-ringt die Nachricht, daß die Rückehr -des Papstes nahe bevorstehe. Diese Nachricht wird jedoch durch die übrigen Berichte, die aus Italien vorliegen, keineswegs'bestätigt. Privatbriese aus Rom und Neapel vom 7. Dezbr. sagen gerade das Gegentheil aus. Letztere bestätigen die Nachricht, der Papst wolle den General Baraguay »'Hilliers nicht als diplomatiichen Agenten Frankreichs anerkennen und der General hatte deshalb seine Zurückberufung verlangt.
In Rom war am 8. Dezember auch das Gerücht verbreitet, Baraguay d'Hilliers habe wegen der Nicht- anerkennung seiner diplomatischen Stellung von Seiten des Papstes seine Entlassung verlangt. Nach dein „Nationale" soll sich der General in Civita-Vecchia befinden, um die Befehle der französilchen ^icgutuug abzuwarten. Das „Journal des Debats" laßt ,tch unter dem 10 Dez. aus Rom schreiben, daß Baraguay d'Hilliers noch nicht daselbst augekommeu sei erwähnt jedoch nicht das Gerücht eines zwischen dem Papst und Baraguay d'Hilliers ausgebrochenen Zwiespaltes.
Die selsamsten Gerüchte kursirten in Rom; eine aroße Thätigkeit herrschte in den Ministerien und in dem französischen Generalstabe. — Orsini, der Kriegsminister, hat eine lebhafte Unterredung mit seinen Kollegen gehabt und desucht seitdem nicht mehr das Mi- Ulsterium. Der Filrsi Gabrielli unterzeichnet für >h», da der französische Intendant sich geweigert hat, dies
Jn^Sp oleto sind ernstliche Unruhen ausgebrochen. 7 Kompagnien Infanterie sind am 8. Dezember dahin abgegangen, um die Ruhe wieder herzusieUe».
Das amtliche Journal von Rom veröffentlicht eme Liste von Personen, welche zu Geld- oder Gefängniß- strafen verurtheilt worden lind, weil sie den Aufenthalt von Fremden in ihren Wohnungen nicht angezeigt hatten.
Mepublik Frankreich.
Paris, 18. Dez. (Mz. Z.) Zum Präfekten des Departement de l'Jscre ist Hr. Champuys-Montlaville ernannt werden, ein früheres Mitglcd der Oppolition, welches in das Lager der Bonapartisten übergegangen ist. Am letzten Donnerstage nun begaben sich, dem Gebrauche gemäß, einige sechszig Offiziere der Natio- nalgarde, ihren Obersten Michel an der Spitze, zu dem neuen Präfekten, um demselben ihre amtlicheAuf- wartung zu machen. Bei ihrem Eintritte in den Saal, wo der Präfekt sie erwartete, ging dieser dem Obersten entgegen, und indem er seine Hand ergriff, sagte er: „Oberst! Ich bin glücklich, Siezn sehen." Ohne dann die herkömmliche Vorstellung der Offiziere abzuwarten, fuhr er fort zu sprechen und seine schon in der Proklamation ausgedrückten Ideen zu entwickel» , seine Ansichten über die Nothwendigkeit, die so tief erschütterte Ordnung wieder herzustellen, den Sozialismus zu bekämpfen, den Präsidenten in seiner regulären und progressiven Politik zu unterstützen, der Autorität Achtung und Sympathie zu verschaffe» u. s. W. Von Republik und Konstitution nicht ein Wort! Nachdem er seine Rede geendet, trat der Oberst Michel vor und antwortete dem Präfekten, wie folgt: „Herr Präfekt! Erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen, daß die Einwohner von Grenoble (Hauptstadt des Departements) jemals weder das Gesetz noch die Achtung mißverstanden haben, welche sie der Autorität schulden, und seien Sie überzeugt, daß wir alle der Republik ergeben sind". Dann gegen die Offiziere sich wendend rief er aus: „Es lebe die Republik!" welcher Ruf von den sämmtlichen Offizieren mit gleicher Energie wiederholt wurde. ' Der Präfekt war sichtbar überrascht, seine
