Gotha, 24. Dccbr. (Fr. I.) Was Ihnen von anderen Seiten her mitgetheilt worden, daß nämlich die Demokratie zum Erfurter Reichstag nicht wählen wolle, ist auch aus unserem kleinen Laude zu berichten.
Wien, 20. Dezember. Die „Wiener Zeitung" und alle Blätter der Hauptstadt wieder Provinzen füllen sich seit einigen Tagen mit langen Listen von Ernennungen neuer Beamten der eigentlichen Landesverwaltung, welche hier zu Lande „politische Beamten" (Regie- rungsbeamten) genannt werden. Die Ernennung solcher Beamten ist bis jetzt erfolgt für die Kronländer Böhmen, Mähren, Echtesten, Tyrol, Kärnthen, Krain, Oesterreich unter der Ens und Oesterreich ob der Ens; und die Zahl der neu ernannten Regierungsbeamten geht schon in die Tausende! Der Wechsel ist aber kein bloser Wechsel der Personen und Formen; es liegt ihm das Prinzip der bureaukratischen Centralisation der innern Verwaltung zu Grunde, welches aus der früheren Verquickung mit den mannigfaltigen feudalen Elementen, mit denen es bisher nach Oben und nach Unten besetzt war, rein und unvermischt heraustreten soll. Nach Oben lag diese Verquickung in dem Zusammenhang zwischen den Regierungsstellen (den ©iibmuen) und den alt-ständischen Kollegien; nach unten in der patrimonialen AmtsverwaUuug der herrschaftlichen Dominien (der patrimonialen Gerichtsbarkeit und patrimonialen Polizeiverwaltung). Von beiden befreit, soll unsere jetzige Bureaukratie eine sogenannte constitutioneUe Bureaukratie werden, welche vorläufig die einzige Erbin der ganzen Revolution ist. Sie ist in ihrem ganzen inneren Bau jenem französischen Centralisationssystem nachgebildet, welches in Oesterreich schon Kaiser Joseph anstrebte. Der Louisphilippistische Staat hat das modernste Vorbild für diese bureankratische Centralisation geliefert. Alles ist wie ein Telegraphennetz in der Hand des Ministers des Innern vereinigt. In seinem Bureau laufen alle Fäden zusammen; er ist Hauptvorstand, Seele und Gedanke der Maschine. Unter ihm stehen die verschiedenen „Statthalter" so heißt sehr bezeichnend der Gouverneur eines Kronlandes, welches gleichfalls nicht mehr ofiziell Kronland, sondern „Starthalterei" genannt wird. Jedem Statthalter steht ein „Stattpal- tereirath", aus mehreren Diäten und Sekretären bestehend, zur Seite; gleichsam als Ministerium für jedes Kronland, für jede Statthalterei. Jede Statthalterei ist in mehrere Kreise eingetheilt. An der Spitze jedes Kreises steht ein Kreispräsident und eine Kreisregie- rierung; letztere auö einer Anzahl von Räthen (Kreisräthen) und Sekretären (Kreiskonzipisten) bestehend, welche gleichsam das Ministerium des Kreispräsidenten bilden. Jeder Kreis ist in Bezirke eingetheilt, unter einem Bezirkhauptmann, welchem wiederum mehrere Bezirkshauptleute zweiter Klasse, sowie eine Anzahl von Bezirkskommissären untergeordnet sind. Unter diesen stehen die Bezirkskommissäre zweiter Klasse und die Bezirkssekretäre (Konzeptsadjunklen genannt). Alle diese Beamten werden direkt vom Minister des Innern angesteUt, und können direkt von ihm entlassen werden. Das gesammtliche staatliche Leben ist ausschließlich in diesem administrativ-bureaukratischen Körper konzentrirt, welcher zwischen Volk und Ministerium in seiner tausendfachen Gliederung als Staatsmechanis- mus, und so lange wir keine Vertretung haben, als „Repräsentant des erleuchteten Absolutismus" dasteht.
