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Ungarn.

Sehr wichtige, tief in die Privatverhältnisse ein­greifende Verhandlungen finden jetzt wegen der hy­pothekarischen .Btlastung ungarischer Gü­ter statt. Als nämlich die ungarische Revolution einen unglücklichen Ausgang für die dabei Betheiligten ahnen ließ, suchten diese sich vor der unvermeidlichen Confis- katio» ihrer liegenden Güter dadurch sicher zu stellen, daß sie Wechsel und Schuldscheine an vertraute Per­sonen ansfteUten, wobei wohl auch manches Zurück- datiren vorgekommen sein mag. Allerdings aber sind hiervon abgesehen sehr viele, ja die meisten Grundbesitzer Ungarns verschuldet. Die daraus er­wachsende große Schwierigkeit, fingirte Belastungen von reellen zu unterscheiden, erzeugt noch eine zweite, die rechte Auslegung von dem am 22. Dezember an alle Gerichte Ungarns erlassenen Befehle zu finden, daß nämlich gegen Rebellen, deren Vermögen konfiszirt oder zusammengeschrieben oder sichergestellt wurde, keine Ere- kution und kein Prozeß beendigt werden dürfe, in so lange das Aerar nicht vollkommen entschädigt sei. Dieser Befehl wird dadurch noch komplizirter, daß schon eine frühere Verordnung besagte, daß das Ver­mögen auch solcher Rebellen mit Beschlag zu belegen sei, welches denselben erst in Zukunft zuzufallen habe, übrigens auch das Eigenthum solcher Compromittirten gesperrt erscheint, welches einer Confükanon gar nicht unterzogen wurde. Die Reihe der daiaus entstehenden Verwicklungen ist unberechenbar.

Ein zu Pesth in diesen Tcgen erschienenes Circular ordnet die Beschleunigung derSteuerbeineffung für alle bisher unbesteuerte Besitzung«: an, und weist hierbei besonders auf das baldige Falen verZwischen- zolllinie hin.

Ein Kreis hochgestellter Dame: schenkte an die Staatsgefangenen in Arad Wechnachsgeschenke. Mit der Besorgung derselben wurde Jeimno betraut und beauftragt, darüber zu wachen, daß de Geschenke denen zukommen, für die sie bestimmt sinv.

Vom k. k. außerordentlichen Kriegsgerichte zu Arad wurden nachbenannte kaiserliche Offiziere, wegen ihrer Theilnahme am bewaffneten Aufjanve in Ungarn, auch nach dem 14. April, nebst Entetzung des beklei­deten Offizierscharakters und Verfall ihres Gesammt- vermögens verurtheilt: Ladwig v. ^ezerevy, Karl v. Moritz, Anton Nießner, Alois Sebi, Paul Brunner alias Kutastyund Alexander Fornszeäzum Tove durch Pulver und Blei; Robert Schulz iub Franz Majda zu 14jährigem, Johann Prevendar z 12jährigem Fe- stungsarreste in Eisen, Ignaz Bruner alias Kutassy zu lOjâhrigem Festungsarreste ohne ëisen; endlich La­dislaus Perczel zu 5jahrigem und Anon Sigmann alias Alföldy zu 3jährigcm Festungsarresteohne Elfen. Die Todesstrafe der sechs Erstgenannten mrbe vom F.Z.M. v. Haynau im Wege der Gnade af 16jährigen Fe- stungsarrest in Eisen gemildert.

Nach den letzten Nachrichte: aus Hermann­stadt vom 20. Dezember war dieN in verpest in Siebenbürgen fortwährend im Znehmen, und be­reits hatten sehr viele Bauernhöfe treu ganzen Vieh- stand eingebüßt.

Ruslan).