Stirn verfinsterte sich; endlich sich fastend, trauer auf eine tragische Weise zwei Schritte vor und sagte etwa die folgenden Worte: „Ja, meine .neuen, ... gewiß ... das Gouvernement, unter welchem wir leben, i|t Republik; aber man muß nicht vergessen, daß an der Spitze dieses Gouvernements der Erwählte vei» Dezember steht, der Retter der Ordnung, und baß unsere Pflicht ebenfalls ist, zu rufen: Es lebe der Ilasi- dent,' cs lebe Louis Napoleon Bonaparte." Dlefer Ruf fand ein enthusiastisches Echo in dem Gewölbe der Präfektur ; nicht ein einziger Ofsizter a ntwortete. Ganz verwirrt durch tiefen schlechten Erfolg, gewann der Präfekt indessen bald neuen Muth, und indem er sich inmitten des Kreises pflanzte, begann er aufs Neue seine Dithyrambe zu Ehren x.. Napo- leon'ö ; er sprach von seinen Handlungen, von Allem dem, was er berufen sei, noch für das fraW Volk zu thun. „Der Ruf: Es lebe der Praßdcnt.^ sagte er zuletzt, „ist in Aller Brust, m âr Herzen ; rufen Sie denn mit mir: Es lebe der Präsident, es lebe Louis Napoleon Bonaparte!" Vollständiges Stillschweigen ..... „Herr Präfekt, Frankreich wird dem Präsidenten alles Gute anrechnen, was er thun wird. Diese Worte des Obersten endigten die Zeremonie, die Offiziere verbeugten sich und verließen lächelnd das
Der Repräsentantenverein vom Staatsrathspalaste beabsichtigt, einen „Bund des öffentliches WoM' zu gründen, dem man eine Ausdehnung über ganz Frankreich zu geben sich bestreben wird. Dieser Bund stellt sich die Aufgabe, der socialistischen Propaganda überall und auf alle mögliche Weise entgegenzuarbeiten.
Ungarn.
Nachrichten aus Pesth erzählen, daß die türkischen Serben sich allenthalben bewaffnen, und daß man all- gt mein glaubt, die Russen liefern ihnen die Waffen dazu. Auch sagt inan, die Regierung hätte den Tribut von 34,000 Dukaten verweigert, und die türkischen Besatzungen würden auf die Festungen beschränkt werden.
Türkei.
Während die neuesten französischen Berichte und auch die der „Allg. Ztg." die Flüchtlingsfrage als beigelegt betrachten, schreibt über den neuesten Stand derselben die „Times" und andere englische Blatter- unter Konstantinopel, vom 25. Nov. Folgendes:
Es ist hier die allgemeine Meinung in gut unterrichteten Kreisen, baß die Differenz zwischen Türkei und Rußland von ihrer Beilegung so weit entfernt ist als je. Kaiser Nikolaus, glaubt man, will nur Zeit gewinnen, um die Dinge bis zum Frühling in der Schwebe zu erhalten, dann wird er die Maske abwerfen und seine langgehegten Pläne für Eroberung der Türkei in Ausführung bringen. Gar Vieles berechtigt zu dieser Schlußfolgerung. Die Instruktionen, durch welche Hr. V. Tltoff von seiner Regierung beauftragt wurde, die Ausweisung der polnischen Flüchtlinge zu verlangen, waren so vag und so verschiedener Auslegungen fähig, daß es für den russischen Gesandten ebenso schwer war, sie der Pforte deutlich mit- zutheilen, als für die Pforte, eine bestimmte Antwort darauf zu geben. Diese Undeutlichkeit war offenbar von Seiten Rußlands eine absichtliche; man will eben mit Fragen und Antworten die Sache bis zum Frühling hinziehen, was bei der Entfernung Petersburgs von Konstantinopel nicht sehr schwer sein wird. — Auch mit Oesterreich ist die Angelegenheit noch keineswegs ausgeglichen. Die Pforte hat sich bereit erklärt,
sämmtliche in der Liste des Grafen Stürmer angegebenen Flüchtlinge ins Innere zu entfernen, aber sie verlangt, daß die Liste ein für allemal geschlossen werde. Die Liste enthält schon 34 Namen, deren Vermehrung Graf Stürmer sich vorbehält, auch soll Oesterreich, wie er verlangt, allein über die Dauer ihrer Gefangenhaltung zu entscheiden haben. Beides wird von der Pforte abgelehnt. — Endlich verlangen beide Mächte, daß auch diejenigen unter den Flüchtlingen, welche zum Islam übergetreten sind, wie Bem, Kmcty und Andere, ins Innere entfernt werden und keine Anstellung erhalten. Hierauf aber erwiedert die Pforte, sie kenne keinen Bem, sondern nur einen Amurath Pascha und andere Muselmänner, um die keine fremde Macht sich zu kümmern habe.
