„âeiheik und Neehi!"
Wiesbaden. Samstag, 8. Januar ISSflh
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Die Gisenbahnfrage für Nassau.
II. Artikel.
H. Wiesbaden. Mögen übrigens die Eisenbahn- unternehmungen von den Regierungen oder von Privaten ausgehen: stets müssen die Projekte auf zuverlässige Angaben gegründet sein. Es ist ganz unverantwortlich, wenn solche Anlagen nur auf oberflächliche Schätzungen und leichtsinnige Berechnungen basirt werden, indem in diesem Falle allen Schwindeleien jeder denkbare Vorschub geleistet und Derjenige, welcher es mit solchen Unternehmungen redlich meint, zurückgeschreckt wird.
Es ist nicht genug, daß bei einem auf un sichern Angaben beruhenden und als bloße Geldspekulation behandelten Eiscnbahnunternehmcn einzelne Personen verlieren: am meisten wird dem Gemeinwesen dadurch geschadet, weil eine der wohlthätigsten Erfindungen zum Theil um ihren Credit gebracht wird und unrichtige Urtheile hervorgcrufen, und einem Lande wenigstens auf einige Zeit der Nutzen und die Wohlthaten entzogen werden, welche Eisenbahnen geben. Bei jedem derartigen Unternehmen ist es daher nöthig, daß vor allem die Größe des Verkehrs, die Kosten der Anlage, die Kosten' dès Betriebs und der muthmaßlichc Ertrag so viel wie möglich ermittelt, sowie aber auch angegeben wird, mit welchen Bahnen tritt die projektirte Anlage in Verbindung, und welche allgemeine Vortheile werden hierdurch für das Land erzielt? Die zweckmäßigste Richtung eines Eisenbahnprojektes zwischen zwei Hauptpunkten bestimmt sich hauptsächlich einmal durch die Größe des Verkehrs der Endpunkte und desjenigen der dazwischenliegenden Orte, Fabriken und Gewerkschaften. Daneben aber zweitens besonders durch die Terrainperhältnisse in Rücksicht der Bau- und Förderungskosten. Es fragt sich nun, nach welcher Richtung wird am besten durch unser Land eine Eisenbahn anzulègen sein?
Die Richtung der Lahn bahn, welche bei Gießen in die Main-Weserbahn einmünden und bei Coblenz auslaufen würde, ist durch den Lauf des Flusses be- bfnqt. — Dieselbe würde oberhalb Löhnberg in unser Land ein treten u. es auf eine Strecke von 23 bis 24 Stunden bis nach Horch heim durchziehen und von da weiter längst dem Rhein nach Cöln gehen. Die Schwierigkeiten, welche dieselbe in HlnsichtMs Terrains darbietet, sind durch das mitunter sehr enge Thal und die vielen Windungen, welche die Lahn bildet und wodurch mehrere Ueberbrückungen der Lahn sowie mehrere Tunnels, namentlich bei Cramberg und am Hollerich bei Raflau, nöthig sind, schon sehr be-
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Die größte Schwierigkeit, welche sich übrigens jetzt, nach Erbauung der Main-Weserbahn, der Anlage emer Bahn durch das Lahnthal darbietet, ist die, daß von , . ,
Seiten der hessen-darmstäd tische n Regie- lassen haben: so geht das Alleo unter der alten guten rung schwerlich die Concession hierzu er- l Firma „Christenthum." ________
Schicksalsfügung.
Sind Sie also," fragte der junge und elegante Vicomte von Mircourt den Herrn Martin, einen der reichsten Fabrikanten in La Brie, Sie sind der Sohn eines Kuhhirten?"
— „Ja, Herr Vicomte, das nennte Kind eines Kuhhirten."
„Dann müssen die Heerde» ihres Herrn Vaters zahl- reiwer gewesen sein, als die Abrahams und Jacobs. Wie viele hundert Kühe besaß cr?"
—„Keine einzige; er hütete die anderer Leute."
„Sie haben also mit nichts angcfangen, wie man zu sagen pflegt?"
— „Im Gegentheil ,. ich fing mit 400,000 Frcs- an. Ach, es ist eine schicksalsschwere Geschichte; ich habe durch ein einziges Wort als Kind den Tod zweier Männer veranlaßt, einem jungen Mädchen den Bräutigam, den Geliebten und Vetter geraubt. Dieses eitrige Wort, das ich mir stets zum Vormurfe machen würde, wenn ich cs nicht in gutem Glauben ausgesprochen hätte, hat mein Glück gemacht."