Von der poln. Grenze. (Babarei.) Wieder dringt ein Schrei des Entsetzens zu uns herüber aus dem benachbarten Königreich Pole. Schauverhafte Ereignisse ves Vandalismus haben H in den jüngsten Tagen ? ort zugetragen. Bei der vsjährigen ykfru» tirung hatten sich fast alle militcpflichtigen jungen Leute entfernt, um sich dem Mckitareufte zu entziehen. Um nun dem Desertiern (wozu voc bie russischen Ge­setze durch ihre schreckliche Strenge Ibft Veranlassung geben) zu begegnen, ist eben eine erorvnung erschie­nen, nach welcher die Brüder der esertirten, sie mö­gen noch so jung sein, zum Milit« ausgehoben wer­den sollen. Mit dem Tage der Vöffentlichung wur­den auch die armen Kinder ihren immernben Eltern entrissen. Es preise sich der glücklict der diese Schauer­scene nicht gesehen. Kinder von 1012 und 13 Jahren wurden aus den Armen ihrer weniden Eltern weg- geschleppt, um der glänzenden Knenzukunft entgegen zu gehen. Nicht genug, daß mi den Eltern ihre Kinder erbarmungslos fortführt, s ist es noch förm­lich darauf abgesehen, vie armen euk auszusaugen Jever gibt gerne das Letzte hin, m: sein Kind sich zu erhalten; Voch die russischen Bmten machen sich kein Gewissen daraus, den schwergrüften Eltern auch noch ihre Habe abzunehmen, unwersprechen dafür, weiß Gott was alles für das Summen ver Kinder zu thun; wenn sie aber das Ge erst haben, thun sie nichts dafür. So wird das a:e Volk drüben in Polen ausgesogen, ohne daß sich mand seiner Noth annimmt. Gott lenke es zum Een und erlöse die Unglücklichen von den Händen ihi Unterdrücker.

Dänemai.

Kopenhagen, 29. Dez., Abeir Heute haben die Wahlen zum Lanvesthing stattgefven und man kann dieselben als im oppositionellen (ane ausgefallen be­zeichnen, da von den durch diewlingsche Zeitung" mit besonderem Hinweis auf die «erordentliche Wich­tigkeit der Landenthingwahlen als gut, wie der ab­soluten Majorität sichere Candida Bezeichneten nur zwei gewählt sind, Hansen und Sschow, auf welche beiden sich schon bei den Probewlen beide Parteien vereinten, und die drei andern, t derBerlingschen

ganze Großherzogthum in den deutschen Bund einver- ki6t werden solle. Die preußische Regierung faßt der­gleichen Entschlüsse nicht auf eigene Hand. Wenn außer dem in Böhmen an der sächsischen Grenze und dem in Vorarlberg zum Schutz für Würtemberg und Baden ausgestellten österreichischen Korps , auch in | Russisch - Polen und somit an der deutschen Ostgrenze ! öfterr. Truppen standen, so würde der Czar über Deutsch­land beruhigt sein, und seinen Plänen gegen Konstan­tinopel nachgehen. Daß Oesterreich Polen länger be­setzt halten könnte, als es im Wunsche Rußlands läge, würde der Czar nicht befürchten, da nur seine Hülfe im abgelaufenen Jahre den zerbröckelnden Bestand der Gesammtmonarchie zusammengehalten hat. Je mehr aber ein russischer Angriff auf Konstantinopel, je mehr die Besitznahme Konstantinopels durch die Russen, welche für das mittelländische Meer dasselbe wäre, was die russischen Eroberungen von Schweben für die Ost­see waren, die englische Macht bedrohte: um so mehr beeilt sich Rußland Handels-Negotiationen mit Eng­land anzuknüpfen, um den Handeltreibenden Englands im Voraus einen Beweis zu geben, daß sie dem Vor­rücken der Russen gegen Konstantinopel unbesorgt zu­sehen könnten. Daß von Frankreich nichts zu fürchten ist, geht aus der Haltung der französischen Regierung während des vorigen Jahres hervor. Rußland ist mit dem österreichischen und preußischen Kabinett im herz­lichen Einverständniß; Deutschland ist noch immer nicht mehr als ein geographischer Name. Also ist England allein zu fürchten, das die Türkei in ihrem Widerstand gegen die russischen Anforderungen unterstützt und Ruß­land wenigstens augenblicklich genöthigt hat, nicht wei­ter zu gehen.

Das war eine Demüthigung, welche Rußland nicht verschmerzen, wohl aber seiner Zeit zu rächen bedacht sein wird. (Nat.Z.)

Sigmaringen, 12. Dez. Der von Seiner preu­ßischen Majestät zum Chef des 26. Jntantcrieregiments ernannte Fürst zu Hohenzollern-Sigmaringen hat an jenes Regiment nachstehende Worte gerichtet:Seine Maj. der König haben mit Allerhöchster Kabinetsordre vom 20. Nov. mich zum Generalmajor und zugleich zum Chef des 26. Infanterieregiments zu ernennen allergnädigst geruht. In fester, unerschütterlicher Treue dem königl. Chef meines Hauses ergeben, über­trage ich heute dankerfüllt für die mir gewordene eh­renvolle Auszeichnung und mit dem Hochgefühle gerech­testen und freudigsten Stolzes diese ehrerbietigsten Ge­sinnungen nunmehr auf meinen Allergnädigsten König und Kriegsherrn, Allerhöchst ihm feierlichst gelobend, Seiner königlichen Gnade stets würdig zu bleiben, des mir verliehenen tapferen Regiments mich stets ebenbürtig zu erzeigen. Als einechter Hohenzol- kr"", durchdrungen von dieses großen Namens gu­tem alten Klange, ist mir die Aufnahme in Preußens glorreiche Armee meines Lebens ersehnstcr und erha­benster Moment, meines ganzen Trachtens beglückendste Erfüllung" le. ?c. ic.

