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darauf aufmerksam gemacht, daß der Juftizminsfler er­mächtigt sei, Dispensation zu einer nicht standesmäßigen Heirat- eines Adligen zu ertheilen. Das nennt man in Preußen Gleichheit vor dem Gesetz. .

In der gestrigen Sitzung des Gesainmtausjchus- scs der demokratischen Partei wurde die Wahlsrage von neuem erörtert und nach langer Debatte darüber, ob der Ansschuß Namens der Partei eine Erklärung, daß man nicht wählen solle, abgeben solle, der Beschluß gefaßt: eine solche Erklärung zu erlassen.

Berlin, 21. Dezember. General Gerlach ist von seiner Mission nach Dresden zurückgekehrt und hat dre Versicherung (?) mitgebracht, Sachsen werde sich im Falle es wrangeln werde, keine österreichischen Truppen, sondern die Hülfe des neuen Bundestages nachsnchen. Der ehemalige Kultusminister und Abgeordnete Rod- bertuö war hier und hat sich mit seinen Parteigenossen dahin geeinigt, nicht nach Erfurt zu wählen.

Berlin, 21. Dezember. DieMagdeburger Zei­tung" bringt folgende Mittheilungen ihres Berliner Conespondenten: Der Verlauf und der Ausgang des Waldeck'schen Prozesses haben in den höher» und höch­sten Kreisen der Gesellschaft einen Eindruck hervorge- dracht, der sich nur durch die von uns früher gesiyil- derten Wirkungen der Parteisucht begreifen läßt. Da man hier von vorn herein von Waldeck's Schuld aufs Festeste überzeugt war, so vermochte auch die Wen­dung, welche der Prozeß immer entschiedener zu besten Gunsten nahm, keine Aenderung hervorzubringen, und wenn mit jeder Zeugenaussage Waldeck's Unschuld im­mer klarer an den Tag kam, so dienten diese Aufklä­rungen nur dazu, den Verdacht gegen die Unparteilich­keit des Gerichtspräsidenten bis zur Ueberzeugung von dessen roth-republikanischer Gesinnung zn steigern. Der alte ehrliche Tabdel, der im Cultus des Allgemeinen preußischen Landrechts und der Criminalordnung er­graute Jurist, mußte parteiisch sein, mußte ein politi­scher Gesinnungsgenosse Waldecks sein, wenn die Par­tei , welche in Walreck's Vernrtheiluug die Verurthei- sung der Demokratie verfolgte, nicht alle ihre Voraus­setzungen aufgeben sollte. Wurde doch selbst Ohm hin­terher als Mitschuldiger und Helfershelfer der Demo­kratie verdächtigt. Daß eine solche Auffassung eine ungeheure Reizbarkeit Hervorrufen mußte und daß die Theilnahme, welche Waldeck's Schicksal selbst in nicht- kemokratischen Kreisen erregte, nur als böswillige De­monstration gegen die Regierung erscheinen konnte, läßt sich daher leicht denken. Diese Reizbarkeit ging so weit, daß, wie uns aus guter Quelle versichert wird, man selbst einen Augenblick daran dachte, den Ver­kauf der stenographischen Berichte zu inhi- biren. Wir nehmen daher auch keinen Anstand, eine uns aus derselben Quelle zugekommene, durch die Nach­richt von Waldeck's Freisprechung hervorgcrufene Aeuße­rung, welche dieselbe als dre größte Schmach für die preußischen Gerichte bezeichnete, zu wie­derholen , eine Aeußerung, welche, beiläufig be­merkt, auch Waldeck zu Ohren kam, und diesen, der in der That kein anderes Ziel hat, als die demokra­tische Monarchie, auf's Heftigste erschütterte. Auch wird uns noch anderweitig, ebenfalls anS durchaus glaubwürdiger Quelle, ein sehr bezeichnender Zug be­richtet. Der bekannte Hofrath Fr. Förster, der sich vor jeder herrschenden Macht prosternirt, hatte hier im Verlage von G. Hempel die Herausgabe einer Geschichte Friedrich Wilhelm 11. unternommen, in wel­cher vorzugsweise die reiche chronique scandaleuse dieser Zeit berücksichtigt worden war. Daß eine solche Arbeit dem Hofdemagogen am Hofe, wo er Zutritt hat, nicht zur Empfehlung gereichen konnte, versteht sich wohl von selbst. Indeß würde man über diese neue Taktlosigkeit eines Mannes, an dessen Taktlosig­keit man längst gewöhnt war, leicht hinweggegangen sein, wenn sich nicht hinterher hcrausgefteUt hätte, daß der Verleger jener chronique scandaleuse zugleich der Verleger der stenographischen Berichte des Wal-