Wien, 21. Dezbr. Kaum war die Nachricht zu den Ohren unseres „Vater" Weiden gekommen, daß die „Presse" von Wien nach Brünn verlegt und dort erscheinen werde, so erwachte sein Zorn von Neuem und offenbarte sich in folgender drohenden Kundmachung: „Das wegen seiner schlechten Tendenz von dein Militär- und Civil- Gouvernement unterdrückte, hier in Wien erschienene Tagesblatt, genannt „die Presse", redigirt von August Zang, wird, wie man aus einer Annonce dieses Redakteurs ersehen hat, nunmehr in Brünn von eben demselben Redakteur hcr-
schlagenhcit. Dieses seltsame Drama, das in ihr vorgegangen, dessen stumme Scene keinen Vertrauten, keine Zeugen gehabt, war kaum vorüber und schon wieder füllte düstere Langeweile ihr Herz. Der Herr von Saint Nizier beobachtete sie mit ângstliebcr Aufmerksamkeit; aber wie konnte er errathen, wonach sie sich sehnte und warum sie geweint hatte?
Es war fast Nackt als die Nciscnden in einem einzelnstehenden Gastbause zwischen ton Fel cnreibcn an= kamen, Die sich allmählich nach den Ebenen der Durance hinsenkcn. Die Postanstalten waren schlecht auf dieser Straße, wo nicht alle Tage Reisende passiren; es waren keine Pferde vorhanden und man erwartete ein Paar erst nach einigen Stunden.
„So müssen wir hier über Nacht bleiben," sagte die Frau von Montsallier; „nicht wahr, meine schöne Elise, Du fürchtest Dich nicht, Die Nacht in Dieser Art venta zuznbringen?"
— „Gewiß nicht," antwortete sic mit ihrer gewöhnlichen Nachgiebigkeit.
Es ivar ein großes, schlechtes, unregelmäßiges Gebäude , um das herum einige verkrüppelte Maulbeerbäume wuchsen; auf allen Seiten starrten gewaltige kalge Felsen empor und zwischen Denselben ^oqen sich enge grüne Thäler hin. Auf Der andern Seite der Straße floß ein Back zwischen den Steinen und bildete einen von Weiden beschatteten Teick. Die ganze Landschaft war traurig, stumm und öde; man hätte sich können an
ausgegeben werden. Nachdem aber dieses Journal für den ganzen Bezirk des Belagerungs-Rayons verboten ist, so darf dasselbe während der Dauer dieses Verbotes für Wien nicht bezogen werden. Es wird daher das hiesige Publikum im Allgemeinen, insbesondere aber die frühern Abonnenten dieses Journals im Auftrage Sr. Erc. des Herrn Militär- und Eivil- Gouverneurs gewarnt, zu abonniren, weil dieses Abon- nement nicht nur allein die Confiskation des empfangenen Blattes, sondern auch die kriegsrechtliche Behandlung und Bestrafung Derjenigen zur Folge haben würde, welche dieses Verbot übertreten. Wien 20. Dez. 1849. Von der Central-Kommission der k. k. Stadt-Kommandantur."
Aber das genügte noch nicht; es wurde zu gleicher Zeit allen Wiener Blättern die Anzeige gemacht, daß sie sich nicht unterstehen sollten, das Wiedererscheinen der „Presse" in Brünn zu anno n c i r e n - bei Strafe des Verbotes und kriegsrechtlicher Behandlung. — In der That, so etwas ist noch nicht da gewesen, selbst nicht unter Metternich, wo z. B. die „Grenzboten" und andere Blätter wohl bei Strafe der Konfiskation, aber doch nicht bei kriegsrechtlicher Behandlung verboten waren.
Wien, 2l. December. Die Beamten der früheren Bücher-Censur, denen ein Begünstigungsjahr zugestanden war, sind in dem Preßbureau der Stadthauptmannschaft als Commissäre wieder angestellt worden. 21 zu Arad gefällte Kriegsrechtsurtheile verhängen über 5 ehemalige k. k. Offiziere die Todesstrafe, die jedoch in 16 jährige Festungsstrafe in Eisen gemildert wurde, und über 16 andere 6 bis 12jährigen Festungsarrest.
Wie die „D. Z. a. B." wissen will, langte von §.- M. Radetzky an das hiesige Kriegsministerium ein Bericht ein, in welchem er wiederholt um Ergänzung und Verstärkung der Fuhrwesensmannschaft bittet, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Denn (wie er sich darin ausgedrückt haben soll), bei der weitgreifenden Organisation der piemontesischen Propaganda und den unausgesetzten Anstrengungen derselben könne es leicht geschehen, daß im Frühjahre die öftere. Armee ins Feld rücken müsse.
