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Wiesbaden. Freitag, 21. December

18-19

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Zur Beleuchtung des berüchtigten Preußen- Krawalls tu Weilburg

Dillenburg. Seiner Zeit war in der Nass. Allg. Ztg. ein großes Geschrei über ein angeblich am 3. September d. J. in Weilburg von den Gebrüdern Wimpf und einigen andern gegen mehrere preußische Offiziere verübtesschauerliches Attentat". Da man gewohnt war, von jenem Blatte in der damaligen Zeit beständig solcheMordgeschichten", ähnlich Dem kürz­lich von der guten Didaskalia mitgetheilten Gensd'- armeu-Mord, auftischen zu sehen, und Die Absicht der Correspo»be»te». Damit auf das Zustandekommen eines recht strengen Gensd'armericgesetzes hinzuwirke», ohne Zweifel dabei zu Grunde lag, so hielt man es damals für überflüssig, jene fabelhaften Dichtungen zu wider- lkgcu. Allein man that sehr unrecht daran, da nach Dem bekannten Sprüchwort immer Etwas hangen j bleibt" (semper illiquid haeret). So haben denn auch die Heulerele» ter Nass. Allg. Ztg. ihre Früchte getragen. inDem sie die preußischen Militärbehörden aufgehetzt und Die Regierung zur Versetzung eines voll- komlnen pflichtgemäß aufgetretenen Beamten (Amtö- sekretär Appel) aller "Wahrscheinlichkeit nach veran­laßt habe».

Das Justizamt Weilburg hat nun, am 5. Nov, die Bürger G, W i in p f, E. W i m p f, W. W i in p f, G. Barth und H. Lommel zu mehrwöchiger Ge­fängniß- und höherer Geldstrafe verurteilt. DieVer- urtheilten haben die Appellation dagegen ergriffen und dem hiesigen Hofgerichtsprokurator Brau n ihre Ver­theidigung übertragen. Dieser ist sogleich mit dem Untersuchungsgericht in Conflikt gekommen, indem ipm dasselbe die vollständige Aktenciuficht, namentlich die eines Berichtes an das hiesige Hofgericht, worin es, jedoch ohne Erfolg, sogar auf Eorrektionöhaus - strafe (II) für die Bürger angetragen haben soll, vorenthält. Der Vertheidiger hat Beschwerde an das Hofgericht ergriffen, und es steht sicher zu erwarten, daß dieser Gerichtshof Derselben Folge gibt.

Da man an dieser Sache vielfach und mit Recht das größte Interesse nimmt, so geben wir in dem Nachfolgenden einen kurzen Abschnitt über das That- sächliche aus der sehr umfangreichen Ver­th e I o i g ungs sch r ist, welche Prokurator Braun uns mitzutheile i die Gefälligkeit hatte, damit auch das Publikum im Stande ist, sich ein Urtheil über Den Hergang zu bilden.

Die Offiziere und Unteroffiziere des 20ten preu­ßische» LandwehrrrrglmeuteS, welche damals in Braun­fels in Garnison lagen, machten öfters im August und September d. J. Vergnügungsreisen nach Weilburg. Dort pflegte» sie in Dem Gasthause zur Traube mit einigen Offizieren der Weilburger Garnison zusammen- zukommeu, und zugleich unterliessen es diese 20er nicht, mit einer dem spezifischen Preußenthum entsprungenen

Rede des Angeklagten Dr. Jacoby

in Der Schwurgerichtssitzung vom 8. Dezember.

(Fortsetzung.)

Als im Frühjahr 1849 Die allgemeine Stimme des deutschen Volkes eine Gesammtvcrtretnng zur Begründung eines einigen, freien Vaterlandes verlangte, da standen die deutschen Regierungen und ihr gemeinschaftliches Or­gan, die Bundesversammlung nicht länger an, sich der Nothwendigkeit zu fügen.

Am 31. März 1848 trat das Vorparlament in Frank­furt a. M. zusammen. Am 30. März also erst an dem Tage vor Eröffnung des Vorparlaments faßte die Bundesversammlung den Beschluß den Sie eben ge­hört haben. Das Vorparlament machte cs sich zur Aufgabe,Die Art nud Weise festzustetten , in welcher die kvnstillstrcnde National-Versammlung gebildet werden solle;"die Beschlußnahme über die künftige Verfassung selbst sei einzig und allein der National-Versammlung zu überlassen."

In Betreff des Orts Der künftigen Versammlung fand eine eigentliche Debatte nicht statt: der Präsident las nur folgenden Antrag vor:

der zu erwählende Ausschuß" (es ist hier Der Fünfziger-Ausschuß gemeint)kann die Ver­sammlung auch an einen andern Ort verlegen, wenn

Arroganz das deutsche Vaterland zu lästern und die Eristeuz unseres kleinen Staates zu verhöhnen.