Der Vicomte von Micourt bewarb sich um die ein= jige Tochter des Herrn Martin und die Erinnerung an
theilt werden wird: da der auf Staatskosten erbauten, von Cassel nach Frankfurt führenden Main-Weserbahn der ganze Transit nach dem Rhein durch die Anlage der Lahneiscnbahn endogen werden und hierdurch sich ein großer Ausfall in ' den Einnahmen für die Main-Weserbahn im hessischen Gebiete ergeben würde. Eine Eisenbahn durch oas Lahnthal bis zur hessischen Grenze bei H e u ch e l h e i m ist nicht gut denkbar. |.
Von der Lahn-Dillbahn von Gießen nach Köln, welche nur einen sehr kleinen Theil unseres Landes berühren würde, können wir füglich absehen, da wir blos die wo möglichst beste Richtung einer Eisenbahn durch das Land, nicht aber einer solchen neben dem Lance her, bezeichnen wollen. Ehe wir jedoch zur Bezeichnung einer andern Richtung übergehen, glauben wir noch daraus aufmerksam machen zu müssen, daß unsere Regierung vorsichtiger bei der Ertheilung der Erlaubniß zur Untersu- chung des Lahn- und Dillgebietes zum Behufe des Bau's einer Eisenbahn an Hrn. Oberinjenicur S p l i n- gard hätte sein sollen. Von Hrn. Splingard geht nämlich die Idee aus eine direkte Elsen bahn- verb in duug zwischen Cassel und Köln herzustellen, und es wird daher diese Untersuchung des Flußgebietes der Lahn und Dill zu einer Vergleichung beider Projekte Anlaß geben, be' welcher es sich leicht ergeben kann, daß die Resultate für unser Land ungünstig ausfallen und wir in Nassau mithin um jede Eisenbahn kommen, und unser Land aus dem großen Weltverkehr förmlich verdrängt wird. Wenn wir auch solchen Untersuchungen nicht absolut entgegen sind, so glauben wir doch, daß im vorliegenden Falle sehr be- butfam zu-Werk zu sehen Let und werft jedenfalls Garantiern zu ermitteln seien, welche ein ganzsicyes Umgehen Nassau's unmöglich machten. Ueberhaupt können wir diese Eisenbahnrichtung nur dann im wollen: Interesse des Landes anerkennen, wenn damit gleichzeitig eine Eisenbahn von Wiesbaden nach Limburg in Verbindung gebracht würde. (Fortsetzung folgt.)
4- Wiesbaden, in der Mitte des 19ten Jahrhunderts nach der gnadenreichen Geburt des Welt- Heilandes.
Wenn wir so eben durch öffentliche Blatter aus den parlamentarischen Untersuchungen über das vom Hunger schwer gegeißelte Irland erfahren, daß die Bischöfe der anglikanisch-irischen Hochkirche so glanzend dotirt sind, daß damit eine Million Arme jährlich unterhalten werden könnten; daß-1 l Prälaten die ungeheure Summe von 2',2 Millionen Pfd. Sterling von ihren Ersparnissen allein ihren Familien hinter-
seine Ahnen hielt ihn keineswegs von dieser reichen Miß- । heirath zurück, neugierig aber war er, die Geschichte seines zukünftigen Schwiegersohnes kennen zu lernen. Dieser saß am Feuer und befand sich in der Stimmung, in welcher der Mensch sich gern mitrheilt; er war stolz auf seinen Nichtadel und der Heirath seiner Tochter nicht eben zugeneigt, die er ungern Vicomtcsse werden sah; um so lieber erzählte er feine Geschichte.
„Ich bin in Brie geboren, sagte er, und hundert Schritte von unserm Häuschen stand ein Schloß, das ein reicher Kaufmann, Namens Valtiükè , bewohnte, dessen junge Tvchtcr einen Pariser heiralhen sollte, einen Mann von vierzig Jahren, den sie nicht liebte. Ein Vetter ohne Vermögen, den Valliöre zu sich genommen hatte, besaß das Herz des jungen Mädchens. So ist cs immer in der Welt, werden Sic sagen; aber nur Geduld; die Sache wird einen ganz unerwarteten Gang nehmen."
— „Sie verliebten sich gewiß in das Fräulein von Valliöre?" fragte der Vicomte.
„Ich! Ein armer Hirtenjunge von zehn Jahren! Was denken Sic?"
— „Ich bitte um Entschuldigung. Sind dieses Fräulein Valliörc und das alte gleichnamige Fräulein, daS ein so bedeutendes Vermögen in ihrem Geschäfte hat, zwei verschiedene Personen?"
Wenn der evangelische Kirchenvorstand und die Geistlichen von Idstein den mißliebigen Deutsch, katholiken und kirchlichen Rcformfrcunden daS Märzgeschenk des Mitgebrauches der Kirche wieder ab. nehmcn und sie in einem düstern Wirthshauslokale ihre Gottesdienste abhalten sehen, so geht dieß, wie es aus. drücklich in dem Liebesbriefe des besagten Vorstandes an die kleine Gemeinde lautet, ebenfalls unter der Firma „ Christenth u m."
