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Eine sehr vortheilhafte Richtung einer Eisenbahn und wodurch unser Land in seinen besten Theilen durch» zogen würde, wäre die Anlage einer Bahn von Wies­baden dem Aarthale entlang, und von da ins Lahnthal nach dem Rhein, und alsdann rheinabwärts nach Cöln. Jedenfalls würde diese Richtung die größte Frequenz schon durch die bedeutenden Orte längs dem Rheine, erhalten, so wie die Produkte des Oberlahnthales und des Westerwaldes leicht dahin gebracht und weiter be­fördert werden könnten.

Deutschland.

^ Wiesbaden, 5. Jan. Es liegt der Brief eines Bürgers des Juftizamts Usingen vor uns, der die Nachricht von einem schauderhaften, im Amt Usingen verübten Verbrechen enthält. Ein Mann aus W. hat an einem Kinde, einem 10jährigen Mädchen, wel­ches am ersten Weihnachtstagc nach einem benachbar­ten Orte abgeschickt worden war, um eine Frau zu einer Beerdigung einzuladen, Nothzucht verübt. Durch die sehr umsichtigen und rascheingrei senden Maßregeln des Bürgermeisters Schmidt gelang cs alsbald, dem Thäter auf die Spur zu kommen.

/X Wiesbaden, 5. Januar. Vor vielen andern Städten unsers HcrzogthumS zeichnet sich die Stadt Diez durch ein entschiedenes und aufopferndes Han­deln für die demokratische Sache aus. Außer den namhaften Summen, welche in dieser Stadt bereits für die Flüchtlinge und die Hinterlasienen erschossener Demokraten aufgebracht wurden, ist auch vor einigen Tagen wieder die Summe von 22 Gulden von der Vorsteherin des Diezer Fraucnvereins zur Ver­wendung für die Pflege der wegen politischer Ver­brechen gefänglich Eingezogenen hierher gelangt. In­dem wir uns verpflichtet halten, den gütigen Gebern upd Geberinnen hiermit öffentlich im Namen der Un­glücklichen unsern Dank aussprechen, können wir es zugleich nicht unterlassen, allen übrigen Gemeinden des Landes die werktätige Liebe der Stadt Diez zur Nach­ahmung zu empfehlen.

4= Vom weißen Steine. Wenn auch die neue Besetzung der Centralverwaltungsstellen im .Allgemei­nen durchaus nicht freudige Uebcrraschnng bereitet, so hat doch Vie neue Besetzung der Oberschulbehörde bei den Lehrern der drei Curie» (humanistische, Real- und Volksschullchrer) wirklich Sensation erweckt. Die all­gemeine heitere Stimmung wird dadurch erhöht, weil man nicht recht weiß, welcher der drei Herrn für's Fach der Philologen, welcher für die Real- und wel­cher für die Volksschule ernannt ist. Man hatte näm­lich erwartet, daß außer dem Referenten, der in allen Sätteln gerecht sein müffe, noch für jede der drei Cu­rie» ein Beisitzer ernannt wurde. Diese Beiräthc sollten, obwohl für besondere Schulabtheilungen vor­zugsweise bestimmt, indessen so viele allgemeine Bil­duna besitzen, um in nll?» ülhtbpifitngen mit Harem Blicke^sich umschatten, und in Allem ein einsichtsvolles Urtheil sprechen zu können.

Daß eine solche Besetzung aus den Curien der Lehrer selbst seine Schwierigkeit gehabt hätte, wird Je­der eingestehen. Diese Schwierigkeit ist umgangen, da jcder der drei Herrn Alles in Allem ist. Von Herrn Regierungsrath Secbode wird dieses kaum Jemand bezweifeln, da Herr Regierungsrath Seebode als Philolog, Pädagog, Dichter und Schriftsteller in so hohem Grade die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat. Der sprechendste Beweis aber, daß der Herr Referent in allen drei Schulgattungcn gleich be­wandert, gleich tüchtig ist, der sprechendste' Beweis hierfür ist doch unstreitig der, daß der hämische Neid rother Boserwichter ihm die Befähigung für jede Gat­tung absprechen will. Auch genießt der Referent das stille Vertrauen der Lehrer aller Curien. Die revolutionäre Seuche des Jahres 1848 hatte zwar auch gegen Herrn Regierungsrath S eeb ode angekämpft, aber Herr See-

buhlcr Lknoirs, brr vor dem Todten stand. Solche Scenen lassen sich nicht beschreiben; tot Tag, war ein Tag ber Trauer. Der unglückliche Beaumont wurde verhaftet; er fügte sich und ließ sich in das Gefängniß abführen. Ich war zwar noch sehr jung, aber ich sah doch ein, was meine Pflicht fei und ich erfüllte sie ge­wissenhaft.