— Ein Theil des ehemal. Regierungs-Gebäudes am BaUplatze ist auf Anordnung des Ministeriums für die abzuhaltenden Schwurgerichte gänzlich umgestaltet und so eingerichtet, daß die Verhandlungen jede Stunde beginnen könnten. Der Sitzungssaal ist von ungewöhnlicher Größe. Zwei sehr elegante Treppen bilden von verschiedenen Seiten den Ausgang. Die Räume für das Publikum find bühnenartig erhöht und mit Sitzen versehen. Die Beleuchtung geschieht durch Gasflammen. Die ganze Decorirung ist äußerst elegant, ja prachtvoll, dabei aber dem vollen Ernste, der sich an einen Gerichtssaal knüpft, vollkommen anpassend.
— Die Telegraphenleitungen aus dem Centralbu- rcau in die k. k. Hofburg und in sechs Mimsterial- Gebäuden sind vollendet, und die Correspondenz bereits in Wirksamkeit. Jede, im Centralbureau einlangende telegr. Nachricht wird ohne Aufenthalt sogleich in die betreffenden Ministerien telegraphirt.
München, 23. Dec. Das neueste Gesetzblatt enthält die ersehnte umfassende Amnestie. In: dießrheinischen Bayern werden wohl nur äußerst wenige Verhaftete in den Untersuchungsgefängnissen zurückbleiben. Der Art. 10 bestimmt: „ Gegenwärtiges Gesetz tritt mit dem Tage seiner Einrückung in das Amtsblatt der Pfalz in Wirksamkeit." (A.Z.)
Augsburg, 24. Dezember. Gestern Nachmittag wurden, wie wir hören, die drei in der hiesigen Frohn- veste verhaftet gewesenen Mitglieder der Nationalversammlung (die HH. Meyer, Blumenröder und Haggenmüller) auf freien Fuß gesetzt. (A. Z.)
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das Ende der Welt versetzt halten. Das Haus glich der berühmten venta Don Quixottc's, und auch die Magd war der asturischen nicht unähnlich mit ihrem rothen Haar, ihren messingenen Ringen an den Finger und ihrem stcifgesiärkten Rocke. Elise und die Frau von Montsallier setzten sich ruhig in der Küche, während die Kammermädchen auf der Schwelle stehen blieben, zögerten, ob sie in diese Räucherkammer einträten und einander entsetzt ansahen.
„Der Ort sieht ganz aus, wie eine Diebshöhle," bemerkte heiter Die Frau von Montsallier, „aber ich fürchte mich nicht, lieber James, da Du jetzt bei uns bist. Fielen uns Die Räuber an, so würden sie gewiß mit Verlust zurückgctrieben."
Elise wechselte die Farbe und strich mit der Hand über Die Angen, als wolle sie einen peinlichen Gedanken verscheuchen.
„Nickt Jedermann ist so muthig wie Du, Schwester," sagte James leise; „Du siehst, wie blaß die Cousine ist."
Die Frau von Montsallier stand auf, um einige Anordnungen treffen zu lassen; Elise und James blieben allein. Es war bereits völlig Nacht; das flackernde Lickt einer irdenen Lampe beleuchtete kaum das ziemlich große Local, das zu gleicher Zeit als Küche und als Speiscsa.il Diente; von Zeit zu Zeit aber erhellte das Reißig, das in dem Kamine brannte, mit greller Flamme die geschwärzten Wände, an denen grobe Bilder und
Gravenstein, 18. Dec. Die Besatzung von Pilsen ist nach und nach vermehrt und jetzt auf eine Stärke von 15 bis 16,000 Mann gebracht — Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Das Landvolk ist dadurch sehr beschwert, der Bauer hat 13 bis 15 Mann.
Hadersleden, 20. Dec. Das Gerücht von Zu- sammenziehung einer großen Truppenmacht bei Kolbing scheint nicht gegründet zu sein. General de Meza ist wohl in Kolding gewesen oder mag vielleicht noch dort sein, aber die Besatzung ist unbedeutend.
Flensburg, 19. Dezember. Das neueste übelberüchtigte Straßen-Plakat des Herrn Schrader, betreffend das Verbot des Tragens schleswig-holsteinischer Uniformen, Kokarden rc., in dem es schließlich heißt, daß das Militär alle diejenigen arretiren würde, welche dawider handeln sollten, scheint einen sehr Übeln Eindruck auf das hiesige Militär gemacht zu haben. Von zuverlässigen Personen wird versichert, daß sowohl der General Malmborg, als auch der Stadt-Commandant, Graf Essen, sich entschieden mißbilligend hierüber ausgesprochen haben, namentlich auch deshalb, weil Schrader ohne alle Anzeige bei Den Militär-Behörden diese Anordnung eigenmächtig erlassen und bekannt gemacht habe. Die wachthabenden Offiziere sollen bisher auch noch ohne Instruktionen in Beziehung auf dieses Plakat sein, und mehrere haben erklärt, daß dies eine Sache sei, die sie nichts anginge und warum sie sich auch nicht bekümmern würden. ES scheint überhaupt, unter den hiesigen neutralen Truppen die Ansicht immer mehr Raum zu gewinnen, daß die Landes-Verwaltung und ihre Kreaturen cs darauf angelegt haben, sie in Konflikt mit der Bevölkerung und in feindselige Stellung der Landessache gegenüber zu bringen. (N. f. P.)