M n st l a n d.
Aus Rußland, 12. Dezbr. (Keider-Zoll.) Der Civil-Gouverueur des Gouvernements Minsk hat folgendes Circularschreiben bekannt gemacht. Am 12. März 1815 war es von mir verordnet, den hebräischen Gemeinden zu wissen zu thun, daß es vom 1. Jan. 1850 an den Hebräern durchaus verboten sein soll, ihre Kleidungen, welche sie von den örtlichen (christlichen) Einwohnern unterscheide», zu gebrauche».' Da es aber jetzt bem Minister des Jimern bewußt ist, daß die Um- änderung der hebräischen Kleidung beinahe überall vor- gegange» ist, ohne dazu von Seiten der Regierung verbietende Maßregel» anznwende», und daß gegenwärtig nur eine kleine Zahl der sehr alten Juden ihre vorige hebräische Kleidung erhalten, so entschied er, daß auch vom Anfänge des Jahres 1850 die örtlichen Regierungen nicht verhindern sollen, daß die Hebräer, welche ihre vorige Kleidung erhalten, dafür den festgesetzten Zoll in der Karobke zahlen. Nachdem ich darüber die Instruktion des General-Gouverneurs erhalten, verordne ich hiermit: auch vom Anfänge des Jahres 1850 ist de» Hebräer», welche ihre vorige Kleidung erhalten, solches nach Abzahlung des bestimmten Zolls in der Karobke zu gestatte». Man soll aber darauf streng achte», daß die Hebräer, welche ihre vorige Kleidung erhalten, am Anfänge des Jahres den bis jetzt bestimmten Zoll ohne Rückstand bezahlen, nämlich: Kaufleute 1) Gilde zu 50, 2) Gilde zu 30, 3) Gilde zu 20, die als Bürger handeln, wie auch die, welche ihre Einkünfte von unbeweglichem Vermögen haben, zu 10, zünftige Handwerker und sonst allerlei Arbeit verstehe», zu 5, und die we- nißer vermögenden Bürger zu 3 Rubel Silb. jährlich, und müssen solche auf das Recht, hebräische Kleidung zu tragen, Billette erhalten, unter Vorsicht bei Nicht- vollziehung derselben es gesetzlich zu verantworten. Aehnliche Circularschreibe» sind auch in mehreren ander» Gouvernements erlasse» worden.
F r ii ch t p r e i s e.
Mainz, 21. Dcc. 1849,
Walzen per Malter 200 Pfd. ... 7 ff. 3 kr.
Korn ditto ... 4 fL 52 kr.
Gerste ditto ... 4 st. 20 kr.
Hafer ditto ... 5 st. 32 kr.
Spelz bitte . . * — fl. — kr.
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
Bekanntmachungen.
Ciirsnal zu Wiesbaden.