Meine Aussage war klar, einfach und in allen Stücken der Wahrheit gemäß. Wir brauchten nicht zu lügen, weder Herr Beaumont, noch ich. Aber es gab bei diesem unwillkührlichen Morde mehr als einen ver­derblichen Umstand; zuerst die Liebe des Mörders zu dem Fräulein Vallière und sodann das freundschaftliche Verhältniß in dem er mit bem einzigen Zeugen gestanden hatte, den er für sich aufrufen konnte. Man erinnerte an jede Freundlichkeit, die Herr Beaumont mir gezeigt, man zählte alle die kleinen Geldstücke, die er mir ge­geben hatte und die Familie des Hern Lenoir wollte mich durchaus zu einem Milschuldigen machen. Ich ge­stand alles, ich sagte den Richtern selbst Umstände, die sie nicht gekannt halten und die von Seiten des Ange­klagten von noch mehr Güte und Liebe für mich zeugten, als man geahnt hatte, aber ich blieb auch fest und un­wandelbar in meiner Aussage; ich sagte selbst, ich allein sei der einzige Schuldige, wenn es einen Schuldigen gebe; ich habe auf die Stelle gedeutet und fast Feuer rommanbirt. Herr Vallière benahm sich wie ein guter Vetter, ohne Zweifel aus Achtung gegen sich und gegen

bode stand im Sturme fest, wie ein Felsen, an dem sich die Brandung zerschlug. Der Grund der ganzen Erscheinung war die allgemeine Unzufriedenheit der Volksschullchrer und der Neid der Philologen. Die Seuche weckte die Leidenschaft. Allein diese schweigt wieder und der Referent ist ebenso geliebt und geachtet, wie vor dem Märzsturm 1848. ~

Der zweite Mann in diesem pädagogische Trifo­lium ist Herr Schulinspektor Ebenau. Dieser soll ein intimer Freund dcs Referenten sein. Freundschaft setzt Gleichheit der Anschauung voraus, und so müssen wir alle hohen Eigenschaften des Referenten auch bei Herrn Ebenau suchen. Zwar machte das Gerücht vor dem März 1848 den Herrn Ebenau zum Men­tor des Referenten. Obwohl dieses Gerücht nur eine böswillige Verdächtigung des Neferenteen, oder wenig­stens eine Uebertreibung des intimen Verhältnisses bei­der Herrn war, so bewegt es doch, daß beide Herrn sehr identisch sind.

Und wie der innigstgeliebte Seebode wird Herr Ebenau, als gleiche Wesenheit, das Vertrauen aller Lehrer gleich von vornherein besitzen.

Herr Dekan Petin cky ist sodann in diesem Bunde der dritte. Der Herr Dckan ist Geistlicher, hat also auch Geist. Und somit fehlt dem Oberschulcollegium auch der Geist, und zwar der rechte Geist, nicht.

Es wird also Jedem, der die rechte Einsicht be­sitzt, klar sein, daß Jeder dieser drei Reverenzen Alles in Allem ist, obwohl man einem Jeden vielleicht eine besondere Gattung zueignen wird. Sie bilden eine dreifältige Einheit.

Bei den Alten herrschte der schöne Gebrauch, wich­tige Angelegenheiten durch's Loos zu entscheiden, weil man überzeugt war, daß durch dieses Mittel die Vor­sehung entscheide. Wir glauben nun zwar nicht, daß bei der Besetzung der neuen Stellen das Loos ent­schieden habe; aber die höhere Vorsehung leuchtet aus der Besetzung.

Daß die Grundrechte hierdurch nicht in Rücksicht gezogen, ist eine Kleinigkeit, die die Majorität unserer Kammer nicht der Beachtung werth finden wird. Die Wahl ist voll konstitutioneller Weisheit, was kümmern da die Grundrechte, wenn diese bestimmen, daß der Geistliche als Geistlicher nicht die Schule bcaussichtigcn könne, daß er also entweder seine geistliche oder sc ne Schul stelle niederlegen müßte. Welcher Gutgesinnte würde das von Herrn Dekan Petincky verlangen? Auch ist hierdurch das Recht der herrschenden Kirchen ge­wahrt. Auf alle Seelen kann man doch feine Rück­sicht nehmen und die Emancipation der Juden kann auch nicht so verstanden werden, datz ein Ungetanster in ein Collegium treten könne.

