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J^g A Wiesbaden. Sonntag, (5. Januar IKSÖ*
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Bestellungen auf die Freie Zeitung werden noch fortwährend angenommen.
Wiesbaden, 5. Januar. Morgen den 6. Januar finden dahier die Erganzungèwahlen für den Bürgerausschilß statt. — Indem wir die Demo traten Wiesbadens aus die Wichtigkeit dieser Wahlen aufmerksam machen, fordern wir sie zugleich dringend auf, in den Wahllokalen zahlreich sich cinzufinden, und bei der Wiederwahl der ausgetretenen demokratisch gesinnten Ausschußmitglieder und bei der Aufstellnyg solcher Bürger, die bisher im Ausschuß noch nicht gesessen haben, einmüthig zu handel».
Die Berliner Demokratische Zeitung schreibt Folgendes: „Berlin, 29. Dez. Wir können die in unserm gestrigen Leitartikel gegebenen Andeutungen über die künftige Gestaltung der Bundes-Kommission heute als ganz' bestimmte Nachrichten wiederholen. Die Central-Bundes-Kommission hat sich bereis als Kriminal-Kommission konstituirt, und wird alle Versuche, die Ruhe und Ordnung in den einzelnen deutschen Staaten zu stören, auf das Strengste verfolgen. Die in Darmstadt erfolgten Verhaftn n gen sin d bereits a u f^d en An tra g diese r K 0 ui in issi0 n erfolg t. — Ferner hat die Kommission sehr bestimmte Anträge, nach welchen von der Schweiz die Ausweisung oder Auslieferung der deutschen Flüchtlinge gefordert werden soll, hiehcr gelangen lassen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß dieselben in Berlin gebilligt werden."
Die Eisenbahnfrage für Nayarr.
HL Artikel.
IL Wiesbaden. Die zweite Richtung Aner Eisenbahn durch unser Land würde die von Wiesbaden durch das Aar- oder Emsbachthal über den Westerwald nach Cölir sein.
Wie schon bemerkt, können von Wiesbaden aus zwei Richtungen zur Anlage einer Eisenbahn durch den Westerwald eingeschlagen werden: die eine durch das Aarthal, die andere durch das Emsbachthal. Bei der Richtung stellt sich als Hauptschwicrigkeit die Nähe des hohen Taunusgebirges dar, wodurch auf der südlichen Seite die Steigungsverhältnisse sich weniger günstiger ergeben, als aus dem nach der Lahn fid) ziehenden Gehänge des Taunus Bei der von Wiesbaden ausgehenden Richtung einer Eisenbahn nach dem Cambergergrund sind cbcuwohl mehrere Richtungen möglich, wobei aber die durch das Lonncnberg-.Ka!N- bacher Thal so viele Terrain-Schwierigkeiten darbictrt, daß von einem Verfolg dieser Züchtung keine Rede sein kann. Eine vortheilhaftere Richtung kann diese Bahn jedoch erhalten, wenn dieselbe am südwestlichen Gehänge
des Gebirges zwischen Wiesbaden und Erbenheim in einer großen Curve, unterhalb Erbenheim vorbei und ! zwischen Nordenstavt und Wallau nach Breckenheim, und von da zwischen Bremthal und Wildsachsen nach dem Grauenstein; ■— oder auch von Wiesbaden in einer etwas schwächeren Curve um den Erbenheimer Bergrücken, unterhalb Erbenheim und unterhalb Bier-, stadt und Kloppenhcün vorbei nach dem Auringer Thal nach dem Grauenstein hingeführt wird.
Von da müßte die Bahn die Richtung nach der sogenannten Nabenmühle, Niedernhausen, Königshofen, nach der Wasserscheide ober Hof Gassenbach verfolgen, von wo sie alsdann, in fairstem Gefälle am Hof Gassenbach und Idstein vorbeiziehcnd, in das Wörsbach- thal gelangt, und dasselbe bis Hof Henriettenthal verfolgt.
Von hieraus müßte die Bahn entweder mittelst eines etwa 6000 Fuß langen Tunnels nach Würges ins Emsbachthal geleitet werten: oder, wenn die Anlage eines Tunnels umgangen werden soll, in solcher Weise angelegt werden, daß dieselbe den Gebirgrücken zwischen dem Wörsbach- und Emsbachthal schneidet; alsdann sich am linken Gehänge des Einsbachthales bis bei Erbach ums Emsbachthal selbst hinziehen, das Emsbachthal weiter an den Orten Oberselters, Nieder- selters, Nieder- und Oberbrechen, Ennerich vorbei, verfolgen, von Ennerich aber zwischen Mühlen und Eschhofen nach Limburg die Richtung nehmen, und daselbst mittelst einer Brücke über die Lahn setzen, um in die durch das Elbbachthal nach dem Westerwald hin ziehende Bahn einzumünden.