Am 3. September laugten nun abermals von Braunfels 1) Premier-Lieutenant Lampen, 2) Lieu­tenant tauge, 3) Dr. Zimmermann, 4) Lieute­nant Zwicker, 5) Unteroffizier von Ehappellie, 1 6) Unteroffizier M orsbach zu Weilburg in der Traube an, die drei erstgenannten zu Pferd, die drei letztgenannten in einem Miethwagen. Nachdem den Nachmittag bereits ein Trinkgelag stattgehabt, ritte» den Abend die drei erstgenannten wieder fort, jedoch i nicht ohne ein kleines Rencontre mit Straßenjungen, das jeder vernünftige Mann vermieden haben würde, in der Vorstadt gehabt zu haben.

Die drei Letztgenannten, wie die Untersuchung er­gibt, alle drei noch sehr jugendliche Menschen, blieben jedoch in Gesellschaft einiger nassauischen Offiziere, namentlich des Lieutenants Eberhard, sowie des Hrn. Bürgermeisters Schmidt von Weilburg, in der Traube" fitzen unD konfumirten dort, nach des Wir­thes eigener Angabe, eine sehr große Maste Wein, so daß sie, die preußischen Militärs, nach der über­eilt st i in nten De ii Aussage a l ler mit i hne n i n genaue Berührung g e ko in mene n Personen, betrunken waren, lind zwar Zwicker und E Hap­pel lié in einem sehr hohen, Morsbach in einem etwas geringern, aber an sich immer noch bedeutenden Grade. In Dem durch diesen Zustand gesteigerten ju­gendliche» Uebermuth der Preußen gefiel es gegen 10 Uhr Abends Dem Unteroffizier ChappeUie, in bas ge- genüberliegknde Haus des Kaufmanns Jung zu tre­ten uiib Diesen mit den Worten:Du bist auch so ein Demokrat! Pfui Teufel, schäm' Dich!" zu insultiren, ihm auzukünvigen:Ihr (Die Nassauer ) werdet jetzt preußisch! Das wird Euch freuen!" u. s. w., was Alles Hr. Jung, in Anbetracht der schweren Trun­kenheit des Jnsultanteo, mit Nachsicht ertrug. Als darauf der zweite Sohn des Hrn. Carl Wimpf in den Lade» des Hrn. Jung kam, um. dort etwas ein- zukaufe», schrie ihn der Unteroffizier mit dem Wort: Marsch, bezahle Deine Sache, hinaus" an, und trieb ihn mit Fauststößen hinaus.

Als ferner ein junger Mensch, Namens Hahn, in den Laden kam, redete ihn der Unteroffizier, nach­dem er ihm vorher die Frage:Ob er ein Preuße oder ein Deutscher fei V" vorgelegt, mit den Worten an:Gib mir eine Pfote", und als dieser ihm ent­gegnete, nur die Hunde hätten Pfoten, lautete seine Antwort:Dann lecken Sie mich im ....". Endlich kamen Georg Barth und Conditorgehilte Lind in Den Laden, um Cigarren zu kaufen ; auch diese insul- tirte ver Unteroffiziere, und als Georg Barth auf die Frage,ob er ein Preuße ober ein Deutscher sei", keine Jenem genügende Antwort gab, auch sich wei­gerte, bei Nennung des WortesPreuße" die Mütze abzuziehen, schlug der Unteroffizier Ehappelliv ihm die­selbe mehrmals vom Kopf, ohne daß Barth dies mit

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Zettverhältuisse Die Zusammenkunft in Frankfurt ; a. M. unmöglich machen."

Darauf ward erwidert:

es verstehe sich von selbst: die Nakional-Versamm- ; lang finde so lange in Frankfurt statt, so lange dies möglich ist."

Am 4. April wurden die Beschlüsse üb r Die Zahl der künftigen Volksvertreter, so wie über den Wahl- modus von Dem Präsidenten des Vorparlaments dem Bundestage mitgetheilt. Und schon 3 Tage darauf cyn 7. April beschloß Die Bundesversammlung mit bisher beispielloser Schnelle und zwar unter Abän­derung ihres früheren Beschlusses vom 30. März das, was das Vorparlament bestimmt hatte. Es ge­schah dies in Folge emes von dem Revistonsaus- fchusse des Bundestags abgestatteten Gutachtens, welches a^sv lautet:

es sei dringend anzurathen, die höchsten Regierungen möchten bei den vorzunchmenvcn Wahlen den vom Vorparlament ausgesprochenen Wünschen soviel irgend möglich entsprechen; Die Bundesversammlung aber möge dieselben durch Bundesbesehluß zu Den ihrigen machen."

Aus allem diesem geht, denke ich, deutlich hervor, daß es damals nicht in der Absicht der Bundesversamm­lung liegen konnte, dem Willen Der künftigen Volksver­tretung in Betreff ihres Sitzes irgend eine Schranke, ge­schweige Denn eine Bedingung festzustellc».