decksschen Prozesses sei. Ein solches Zusammentreffen konnte keinen Zweifel mehr über die Absichtlichkeit der Böswilligkeit des Hokdemagogen übrig lassen. Offen­bar war er im höchsten Grade verdächtig, Mitschul­diger und Helfershelfer der demokratischen Partei zu sein, und wenn er diesen Verdacht nicht bis zur völli­gen Evidenz erheben wollte, so blieb ihm nichts An­deres übrig, als den mit dem Buchhändler G. Hem­pel abgeschlossenen Contract rückgängig zu machen, was in diesen Tagen geschehen ist. Was wäre aber woZ un­wahrscheinlich unter der Herrschaft eines Systems, dessen Agenten den in einem Briefe Waldecks erwähnten, be­kannten und längst verstorbenen französischen Schrift­steller Paul Louis Courier steckbrieflich verfolgen lassen wollten? Um das Treiben der Parteien zu be­greifen, ist es vor Allem erforderlich, die Theorie des Wahns zu studiren, und Die Mutter des Wahns ist die Unwissenheit.,

Darmstadt, 22. Dec. Heute Nachmittag ist auch der zum Abgeordneten gewählte Dr. Heldmann aus Selters dahier verhaftet und in das Arresthaus abgeführt worden.

Stuttgart, 22. Dezember. Diesen Abend ist die längst erwartete Auflösung der verfassungbe- ra tyen den Versammlung endlich erfolgt, dabei auch die im Gesetz vom 1. Juli vorgesehene Berufung einer neuen Versammlung auf Grund desselben Wahl­gesetzes längstens innerhalb 3 Monaten zugesichert und der Versammlung die Wahl eines Ausschuges, bestehend aus dem Präsidenten und 11 Mitgliedern , als letztes Geschäft noch gestattet worden; sie wurde vorgeuom- men, nachdem die Minister sich aus dem Saale ent­fernt hatten. Der Minister Schlayer verlas folgen­des Auflösungsvekret, wie es schien, mit einiger Be­klemmung; er war von allen seinen College» begleitet:

Wilhelm, König von Würlemberg. Wir fin­den uns bewogen, nach Anhörung Unseres Gesammt- ministeriums in Gemäßheit der Verfassüngsurkunde §§. 186 und 192 zu verordnen wie folgt: 1) Die gegenwärtige außerordentliche Landesversammlung ist aufgelöst. 2) Von dem Augenblick der Verkündigung dieser Verordnung an hört Die Wirksamkeit der Lan- desversammlung auf, Die Wahl des zurückzulassenden, neben dem Prafidenteu aus 11 Mitgliedern bestehenden Ausschusses ausgenommen, zu deren Vornahme dersel­ben noch eine Sitzung gestattet ist. 3) Es wird eine neue Wahl nach den Vorschriften des Gesetzes vom 1. Juli D. J. ungeordnet und hierüber durch Unser Ministerium des Innern die erforderliche Bekanntma­chung erlassen werden. Gegeben Stuttgart, den 22. Dezember 1849. Wilhelm. Hervegen. Schlayer. Wächter-Spittler. Baur. Hänlein. Alls Befehl des Königs der Cabinetsdirektor Maucler." (Fr. I.)

Großbritannien.

London, 18 Dezember. In derConstantinople Gazette" lesen wir aus Persien:Am 12. Oktober ließ der Schah seinen einzigen Sohn Mahmud Mirza, der jetzt 2 Jahr alt ist, als seinen Nachfolger prokla- miren. Sehr große Feste wurden bei der Gelegenheit gegeben, aber der britische Gesandte war das einzige Mitglied des diplomatischen Korps, das bei diesen kö­niglichen Festen zugegen war."

