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Wiesbaden. Samstag, 29. December

1819

Einladung zum Abonnement.

Mit dem Ende dieses Monats beginnt ein neues Abonnement, auf welches wir die Aufmerksamkeit der Volkspartei, und insbesondere derjenigen in -Nassau, lenken wollen. Jetzt, da der demokratischen Partei zur Abwehr der auf sie gerichteten Angriffe und zur Verfechtung ihrer Grundsätze fast nur noch das eine Mittel der Presse übrig geblieben, gebietet es geradezu die Pflicht der Selbsterhaltung, daß die Volkspartei die freie Presse, soviel es nur immer möglich ist, unterstützt, und zwar um so mehr, als auf der Seite der Gegner Alles aufgeboten wird, um die freisinnigen Blätter zu Grunde zu richten.

Wir können uns daher wol der Hoffnung hingeben, daß die Demokraten unseres Landes, deren Vermögensverhältnisse es zulassen, die Freie Zeitung nicht bloß lesen, sondern durch Abonnement auch thatkräftig unterstützen werden. Ganz besonders sollten die Demokraten, ehe sie sich zur Bestellung von halben farb­losen Neuigkeitsjournalen, oder gar von reaktionären Tagesblättern entschließen, erst auf die Anschaffung der demokratischen Zeitungen bedacht sein.

Die Verhandlungen der Landstände sowie des Schwurgerichts zu Wiesbaden werden so schnell wie möglich mitgetheilt werden. ^*^ Redaktion

Der Preis der Freien ZeitungMeibt der bisherige. Bestellungen auf das mit dem 1. Jaunar 1850 beginnende Quartal beliebe man hier in Wiesbaden in der H. W. Ritterschen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern, zu machen.

Mehrfachen Wünschen zu begegnen, geben wir den resp. Abonnenten, welche jetzt für das nächste Quartal eintreten, die Nummern dieses Monats vom Tage der Bestellung an unentgeldlich. Die Expedition.

Die Bedeutungslosigkeit des Constitu- IwnaliSmus.

Es war einmal eine Versammlung in einer deut­schen Reichsstadt, deren Majorität höhnisch lachen konnte, als eines ihrer Mitglieder (Vogt) den Constitutionalls- mus ein System der Lüge nannte und diese seine Be­hauptung zum Ueberfluß noch mit Beweisen begrün­dete. Jene Herren dünkten sich in ihrer hohen Weis­heit so erhaben über diesabgeschmackte" Urtheil, daß sic ohne böse darüber werden zu können, nur Hohn dafür hatten. Wir dachten:Wer zuletzt lacht, ^acht am besten", und hatten Recht damit. Heut zu Tage würdigt man die unverschämten Lacher von damals nicht mehr der Ehre, ihnen Gleiches mit Gleichem zu vergelten, denn sie sind mit ihrer schamlosen Erniedri­gung aller Welt zum Eckel geworden.

Sämmtliche Lacher von damals bekannten sich zum System des Constitutionalismus; zu der Zeit, da jene Worte gesprochen wurden, war das die einzige Form der Reaktion, und nur Wenige waren es, die auch unter der Wucht der damaligen Verhältnisse ihr altes Gelüste nicht bezwingen konnten, und nach der Fahne der absoluten Gewaltherrschaft hinschielten. Seitdem sind die Zeiten anders geworden, das anti­demokratische Heerlager hat sich in seine natürlichen Elemente gespalten, und Jeder geht seiner natür­lich e n N e i g u n g nach. Indeß muß man die reinen Absolutisten immer noch höher achten, weil sie den Muth haben, ein Prinzip in seinen Consequ e n- zen zu wollen und zu »eiferten, als diewahrhaft Constitutionellen", die, weil sie sich selbst zu schwach fühlen, Etwas ganz zu sein, mit beiden Parteien ko- kettiren, und sich so als mittelmäßig darstellen, was auf keinem Felde verächtlicher ist, und ge­fährlicher werden kann, als in der Politik.

Wesentlich zerfallen die Herren des Constitutiona­lismus in zwei Abtheilungen, die nur darin überein- stimmen, daß sie ihren Werth und ihre Unentbehrlichkeit für die Gesellschaft gleich hoch anschlagen. Die eine Klasse sieht in ihrem System die Stufen zu einfluß- | reichen und einträglichen Aemtern , die andere hört sich und läßt sich gern hören in constitntionellen Kammern. Beide, die Emporstreblinge und die Männer der Phrase, lassen sich von einem unedlen oder thörichten Egois- * mus leiten, mag derselbe nun in Form gemeiner Hab­sucht, die den goldenen Klang liebt, oder eines ver­ächtlichen, lächerlichen und kindischen Ehrgeizes sich äußern. Keine politische Partei, von den Giron­disten an, deren Todeslied auf dem Schaffst zum rn Er­füllung gegangenen Orakel für ihre Richter, die Jako> bincr geworden, bis auf auf unsere Zeit, hat ein Schstt- sal gehabt, das mit dem ihrigen zu vergleichen wäre. Sie begannen pathetisch und enden tragikomi,ch-trlv«al-