Kiel, 23. Dezember. Die Landes-Versammlung hat sich auf den Antrag des Finanz-Ausschusses bis zum 3. Januar vertagt, nachdem zwei Tage lang in geheimer Sitzung das Kriegs-Budget berathen worden ist. General Bonin und General Graf Baudissiu sind nach dem Süden gereist, und es ist eine lebhafte Bewegung. Man zweifelt nicht an einer friedlichen Beilegung des Streites über die Militär-Straf-Prozeß- Ordnung, wenn es auch noch eine stürmische Sitzung geben mag; der Eindruck dieser Debatte ist um so unangenehmer gewesen, als man weiß, daß jetzt in Berlin eine sehr günstige Stimmung für die Herzogthü- mer herrscht. Die einzige Möglichkeit ungünstiger Stellung könnte von Frankfurt kommen; doch heißt es, daß die jetzigen Mitglieder der Statthalterschaft von der Bundes-Central-Commission bestätigt werden dürften. (H. C.)
Berlin, 23. Dezember. Heute wird der General V. Dilfurth, früher Commandant von Berlin, an die Stelle des Grafen Luckner zum Großmeister des Treu- bundcs feierlich installirt. — Der seit drei Tagen andauernde Schwurgerichtöprozeß wegen des Aufruhrs in Bernau am 13. Nov. V. J. ist am gestrigen Abend gegen 8 Uhr durch das Erkenntniß des Gerichthofes beschlossen worden. Es sind 5 der Angeklagten des Aufruhrs für nicht schuldig erklärt, dagegen die übrigen 9 Angeklagten des Aufruhrs für schuldig, und mit mehr oder minder harten Strafen belegt worden. Als Erreger des Aufruhrs ist der Maurermeister Pieper angesehen, und zu zwei Jahre Festung verurtheilt worden , während die übrigen Angeklagten theils mit 1 Vr jähriger, theils mit 6monatlicher Gefängnißstrafe bestraft wurden.
Aus den sächsischen Herzogthumern, 23. Dezbr. Von der Regierung des Herzogthums Coburg-Gotha ist jetzt ein bedeutender Schritt zur Vereinigung dieser beiden Landestheile dadurch geschehen, daß nunmehr dieselben ein gemeinschaftliches Ministerium erhalten. Dieses selbst besteht nur aus dem kürzlich von Dresden berufenen Herrn von Seebach und einer Anzahl ihm beigegebener Referendüre. — Das neue Meininger
lange blanke Gewehre hingen, und eine Art Nische, in welcher sich eine Figur Der heiligen Jungfrau von bunt- angeftricbenem GypS unter geweihten Zweigen und Guirlanden von Goldpapier befand. Fräulein von Saurens saß vor dem mit Eisenstangen vergitterten Fenster; ihre Aufmerksamkeit war zwischen Dem Gespräche, das James im Gange zu erhalten suchte, und der Erzählung eines alten Bettlers getheilt, die dieser draußen unter dem Fenster dem Bedienten mittheilte. Es war eine schreckliche Räubergeschichte, welche hier an Ort und Stelle vorgefommen sein sollte; Elise fing plötzlich an zu weinen.
„Mein Gott!" rief James erschrocken, indem er ihre Hand erfaßte, „was ist Ihnen?" Sie leiden seit diesem Morgen .. •"
— „Es ist nichts, mein guter James," antwortete sie, indem sie sich zu erholen suchte, „ich weiß es nicht, aber ich fühle eine unbestimmte Furcht, eine Ahnung ... I"
„Es ist die Erinnerung an den Räuberanfall..."
„Ja, diese Erinnerung wird es sein," sagte sie, inten sie mit beiden Händen ihre Stirn drückte; „mein Gott, welche Thorheit!"
(Fortsetzung folgt.)