Gestern wurde hier unter dem Vorsitz des Alder­man Baronet Sir James Duke, (des Lord-Mayors vom vorigen Jahre) eln.osse»tiches Meeting zurDurch- führung städtischer Reform gehalten. Die Fakta, auf Grund deren die Verbesserung erstrebt wird, sind fol­gende. Die Bevölkerung der City von London betrug im Jahre 1725, von welcher Zeit die jetzigen Muni- zipal-Ge.etze stammen, 125,000 Seelen. Darunter 40,000 erwachsene Männer; und doch belief sich Die Zahl der Stimmberechtigten in städtischen und staatli­chen Angelegenheiten nur auf 6000. Deshalb wurde folgende ResUlution gefaßt:Die Corporation Der

City von Londön umfaßt tn Gemäßheit alter Rechte die ganze und volle Gemeinschaft aller derer, die eilt Jahr und einen Tag in der City gewohnt haben; und es ist Pflicht Aller sich bei den die City betreffenden Interessen zu betheiligen, und ihren Obliegenheiten nachzukommen. Da aber verschiedene Akte des Parla­ments diese Rechte und Pflichten benachtheiligen, so müssen schnelle Schritte zur Aufhebung jener Akte ge­than werden." Ein Antrag auf regelmäßige Versamm­lungen und stetige Repräsentation des Munizipal-Re- form-Verein wurde gestellt; bei der Wichtigkeit dessel­ben aber auf Die nächste Sitzung am 21. verschoben.

Gestern wurde in Der Mitte der City wieder eine Versammlung für Parlaments- und Finanz-Reform ge­halten, in welcher, wie gewöhnlich, das Parlaments­mitglied G. Thompson durch seine populäre, eindring­liche und doch durchaus sachliche Beredsamkeit die Zu­hörer Hinriß. Die Argumente sind Die bekannten. Der gefaßte Beschluß lautet:Während diese Versammlung die tiefe Ueberzeugung ausspricht, daß eine große Re­duktion Der öffentlichen Ausgaben, und eine gerechtere Vertheilung der Steuerlasten gebieterisch nothwendig und fast allgemein gefordert sind, so kann sie doch keine genügende Hoffnung haben, diese wichtigen Ver­änderungen dnrchgeführt zu sehen, bis nicht ein sol­ches Systein der Volksvertretung und Der Wahlbefug- niß erlangt ist, daß das Volk eine direkte Kontrolle über die zu zahlenden Stenern hat." Dann ward all­gemein DieNätional-Reform-Associafi empfohlen, der sich jeder freisinnige und nach Gleichberechtigung strebende Mann anschließen müsse.

Am 16. D. wurde das erste der Protektionisten^ Meetings in Cork gehalten, die in schneller Reihen­folge durch das ganze Land beabsichtigt werden, um Den schlummernden Geist der Protektion wo möglich zu wecken. Der Graf von Bandon präsivirte; eS war eine ausschließlich aus Grundbesitzern bestehende Versammlung. Alle befürworteten, wie natürlich, die Nothwendigkeit einer Wiedereinführung von Schutzzöl­len auf fremde Produkte, und schrieben mit absicht­lichem Vergessen des Zustands Irlands vor dem letz­ten Jahre - einstimmig alles Unglück des Landes der unseligen Einführung Der Freihandels-Prinzipien zu. Es giebt allerdings ein großes Uebel wenigstens, wel­ches , wie sie zugeben müssen, eine andere Quelle als das Freihandels-System haben muß, nämlich die Kar­toffel-Krankheit; aber dies ist bei den irischen Protek­tionisten nur sekundärer Natur.

Nepublik Frankreich.

PariS, 21. Dezember. (Westd. Ztg.) Die Presse ergeht sich in Der Hauptsache in folgender Weise über das Votum gegen Abschaffung der Getränkesteuer: Die Steuer ist also wieder eingeführt. So wurde es mit einer Majorität von 418 gegen 245 Stimmen beschlds- fen. Dieses Votum wird denkwürdig in der Geschichte der Präsidentschaft Louis Bonaparte's sein.Wenn wir unsere Hoffnungen auf die Revolution der Zukunft gesetzt hätten, so könnten wir uns heimlich über dieses Votum freuen. Aber ergeben, wie wir dem friedlichen Fortschritte, der Freiheit und der Ordnung sind, be­klagen wir es offen." Dieses Geständmß ist äußerst wichtig und beweist eben, daß der Sozialismus keine geringen Fortschritte gemacht hat, beweist, wie jäm­merlich es jetzt mit der Popularität des in seine ara­bische Nachtmütze verliebten Prinzen aussieht. Doch kommen wir auf den erwähnten Artikel zurück. Darin heißt es weiter: Solche Beschlüsse fallen nicht in die parlamentarische Urne, ohne ein Echo des Hasses in dem Herzen des Volkes zu erwecken. Woran will man denn nun, daß Die Massen glauben sollen, Diese furcht­baren und souveränen Massen, welche Die Republik mit dem allgemeinen Wahlrecht bewaffnete, und deren Erkenntlichkeit man verachtet, um chreu Haß zu er­weckend Woran sollen sie nun glauben? Alle Ne­gierungen haben ihnen Die Verbesserung ihrer Lage

and) entschlüpfte nicht selten Der Ausruf:oh das ist schön!"