Jn den antediluvianischen Zeiten der babilonischen Völkerknechtschaft sigurirten sie in den Kammern, Positionsmännchens spielend, als die gefeierten ^rechettc - apostel, ihr System, als das Welt und Menschheltbeglu ckende Evangelium anpreisend; in der Paulskwche sel. An- denkens, wo sie als Professorenklubb und Centiumsee- len bekannt, wagten es schon, die ordentliche und die äußerste Linke - die Rothen - mit ft'voler Hand unnennbare Gottlosigkeit! an dem Nimbus der bemoosten Häupter zu zupfen; im entscheidenden Mo­mente, da es galt, für die Relchsverfassung, großten- theils das Wort und Werk ihrer Ueberzeugung, mit etwas Anderem, als glatten Worten, emzustehen, feig ausreißend, haben sie sich seitdem in die Cliqueder Gothaer" geflüchtet, in welchem selbstgewah ten Exil sie wahrscheinlich ihr an Armuth reiches politi­

sches Leben, gleich so manchem edeln, verkannten Römer und Griechen der Vorzeit, voll stolzen Verdrusses über die verblendete Zeit, die ihre Dienste nicht anerkennen mag, enden werden.

Sie wären schon jetzt als politisch todt zu betrach­ten, wenn nicht zuweilen deredle" Gagern, der, wie die meisten seiner Confratres, manchmal seine Redens- wuth nicht bezwingen kann, das Publikum durch gründ­liche (seine Stimme erschöpft die tiefsten Gontretöne) Reden vor Casinos vom reinsten reaktionären Hambur­ger Wasser ergötzte. Je nun, Kossuth hielt zu seiner Zeit revolutionäre Reden an die magyarische Nation seinen Kerkerwänden vor, warum sollte,nicht ein Gagern in Ermangelung eines bessern Publikums Redeübungen vor Reaktionären, die doch immer menschliche Ohren haben, anstelle»? .Wenn nicht Einer der Besten un­ter denBesten", die Nachtigall Crefelds vor einer undankbaren Berliner Kammer und einem noch profa­neren Ministerium ihre Tiraden ertönen ließ, um zu beweisen, daß diese Partei sich im Nothfall wie eine Gassendirne an den Ersten Besten wegwirft; wenn der Geist sämmtlicher Kumpane nicht in demHellernta­gazin", das sichDeutsche Zeitung" nennt, spuckte, das Volk um so giftiger begeifernd, je derber die Fußtritte sind, welche die Scribenten von Oben erhalten: wahr­lich die jetzigen trüben Zeiten wären viel weniger er­träglich.

Auf diese Partei läßt sich, wenn nicht ein neuer Cervantes sich die undankbare Mühe nimmt, den Stoff, den ihre Persönlichkeiten und Wirksamkeit liefert,zu einem modernen Don Quirote zu benutzen, der Satz anwenden:

DerBesten" Namen meldet Kein Lied, kein Helvenbuch,

Versunken und vergessen,

. Das ist des Volkes Fluch!

Es hat sich schon vor dem Jahr 1848 gar mancher Schriftsteller abgemüht, die Gehaltlosigkeit, Lüge und unsittliche Corruption des Constitutionalismus barzu­thun, aber alle ihre Deduktionen haben nicht so viel gewirkt, als die sich selbst abnutzende Praxis der Herren dieser Lügetheorien und die Darstellung, wie sie uns heute geboten wird. Das Volk, seiner größern Masse nach, wird nie von dem Wesen und Gehalt einer Idee durchdrungen durch deren abstrakte Auseinanderlcguug. Es kommt erst durch ihre Anschauung zum Bewußtsein derselben, indem es ihre Wahrheit oder Unwahrheit, wenn auch nicht erkennt, doch fühlt. Die Anschauung des Constitutionalismus unserer Zeit ist aber nicht ge­eignet, ihm Jünger zu verschaffen, wohl aber gar man­chen frühern Gläubigen zum Apostaten umzuwandeln.

Verweilen wir zur Rechtfertigung unserer Behaup­tung einen Augenblick bei Oesterreich und Preußen.

(Fortsetzung folgt.)

Deutschland.