Hierbei kommt jedoch in Betracht, daß, wenn die Anlage eines Tunnels bei Würges umgangen werden soll, die Anlage eines etwa 1000 Fuß langen Biadick- tos bei Idstem erforderlich ^^>1 aber auch aleichiett- lich die Orte Würges und Camberg, welche etwa eine Viertelstunde von der Bahn rechts liegen blieben, umgangen würden.
Ferner würde sich auch der Umstand ergeben, daß diese Bahn eine große Strecke neben der Taunns- Eisenbahn hergeführt werden müsse, und es würde sich daher die Frage aufwerfen, ob cs nicht im Interesse der Unternehmer sei, die Bahn von Hattersheim aus nach dem Camberger-Grund, und zwar mit wenigen Terrainschwierigkelten und in billigerer Weise, zu führen. Hierbei würden aber Wiesbaden und Biebrich umgangen, was im Interesse des Landes nicht geschehen darf.
Die andere Richtung der Eisenbahn von Wiesbaden nach Limburg würde also die durch das Aarthal sein.
Diese Bahn müßte am Ende der R h e i n st raße in Wiesbaden, etwa an dein Lw.ulscn Platz beginnen und am südlichen Gehänge des Gebirgs unterhalb Dotzheim hin, wo sie das von Dotzheim nach Biebrich ziehende Thal mittelst eines Viaduktes zu überschreiten hatte, nach dem Ziegler köpf in einer
großen Curve und Contre-Curve geführt werden. Von da zieht dieselbe oberhalb des Rosenköppler Hofes, Frauenstein und dem Sommerbergerhof nach dem Grauensrein und läuft hier in der Schlangenbaderwand unterhalb Georgenborn bis zum Unkenbachthale bei Wambach, überschreitet dapelbe mittelst eines Viaduktes, und gelangt mittelst eines Tunnels von cira 4000 Fuß Länge entweder durch das Mühlbachthal unterhalb dem Scitzenhammer und Aarbachthal, oder ebenfalls mittelst eines Tunnels von circa 5000 Fuß in das Schwalbach- thal und von dadurch Langenschwalbach nach dem Aarthal; welches Thal die Bahnlinie alsdann an den Orten Adolphseck, Hohenstein, Michelbach, Hausen, Rückershausen, Burgschwalbach, Schiesheim, Hahnstätten, Flacht, Ober- und Niederneisen bis Diez verfolgt, von wo dieselbe nach dem Elbthale führt, und hier, wie die aus dem Camberger Grund, in die Westerwälver Bahn einmündet.
Diese und die durch das Emsbachthal führende Bahn bis Limburg stellen sich in den Kosten ziemlich gleich, und wird keine dieser Strecken über 4,500,000 ff. zu stehen kommen.
Die Strecke durch das Emsbachthal ist wohl etwa- länger, dagegen sind bei einer Eisenbahnanlage durchs Aarthal mehr Kunstarbeiten erforderlich.
, Stellt man nun eine Vergleichung dieser beiden Richtungen an, 10 steht zu erwarten, daß die größte Frequenz jedenfalls sich auf der Richtung durch das Aarbachthal schon wegen der Verbindung dreier Kurorten ergibt.
Abgesehen davon, daß das Aarthal an sich bevöl- ker ter ist, und mehr Hütten- und Hammerwerke, besonders aber viele Eisensteingruben aufweis/, so werden auch im Aarthal vul mehr Früchte produ. ssrt als in dem Camborger Grund. Das Seltener Wasser kann hier nicht^uul in Betracht gezogt-n wer- den, da es nur ein Selterser Wasser gibt, und es also keinen Concurenzartikcl abgibt.
Schließlich kann auch weiter bei der Anlage einer Eisenbahn nach dem Emsbachthal durch eine Äktien- Gesellschaft, zwar von Wiesbaden ausgegangen, aber auch, wie schon bemerkt, die billigere und bessere Richtung über Hattersheim eingeschlagen werden, während bei einer Eisenbahn durchs Äarthal nur in Wiesbaden oder Biebrich eine Einmündung in die Taunuseisenbahn stattfinden kann.
Von Limburg aus verfolgt die Eisenbahnlinie die Richtung durch das Elbthal und zieht sich bei Vellingen und Apenrode nach der Höhe bei Hachenburg und von da in sanftem Gefälle nach dem Siegthale, welches dieselbe bei Wissen erreicht, und durch dasselbe weiter nach Deutz, wo sie in die Eoin-Mindener Bahn einmündet.
Durch diese Bahnrichtung wird im Vergleich mit der Lahnbahn unser Land am längsten durchzogen. — Die Kosten dieser Bahnstrecke von Wiesbaden bis ins Siegthal können sich an 10,000,000 st. belaufen.
