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Zeitung.

Leerheit und Rechtlu

JYo. $, Wiesbaden. Freitag, L Januar 185<L

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B. Die Constitutionellen und der Erfurter Reichstag.

Einen eigenthümlichen Eindruck muß das derma- lige Thun und Treiben der sogenannten Constitutio­nellen auf Jeden machen , der bisher noch nicht die ganze Hohlheit des Constitutionalismus und die ganze Armuth seiner Anhänger in dem Maße erkannt hat, daß er sich bei dieser Partei über Nichts mehr wun­dern kann. Obgleich wir nicht zu diesen gehören, ob­gleich wir längst die ganze Trostlosigkeit und Erbärm­lichkeit des von den Fürsten nicht gewollten, von dem gesunden Sinn des Volkes nicht begriffenen oder, wenn begriffenen, gehaßten Constitutionalismus längst eingesehen haben, so wollen wir nicht müde werden, den Herrn Constitutionellen einen Spiegel vorzuhalten, in dem sie sich besehen müssen, und ihnen zu zeigen, wohin ihr System führt.

Als in den Tagen der Revolution vor der zwin­genden Gewalt der demokratischen Ideen die alten Formen in Trümmer gehen zu wollen schienen, da tra­ten die Constitutionellen in pomphafter Weise hervor mit ihren Ansichten über die Neugestaltung des staat­lichen Lebens und hatten, theils weil das Volk selbst mit der constitutionellen Monarchie noch keine direkten Erfahrnugen gemacht hatte, theils aber, weil die feige Classe der Menschen, die sich aus Furcht vor kleinen Verlusten auf den Standpunkt des Prinzips nicht er­heben können, ihnen zusiel, leider das Glück, überall in der Majorität zu sein. Freilich versicherten sie da­mals, sie würden ihr System ausführen und fest be­gründen, sie würden gleichmäßig der Reaktion von oben und von unten entgegentreten, sie würden sie zer­malmen rc. Wie sie das gehalten haben, wissen wir leider nur zu gut.

Als sie noch Macht hatten, strangulirten sie die Volks­freiheit und liebäugelten mit dem Absolutismus. Habt nur Vertrauen hieß es, und immer wieder Vertrauen; der Absolutismus ist todt, und wenn er nicht todt wäre, wir erschlügen ihn.

Die constitutionelle Reichsverfassung war fertig ge­worden; der Constitutioncllste aller Constitutionellen rühmte sie als das Vollendetste, was der menschliche Geist hätte ersinnen mögen. Der König Friedrich Wilhelm IV. sollte constitutioneller deutscher Kaiser werden. Er mochte nicht.

Möge sich doch Jeder einmal zurückversetzen in die Zeit, als die Nachricht von der Antwort des Königs von Preußen auf den Antrag der Deputation hierher­gelangte.

Wir haben Vertrauen gehabt, wütheten die Con­stitutionellen, aber jetzt ist es aus; wir sehen jetzt, daß wir uns geirrt haben; jetzt ist cs ab, mit den Königen ist kein Bund zu flechten.

Aber die Reichsverfassung muß aufrecht erhalten und durchgeführt werden; wir schwören es, wir opfern Gut und Blut! "

Und uun dI woZist das. vergossene constitutionelle Blut? Ja! Blut ist geflossen, aber das der Kämpfer für die Reichsverfassung, und durch die Constitutio­nellen! Die tausendmal beschworne Reichsverfassung ist beseitigt.

Die Constitutionellen aber wollen noch retten, was zu retten ist; also einen neuen kühnen Griff und und sie liegen in den weichen Armen des Dreikönigs- Bündnisses; wohl um die Reaktion von oben zu zermalmen. Aber konsequent müssen die Constitu- tionellen sein; deßhalb erklären sie, wie auch im Her- zogthum Nassau die s. g. konstitutionellen Kammermit- glieder gethan haben: Die Reichsverfassung ist ein bei uns zu Recht bestehendes Gesetz (Heidenreich im Majoritätsbericht über die deutsche Frage).

Ja die Constitutionellen sind konsequent ! Und was thun sie jetzt? Sie halten Zusammenkünfte, um sich darüber zu verständigen, wer konstitutionell genug ist, um sich nicht zu schämen, in Erfurt die letzten Reste unserer Freiheiten erwürgen zu helfen.