-^ Wiesbaden, 28. Dec. Heute hat sich Dr. I B. Mayer von KatzcueUeubogen, der vielfach verfolgte, freiwillig gestellt. Wir werden nun alle Idsteiner Angeklagten (mit Ausnahme des Dr. Gerau, wel­cher sein Domizil in Amerika genommen) in einer Session vor dem Forum der Oeffentlichkeit haben, da Mayer gegen das Verweisungsurtheil keine Einwen­dungen zu machen beabsichtiget.

i Dillenburg, 26. Dezbr. Unter den hiesigen Constitutionellen"' herrscht eine sehr große, wenngleich sehr ungefährliche Aufregung über das Erfurter Wahl­gesetz. Nach 8- 11 desselben kommen nämlich bei der Untertheilung in die drei Wählerklaffen nur diejeni­gen Steuern in Betracht, welche in der Gemeinde entrichtet werden, wo der Wähler wohnt. Unsere hie­sigen Constitutionellen haben ihre Werke, Hütten u. s. w., aber meistens in anderen Gemeindebezirkcn liegen.

Die Steuern derselben werden also nicht gerechnet, und so ergibt sich denn das sonderbare Resultat, daß die Herrn, welche gewohnt sind, sich als alleinige In­haber des Besitzes zu betrachten, entweder als reine Proletarier gar nicht zur Wahl gelangen, oder wenig­stens nur in die unteren Classen kommen. Dem Ver­nehmen nach haben sich dieselben an das Staatsmini­sterium gewandt und dasselbe gebeten, doch gefälligst das Wahlgesetz möglichst schnell, kurzer Hand zu ihren Gunsten etwas umzuändern, da es doch Unrecht sei, die constitutionellen Gesinnungen so hintenan zu setzen. Da das Wahlgesetz ohne Mitwirkung der Volksver­tretung erlassen, so wird es wohl auf einige kleine Veränderungen nicht anfommen und den Bittstellern sollte billigerweise der Wille gethan werden.

Die hier sehr zahlreiche d e m o k r a t i s ch e Partei wird nicht wählen.

Dr. Rossel und Accessist Gail, von dem Ju­stizamt wegen Coüektirens für die deutschen Flücht­linge in der Schweiz zu Gefängnißstrafe verurtheilt, sind dieser Tage in Folge der von ihnen dagegen er­griffenen Appellation von dem Hofgericht freigespro­chen worden. Als Vertheidiger fungirte der Abgeord­nete Prokurator Brann.

Münster, 22. Dez. (Nat.-Z.) Temme hat sein Mandat als Abgeordneter zu ersten Kammer nieder­gelegt.

Insterburg, 19. Dez. Der Referendar und Land­wehrlieutenant Sackersdorf wurde von der Anklage durch die Aeußerung:ein fluch- und blutbeladeneS Ministerium desjenigen Fürsten, der in den Märzta­gen 1848 in Berlin mit der schwarz - roth - goldenen Fahne dem Volk Versprcchnngen gemacht habe, habe das Volk, das dumme Volk betrogen, wie es seit Jahr­hunderten betrogen worden ist," die Ehrfurcht gegen den König verletzt und das Ministerium beleidigt zu haben, freigesprochen. Vorgestern wurde in Tilsit der Kaufmann Raabe von der Anschuldigung der Maje- stätsbcleidigung ebenfalls freigesprochen.

Berlin, 24. Dez. Die N. Pr. Ztg. hebt heute ihre Betrachtungen mit folgenden Worten an:das heilige Fest ist eine neue Mahnung an das alte Deutsch­land, von sich zu thun den Gräuel der Verwüstung, womit das arme Volk durch seine Gesetzgeber be­droht wird." Piersig spricht ein großes Wort gelas­sen aus.

Diedeutsche Reform" ist über Krauthofcr-Kro- towsky's Freisprechung untröstlich. Unter den Ge­schwornen waren 8 Deutsche und nur 4 Polen Des­halb behauptet diedeutsche Reform": die Geschwor­nen seien durchdie polack'sche Sauvegarde" (das sind ministerielle Ausdrücke) terrorisirt worden. Sie kann übrigens dem Freigesprochenen das Zeugniß nicht versagen, daß er unvcrholen und muthig cs ausge­sprochen habe:wir haben ein Recht, uns gegen die Regierung zu erheben", und daß dessen Vertheidiger, Dr. Niepolewsky, so ausgetreten sei, als ob er den Staatsanwalt habe anklagen wollen. Herr V. d. Heydt, der die Oeffentlichkeit für feine Verwaltung nicht für wünschenswerth erachtet, hat an seine Subalternen folgendes Schreiben gerichtet:Es hat mir auffallen müssen, daß in neuerer Zeit der Inhalt eben erst bei mir eingcgangcncr Schreiben und Berichte in hiesigen Zeitungen mitgetheilt ist, welche von den Absendern davon nicht Kenntniß haben konn­ten. Ich finde mich daher veranlaßt, den Subaltern­beamten der verschiedenen Bureaus meines Ministe­riums hierdurch auf's Strengste zur Pflicht zu ma­chen, von den zu ihrer Kenntniß gelangenden Dienst­sachen, ohne meine Genehmigung oder die Genehml- gung der Herren Abtheilungsdirigenten oder Dezer­nenten, Niemand, der nicht dienstlich davon Kenntniß