Vierzehn Tage Darauf kam auch Der Herr von Saint Niger an; Elise empfing ihn mit dem gewöhn­lichen Wohlwollen, aber er bemerkte mit Schmerz. daß sie ihn mit der größten Gleichgiltigkeit hatte ankrmmen sehen; sie hatte gelächelt; sie war aufgestanden, indem sie ihm die Hand reichte, aber dabei ganz ruhig geblie­ben. Die Frau von Montsallier erzählte sogluch die Geschichte von den Räubern, die sie ihrem Bruder schon geschrieben hatte. James erbleichte dabei und sah Elisen an, welche die Stirne auf Die Hand stützte und wie im Traume an jenes Abenteuer zurückdachte. In der Wärme der Erzählung erinnerte sich die Frau von Mont­sallier eines Umstandes, den sie bis dahin noch nicht er­wähnt hatte.Die Räuber," sagte sie,waren doch nicht ganz rücksichtslos; während ich vor Schreck halb todt auf einem Steinhaufen saß, hatte Einer Elisen ganz artig auf ein Kissen des Wagens gesetzt.. /

Und der feige Daniel versuchte es nicht einmal, Sie zu vertheidigen !" rief James.Du sollst nicht wieder allein reifen, liebe Schwester, ich schwöre cs Dir zu. Ich führe gute Pistolen bei mir und wenn wir wieder Räuber begegnen, strecke ich wenigstens zwei todt nieder."

James," fiel Elise erschrocken ein,diese Men. schen führen ein schreckliches Handwerk, aber wer weiß denn, welche grause Noth sie dazu getrieben hat? Wer

weiß denn, ob es unter ihnen nicht einen Unglücklichen gibt, der Reue fühlt?"

Ja, etwa ein ehrlicher Spitzbube, der sich ein Ge­wissen daraus macht, das Geld u n D auch das Leben zu nehmen," fiel die Frau von Montsallier ein;das ist nicht unwahrscheinlich und den Beweis dafür haben wir an uns selbst, da wir uns wohlbehalten hier befinden. Sei nicht gar zu mitleidig mit diesen Bösewichtern ! Ich wünsche ihnen auch nicht den Tod, aber ganz in Der Ordnung würde ich cs finden, wenn sie einige Jahre ins Zuchthaus wandern müßten."

Das wäre für den, welcher noch etwas Gc- fühl für Ehre besitzt, schlimmer als Der Tod."

Du verachtest also diese Menschen nicht ganz und gar?"

Nein, ich gestehe eö,"

Das ist seltsam."

Ich verstehe Sie,« fiel James ein,denn es gibt Menschen, die auch ich mehr verachte als Straßen­ränder."

(Fortsetzung folgt.)

B. Theater zu Wiesbaden.

Den 24. Dezember.

Es ist anzuerkennen, wenn die Thcatercommisston ts sich angelegen sein läßt, statt Der vielen abgelagerten Stücke in Schauspiel und Oper, Die sich durch den alten Schlendrian erhielten, mehr neuere Sachen über unsere Bühne gehen zu lassen. Es bleibt nur zu wünschen, daß sie in ihrer Wahl etwas glücklicher wäre, als eS oft Der Fall ist. Sie muß sich mehr bemühen, Stücke zu geben, Die den Geist der Zeit treffen, selbst auf Die Gefahr hin, daß Herr M c y e r und Herr I a s k e w i tz etwas in Den Hintergrund g stellt werden. Die Com- m ssion sollte, wenn sie das Schauspiel heben und Ge­schmack dafür erwecken will, Die anerkannt tüchtigen Mitglieder des Schauspiels, Herrn Weilen deck, Fräu­lein Daun, Herrn Nerking, mehr vvrschi.ben Das Talent des Herrn Wei le n b eck ist anerkannt; gestern in der Deborah haben sich Fräulein Daun und Herr Nerking abermals als denkende Künstler bewiesen. Ihr Spiel war meisterhaft, was allgemein und wiederbolt versichert wurde. Das gestrige Auftreten Der Fräulein Boden zeugte von Fleiß und Gewandtheit. Die gestrige Darstellung ist überhaupt eine sehr gelungene zu nennen.