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100,000 geschätzt werden muß, so kann man sich einen Begriff machen von dem unermeßlichen Jammer, der durch die Haynau'schcn Befehle über das ganze Land Verbreitet wird.

Mepublik Frankreich.

Paris, 23. Dez. Was ich Ihnen neulich von der Unwahrscheinlichkeit eines Bündnisses zwischen den bei­den Linien der Bourbonen schrieb, hat |ui) schnell be­stätigt. Kaum war das Gericht zum dritten, viertcn- mal aufgetaucht, daß nun endlich der Frieden zwischen den Prätendenten geschloßen, daß alles in schönster Ordnung sei, so kommt auch schon der Beweis des Gegentheils; denn die Natur der Sache, die Wahr­heit und die Gebote des menschlichen Herzens lind 1 nächtiger als die zahnlose Staatsweisheit der überleb­ten Spielverderber aller Regierungen und Farben,- qcn sie Mole oder Thiers, Pasquiec oder Bei N)cr, Decaze oder Broglie heißen. Weck cs so in den Kram ihrer engbrüstigen Berechnung paßt, bilden sich diese großen Lenker des Völker, qeschickcs ein, daß sie nur zu sagen brauchen: Ihr müßt Euch vereinigen, dem gemeinsamen Feind gegenüber, damit stracks der Her­zog von Chainbord seinen geliebten Vetter, dem Gra­fen von Paris, die Bruderhand reiche und aller Ha­der ein Ende habe. Friede und Gintracht, auf wei­sen Kosten, um welchen Preis, unter welchen Bedin­gungen? Wer von beiden soll der Herr, wer der Die­ner sein? Wer soll die Krone und den Scepter haben, wer soll auf beide verzichten! Das ist die Frage,und ehe sie aufrichtig, ehrlich gelöst ist, kann Frankreich allen Gelüsten einer monarchischen Restauration un­widerruflich die Thüre verschloßen haben.

Die nächste Frucht des jüngsten Gerüchtes einer bestimmten Versöhnung der Parteihäupter in Glaie- tnont und Frohsdorff ist ein bittrer, leiteuschastkiwe: Kampf der Blätter derselben Parteien in Paris. Liest manGazette" de France" undOpinion publigue", Journal des Debüts" undl'Ordre",lÄsiemblee nationale" undl'Uninion" gegeneinander, so muß man sich sagen, daß diese Leute nie entfernter waren von einer Verständigung als grade jetzt. Nicht ein­mal was Guizot ihnen im Mon. Mai bei den bevor­stehenden allgemeinen Wahlen so dringend anempfohlen hatte: Seht weder vor- noch rückwärts, laßt alle weiter zielende Berechnung Eures Ehrgeizes und Eure dynastischen Wünsche und bekämpfet mit vereinter Kraft den gemeinsamen Feind nicht einmal diese Empfeh­lung vermögen sie drei Tage hinter einander zu befol­gen. Und auch darüber möge sich Niemand wundern: der" Nath verlangt das Unmögliche; denn nicht der Glaube, sondern das Interesse verbindet diese Men­schen, und das Interesse ohne den Glauben ist unge­duldig und voll Mißtrauen.

L'Ami de la Constitution" (Charente Jufereurie) meldet, daß sehr viele Branntweinbrenner dieses De­

partements ihre Profession wegen der steten Neckereien, i dxnxn sic bei Erhebung der indirekten Steuern ausge­setzt sind, aufgeben wollen. Das gestrige Votum der Nationalversammlung, wodurch die Zahl yr Wahlbe­zirke vermehrt wurde, wird heute von den royalistischen Blättern sehr gelobt, indem erst dadurch aus dein all­gemeinen Stimmrecht eine Wahrheit gemacht werde. Uebrigens wird dieses neue Gesetz bei den nächsten Wahlen schon m Anwendung kommen. Die Bank von Frankreich kündigt heute an, daß sie ihieDiVl- deudc des zweiten Semesters 1849 auf 52 Franks scst- gesetzt habe. Der heutigeConstitutione!" enthält Nachrichten aus Martinique, welche von einem Sieg der gemäßigten Partei in den Munizipalitäts-Wahlen sprechen und von Unruhen, die bei Gelegenheit eines Bauquets, das zu Ehren des Herrn Bisitte veranstaltet wurde, ausbrachcu. - _

Paris, 27. Dez. (Wstd. ZI Gestern Abend wurde der seit einiger Zeit hier lebende, flüchtige österreichische Reichstags-Abgeordnete Dr. Rieger aus Prag plötzlich von Polizei-Agenten verhaftet.

