch-venetianischen Königreiche tragen fast sämmtlich eine trübe Färbung. Aus Treviso wird vom 28. Dezember geschrieben: Seit heute früh schillern Felder und Gärten in den melancholischen Farben des Winters, und vom Gebirge weht ein kalter schneidender Wind. Traurig, wie die Natur, ist auch unser jetziges gesellschaftliches Leben. Zwar wurde dieser Tage Thaliens Tempel mit einer Oper von Campana eröffnet, aber das Publikum mit Ausnahme des kaiserlichen Militärs fand sich sehr spärlich ein. Das Theater ist ein herrlicher Mar­morbau mit fünf Logenreihen, aber diese sind kalt und öde ohne die feuersprühenden Augen der Italienerinnen. Die Damen sitzen zu Hause und trauern über die zu Grabe gegangenen Hossnnngen derJudependenza".

Republik ^ranFretd?.

Paris, 4. Jan. Das Gerücht, der türkische Kai­ser habe Hrn. v. Lamartine Ländereien in der Nähe von Smyrna geschenkt, bestätigt sich. DasJournal von Konstantinopel" vom 9. Dez. v. J. enthält da­rüber Folgendes:Die ottomanische Regierung hat Hrn. v. Lamartine , der sich in dem ottomanischen Reiche niederznlassen wünscht, Ländereien zugestanden. Diefe unentgeltlich bewilligten Grundstücke, von einem Flächeuraum von mehr als 3500 Hectaren, liegen ei­nige Stunden von Smyrna; sie sind mit allen erfor­derlichen Oekonomiegebäudeu versehen und sehr ergie­big. Die Urkunde wuroe am 3. Dez. von dem Groß­vezier einerseits und dem Bevollmächtigten des Herrn v. Lamartine, dem ehemaligen Volksvertreter in der verfassunggebenden Versammlung, Hrn. Rolland, an­dererseits unterzeichnet."

Paris, 6. Jan. Der Moniteur enthält heute in seinem amtlichen Theile die Ernennung' von Paul v Bourgoing zum Gesandten bei der Königin von Spa nien.

Die Akademie der Wissenschaften und schönen Li­teratur hat Langlois zum Präsidenten und Guizot znm Vizepräsidenten ernannt.

Die Assemblee nationale sagt heute in einem grö­ßeren Artikel, man solle dem Arbeiter nur soviel Rechte geben, als er gebrauchen könne und ihm nütz­lich seien. Wahlrecht und Richteramt taugten ihm nicht und er wolle sie auch nicht. Man gebe ihm zu verdienen, das genüge.

Die Debats werfen Staubet Feigheit vor: er fürchte oder scheue sich, den alten Absolutismus anzu- : erkennen. Staubot schreibt ein Buch,der Verfall Frankreichs" betitelt, und sucht nachzuweisen, daß in Folge der Revolution das Vaterland seit 60 Jahren durch seine Institutionen physisch und moralisch gesun­ken sei. Das Journal des Debats nennt ihn einen Absolutisten. Staubot protestirt. Hierauf nennt sich genanntes Journal ein Kind der Revolution, und for­dert Staubot auf, gleich muthig seine absolutistischen Ansichten zu bekennen.

Die Reforme zeugt heute an, daß sie mit der frü­her bestandenen Revolution democratiaque et soci­ale verschmolzen sei. Ihr Programm werde auch fer­ner sein: Fortbildung und Verbesserung der Konsti­tution.

Die gestrige Kammersitzung führte zu keinem Be­schlug^ Der Justizminister nahm nach Herrn Thiers das Wort und suchte denselben durch seine eigenen früheren Depeschen, als er noch am Staatsruder war, zu widerlegen. Die Tribüne schien fast von ihrer Würde als Rednertribüne herabzusinkcn, da sich meh­rere Dialoge einander folgten. Die Kammer schloß endlich die allgemeine Diskussion. Nun folgten eine Masse von Amendements, die fast alle dem Ministe­rium günstig waren. Doch schien die Zeit zu kurz, um sie zu berathen. Wäre das eine oder das andere in Erwägung gezogen worden, so hätte man es der Commission zuschicken müssen. Die Berathung der Amendements ward also bis Montag aufgeschoben.

Die Marschallswürde jvurbe durch ein Dekret vom 21. Febr. 1793 abgeschasst. Ein SeyatSconsult vom 28. Floridor des JahreS XH stellte sie wieder her.