versprochen. Alle haben ihnen geschmeichelt, alle haben sie betrogen, bis sie endlich bahin gekommen sind, an die Gesellschaft nicht mehr zu glauben, und die Verzweiflung als letzte Ausflucht zu Rathe zu ziehen. Möge die Verantwortlichkeit darüber auf die Urheber zurückfallen. Was uns anlangt, wir weisen sie energisch zurück. Wir wollen nur ansmerksam auf die Worte Laaranges machen, nicht des Revolutionärs, sondern des Marquis, der sein Amendement mit folgenden Worten zurückzog: „Tief betrübt über die Situation, in welcher wir uns befinden, und ohne mir eine Illusion über die Zukunft zu machen, von welcher ich ahne, daß sic uns die Täuschungen von 1814 und 1830 wiederbringt, ohne irgend eine weitere Untersuchung zu setzen, die mir vorurtheilsvoll erscheint, ziehe ich mein Amendement zurück". Nach diesen traurigen und feierlichen Worten, welche einem Manne entschlüpften, von dem man gewiß nicht behaupten wird, daß er unser Komplice ist, haben wir nichts mehr zu sagen. Ist es noch nöthig zu erwähnen, daß die neuen Anstrengungen, welche heute versucht wurden, um die Steuer weniger gehässig zu machen, sämmtlich gescheitert sind? Keines hat Gnade gefunden. Alle wurden wie unschuldige Opfer auf diesem Altar des Fiskus, an welchem "Montalembert den lauteren Weihrauch seiner Seele aufsteigen ließ, umgcbracht. Vor einem Jahre, am 20. Dezember stieg Louis Napoleon Bonaparte auf die Tribüne, um seinen Eid auf die Republik zu leisten. Womit wird nun dieser Tag gefeiert? mit der Wiedereinführung per Steuer auf die Getränke. Das Ministerium und die Majorität haben es so gewollt. —
Wir bemerken noch, daß in der heutigen Nummer der Presse unter der lleberschrift „Worte" u. „Handlungen" zuerst der Schwur und die verschiedenen Botschaften des Präsidenten, die bekanntlich zahllose Ver- sprcchüngen enthalten, welche nicht gehalten wurden, de nächst das ganze Sündenregister vom 28. Dezem-
<848 bis 20. Dezember L I. übersichtlich neben einander gestellt werden, um schlagend die Beweise zu liefern, daß unter der Präsidentschaft Bonaparte's auch nicht das Mindeste im Geiste der Konstitution geschehen, vielmehr sämmtliche Bolksrechtc systematisch mit Füßeu getreten, und dieses herrliche Jahr vom 20. Dezember 1848 bis 20. Dezember 1849 seine Rechnung mit 1675 Millionen schon vvtirter Kredite, und ein Defizit von 290 Millionen schließe.
Paris, 20. Dez. (Mz. Z.) Gestern sprach man von dem Rücktritt des Ministers Hautpoul; das Gerücht hat sich jedoch als falsch gezeigt, da Hautpoul auf der Ministerbank sich befand.
Die Rattenverfolgung in den 150 Stunden langen Gossen und Cloaken von Paris liefert ein überraschendes Ergebniß. 250,000 dieser Thiere sind schon getödtet worden; man hofft ihre Zahl auf 600,000 zu bringen. Engländer haben, die Felle gekauft.
Paris, 21. Dez. (K. Z.) General Baraguay d'Hil- liers ist nach Rom zurückgekehrt.
Man behauptet, die Regierung werde eine Zulage von sechs Millionen für den Präsidenten der Republik zur Bestreitung der mit seiner Stellung verbundenen großen Ausgaben fordern.
Die heutigen Verhandlungen der National-Versammlung waren ohne wesentliches Interesse für das Ausland.
Paris, 20. Dez. Die Nationalversammlung schritt im Beginn ihrer heutigen Sitzung, nachdem sie noch einige Verbesserungsauträge der Linken zu dem Gesetzentwurf über die Getränkesteuer zurückgewiesen, zur Abstimmung des Artikels 1, welcher die Aufhebung des Dekrets der Constituante für Abschaffung der Ge- tränkestener verfügt. Es wurde dieser Artikel mit einer Majorität von 379 Stimmen gegen 230 angenommen. Ebenso wurden die noch übrigen Artikel genehmigt und zuletzt das Ganze des Gesetzentwurfs mit einer Majorität von 418 Stimmen gegen 245 angenommen.