Darmstadt, 3. Januar. (Mz. Ztg.) (8. Sitzung der zweiten Kammer.) Da das Ministerium offenbar den Plan gehabt hatte, die zweite Kammer schon in den ersten Tagen nach dem Zusammentritt wieder auf# zulösen, so hat cs nichts, auch gar nichts für diese Session vorbereitet, und die Sitzungen werden somit auf eine Zeit lang mit Nebensachen hingebracht wer­den, zum Schaden des Landes und dessen Vertreter, die ihren Beruf und ihr Familienleben doch nicht für solchen Zweck hintanzusetzen gedachten. Nach Gültig­erklärung einiger Wahlen mußte aus Mangel an Ma­terial die Kammer geschlossen und auf übermorgen ver­tagt werden. Das Budget ist noch nicht vorgelegt.

Darmstadt, 3. Januar. (Mz. Ztg.) In der heutigen Sitzung der ersten Kammer legte die Adres­sekommission einen charaktcr- und farblosen Entwurf, eine Paraphrase der Thronrede vor. Ebenso erstattete der Abgeordnete Emmerling (Ministeriglrath) als Re­ferent des Ausschusses über die deutsche Frage Bericht; die Majorität des Ausschusses (darunter Präsident Ste­phani von Alzet) spricht sich für, die Minorität (Dr. Strecker und Dekan Dieffenbach) in einem Separat­votum gegen den Anschluß an das Drcikönigsbünd- niß aus.

Frankfurt, 5. Januar. Wie man vernimmt, be­absichtigt die Majorität unserer aufgelösten Constituante, einen Protest beim Senate zu erheben und eine An- Ansprache an die Bürgerschaft zu richten.

Stuttgart, 3. Januar. Sicherem Vernehmen nach werden die Wahlen für die verfassungsrevidirende Lan­desversammlung in der Mitte des laufenden Monats ausgeschrieben werden.

Münster, 1. Jan. (Düss. Z.) Es ist hier die Nach­richt eingetroffen, daß binnen Kurzem drei Armee­corps, unter ihnen das westphälische 7., mobil ge­macht werden sollen. Das eine soll in Hessen-Darm­stadt, das andere in Sachsen einrücken; über die Be­stimmung des dritten verlautet nichts. Nach den Berichten, welche aus der Provinz uns zukommen, wird auch in Westphalen die demokratische Partei nicht nach Erfurt wählen. Wie die ultramontane Partei in Westphalen sich zu den Wahlen verhalten wird, ist noch zweifelhaft.

Wien, 30. Decbr. Morgen oder übermorgen er­scheint eine Universalverfassung als Norm für die Landesverfassungen der Kronländer.

Zeitung" als der Wahl sicher Bezeichneten, Oerstedt, Koefoed und Blechingberg, sammt dem Minister Moltke durchgefaUen sind.

Großbritannien.

London, 27. Dez. Die an musikalischen Genüs­sen so reifen Mittwochs-Konzerte in Ereter-Hall er­hielten gestern dadurch einen neuen und für uns be- svnvers anziehenden Glanz, daß außer Ernst auch Thalberg in demselben mitwirkte. Die weiten Räume des Saales waren denn auch gestern, dem sogenann­ten Bor-Tage, wo es fast als herkömmliche Pflicht gilt, sich dem Vergnügen zu ergeben, in ungewöhnli­chem Maße gefüllt. Und so groß war die Gewalt Thalberg's über Vas sehr gemischte Publikum, daß ec durch die Eindringlichkeit, aber strenge Einfachheit sei­nes Vortrages, (er spielte seine Phantasie aus den Hugenotten und aus der Nachtwandlerin) ver sich aus­schließlich durch innere Mittel des Erfolges und des Sieges versichert, seinen Zuhörern, die im Allgemei­nen mehr durch Kunststücke, als durch Kunstwerke in Begeisterung zu gerathen pflegen, den rauschendsten Beifall abzwang, ver offenbar nicht sowohl seinem be­rühmten Namen, als der ergreifenven Wirkung seines Spiels galt; nicht eher beruhigte sich der Sturm des wohl aus 3000 Personen bestehenden Auditoriums, als bis der Künstler noch eine Phantasie aus Don Pasquale vorgetragen hatte. Er wird noch in einem Cyklus von Conzerten auftreten.

