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Freit Zeitung.

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Die Solidarität des Menschengeschlechts.

-il- Wiesbaden. Wir teilen unter obiger Ueber# schrift einen Artikel der N. Od.-Ztg. mit, der uns so recht, wie man zu sagen pflegt, aus dem Herzen ge­sprochen ist, und den wir unsern Lesernzur innigsten Beherzigung" empfehlen.

Louis Blanc vertheidigt in No. 4 seines Jour­nals"le nouveau mondc" die Socialisten gegen den beliebten Vorwurf: daß sie das Volk, indem sie ihm seine Leiden, sein Elend vorhalten, zu eben den gro­ben, materiellen Begierden anreizen, welche die edleren Bestrebungen der menschlichen Seele verdrängen und unterdrücken. Er geißelt die Heuchelei, welche in die­sem Vorwurfe liegt, wenn er von denjenigen ausgeht, die an diesen Leiden nicht Theil nehmen, die die ma­teriellen Güter des Lebens ungestört genießen, und eben nur darüber schreien, daß Andere auch darnach begehren. Er zeigt endlich, daß die edleren Regungen und Bestrebungen der menschlichen Seele schon durch die materiellen Entoehrungen unmöglich werden, daß insbesondere die Bildung des Herzens und des Ver­standes, ihre ersten Bedingungen, im Zustande der materiellen Noth nicht gedeihen sonn.

Er sagt kein Wort zu viel. Sprechen ww mit den sogenannten Eonfervativen über unsers Zeit, nennen wir sie eine traurig, behaupten wir die Nothwendig­keit einer radikalen Aenderung, schildern wir ihnen alle Gebrechen der Gesellschaft, die Leiden, der Armen, die Verdcrbniß der Grundsätze, nennen wir ihnen die For­derungen des Volks und verweisen wir auf die Män­ner, welche für diese Forderungen sümpften, nicht um ihrer selbst, sondern um ihrer leidenden Brüder willen: wahrlich es ist selbst ein Leiden, alle die herz- oder hirnlosen Antworten, diese Gemeinplätze, bieje selbst# beschwichtigungen und leeren Entschuldigungen anzu- hören, hinter welche sich die Selbstsucht und Trägheit verstecken. Die Einen bestreiten geradezu, daß es so schlimm sei, wie wir behaupten, und trösten sich damit, dak von jeher geklagt worden über schlechte Zeiten, ^n ihren Augen sind die Socialisten und Volksmänner einfach Ruhestörer oder Demagogen. Andere geben das Uebel zu, aber sie suchen die Ursache allem in der überhand genommenen Irreligiosität und iLittenver- derbuiß, besonders der niederen Stande. Fragt man sie, woher denn die Irreligiosität und ^tttenveldera- niß gekommen, und wie ihnen abzuhelsen ? da erha t man entweder keine oder die widersprechendsten Ant­worten. Dem Einen geschieht zu viel, dem Anderen zu wenig für die geistige Bildung des Volkes; dem Einen ist es zu dumm, dem Andern zn klug. Andere finden den Grund deS Uebels in der Uebervolkerung, und die Ursache dieser in dem schrankenkgen Triebe nach Selbstständigkeit. Die jungen unbemittelten Mei­ster die vcrhciratheten Gesellen und Dienstboten |inb für sie unumstößliche Beweise. Verweist man sie auf

Nede des Angeklagten Hr. Jacoby

in der Schwurgcrichtssitzung vom 8. Dezember.

(Schluß.)

Als Abgeordneter habe ich die Vermuthung reiner Absicht und ehrenhafter Beweggründe für mich eine Vermuthung , die schon an sich den Begriff des Hochvcrrathö ausschließt; als Abgeordneter habe ich bei den Beschlüssen vom 6. Imst nach meiner gewissenhaften Uebe rzeugung gestimmt; als Abgeordneter bin ich berechtigt, den Schutz des Ge­setzes vom 30. September 1848 für mich in Anspruch zu nehmen.

Dies ist der wahre Thatbestand! Es handelt sich hier nicht um meine Person; der Gegenstand, der Ihnen, meine Herren, zur Entscheidung vorliegt, ist von höherer Bedeutung: es handelt fiel) um die Ehre, Freiheit, Selbstständigkeit, nm die ganze Existenz der Volksvertretung!