Das vomNational" gestern mitgetheiltc Dekret ves Polzeipräfekten Carlier, welches einem Kommistio- när das Recht der Ausübung eines Handwerks nimmt, weil er sozialistische Gesinnungen hegt", wird heute sogar von den gemäßigten Blättern stark getadelt. Ve Credit" äußert sich hierüber: Uns, die wir Par­teigänger der Ordnung, und Gegner des Sozialis­mus sind, ziemt cs mehr, als jedem Anderen, die Handlungsweise des Pockzelpräfekten energisch zu ta­deln, und wir sind überzeugt, daß der Präsident der Republik diesen Brief des Hru. Carlier desavoniren wird. .

DiePresse" lenkt heute die National-Versamm- luug auf die Schwierigkeiten, welche die Lösung der La Plata-Frage bietet, wenn Frankreich eine transat­lantische Erpedition übernimmt. Sie citirt einen Aus- spruch" des Marschall Soult über diese Angelegenheit, welcher sich dahin äußerte, daß eine ungenügende Er- pedition Frankreich eine Niederlage bereiten würde, und daß eine Erpeoilion, welche hinreichende Garan- tieen eines Erfolges bietet, in keinem Verhältnisse zu deu Kosten stände.

J t a l i e rs.

Turin, 22. Dezember. Die Kammer beschäftigte sich heute mit der Vsusikation der Vollmachten. Die Wahlen der Herrn Billette und Sappia gaben zu einer Diskussion Anlaß, die durch den Ton interessant war, I in welchem der Minister des Innern auf Interpella- i tionen antwortete, die in Bezug auf diesen Gegenstand ! gestellt worden waren. Es scheint, daß das Ministe­rium sich sehr stark fühlt und dies der Kammer bei Zeiten fühlen lassen will. Die Kammer antwortete mit Murren. Concordia sagt, daß daS Ministerium auch ohne das linke Centrum stets auf eine starke Ma­jorität werde rechnen können.

Großbritannien.

London, 24. Dezember. Die Fälle des Kinder­mordes häufen sich in so auffallender Weise eben" jetzt stehen mehrere Fälle der Art zur Verhandlung daß mehrere Blätter über etwa zu ergreifende Präventiv-Maßregcln die ersteste Untersuchung anstellen. Das genannte Vergehen kommt bei verhciratheken Frauen verhältnißmäßig nur in geringer Zahl vor; desto mehr wird es gegen ungesetzliche Kinder ausgeübt. Aber obgleich in Frankreich die Zahl der unehelichen Kinder eben so groß ist, so zeigen doch die dortigen statistischen Berichte viel weniger Fälle des Kindermor- des als in England. Worin liegt der Grund dieser Thatsache? DasMorning Chronicle" glaubt ihn darin zu finden, daß in Fäankreich Findelhäuser sind, denen die ungesetzmäßige Frucht übergeben werden kann; denn so entgehe die Mutter der Schande, die in den meisten Fällen die Hauptursache des Vergehens sei. In London cristirt aber nur ein derartiges In­stitut, und auch dieses ist seit einiger Zeit seinem ur­sprünglichen Zwecke entfremdet und in eine Privatan­stalt umgewandelt worden. Da aber bloße Strafen, wie die Erfahriing zeigt, zur Unterdrückung des Ver­brechens wirkungslos sind, so ist es allerdings wün- schenswerth, das Übel durch Präventiv -Maßregeln möglichst zu mildern. Ob Findelhäufer demselben völ­lig steuern würden, mag dahin gestellt bleiben, ganz wirkungslos könnten sie sicherlich nicht sein.

Amtliche Nachrichten.

Die Lieutenants v. Reichenau I. und v. Rei­chenau 11 sind auf ihr Ansuchen aus dem Militär­dienste entlassen und zu Accessisten, ersterer bei dem Hof- und Appellationsgericht zu Wiesbaden, letzterer bei dem Justizamte Hochheim ernannt, der Justizamts- accessist Vogler zu Hochheim als Accessift an das Kreisamt Höchst, der Justizamtsaccessist Boing von Höchst an das Justizamt Braubach und der JusÜz- amtsaccessist Vietor zu Braubach an das Justizamt St. Goarshausen versetzt worden.