SchirLsalsfügung
(Fortsetzung.)
Beaumont bat und flchetc nochmals; alles aber vergebens. Ja Herr Vallière verlangte, die Nachricht von dem Tode der Mad. d'Arbois solle geheim gehalten werden und keine Trauer die Hochzeit am nächsten Tage stören.
„Ich verbiete Dir, meiner Tochter etwas davon zu sagen," schloß Valliöre, „und ersuche^Dich erst nach 3 Tagen Trauer anzulegen."
Herr Beaumont achtete nicht auf das Verbot und gehorchte nur der Bitte; er eilte zu seiner Cousine.
„Meine liebe Hortense," sagte er zu ihr, „das Hinderniß, das uns trennte, besteht nicht mehr; ich bin reich, aber trotzdem will Dein Vater dem Herrn Lenoir Wort hatten, d. h. Dich aufopfern und einem Manne geben, den Du nicht liebst. Vereinige Deine Bemühungen mit den meinigen, verschaffe mir Zeit, einen Tag oder zwei, eine Woche, das ist ja nicht viel; stelle Dich krank, wenn es nöthig ist; wende Dich an Herrn Lenoir selbst, um einen Aufschub zu erlangen; ich suche nnter- deß die Freunde Deines Vaters auf, lasse die meinigen wirken und es gelingt uns gewiß, den Entschluß des Alten zu ändern, besonders wenn Du den Muth hast,
den Widerwillen ganz und unverstellt zu zeigen, den Du gegen Lenoir hegst."
Beaumont ließ sich, wie es scheint in diesem Gespräche mit dem Mädchen zu einigen Drohungen gegen seinen Nebenbuhler hinreißen , die freilich bei einem feurigen und verliebten jungen Manne ganz natürlich sind. Das Mädchen versprach Alles und ihr Geliebter schloß sich den Jägern an, an deren Spitze bereits Lenoir und Dalliöre standen. Auch ich fehlte bei einer so schönen Gelegenheit nicht und schloß mich im Hofe dem Herrn Beaumont an. Die Geschichte, die ich Ihnen erzähle, Herr Vicomte, ist heute vor vierzig Jahren geschehen; aber auch die geringsten Einzelheiten jenes unglnckfellgen Tags stehen so deutlich vor meiner Seele, als waren sie erst gestern geschehen; wäre ich an Ort und Stelle, ich könnte alle meine Schritte zeigen; ich erinnere mich noch aller meiner Worte, aller Schritte und aller Gcbcrdcn des Herrn Beaumont. Anfangs folgte er der Jagd, dann aber schlug er einen kleinen Seitenweg nach links ein und ich begleitete ihn. So ging er lange, mit gesenktem Kopfe, die Flinte auf der Achsel; wir hörten die Schüsse der Jäger knallen und wenn ich Wild in unsrer Schußweite sah, rief ich nach meiner Gewohnheit:
„Ein Hase, Herr! Herr, geben Sie Acht: der Hund steht."
Er schoß nicht, er schritt immer weiter; endlich sah ich ein Volk Rebhühner sich niederlassen und ich machte den Herrn Beaumont sogleich darauf aufmerksam. Sein
Hund trieb sie auf; er schoß und fehlte, ob er gleich einer der besten Schützen war; alle Rebhühner ent. ' kamen.
„Es ist heute ein UnglückStag für mich," sagte er i und dann lud er sein Gervehr wieder.
Wir gingen weiter, ohne uns um die Jagd und um die Jäger zu bekümmern, und so gelangten wir an ein Dickicht, wo ich einige Tage vorher Spuren von einem Eber bemerkt zu haben glaubte. Ein erlegter Eber wäre ein Fest für mich gewesen, ein Kind von zehn Jahren, denn ich hatte eine solche Beute noch nie fallen : scheu, aber den Kopf voll von den Erzählungen Beau- ■ moiils, ter im vorigen Jahre mehrere erlegt hatte. Ich schlich also vorsichtig Schritt vor Schritt nach dem ! Dickichte zu und als ich ein Rascheln in dem Grase und den Bü chen hörte rief ich sogleich:
„Ein >yrifd üng! Ein Frischling !"
— „Ein Frischling?" wiederholte Beaumont gleich- gütig.
Er legte an, folgte der Richtung die ich ihm mit ' dem Finger anbeutete und schoß. Es folgte ein Schrei; Herr Beaumont warf sein Gewehr weg und drang ,n ■ das Dickicht hinein; ich folgte ihm. reir Lenoir leg ; da und schwamm in seinem Blute; er hatte die ganze Ladung in den Kopf bekommen. Jo demselben Augenblicke kam die ganze Jagd heran und das erste was Herr Valliöre erblickte, war der Leichnam seines zu- j künftigen Schwiegersohnes, und sein Letter, der soeben.