Wenn aber daraufhin ein Theil sehr achtbarer Bewohner Idsteins, worunter auch ein Landtagsabgeord- neter, dessen Name überall guten Klang unter dem Volke hat, der evangelischen Landeskirche des Herzog- thums den Scheidcbrief zusendet, so geht das unseres Dafürhaltens nicht unter der Firma, sondern aus dem Geige des Christenthums von selbst hervor.
Wenn ferner ein ungewöhnlich großer Theil evangelischer Christen aus innigem Antheil an dem Schicksal der armen verstoßenen Gemeinde, wenn sogar bejahrte Frauen sich entschließen, am ersten Weihnachts- tage in einem Wirthshauslokale das heilige Abendmahl init dieser Gemeinde zu genießen statt an dem Altare, wo sic es schon mit ihren Heimgegangenen Vätern zu genießen gewohnt waren, so geht das ebenfalls, unserm Dafürhalten nach, nicht unter der Firma, sondern aus dem wahren Geiste des Christenthums hervor, und zwar eines recht vernünftigen und aufgeklärten Christenthums.
Wenn man eine Christenschaar zu Diez und Freiendiez, welche sich nun einmal schlechterdings und platterdings vom Glaubenseifer der Gockeskünst, ler, wie sie bei der dortigen Jugend hechen, nicht mehr befriedigt in ihrem Herzen, sondern geradezu abgestoßen fühlt, einen ganzen Sommer lang zw-schen der Ein- -frwdtgung erill^âummiâ^zu Freiendiez ihre Andacht verrichten laßt, woiljiüinbevyie^^ weilen um die Ohren streicht, ohne ihnen die Thore eines Gotteshauses gastlich zu öffnen, während doch ChristuS^nnb seine Apostel überall umher in den jüdischen Synagogen noch lehren und predigen durften: so geht dieß Alles unter der Firma „Christenthum."
Wenn aber auch dorten Hunderte aus der Nähe und Ferne durch Wind und Schnee eilen, sich in einen Saal zu Diez zusammendrangen, um das heilige Weih- nachtsfeft nicht ohne Speise für ihre Seele vorüberziehen zu lassen und das Liebes- und Gedächtnißmahl des Heilandes, dieses Freundes der Armen, miteinander zu feiern: so scheint uns auch so etwas nicht wiewohl, sondern gerade weil unter dem schlichten Landvolke bisher Unerhörtes, nicht sowohl unter der Firm a, als im wahren Geiste eines freien Christenthums zu geschehen.
Wenn der Herr Kirchenrath Schultz von Wiesbaden, wie ans seinem offenen Schreiben an den Pfarrer Snell in Langenbach in der Nass. Allgem. Her- vorzugehen scheint, einem entlaufenen Sklaven, wenn er bet ihm Zuflucht suchte, um sein unveräußerliches
„Keineswegs, Herr Vicomte. Der geliebte Vetter hieß Beaumont und als die Heirath des Mädchens mit dem Pariser beschlossen war, warf sich Beaumont dem Vater zu Füßen und sprach da von seiner Liebe zu der Cousine und von der Liebe der Cousine zu ihm; er bat, er flehetc, alles vergebens. Vall öre machte ihn darauf aufmerksam, daß er nichts habe und daß er seine Tvcht.r einem Manne ohne Vermögen nicht geben könne.
„Deine Liebe," sagte er zu ihm, „ist eine Undankbarkeit gegen mich, der ich Dich erzogen habe; meine Tochter bekommst Du nicht; Du hast ferner Deinen Plänen zu entsagen und mußt mir versprechen meine Tochter nicht von dem Gehorsam abzuwenden, den sie mir schuldig ist. In diesem Falle kannst Du bei mir bleiben und selbst behandelt werden wie vorher; weigerst Du Dich aber diese Verpflichtung zu übernehmen, so ist da die Thüre, geh!"
Der arme junge Mann hatte keine andere Zuflnelck als bei einer alten geizigen Verwandten, die ihn nicht ausgenommen haben würde, ob sie gleich sehr reich und kinderlos war; er verschloß also seine» Schmerz in seinem Herzen und blieb. Ich war sein Liebling; er hatte mich gern und gab mir jedesmal , wenn er mir begegnete, irgend ein kleines Geldstück. Ich meinerseits verließ ihn so wenig, alS möglich, ich folgte ihm auf die Jagd, trug ihm Pulver und Blei oder die Flinte, ließ mich von ihm da und dorthin schicken. Unterdeß war Herr