Dem Hofrath Stein ist die nachgefuchte Verse­tzung in den Ruhestand Unter Anerkennung seiner lange geleisteten treuen Dienste bewilligt worden. Dem Kandidaten Dern von Wiesbaden ist die Kaplanei Oberursel übertragen worden.

Lehrer Schneyder in Lollschied ist auf sein An­suchen in den Ruhestand versetzt und die dasige Lehr- vikarsteUe dem Schulkandidaten Kröck von Flacht in provisorischer Eigenschaft übertragen worden.

Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.

WekaNUtmachungen.

(1349) Gottesdienst der freien christlichen (deutschkatholischen) Ge­meinde wird am Morgen des Neujahrstages um halb 10 Uhr im bisheri- gen Locale abgehalten werden.__________________ Der Vorstand.

Allgemeine Rentenanstalt zu Darmstadt. (1250) ^Siejenigcn, welche der in der Bildung begriffenen, mit dem 31. Dezember d. 8 zu schließenden, 5ten Jayrcsgesellschaft bejzutreten oder Nachzahlungen auf früher erfolgte Einlagen zu leisten beabsichtigen, laden wir hierdurch ein, solches vor Ablauf dieses Jahres entweder da­hier bei dem Hauptbureau der Anstalt oder auswärts bei den Herren Bevollmächtigten der­selben *) zu bewerkstelligen.

Dis jetzt zählt die Anstalt 4984 Mitglieder mit 8168 Einlagen und einem effcctiven Ein­lagekapital von 409,542 fl. ,

Bei der mit der Anstalt verbundenen Depositenkassc wurden außerdem seit Anfang dieses Jahres bereits 148,000 fl. hinterlegt.

Darmstadt, den 19. November 1849.

Die Direktion der Allgcmemen Reutenanjtalt.

*) In Wiesbaden: bei Herrn Frisör. SS »W». äHinnbicr; in Dillenburg! bei Herrn F. «3. 'Aineo. ______

Der Beobachter,

(1350) ein Holksölatt aus SchWaüerr,

(Preis halbjährlich in Stuttgart 1 fl. 54 fr., im Lande 2 fl. 18 fr., für die übrigen teutschen Staaten tritt in Folge der Postkonveiition ein sehr ermäßigter Poslaufschlag ein, indem vom l. Ja­nuar 18m on das Maximum desselben nur 50 Prvcent vom Preis des Blatles betragen darf) hat während seines vieljâhrigen Bestehens seit 1830 die Farbe nie gewechselt, wohl aber mit der Entwicklung der Zeit stets gleichen Schritt gehalten.

Bis 184s in den Fesseln einer Konzession, welche ihm nicht einmal erlaubte, einpolituches Blatt zu sein, und einer Eensur, die ihn für seine deutsche Gesinnung durch Striche bestrafte, war er auf die Besprechung der inneren Landesangelegenheiten beschränkt und diente in der Form eines wurttembcrgischen ProviuzialblattèS der vormârzlichen Opposition, ohne jedoch im strengen Sinne des Wortes von ihr abhängig zu sein. Diit bem März 1818, der dem Preßzwang und der Ze- tungSkonzession ein Ende machte, schwang er sich über die Gienzeii seiner engeren Heimath hinaus in das deutscheAusland" und eroberte sich das Recht, ein deutsches Blatt am Freiheitsbauni der deutschen Presse zu sein. Seine unabhängige Stellung gestaltete ihm, die ans Ruder gelangte libe­rale Fraktion im Augenblick zu verlassen, wo sie den BolkSboden, dem sie ihre Bèacht verdankte, zu $ ilassen begann. Ter Beobachter wurde daS Organ der schwäbischen Volkspartei, Zu Anfang des Sümners 1849 war er auf wenige Wochen das Organ der Rationalversamuilung und der Reichsregenlschaft. Seit der Sprengung des Parlaments verfolgt er, mehr als jemals von den tüchtigsten Kräften seiner Partei mit einer Reihe der gehaltvollsten Arbeiten unterltützt, die beschei­dene aber wichtige Ausgabe, das Gesetz der Nation, Reichsverfassung niid Grundrechte, zu verfech­ten und der Zukunft des Reiches, gleich einem Wächter an einem heiligen Grabe, ihre Stätte zu b wahren. x .