Italien.
Turin. Die Wahlen sind in dem Maße reaktionär ausgefallen, daß man jetzt mit Recht von Seiten der Ruhemäuner um jeden Preis fürchtet, die Majorität würde das Ministerium in derselben gefährlichen Weise zurückdrängen, als die durch Verrath und Willkür beseitigte frühere Majorität dasselbe vorwärts schob. Les extremes se louchent.
Rom. Der „Osservutore romano" gibt vor, auS guter Quelle zu wissen, daß die Regierung mit Frankreich eine beträchtliche Anleihe abgeschlossen habe, die allen Finanzbedürffnissen zu entsprechen geeignet sei.— Drei Kompagnien vom 2. franz. Regimente find nach Umbrien abgcgangen. —
Turin, 15. Dezbr. Die Eröffnung der Kammer der Deputaten wird am 20. d. erfolgen. Sofort nach Eröffnung derselben werden die Arbeiten ohne Unterbrechung beginnen. Um den durch das Gerücht einer neuen Vertagung der Kammern bei Gelegenheit der Weihnnchten etwa gefaßten Beschlüssen der Deputirten, sich noch nicht auf ihren Posten zu begegnen, zuvorzukommen, ist von der Regierung ausdrücklich erklärt worden, daß man an eine solche Vertagung gar nicht dächte. — Der „Nazionale" von Turin berichtet von Verhaftungen, die zu Nizza vorgenommen seien auS Furcht vor einer politischen Erhebung in Piemont. — Die toskanische Regierung hat unter dem Vorwande von Ersparnissen die drei im Grdßherzogthum bestehenden Infanterie-Regimenter aufgelöst, der wahre Grund zu dieser Maaßregel ist aber ein politischer. Die Militärmacht des Landes ist demnach auf ein einziges Regiment Infanterie und die leichte Kavallerie beschränkt. Es wird für eine Zeitlang aber ein östreichisches Militärkorps in Toskana verweilen. Also gibt der Großherzog die Bewachung seiner Staaten ausschließlich fremden Truppen anheim! —
In Venedig hat ein Mann, der unter der provisorischen Regierung im Arsenal Arbeiter-Aufseher war und sich seit 14 Tagen vergebens um einen Dienst bewarb, einen schrecklichen Mord begangen. Als er nämlich am 15. dieses M. vom Intendanten abermals eine abschlägige Antwort erhielt, stürzte er auf den anwesenden Marine-Oberlietenant Griesucr los und stieß ihm ein Messer in die Best. Der Gemordete verschied gleich darauf. Der Thäter, der Miene machte, sich in den Arbeitssaal zu stürzen, siel von zwei Kugeln der Wache durchbohrt, indem er ausrief: „Cosi muore un requblicano!“ (so stirbt ein Republikaner!). — Er hatte eine dreifarbige Schärpe um den Leib geschlungen. — Der erwähnte Mord hat nicht nur in Venedig, sondern auch in Trieft große Sensation gemacht. (Oftd. P.)
Galizien.
In Galizien, schreibt die „N. O. Z.","ergeht sich die Soldateska, die gemeinen Soldaten und Offiziere, in Uebel griffen und Gewatthätigkeiten. Zu näherer : Veranschaulichung folgende verbürgte Thatsachen aus I dem Leben der ehrenreichen Schüler Weidens und Win- ! dischgrätzens. In der Stadt Zolkiew sieht sich der Traiteur Ewikiel genöthigt, zu erklären, daß er seinen Tischgästen zu kreditiren fernerhin außer Stande. — Oesterreichische Offiziere, welche dein Manne für Tisch gegen 80t) Gulden rheinisch schuldeten, verlangten von Ewikiel Widerruf der Erklärung und fernerweitige Speisung auf Credit. Der Wirth, aller Zahlungssicherheit entbehrend und die Vergeßlichkeit der Herren in solchen Punkten wohl kennend weigerte sich, sein Wort zurückzunehmen, wie auch die Offiziere auf Borg zu beköstigen, und wird von den erbitterten Bänkelhel- den — erschlagen. Die That ist bis jetzt unbestraft und dürste es auch fernerhin bleiben, denn das Ministerium ist harthörig und blind, um es mit den Präto- Habern nicht zu verderben, welche je nach Laune Gesetze und Regierungsbestimmungen gelten lassen oder mit Füßen treten.
