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Krett Zeitung.

____________________________________Freiheit and Recht!"

306. Wiesbaden. Dienstag, 23. December 1849.

Die ftrete Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Dogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr., auswärts tu-A die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bet der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem E^oige. Die Jnseratgebühren betragen für die vierspaltige Petitzetle oder deren Raum 3 Kreuzer.

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Gruladung zum Abytmement.

Mit dem Ende dieses Monqts beginnt ein neues Abonnement, auf welches wir die Aufmerksamkeit der Volkspartei, und insbesondere derjenigen in Nassau, lenken wollen. Jetzt, da der demokratischen Partei zur Abwehr der auf sie gerichteten Angriffe und zur Verfechtung ihrer Grundsätze fast nur noch das eine Mittel der Presse übrig geblieben, gebietet es geradezu die Pflicht Der Selbsterhaltung, daß dieWlkspartei die freie Presse, soviel es nur immer möglich ist, unterstützt, und zwar um so mehr, als auf der Seite der Gegner Alles aufgeboten wird, um die freisinnigen Blätter zu Grunde zu richten.

Wir können uns daher wol der Hoffnung hingeben, daß die Demokraten unseres Landes, deren Vermögensverhältnisse es zulassen, die Freie Zeitung nicht bloß lesen, sondern durch Abonnement auch thatkräftig unterstützen werden. Ganz besonders sollten die Demokraten, ehe sie sich zur Bestellung von halben farb- losen Neuigkeitsjournalen, oder gar von reaktionären Tagesblättern entschließen, erst auf die Anschaffung der demokratischen Zeitungen bedacht sein.

Die Verhandlungen der Landstände sowie des Schwurgerichts zu Wiesbaden werden so schnell wie möglich mitgetheilt werden. ^. ^ $ ^,

Der Preis der Freien Zeitung .bleibt der bisherige. Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1850 beginnende Quartal beliebe man hier in Wiesbaden in der H. W. Ritter scheu Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern, zu machen.

Mehrfachen Wünschen zu begegnen, geben wir den resp. Abonnenten, welche jetzt für das nächste Quartal eintreten, die Nummern dieses Monats vom Tage der Bestellung an unentgeltich. Die Expedition

Des heiligen Christfestes wegen erscheint morgen den 26. Deeember keine Zeitung.

Vergeßt nicht einer verlassenen Waise!

# Wiesbaden, 25. December.

Heute feiert ihr Christen eines eurer schönsten Feste, für welches zugleich die Sitte bei euch einge­bürgert wurde, die Lieben und Angehörigen mit klei­nen Gaben zu überraschen und zu erfreuen. Zürnet uns nicht, wenn wir, indem wir euch für diesen Tag an eine ernste Pflicht mahnen, einen Tropfen Wer­muth in euren Freudenbecher zu gießen scheinen; zür­net nicht: denn wir wollen damit die Freude nicht trüben, noch stören sondern nur heiligen und ver- kdlen.

Wir müssen euch aber für jenen Tag zurufen: Vergeßt nicht, vergeßt nicht einer verlassenen Waise, weihet eine Thräne eurem verlassenen, zertretenen, be­schimpften Vaterlande!

Vor beinahe zwei Jahren deuchte uns: das Va­terland sei wiederum zu stolzer Größe berufen; vor beinahe zwei Jahren waren wir fest davon überzeugt, daß die Stunde für die Jungfrau Germania gekom­men sei, in welcher sie wieder mit Ruhm und Ehren in die verödeten Hallen ihrer Väter werde eingeführt werden. Hoch ging damals das . Meer unserer Hoff­nungen und Frevel wurde es genannt, nicht an den Bestand der reichen Träume zu glauben.

Ein Jahr sank rasch, durch Leichtsinn verzet­telt, durch Blödsinn verloren unbenutzt und ohne Gewinn dahin. Als wir Weihnachten 1848 schrieben, da war die Gefahr schon übergroß gewachsen. Die Vertreter in Frankfurt statt die M a ch t au sich zu reißen, statt eine Verfassung von vornherein keck in das Chaos zu schleudern. boten dem deutschen Volke endlich nach langem^ langem Tagen ein Stück Papier, die Grundrechte, als WeihnachtSgabe. Das Volk aber schlief, wie gewöhnlich, und gab sich dem blinden Vertrauen hin, welches arglos das Schlan­gengezüchte am Busen hegt und wärmt, und warf Steine des Unwillens auf die welche unausgesetzt, und ohne Ruhe, ohne Rast, das Volk zur Wachsamkeit mahn­ten. Was die ehrlichen Freunde des Volks am Weih­nachtsabend des Jahres 1848 vorausgesagt hatten, er­füllte sich im Laufe des unheilvollen Jahres 1849.