Der dritte große Berfaffungskampf, welcher für Württemberg angebrochen ist, hat dießmal, mehr als die beiden voraugegaugenen, eine vorherrschend deutsche Bedeutung. Je höher die gegenseitige Theilnahme der deutschen Länder, welche zu einem deutschen Ganzen werden wollen und mit Natur- nothwendigkeiten werden müssen, für einander gestiegen ist, desto nothwendiger ist es, daß sie, um solidarisch verbunden zu sein, durch ihre volksthümlichen Organe gegenseitig nähere Kenntniß von einaurer erhalten. Aus diesem Grunde wird der Beobachter, der seit seinem Entstehen wohl Ovier, nie aber Gewinnsucht gekannt hat, hiermit zum ersten ivial in außerschwäbischen deutschen Blattern angezeigt.

(1317)

Durch dir H. Ws Ritter'sche Buchhciudluuq ist zu bezichtn :

CiN Wort des Rechts

für alle

M eèchsv eefccWNgs - KäMpfee,

aubie

deutschen G e s ch w o r n e n

von

L tt d w i g S i M o N von Trier.

Maâ die Reichsgewalt zerfallen, das Lalerland mehr als je zerrissen sein, dennoch ist cs eine gemeinsame dculsche Sache, daß nicht auch die Rcchtsbegrisfc untergeben."

Broch. Prcis 30 fr.

Ludwig Uh land.

(1293) Durch die H. W. Ritter'fche Buchhaudlung in Wiesbaden ist zu bc- ieheu:

Humoristisch - satyrischer Bolkskalender

des

Kladderadatsch für 1850»

Fünfte veränderte und vermehrte Auflage. Hcraüsgegeben von D. Kalisch. Jllustrirt von Wilh. Scholz, broschirt. Preis 36 kr.

Gefchäfts - Trennung.

(1352) Wir machen hiermit die ergebenste Anzeige, daß wir in Kurzem das seither in Com­pagnie geführte Waarengeschäft trennen werden, und ersuchen alle diejenigen, welche noch Rech- nnngen an uns zu entrichten haben, solche als­bald berichtigen zu wollen, da wir unsere sämmt­lichen Ausstände bis Ende Januar als Jncasso einem -Anwalt übertragen werden. : Znglelch bringen wir den Ausveikauf unserer Waaren- vvrräthe in empfehlende Eriiineriiiig.

Wiesbaden, den 30. Dezember 1849.

Meyer & Reifenberg.

(1347) Em braun unb weiß dunkel getie- gcrter Hühnerhund mit braunem Behang und großcnthcils braunem Hintertheil, auf den Na­men Bruno hörend, hat sich am 1l. Dezem­ber verlaufen. Besondere Kennzeichen: das rechte Ohr ist geschlitzt, in der Zunge fehlt éin Stück, einer der untern Fangzähne ist ab­gebrochen. Der Wiedcrbringer, oder derje­nige, welcher den Hund ausfindig macht, er­hält eine angemessene Belohnung bei,

F. Hill zu Idstein.

(1351) Ein möblirtes Zimmer, eine Stiege hoch, in der Langgasse Nr. 14 ist zu vermieden und kann gleich bezogen werden.

Ebenso sind zwei möblirte Zimmer, eine Stiege hoch in der Langgasse Nr. 14 zu vermieden, welche am 1. Februar 18.0 bezogen werden sönnen. Auf Verlangen kann auch eine Küche d»zn gegeben werden.

(1301) Feste und gut getrocknete Lohkucheu franco iu'ö Haus geliefert per Tausend 0 fl. bei August Herz im Nerothal.

NB. Bestellungen können in der Expedition dieses BlatteS gemacht werden.

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(1343) Es wird ein Einsteher gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bl.

(1342) Tauuusstraßc Nr. 32 sind im ersten Stock 23 möblirte Zimmer zu vermiethcif.

(1331) Ein eleganter, 4 Jahre gebrauchter, gut gehaltener Flügel ist billig zu verkaufen. Näheres in der Expedition d. Bl.

Druck und Verlag der E. Nittcr'schen Buchdruckcrei.