M u ß l a n d.
Riga, 15. Dezbr. Der Kapellmeister Conradin Kreuzer ist gestern Abend um 11 Uhr in einem Alter von 67 Jahren hier gestorben, nachdem vorgestern i Nachts 12 Uhr ein plötzlich eingctretener Schlagfluß I ihm Sprache und Besinnung ohne Wiederkehr geraubt ' hatte. — Bereits über drei Monate sind alle hiesigen ; Buchhandlungen auf höheren Befehl versiegelt; es hatten sich bei einer Unterffuchung verbotene Schriften I vorgefunden, welches die Ursache dieser Maßregel gewesen ist. Ueberhaupt sagt man, daß alle Buch- I Handlungen in ganz Rußland ei n g eheu sollen, wogegen eine Centralbnchhanolnng in St. Petersburg errichtet werde, welcher die Krone vorftehe. (Nrdd.Z.) I _________________________________________________________________________________'____________________________________________________________________________________ ______________________________
Entgegnung auf den Artikel der Freien Zeitung von „§. Herborn im Dezember".
Wenn der Verfasser des angezogenen Artikels für die Wahrheit cmgestanden ist, so wird er kein Bedenken tragen, seinen Namen zu nennen. Bevor dies aber gesehen, muß ich jene Hufe n ß i m m e — so weit sie meine Person berührt — als eine giftige bezeichnen, und nur bedauern, daß sich ein solcher Gast *) in diese Blätter cinschmuggcln konnte.
Bad-Ems, den 21. Dezember 1849.
Carl Becke r, entlassener Lehrer von Herborn.
*) Der Einsender des fraglichen Artikels ist uns persönlich als ein sehr ehreuweriher Charakter bekannt, welchem wir schon häufig die Spalten dieses Blattes zu verschiedenen Erörterungen öffneten. Die Redaktion.
Amtliche Nachrichten.
Der mit der Vorsehung der Schule zu Zimmerschied bisher beauftragt gewesene Lehrvikar Reichard ist zum Lehrer daselbst ernannt worden.
Heinrich Fischer von Montabaur und Jak. Kaiser von Lausenselten sind nach bestandener Prüfung in die Zahl der geprüften Kandidaten des Straßen-, Brücken- und Wasserbaues ausgenommen worden.
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
GekannSmachNngeez.
2)
3)
Bekanntmachung.
(1323) Dienstag den 15. Januar k. I., Morgens li Uhr, läßt Maria Wilhelm Settegast von Biebrich folgende Immobilien, alS: ~
ein zweistöckiges Wohnhaus in der Rheinstraße neben Reinhard Stritter, ohne Hintergebäude mit 8 Ruthen 6% Schuh Flächenraum ,
ein zweistöckiges Wohnhaus daselbst zwischen dem vorigen und Friedrich Molitor mit 21 Ruthen 7% Schuh Flächenraum,
ein zweistöckiges Wohnhaus in der Obergasse, nebst Pferdestall, zwischen Peter Horuseck und dem nachbeschriebenen Wohnhause mit 27 Ruthen 10% Schuh Flächenraum,
ein zweistöckiges Wohnhaus daselbst zwischen dem vorigen und Leopold Liebmann mit 9
Ruthen Schuh Flächenraum und
ein Garten vor den sub I und 2 beschriebenen Wohnhäusern zwischen dem Rhein und der Straße, 60 Ruthen 14 Schuh Flächenraum enthaltend, auf dem Gemeindehaus zu Mosbach freiwillig versteigern. ,
Es wird hierbei bemerkt, daß die vorbeschriebenen Immobilien ein Ganzes bilden und sich sowohl zu einem größeren Herrschaftssitze, als auch zum Betriebe einer größeren Wirthschaft eignen.
Wiesbaden, den 11. Dezember 1849. ,
H"j0gl.,Naff. Landoberschullheiserei.
Westerburg.
4)
NheLngauer Volks -Gote.