Sie sollen entscheiden, ob das Gesetz vom 30. Sept, ohne welches eine parlamentarische Freiheit nicht bestehn, kann, wirklichen Schutz gewährt, ob cs durch Schlüsse und Konsequenzen, wie die Anklagebchörde sie macht, zu einer bloßen Täuschung werden foft. . Das Gesetz vom 30. Sept, das bestimmt:kein Abgeordneter darf

Gegcndtu, wo diese Hausstände seltener sind und das Proletariat dennoch wuchert, verweist man sie insbe­sondere auf Irland, wo die Uebervölkerung mit dem Hunger steigt, so müssen unbekannte lokale Ursachen einwirkcn, oder es muß wohl gar die Religion zum Sündenbock dienen. Wieder Andere klagen in einem Athemzuge über Arbeitsscheu und Zuvielproduciren: das Volk ist ihnen zu fleißig und zu faul; die Preise sind ihnen zu hoch und zu niedrig, je nachdem sie kau­fen oder verkaufen. Hecklose Verwirrung! Wie sollst du es denn anfangen, armes Volk! um die rechten Wege zu gehen in den Augen dieser Männer? Sollst du dumm oder klug, faul oder fleißig fein? heirathen oder ledig bleiben, dienen oder selbstständig werden? Und was wollt Ihr dann vom Volke, Ihr Männer der Ruhe? Dem Selbstständigen wollt Ihr eine Stimme geben in der Gemeinde und im Staate, wenn er seinen eigenen Hausstand begründet, weil Ihr nur Solche für konservative Elemente der Gesellschaft hal­tet, und doch wären nach Eurer eigenen Ansicht Die­jenigen die Besseren, welche lieber ledig bleiben und dienen.

Das Uebel ist da, das Uebel wächst mit jedem Tage, das bestreiten doch nur Wenige. Wollen wir nun in träger Selbstsucht oder kLerzwekflung die Ach­seln zucken und die Hande in den Schooß legen, auf den Messias und Gottes Hülfe warten?

Die Demokratie ist entschlossen, das Uebel zu hei­len. Sie hat den Wahlspruch jener Gesellschaft, an deren Spitze ihr jetziger Gegner Guizot stand:Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott!" zu dem ihrigen gemacht.

Und wie wollt Ihr das Uebel heilen?" fragen unsere Gegner,welches ist das System, wonach Ihr die Gesellschaft besser constitniren, Freiheit und Ord­nung gewährleisten, und den allgemeinen Wohlstand begründen könntet? Wo sind die Männer, die dieses System durchzuführen vermöchten, wo die Erfahrungen, die Beweise dieses Systems?"

Wir könnten Ihnen antworten, daß die Demokra­tie ihr System längst entwickelt und durch alle Ver­hältnisse des Staates und der Gesellschaft oetaillirt, daß man ihr aber noch nicht gestattet hat, seine Brauch­barkeit zu beweisen, daß man die Männer, die ent­schlossen waren, es durchzuführen, vertrieben, eingesperrt oder unterdrückt hat. Aber wir erkennen an, daß der Staat, daß die Gesellschaft nicht erperimentiren sollen; wir verzichten auf den Vorwurf. Wir verlangen von unseren Gegnern kein Vertrauen, keine Eonzessionen, wir verlangen nur Freiheit für unsere Ideen.

Die Demokratie ist entschlossen, das Uebel zn hei­len aber nicht im Sinne der modernen Staats­männer, durch ein künstliches Balaneiren der Interes­sen und Gewalten, durch ein Aussticken der alten Ge­setze und Institutionen, durch Modifikationen der Ta­rifs und Abgabengcsetze lind ähnliche Maßregeln; sie ist überzeugt, daß alle diese Mittel, so wohlgemeint

wegen seiner Abstimmungen zur Verantwortung gezogen werden," i st bercuS in meiner Person verletzt. Ihre Sache ist es, dem Gesetze Achtung, mir G e n u g t h u u n g zu verschaffen!

Ich habe nur gethan, was ich für Pflicht hielt: treu ausgeharrt auf dem Posten, den das Vertrauen meiner Wähler mir anwies.

Sie, meine Herren Geschwornen, sind berufen, frei von Parteileidenschaft das sittliche Volks» urtheil zu vertreten; Sie haben den Eid geleistet,

gewissenhaft und u n p a r tc i i seh Recht zu sprechen!

Ich erwarte Ihr Urtheil. --

Der Straßenränder.

Von Mad. Charles Neybaud.

ssAus derAllgemeine Modcn-Zeitung".)

Liebe Freundin," sagte die Fran von Montsallier mit Achselzucken,wahrhaftig ich begreife Deine ewige Traurigkeit nicht! Bist Du denn nicht die glücklichste Pcrsvn auf Gottes Erdboden!"

Ach Gott, ich längne auch mein Glück nicht," antwortete Elise, indem sie sich betrübt in ihren Sessel zurücklehn tt.

und staatsklug sie an sich erscheinen, nur die Krank- peit verlängern, aber das Uebel nicht heilen können. Sle will heilen durch ein neues Prinzip, durch das Prinzip der Humanität, der Menschenliebe, der Brüderlichkeit, der Solidarität des Men­sch e tt g e s ch I e ch t s.