Das Parlament, nachdem es von dem Absolutis­mus lange genug für seine Zwecke war ausgebeutet worden, wurde gesprengt; sein hinterlassenes Werk, die Reichsvcrfasslmg, verhöhnt verstoßen; die ehrlichen Gesellen, welche in der That und Wahrheit für Deutsch­lands Einheit und Freiheit einzustehen, bereit waren, beschimpft, in die Kerker geworfen, erschlagen! Und heute?

Heute nennt zwar das Volk die Narren, die ohne Unterlaß trauen, und von Vertrauen ihm vorschwatzen, allein heute ist auch das deutsche Vaterland elender, schmachbedeckter als je.

Hilflos und ohne Obdach irrt das edle Weib um­her. Man hat ihm jeglichan Schimpf angethan: man hat cs belogen, betrogen, man hat ihm kein Gelübde keinen noch so heiligen Schwur gehalten, und es am Ende ausgelacht; man hat den herrlichen Purpurman­tel von seinen Schultern gerissen und ihm wieder die alten Lappen hingeschleudert, welche kaum seine Blöße bedecken.

Man hat seine treuesten Söhne verfolgt, über die Gränze gleich Hunden gejagt, auf die arme Sünder­bank gleich elenden Missethätern geworfen; man hat

seine stolzesten Hoffnungen, Robert Blum und Adolf Trützschle.r erschlagen die wackersten Hel­den ins Gefängniß geschleudert, darin sie am Wolle- spulen langsam vermodern sollen.

Ueber das Land Baden ist ein großes Leichentuch gespannt, und das hochherzige Schleswig-Holstein ist, einsam und verlassen, seinen erbitterten Feinden als Opfer preisgegcbcn.

Vor zwei Jahren hatten wir wenigstens noch Hoff­nungen, Aussichten: jetzt gedenkt man selbst der Zu­kunft Germania's zu spotten; heute setzt man wieder einen Bundestag ein, der viel mehr der Freiheit und Einheit Gefahr bringen kann, als es je der alte, den Struve zur Zeit des Vorparlaments eine Leiche nannte, vermochte.

Doch nicht verzagt! Kommen wird der Tag, wo manches stolze Gebäu in Staub und Asche dahin sinken wird; kommen wird der Tag, wo Germania, das ver­rathene Weib, mit Stolz und Ehren wieder in die alten Gauen wird einziehen.

Inzwischen vergeßt nicht der verstoßenen Waise, weiht ihrem Angedenken heute eine Zähre, und schwö­ret, Euch würdig vorzubereiten, um ihr einst mit Klug­heit und Kraft zugleich zu dem schönen Erbtheil, das ihr schon so lange widerrechtlich vorenthalten wird, zu verhelfen.

Deutschland»

4- Wiesbaden, 21. Dezember. (G e n eralver- sammlung des Vereins für nassauische Al­tert hum 6 kund e und Geschichtsforschung.) Gestern am 20. Dezember d. J. hielt der Verein für N a s sa u i sch e A l t e r t h u in stunde und G e s ch i ch t s- forschung seine öffentliche Generalversammlung im Lokal des Museums. Der Sekretär des Vereins Ar­chivar Habel von Schierstem, welcher seir dem Rück­tritt des seitherigen verdienten Vereins-Direktors des Herrn Regierungspräsidenten Dr. Möller aus dem Staatsdienst, wie auch aus dem Verein (im verflosse­nen Jahr) provisorisch die laufenden Geschäfte besorgt hatte, erstattete einen umfassenden Bericht über die Wirksamkeit des Vereins-Vorstandes in den beiden letzten Jahren.

Mit Befriedigung vernahm man, daß dnrch die Fortdauer der frenndlichen Beziehungen zu den aus­wärtigen historischen Vereinen unsere Vercinsbibliothek wiederum mit vielen schätzbaren Publikationen jener gelehrten Gesellschaften bereichert worden war. Hieran knüpfte sich eine detaillirte Notiz über die durch Kauf, Schenkung oder als Resultat von Ausgrabungen der öffentlichen Sammlung zugeflossenen Alterthümer , so­wie abgeformter mittelalterlicher Ornamente aus un­serm Land. Unter letzteren waren im Sitzungszimmer ausgestellt eine ganze Reihe in Gyps und Papier ab­geformter Holzseulpturen aus der Kirche zu Kiedrich im Rheingau, welche von Erhard Falkener im ^ahr 1510 herrühren und als Verzierung der dortigen Kirchenstühle einen sehr interessanten Beitrag zur Ornamentik jener Zeit liefern. Der Vorstand hat Ilch durch Veranstaltung dieser sehenswerthen Abgüsse um die Kunstgeschichte des Mittelalters verdient ge­macht. Die Erwerbung mehrerer schätzbarer Mann- jcnpte, welche für die vaterländische Geschichte werth- R 2 ^b zu weiteren Besprechungen