(1329) Mit dem 1. Januar f. I beginnt ein neues Quartal auf den „Rheingauer Volksboten" und seine wöchentliche Begleiterin, die „Volksbötin." , ,
^e bisher, so wüd auch der „Volksbote" für die Zukunft auf dem betretenen Wege fortfahren der Sache des Volkes zu dienen. Auf humoristische Weise wird er in seiner „politischen Rundschau" die Ereignisse im Gebiete der Politik beleuchten, offen und freimüthig; er wird Lärm schlagen wenn die Edelhirsche, die jetzt so massenweise im Dickicht lauern auf die nur spärlich himenW Märzsaat zerstampfend hereinbrechen, und mit dem Lichte der Preßfreiheit die alten Uh li's auS dem verwitterten Gebäu der Finsternissen heraus scheuchen. — In seinem „Reuig- keitâpl anderer" wird er stets die Arbeit des Lesens mit der Lust des Lesens abwechseln lassen; dagegen in Leitartikeln mit Ernst und Tiefe die Fragen und Ereignisse auf cem Gebiete der Kolitis, der Kirche und Schule zu beleuchten versuchen.
Die WlkSböttn" mhb, wie bisher, wöchentlich einmal (Sonntags) den Bolksboten begleiten und sich a"iÄ für das kommende Quartal die ihr geschenkte Liebe zu erhallen wissen. Die gestügel- ten Genien des Scherzes uub der Laune, des Humors und der Satyre werden den freundlichen Lesern und Leserinnen manchen Winteralsend verkürzen.
Der „Rheingauer Volksbote" erschSrnt-wöchentlich zweimal, Mittwochs und Se'nntags, bei dem bisherigen Äbonnementspreise, 36 kr. das Quartal, einschließlich der Volksbötin. Inserate, wozu sich das Blatt bei seiner ausgedehnten Verbreitung, die noch täglich zunimiiit, besonders eignet, werden 3 kr. die sspaltige Garmondzeile oder deren Raum berechnet.
Man abonnirt bei allen Postämtern und der Redaktion.
Winkel, den 21. Dezember 1849. Vrcdnktron.
0328) Für die
Coblenzer Zeitung,
verbunden mit Hein
Coblenzer Anzeiger
beginnt mit dem 1. Januar 1850 ein neues Quartal-Abonnement, zi, welchem ergebend eingeladen wird. Die Cobkenzee Zeitung ist eine Anhängerin des monarchisch -constitutionellen Princips, mit freien demokratischen Institutionen und einer möglichst einheitlichen politischen Gestaltung Deutschlands. Sie erscheint täglich, mit Ausnahme an Sonn- und Feiertagen und kostet auswärts auf allen Postämtern 22% Sgr. — gewiß ein äußerst billiger Preis für eine täglich erscheinende politische Zeitung in großem Format.
Insertionen, welche mit 1 Sgr. die Zeile berechnet werden, gelangen durch die starke Auflage zur großeu Verbreitung.
(1317) Durch die H. W. Rittcr'sche Buchhandlung ist zu beziehen:
@w Mort des Rechts
für alle
N eèchsv erfass! isngs Kamp fer, an die deutsche» G e sch w o r n e u
von
Ludwig S i m 0 n von Trier.
„Mag die RcichSgcwalt zerfallen, das Vaterland mehr als je „zerrißen sein, dennoch ist es eine gemeinsame deutsche Sache, „daß nicht auch die Rcchtsbcgriffe untergeben."
Lud w i g Ilhlaud.
Broch. Preis 30 kr.
(1330) Donnerstag den 27. d. Mts., Abends 3 Uhr, werden Freunde des kirchlichen Fortschrittes auS Biebrich und Mosbach im Saale des Herrn Freinsheim sich zu einer Besprechung vereinigen, wozu auch Mitglieder freier chriülicher Genieinden der Nachbarschaft, deren Rath man wünscht, hiermit freundlichst kingeladeii seien.
(1331) Ein eleganter, 4 Jahre gebrauchter, gut gehaltener Flügel ist billig zu verkaufen. Näheres in der Eroedition d. Bl.
(1301) Feste und gut getrocknete Lohknchen franco in's Haus geliefert per Tausend 6 ff. bei August Herz im Ncrothal.
NB- Bestellungen können in der Expedition dieses Blattes geinacht werden.
Druck und Verlag bet C. Ritte r' scheu Buchvruckeret.