Indessen gibt es eine Partei, besonders unter den Philologen, welche gehofft-, ein Regierungsrath, der schon früher zum Referenten ernannt worden, werde jetzt die Stelle entnehmen. Allein dieser Herr ist doch noch lange nicht so gewichtig als Hâr Regierungsrath Seebode, und ist noch weniger öffentlich genannt worden. Auch mußten wir von Philologen den son­derbaren Grund hören, nicht obschon, sondern weil es ein Anderer ist, wäre die Ernennung willkommen.

; Gewiß werden sich jetzt alle Unzufriedenheiten der ; Lehrer stillen, sie wissen nun, was Neuerungen brin­gen. Somit werden denn auch Alle den Boden der Wühler verlassen, konservativ werden und wünschen, daß Alles beim Alten bleibe.

Breslau, 28. Dez. Daß die demokratische Partei sich hier an den Wahlen nicht betheiligen wird, ist eine bereits ausgemachte Sache. Ohne daß eine Ein­wirkung irgend einer Art aus das Volk gemacht wor­den wäre, steht doch überall die Ueberzeugung, daß es : ein fruchtloses Werk wäre, in Erfurt Reden zu hal- - ten, so fest, daß selbst ein Entschluß der ehemaligen ! Führer für die Wahl ohne Einfluß aus die Mehrzahl bleiben würde.

seine Familie und er that die möglichst günstige AuS- sagc für Herrn Beaumont, her denn auch frcigesprochcn wurde. Gott allein kennt die Zärtlichkeit, mit welcher Ler arme junge Mann mich küßte, als das Urtheil ge­fällt war; aber als Beaumont sich bei Herrn Vallière vorstellen wollte, fand er die Thüre verschlossen.

Du bist reich," sagte Herr Vallière zu ihm,und das Urtheil der Menschen hat Dich für unschuldig er­klärt, gehe in Frieden, ich bin Deinetwegen vielleicht weiter gegangen, als ein ehrlicher Mann eigentlich gehen darf. Die Liebe zu meiner Familie hat mir den Mund verschlossen. Geh ..."

Wie, Sie glauben..."

Du bist freigesprvchen, noch einmal, Du bist un­schuldig."

Aber," rief der unglückliche junge Mann,Sie, der Sie mich erzogen haben, mich von Kindheit auf seltnen, halten mich für einen Mörder?"

Du bist freigesprochen, ich habe weiter nichts zu sagen und ersuche Dich nur noch, Dich nicht weiter zu mir zu bemühen."

Herr Balliöre kannte wahrscheinlich die Meinung seiner Tochter, da Beaumont zu derselben gehen durste. Er fand sie ernst und traurig; sie empsing ihn, als habe sie einen Besuch erwartet; sie hörte geduldig die Erzählung seines unglücklichen Abenteuers und seine Liebesbetheurungen an, aber auch kalt, gefaßt und fast unempfindlich. Sie sagte weiter nichts als:

Breslau, 30. Dezember. Der patriotische Freiherr von Seydlitz besingt Jakoby's Freisprechungen folgen­den patriotischen Versen:

Aber sagt! Erzittert nicht im Grabe

Eurer ird'schcn Hülle Aschenhauf?

Wenn im rossesgleichen, tollen Trabe

Ein entmenschter, widerlicher Hauf' Zieht den Wagen Des, derNichts verbrochen",

Weil er bei dem Kampf von ferne stand,

Weil er giftige Worte nur gesprochen

Und den Muth zur That in sich nicht fand?

Wenn der Mann, der frevelnd es einst wagte, Unsern Herrn zu schmäh'« in seinem Haus,

Der die frechen Worte höhnend sagte, Ungeprügelt, lebend kam hinaus?

Wenn derFreigesprochne" nicht entsinnet

In den Augen eines Ehrenmann',

Wie die Fama jubelnd es verkündet,

Jever ird'schen Strafe noch entrann?

Wenn in sichrer Ferne üppig prassen,

Die das Volk zum Aufruhr hier verführt

Und die Guillotine leben lassen,

Denen längst das Henkerbeil gebührt ?