Die Solidarität des Menschengeschlechts ist nichts als die Erwelterung des Familienbegriffs auf die ge­stimmte Mcnfchheit; zwischen ihr und der Familie steht die Solivarrtät des Volkes. Die Rechtsidee der SoUdarität liegt in den Worten:Einer für Alle und Alle für Einen", und ihr sittliches Ideal sind Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Dieses Princip", wendet man ein,ist ja ein ur- alte^, es ist ja das christliche; es ist unbestritten." __ Unthat cs bisher gegolten? fragen wir, gilt es heute? Fühlen wir denn den Hunger des Arinen, wenn wir vor der besten Tafel sitzen? Wir fühlen ihn nicht, sonst wurden wir den Armen an unsere Seite rufen Fühlen wir den Frost der halbnackten Prolktarierfamiliè in bei kalten Lehmhütte, wenn mir im warmen Pelz- rocte behaglich am Ofen sitzen? Fühlen wir die Angst des verölen jtlo|cn Familienvaters, der das Morgenroth des Vierteljahrtageö verflucht, an welchem er mit Weib und Kind auf die Straße geworfen werden soll; füh­len wir sie, wenn wir aus dem blauen Zimmer in bas grüne, aus dem Gesellschaftszimmer in die Schlaf- Aibelto- und Kinderstube schlendern? Schämen wir uns denn, machen wir uns einen Vorwurf, wenn wir vor den Schranken des Gerichts die Erziehungs- und Lebensgeschichte eines Verbrechers hören?

Doch diese Bilder der christlichen Liebe sind ja alt, sind ja schon so oft durch Wort, Schrift und Zeich­nung viel ergreifender dargestellt worden; gegen sie ist das fühlende Herz längst gewaffnet durch die Alltäg­lichkeit und durch den Trost: Was fam der Einzelne thun, um es zu ändern? Auf diese Bilder wollen wir unsere Logik allein nicht bauen. Wir wollen ein mo­derneres aufrollen, ein Bild, auf welchem sich die ganze Gesellichaft, Arm und Reich, Vornehm und Niedrig, wlederfinden soll, ein Bild des gegenwärtigen Geschäfts- lebens mit der Ueberschrift:Bet rug und Wucher" und mit der Unterschrift:Unser Verkehr". Der Grundton dieses Bildes ist das Geld, seine Schattr- ruilg der Vortheil.

Wenn wir als die Grundlagen eines redlichen Ver­kehres , eines ehrlicheil und anständigen Erwerbes Wahrheit, Treue, Gerechtigkeit und Billigkeit an­erkennen müyeu; wenn cs im moralischen Sinne un­zweifelhaft ein Betrug ist, bei einem Geschäfte etwas Unwahres zu sagen oder das zn verschweigen, was dem Anderen zu wichen nöth-g oder dienlich, oder etwas zu versprechen, was man nicht halten will oder halten zu können nicht gewiß ist; und wenn ebenso unzweifelhaft der Wucher darin besteht, daß man sich aus der 9koth und Verlegenheit oder der Unwissenheit und Schwäche des Anderen einen Vortheil verschafft, den man selbst

Aber Du genießest cs nicht und die Zeit vergeht Dir m einer Gleichgültigkeit, in einer Schläfrigkeit, aus

i der Dich nichts zu er-vecken vermag. Ich könnte nicht 24 Stunden so leben."

jIch versichere Dich, liebe Cousine, daß ich mich durchaus nicht unglücklich fühle."

Das sagst Du mit einer Ruhe! Es ist unerhört," unterbrach sie die Frau von Montsallier fast unwillig. Ja ich glaube es, daß Du Dich nicht unglücklich fühlst. Die Vortheile, die Du allein besitzest, würden vier andere Frauen glücklich machen, könnte man sie unter dieselben verteilen. Zuerst bist Du jung "

Bei diesem Worte hielt die Fran von Montsallier inne und unterdrückte einen Seufzer, indem sie einen Blick auf den Spiegel warf, vor welchem sie ihre Toi­lette beendigte.

Ach," entgegnete Elise,meinst Du denn, man brauche nur zwanzig Jahre zu zählen, um glücklich zu sein?"

Allerdings," antwortete lebhaft die Frau von Montsallier;leider versteht man dieses Glück erst, wenn man über jene Jahre hinaus ist. Aber dies ist nicht

alles, Elise, Du bist auch schön, sehr sSM."

Ich weiß cs," entgegncte diese lächelnd,aber was

I flimmert es mich, da ich nicht cokelt bitt?"