Es ist zum Weinen, oder wenn man will, auch zum Lachen, wenn man in derNass. Allg." liest von dem guten Geist, der in diesen Versammlungen herrscht, von dem Eifer für die gute Sache, von der Zuversicht, die die Leute haben sollen bezüglich der deutschen Ein­heit, von der Verständigung rc., während es die Kinder auf der Straße wissen, daß die Hauptversammlung, die die Constitutionellen zu dem angegebenen Zwecke gehalten haben, eine so ärmliche war, daß die Theil- nehmcr sich ganz verlegen ansahen, daß eine traurige Rede das Peinliche der Sache erhöhte^ daß nicht we­nig Theiluehmer sich schämt n, in dieser Versammlung bemerkt worden zu sein und sich darob entschuldigten, und daß endlich, als es an die Abstimmung über die aufzustellendeil Candidaten ging, die Gesellschaft sich bis auf wenige Mitglieder entfernt hatte; kurz, daß über Allen das peinliche Gefühl lag, wie über Men­schen, die etwas thun wollen, hinter dem die Lächer­lichkeit schon hervorguckt.

Das ist der gute Geist, der die konstitutionelle Partei des Herzogthums beseelt! Und doch gibt es Menschen, die in die Welt hinausschreien, daß sie Hoff­nung hätten auf den Erfurter Reichstag! DieNass. Allg." fordert sogar noch einmal auf zum Vertrauen auf die preußische Regierung, welche die Einheit und Freiheit begründen werde. AIs ob wir nicht so viele Erfahrungen gemacht hätten!

Ihr Armen, die ihr seid! Woher nehmt ihr die Frechyeit noch einmal vor das Volk zu treten und zu sagen: Vertraue! Ihr, die ihr jedes Vertrauen im Volk verloren und die ihr kein Vertrauen habt, we­der auf euch selbst, noch auf die Sache, der ihr zu dienen vorgebt!

Deutschland.

* Wiesbaden, 2. Januar. In Nassau sollen die Wahlen der Wahlmänner am 20. Januar; die der Abgeordneten am 31. Januar für das Erfurter Kränz­chen stattsinden.

Ueber die Publikation der Codifikation begegnen wir endlich in derN. Allg. Ztg." folgender:

Verkündigung der Zusammenstellung des nach den bestehenden Gesetz­gebungen in dem Herzogthum geltenden Staatsrechts.

Nachdem zwischen unserer Regierung und der Stän­deversammlung während deren letzter Sitzung eine Ver­handlung und Verständigung über die in dem Herzog- thum vermöge der bisherigen Gesetzgebungen bestehen­den staatsrechtlichen Normen stattgefunden hat, so ver­kündigen Wir hiermit die aus dieser Erörterung her­vorgegangene Zusammenstellung in Nachfolgendein als das anerkannte gesetzliche Staatsrecht des Herzogthums, indem Wir zugleich, auf Antrag der Ständevèrsamm- lung, allen Angehörigen des Landes diejenigen bestehen­den Rechte Vorbehalten, welche in dieser staatsrechtli­chen Zusammenstellung könnten übergangen worden sein. Gegeben Biebrich den 28. Dezember 1849.

(L. 8.) Adolph.

vdt. Wintzingerode.

_ ff Schwurgerichtsbezirk Dillenburg. In der öffentlichen Sitzung des Hofgerichts vom 29. Decem­ber gingen folgende Namen aus der Urne bervor:

1. Hauptgeschworne:

1. Carl Ohlgart von Nitzhausen.

2. Johann Arthen 1r von Oberbrechen.

3. Friedrich Stahl von Beilstein.

4. Johann Fuchel von Girkenrod.

5. Georg Zipp, Lehrer, von Freilingen.

6. Nicolaus Flügel von Montabaur.

7. Philipp Heinrich Braun von Dillenburg.

8. Johs Horn ir von Willmerod.

9. Markscheider Bayer von Diez.

10. Wilhelm von Dungern von Weilburg.

11. Wilhelm Haas von Dillenburg.

12. Theis Georg 2r von Mündersbach.

13. Anton Schühgen von Giesenhausen.

14. Jakob Fohr von Ransbach.

15. Johs Schön von Seck.

16. Johann Georg Wolf älterer von Gemünden.

17. Joh. Christ. Heckelmann 2r von Nauheim.

18. Johann Jost von der Heid von Sinn.

19. Bergverwalter Haas von Sechshelden.

20. Johannes Maran er (Hering) von Rennerod-

21. Peter Peuser von Neunkirchen.

22. Johann Adam Neuroth von Stahlhofen.

23. Georg H i l p von Dehrn.

24. Forstaccessift Wolf von Montabaur.

25. Carl Kuhl von Guckheim.

26. Andr. Baldus vom Einhaus bei Hintermühlen.

27. Bürgermeister Altgeld von Roßbach.

Der Straßenräuber.