Dabei wollen wir aber Nicht der Meisterschaft Ernst's vergeßen, der durch seineUngarischen Lie­der", in denen muthige Kühnheit und elegischer Schmelz wie Siegcshoffnung und Tovesverzagen, wie Freiheit unv Unterdrückung kunstvoll und mächtig sich ineinan­derschlingen, uns von den Ufern ver Themse mit Wun- derarmen an die Ufern der Ströme hinübertrug, de­ren Leben unv Blüthe zwar jetzt ver erstarrende Hauch des Nordens ertöntet hat, vie aber vennoch unv trotz allevem als ein ewiges Denkmal ver ungarischen Herr­lichkeit, wie ver nordischen Schande dastehen werden.

Auch den mächtigen deutschen Bassisten Formes, der schnell ein Siebhng des Londoner Publikums ge­worden ist, wollen wir nicht unerwähnt lassen, auf welchen, wie auf wenige Sänger, jenes Wort des Dich­ters Anwendung findet: er singe wiein den Lüften der Sturmwind saust, man weiß nicht, von wannen er kommt und braust, wie der Quell aus verborgenen Tiefen."

Die Gegner des Freihandels sind im Begriff sich zu einem großen Verein, genannt:Association zum Schutz der Industrie unv des Kapitals" zu verbinden. In diesem Titel, der zugleich das ganze Programm des Vereins in sich schließt, liegt nicht die geringste Anspielung auf Schutz v.s Bodens oder der hohen Pachten, welche die Mitglieder jener Association bis jetzt nicht Willens waren, aufzugeben. Der erste Schritt zur Beßerung ist die Schaam vor dem Laster; die Protektionisten tragen bereits Bedenken, die hohen Ren­ten als ihr Hauptziel hinzustellen; Kapital und seine freie Produktwität, Arbeit uuv ihre Rechte, das sind die ausgesprochenen Zwecke der Protektionisten man darf somit hoffen, daß sich unter dem unscheinbaren WorteIndustrie" nicht mehr versteckt, als der einfach grave Sinn darin finven kann. (Nat.-Z )

London, 3 l. Dez. Die mit den: 1. Januar 1850 ins Leben tretende neue Navigations-Acte enthält fol­gende Bestimmungen hinsichtlich des KüstenhandelS: 1 j Keine Güter oder Passagiere dürfen in anderen als in englischen Schissen längs der Küste von einem Theile des vereinigten Königsreichcs zu einem anderen, oder von dem vereinigten Königreiche nach der Insel Man, ober umgekehrt von der Insel Man nach dem vereinigten Königreiche befördert werden. Nur in eng­lischen Schiffen dürfen Güter ober Passagiere von den Jipeln Guernsey, Jersey, Alberney und Sark nach dem vereinigten Königreiche, und umgekehrt von dort nach Ven genannten Inseln gebrach wcrvcn. 3) Die­selbe Bestimmung finvet für die Schifffahrt zwischen den vier erwähnten Inseln Statt. 4) Die Küsten- Schissfahrt der einzelnen britischen Besitzungen in Asien, Afrika oder Amerika ist ebenfalls auf britische Fahr­zeuge beschränkt. 5- Die Königin kamt durch einen Beschluß im geheimen Rathe ven Verkehr zwischen be­nachbarten Colonicen oder ihren Küstenhaiivcl regeln, wenn Varauf angetragen wird. Der Küstenhandel In­diens soll dlirch bei: General-Gouverneur Indiens ge­regelt werden. Mit Ausnahme dieser Bestimmungen findet eine Beschränkung der Schifffahrt Statt.

Republik Frankreich

. Straßburg, 1. Jan. (Mz. Ztg.) Die Anträge welche der Verwaltungsrath der Straßburg - Baseler Eisenbahngesellschaft für die Fortsetzung der Linie bis an die baierische Grenze der Regierung übergeben hat, sind von derselben günstig ausgenommen worden und wir haben begründete Hoffnung, vaß demnächst ein tutsprechender Gesctzcsvorschlag an die Nationalver­sammlung gelangen wird. Der Schneefall der letz, ten Tage dauert immer noch fort. Mit Ausnahme der Pariser, treffen alle Posten verspätet ein. In den Vogesen, wo der jüngste Schnee noch angehäuft war, liegt der Schnee jetzt so hoch, wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Paris, 2. Jan. (Mz. Ztg.) Die vom Präsiven- ten der Republik niedergesetzte Kommission hat ein neues Hypothtkengesetz ausgearbeitet, daö dem Staats­rath übergeben ist.