Anlaß. Vorzügliches Interesse erregten auch die von

Herrn Architekten Kiehm gefertigten geometrischen Zeichnungen über die in der Nähe von Wiesbaden durch den Vorstand veranstaltete Ausgrabung römischer Baureste, wozu das Vorstandsglied Herr Medizinal­rath Dr. Zai 6 mündliche Erläuterungen beifügte.

Es wurde sodann vom Hrn. Habel ein ausführ­licher Bericht erstattet über die im Oktober und No­vember d. ^. in Auftrag des Vorstandes unter seiner Leitung untersuchten römischen Gebäude zu Marien­fels, eine Nömechat-on, in der Nähe des Pfahlgra- bens und durch geometrische Aufnahmen und Zeichnun­gen erläutert. Vergleichende Bemerkungen des Vor- standsnutgliedcs Herrn OberappeUationsgerichtsrathes Strobel mit den römischen Gebäuden zu Hercula- num und Pompeji erhöhten das Interesse. Allgemeine Anerkennung fand sodann ein plastisches Modell eben jener Ausgrabung, welches Hr. Habel mitBei- hulfe zweier fleißiger Arbeiter (Weck und Rehm) in Gyps ausgeführt hatte. Man ließ der mühvollen Sorgfalt und Treue, womit auch die kleinsten Details vieles höchst interessanten römischen Gebäudes, in wel­chen: unter andern: die Heizeinrichtungen vorzüglich be- merkenswerth und nach dem verjüngten Maaßstab (1 Fuß

/2 rheusi. Zoll) auf das genaueste dargeftellt wa­ren, alle Gerechtigkeit widerfahren, und es wurde der Wunsch ausgedrückt, daß mehrere solcher instruktiven uiib jedem verständlichen Reliefs von den merkwürdig­sten römischen Ueberresten unseres Landes, wobei auch das Mittelalter nicht unberücksichtigt bleiben dürfte gefertigt werden möchten. '

' DerJahresbericht führte sodann zu den literari- fchen Publikationen, über deren längere Unter­brechung sich der Vorstand durch Bezeichnung der ein- getretenen Hemmnisse genügend rechtfertigte. Als Be­weis der nunmehrigen Beseitigung lagen mehrere Druck­bogen vor, nicht nur vom neuesten Annalenheft sondern auch von P. Bär's diplomatischer Geschickte der Abtei Eberbach, welche als unentgeltliche Beigabe zu den Annalen den Vereinsmitgliedern gewiß sehr willkommen sein wird. Mit Verlangen sieht man fer- iiic dcc ebenfalls vom Verein beschlossenen und lange volbereiteten Erscheinung des berühmten Eberbacher A r a t i t i o n Sb it ch s, einer Perganientenschrift aus dein Anfang des dreizehnten Jahrhunderts (Oculiis memo- ria 1.) entgegen, worüber der Vereinssekretär Hr. Ha­bel, als Herausgeber jener obengenannten Schriften speziellere Notizen, sammt einem gedruckten Probeblatt vorlegte, welches allen Anforderungen typogravbischer Ausstattung entsprach. ' ;

^ ist uns erfreulich, über den befriedigenden Ein­druck berichten zu können, welche die berichtliche Vor­lage der unausgesetzten Thätigkeit des Vorstandes machte, eben so wenig können wir aber verschweigen, den Aus­druck der allgemeinsten Mißbilligung und Entrüstung, über die hämischen Verdächtigungen und Verkleineruli- gen, womit sogenannteaktive Mitglieder" des Ver­eins seit Anfang dieses Jahres in einer Masse anony­mer Zeitungsartikel die Mitglieds des Vorstandes so unverdient, sogar in ausländischen Vereinsschriften, an- gegriffen hatten, über deren Tendenz jedoch interessante Aktenstücke, deren Veröffentlichung wünschenswerth er­scheint, überraschende Aufschlüsse "geben. Das Nähere wird der im nächsten Annalenheft erscheinende vollstän­dige Jahresbericht bringen. Die ganze Schmach sol­cher niedrigen Ränke fallt immer auf die Urheber zurück und wir billigen durchaus das Verhalten des Vorstandes, der solche anonyme Artikel keiner Antwort