Von Mad. Charles Neybaud.

(Aus derAllgemeine Moden-Zcituug".)

(Schluß.)

Da haben Sie sich geirrt," fiel Elise stolz ein, und ich kann eine solche Bedingung nicht verzeihen, außer wenn Sie sich augenblicklich entfernen."

Das werde ich nicht; ich lasse mich nicht fort­schicken, wie einen Laquais. Ich will cs sagen, daß ich hierher kam, weil Sie mich seit zwei Monaten an­ziehen ..."

Wirklich, Herr Meinicr," unterbrach ihn Elise in Verzweiflung,ich habe bisweilen gewünscht, eine Gelegenheit zu finden, Sie zu sehen und allein zu sprechen, aber nicht aus dem Grunde, den Sie sich denken.."

Sie unterbrach sich bei diesen Worten, suchte in ihrem Seeretair, nahm das Messer heraus, das sie in jenem WirthShause gefunden hatte und sagte:

"Das ist daS, was ich Ihnen zurückzugeben und dafür die Kette zurück zu verlangen wünschte, die Sie am Halse tragen.."

Marius richtete sich gerade empor lind ein Blitz der Wuth schoß aus seinen Augen. Elise rührte sich nicht und schlug die Augen nicht nieder; aber Todtenblässe

bedeckte ihre Stirn und Lippen. Sie glaubte, ihre letzte Stunde sei gekommen und sie fühlte schon in ihrem Herzen den kalten Stahl, der vor ihren Augen blitzte. Diese schreckliche Lage dauerte nur einen Augenblick. MariuS zerschnitt mit seinem Messer daS Kettchen, warf es auf den Tisch und sagte:

So endige dies, als hätten wir einander nie ge­sehen. Gute Nacht, Fräulein!"

Er ging langsam- fort. Elise verschloß doppelt die Thür, fiel auf ihre Knie um dem Himmel zu danken, daß er sie auS so großer Gefahr befreit und rief:

Mein Gott, ich habe mehr alS mein Leben, ich habe meine Ehre gerettet!"

Im Salon beim Frühstück erfuhr Elise, daß der Fremde sich entfernt habe, ohne Abschied zu nehmen.

Desto besser," antwortete daS junge Mädchen mit einem Seufzer.

JameS wollte abreifen; Elise aber konnte nicht um­hin , sie mußte der Frau von Montsallier sagen, ich sehe co nicht gern, wenn er sie verlasse.

Nach drei Wochen war Elise Frau von Saint Nizier.

Und Marius Meinier?

Eine Tänzerin brachte sein Geld mit ihm durch und er sitzt jetzt Schulden halber im Gefängniß.

Ein Gespräch über Kunst.

Eines schönen TageS befand ich mich in dem Ber­liner Museum, um mit einem Freunde und einigen Damen die griechischen Bildwerke zu betrachten. Während wir unS an diesen köstlichen Erzeugnissen deS schönsten und freiesten LolkSgeistes erquickten, näherte sich unS ein fein gekleideter älterer Herr, der durch fein AeußereS unverkennbar als einer jener Schutzengel des christlich- germani>chen StaateS bezeichnet wurde, welche man ge­meinhin Gcheimcräthe nennt. Und so war eS. Mein Freund, der irgendwo die Bekanntschaft des Männ- chens gemacht haben mochte, stellte ihn der kleinen Ge- sellschaft als den Herrn Geheimerath von Rothvogel vor. Nach den üblichen gegenseitigen Begrüßungen geruhten der Herr Geheimerath sich an uns zu anzuschließen, um gemeinschaftlich mit uns die übrigen Säle zu durch­wandern.

Seinem Urtheile merkte man eine gewisse ästhetische Bildung und eine nicht unbedeutende Kenntniß der alten Kunstwerke an. Ein lebhaftes, anziehendes Gespräch entspann sich; es drehte sich begreiflicher Weile um Kunst Künstler und besonders um die Kunstleistungen der Ge­genwart. ES wurde bedauert, daß unsre sturmvollen Tage dem Blühen der Künste so ungünstig seien, daß so manche vielversprechende Knospe sich imeisigen Hauche"