(1325) Indem ich mich beehre, daß ich nach freundschaftlicher Uebereinkunft. mit Herr» Zimmermann schon mit dem heutigen Tage die Wein- & Caffee- Wirthschaft im Cursaale hierselbst übernommen habe, bitte ich meine Freunde, Gönner und Bekannte das mir bisher geschenkte Wohlwollen und Zutrauen in meinem neuen Geschäftsverhältniß zu Theil werden zu lassen, sowie ich mich auch noch insbesondere dem auswärtigen Publikum bestens empfehle.
Wiesbaden, den 21. Dezember 1849.
«>. F. liwensbiy.
Turnverein.
(1302) Montag den 31. Dezember findet eine Abendunterhaltung des Turnvereins im Saale der Vier Jahreszeiten statt, wozu die Mitglieder unsers Vereins, die Mitglieder des Vereins zur Wahrung der Volksrechte, ter Schützengesellschaft und des Neuen Turnvereins eingeladen werden.
I j Karten werden ausgegeben Sonntag den 29. Dezember, Nachmittags von 2—6 Uhr in der Stadt Frankfurt.
Wiesbaden, den 17. Dezember 1849. Der Vorstand.
Verein ptr Wahrung der Volksrechte.
(1318) Donnerstag den 27. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, findet im Nerothale eine Sitzung des Vereins statt, wozu die Mitglieder eingeladen werden. Nichtmitglieder können durch Mitglieder eingeführt werden.
Wiesbaden, den 20. Dezember 1849.
~ ____________________Der Vorstand.
(1326) Sämmtliche Bürger der hiesigen Gemeinde werden zu einer Berathung über die bevorstehende Wahl nach Erfurt auf Sonntag den 23. d. Mts., Nachmittags um 3 Uhr, bei Gastwirth Kettend ach in Mosbach eiugelade».
Biebrich-Mosbach, den 20. Dezember 1849.
Mehrere Wähler
FestLagsordlMltg in den freien christlichen (deutschkatholischen) Gemeinden.
(1320) Am ersten Heil. Weih» achtsfeste Gottesdienst, verbunden mit der Feier des H. Abendmahles in der Gemeinde zu Wiesbaden, Morgens halb 10 Uhr, im gewöhnlichen Lokale, geleitet durch Prediger Graf;
an^ demselben Tage Nachmittags 3 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl in Idstein, geleitet durch Prediger Graf;
am zweiten Feiertage, Vormittags 10 Uhr, Gottesdienst in Rii- desheim, geleitet durch Prediger Flos aus Frankfurt;
an demselben Tage Nachmittags Gottesdienst und Abendmahlsfeier in der freien Gemeinde zu Diez und Freiendiez, nebst Cottstrmattden- nnterricht, abgehalten durch Prediger Graf.
Der Vorstand.
An merk. Herr B?r. Eduard Dull er ist durch Unwohlsein verhindert, die versprochenen Vorträge am Heil. Christfeste in unsern Gemeinden at'znhallcn.
Nuhrkohlen.
(1324) Vom 22. bis 31. Dezember lasse ich wieder bestes grobes Fettschrot in Biebrich ausladen.
Bestellungen können in Wiesbaden bei Herrn Carl Leyendecker, Agent der Cölnischen Gesellschaft, Marktplatz Nr. 38 gemacht werden.
Jean Blees S> Comp.
Anzeige.
(1311) Mittwoc!) den 26. Dezember (2. Cbnstfeiertag) findet der zweite diesjährige EeseUfchaftsball im Adler statt. Dies zur Nachricht für die verehrlichen Abonnenten. Wiesbaden, den 20. Dezember 1849.
W. Block.
(1322) Kapitalien von 200 st. bis 120,000 st. sind zu verschiedenen Größen auszuleihen durch %r. ScZ)aus, Marktplatz Nr». 12.
(1296) Die Actien zur vierten Vertheilnng der großen Haniburger Lotterie, deren Zielning am 31. Dezember stattfindet, find nur noch längstens bis zum 26. d. Bits, a 45 fr. zu haben b" M. Eahn,
Rechenstraße D. 33 in Mainz. Prospekt unentgeldlich.
(1327) Schöne Nüsse per Hundert 5 fr. bei I. PH. Neinemer.
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