Thätlichkeiten erwiederte. Der Lärm dieser Auftritte wurde auf der Straße hörbar, und die Kunde dieser empörenden Rohheiten verbreiteten sich schnell in der Nachbarschaft, so daß sich die Straße mit Neugierigen füllte, und der minder betrunkene Un- terofsizier Morsbach es angemessen fand, seinen Col­lege» ans dem Hause des Herrn Jung herauszuholen. Trotzbein daß Cyapelliv auf der Straße dem Barth nochmals die Muße vom Kopfe schlug, gelangte er durch die angesammelte Menge, welche bloß aus friedfertigen Neugierigen bestand, ohne die geringste Gefährdung zur Traube" zurück. Hier nun hat entweder e r in Folge seiner Trunkenheit oder seines Aergers, daß man nicht vor dem bloßen NamePreuße" die Mütze ziehen wollte, oder irgend ein Zwischenträger die Nachricht verbreitet, es drohe Gefahr von der Straße, worauf denn die drei preußischen Militärpersonen mit gezoge­nen Säbeln aus dem Hanse unter die dort versammelte friedfertige Menge stürzten; namentlich aber schrie der Lieutenant Zwicker beständig:Ich hab ihn blank", drohte die Leute niederzustechen und setzte seinen Säbel mehreren wehrlosen Leuten, namentlich dem Philipp Müller jun., dem W. Schäfer, dem C. Vogt, ja sogar einer armen alten Weibsperson auf die Brust. Eberhard, der ebenfalls heraus,getreten, ver­mittelte stets, allein man wiederholte ihm immer, wenn er und die Preußen die Straßen verließen, sei aller Unfug beseitigt und kein Vermittler nöthig. Endlich gelang es dem Zureden friedliebender Bürger, die be­trunkenen Preußen zur Rückkehr in dieTraube" zu bewege». Allein sobald irgend ein Geräusch auf der Straße oder ei» Einfall ihrer berauschte» Köpfe sie da­zu veranlaßte, stürzten die Preuße» immer von Neuem mit ihren Seitengewehre», die stets ein Theil blank gezogen hatte, auf die Straße und erneuerten so de» Lärmen. Da dieses Treiben gar kein E»de nehmen wollte und die Bürger in dem Umstand, daß die an­wesende» Militärs bewaffnet waren, die mögliche Quelle vielleicht sehr trauriger Ereignisse erblickten ja in den aus letzter» entspringenden Eventualitäten die Ruhe und den Wohlstand der Stadt bedroht sahen, gelang es es endlich den Herren Carl itnb Georg W i m p f, welche bei i h r e n M itbü r g e r n s i ch des größten Ansehens erfreuen ii n D d a h e r vor alle» zur Ruhestiftung berufen waren, die Lieutenants Zwicker unD Eberhard zu ent­waffnen und die preußischen Mckitärpersonen, nach einigem Widerstrebe» Seitens des Zwicker, in die Traube" zurückzuführen. Eberhard bat hierauf ein­zelne Bürger dringend um Vermittlung zur Wieverer- ' langung seines Degens. Chapelliv bezeichnete sich als den" einzig und allein Schuldigen,er habe Alles in der Betrunkenheit gethan, nun sei er aber nüchtern, man möge ihn schlagen, in die Gasse werfen rc., er habe es verdient." Zwicker dagegen wurde durch den Verlust seines Säbels und seinen Uebergenuß gei­stiger Getränke in eine wahre Tollwuth versetzt, zog

Die Staatsanwaltschaft bat für ihre Ansicht den Bundesbeschluß vom 30. März 1848 angeführt. Allein auch aus einem andern Grunde spricht gerade dieser Bundesbefchluß gegen sie. Es heiß daselbst:

Me Bundesregierungen sollen Wahlen von National- vertretern anoidnen , welche an einem schleunigst fejb zustellenden Termine zusammenzntretcn Halen, um zwischen den Regierungen und dem deutschen Vo.ke - das Versassangswerk zu Stande zu bringen."

Der Ober-Staatsauw.all erklärt Die letzten Worte da­hin , daß es der Beruf der Nativnal-Versainmluug ge­wesen sei, einen Versassungsentwurs zu machen und den­selben als Grundlage einerVereinbarung« den Re- glerüngt n vorzulcgen.

Ist seine Auslegung aber, richtig? Daß die Bmi- dehvcrsamm'ulig ihre Worte nicht in diesem @mne ver­standen , geht theils aus dem von dem Bundes, tage selbst der Versa nmlung beigelegten Prädikate:e v n= st ituirende," ilicils aus dem Jnualle des bekannten L c p e l sch e» P r o m c m o r i ä s hervor. - Die N ativna l- Versammlnng hat zu keiner Zeit ihre Aufgabe also ansgefaßt, daß sie das Verfassnugswerk n u r auf dem Rapiere feststellen, daß sie das Unmögliche vollbringe» und mit 38 Regierungen Du deutsche Verfassung vereinbare» solle. Sie hat schon im Juni vorigen Jahres mit 512 Stimmen gegen 31 eine solche Zumuthung ein für allemal von sich ge-