Wenn mit Lorberrkranz und Blumenkronen

Der Verräther Stirne wird geschmückt,

Aus der Richterbank die Männer thronen,

Die das Volk zum Frevel selbst berückt?

Brieg, 29. Dezbr. Die Stadtverordn eten haben beschlossen, dem Obertribunalsrath Waldeck das Ehrenbürgerrecht zu ertheilen und der Magistrat hat einstimmig seine Genehmigung dazu gegeben.

Berlin, 1. Januar. So oft es auch schon gehei­ßen hat, die Differenzen zwischen Rußland nebst Oesterreich und der Türkei seien beigelegt, so wenig darf man an die ernstliche Beendigung dieser Angelegenheit glauben. Vielmehr spricht alles dafür, daß Rußland daraus ausgeht, die Sache bis zum Früh­jahr in der Schwebe zu erhalten, und bann, falls die Verhältnisse bleiben wie sie sind, ein anderes Einschrei­ten gegen die Türkei als mit Noten zu versuchen. Der Frankfurter Oberpoftamtszeitung" ward kürzlich aus Preußisch-Polen geschrieben:

Schon vor ein paar Wochen schrieb man uns aus Polen: es würden dort österreichische Truppen zur Besetzung des Landes erwartet. Wir hielten diese Nachricht für einen schlechten Scherz, nun aber mel­det man ganz ernstlich aus Kalisch: das Entrücken öftere. Militärs habe bereits wirklich stattgefunden; aus Czenstochau nämlich sei die bestimmte Meldung eingebunden, dort sei eine Abtheilung österreichischer Truppen mit der Eisenbahn eingetroffen, ein Theil sei in Czenstochau zurückgeblieben, der größere Theil aber auf der Warschauer Eisenbahn weiter befördert worden. So unglaublich diese Nachricht auch klingt, so glaubten wir doch, sie Ihnen mittheilen zu müssen, da sie uns als eine Thatsache gemeldet worden ist; ohnehin muß die nächste Zukunft über ihre Wahrheit oder Unwahrheit entscheiden. Hiermit meint man, daß Rußland die Absicht habe, alle im Königreich stehenden Truppen nach der untern Donau hin zu di- rigiren, wo cs im nächsten Frühlinge zu einem ent­scheidenden Kampfe kommen dürfte; und daß deßhalb Polen von Oefterreichcrn besetzt werde. Das Ganze klingt denn doch zu fabelhaft, um nicht erst eine Be­stätigung abzuwarten."

Allervmgs klingt die Sache fabelhaft; allein wer im verflossenen Jahre nur ein paar Monate voraus- gcsagt hätte, daß russische Truppen auf einer preußi­schen Eisenbahn gegen Ungarn transportirt werden würden, hätte auch zu hören bekommen, daß er etwas Fabelhaftes sage. Daß die Kabinette von St. Peters­burg, Wien und Berlin in Bezug auf Polen zu einer anderweiten Ansicht gelangt seien, war uns klar, als wir die Denkschrift des Ministers lasen, wonach die Demarkation des national zu reorganisirenden polni­schen Theils von Posen aufgegeben, und vielmehr das

Uns trennt Blut."

Vergebens betheuerte er seine Unschuld, vergebens rief er Gott zum Zeugen dessen an, was geschehen war, vergebens sagte er, wenn sie ihn liebe, dürfe sie nicht strenger gegen ihn sein, als seine Richter.

Der Ausspruch der Richter," antwortete das junge Mädchen,konnte Dir das Leben kosten, die Meinung meines Vaters und die meinige haben glücklicherweise nicht diese Macht."

Du glaubst es?" entgegnete Beaumont, der das Schloß verließ, um nie wieder zurückzukehren.

Er kam zu meinem Vater, dem Hirten, fuhr Herr Martin fort, unser ärmliches Häuschen hatte er zum Asyl gewählt, als man ihm den Eintritt in das Schloß versagte. Er war blaß, zog mich an sich, küßte mich, dankte mir, segnete mich und verlangt«: sodann Papier. Ich ging, um einen Bogen bei dem Krämer im Dorfe zu kaufen, denn wir hatten feines im Hause. Er schrieb einige Zeilen und trug mir dann auf, diese zu dem Geistlichen zu tragen.

Ich werde mit zu dem Fräulein Vallière gehen," sagte ich und lief fort.

(Schluß folgt.)