denn auch '— wie der „Globe" hinzufügt — dem Könige von Preußen, welchem sie in einer eigenen Note der sächsischen Regierung mitgetheilt worden seien, dergestalt plausibel geschienen, daß er jede Besorginß aufgegeben habe, als sei es bei der Zusammenziehung der österreichischen Truppen auf eine Schmälerung des preußischen Einflusses abgesehen. (N.D.Z.)
München, 15. Dezember. Welche schamlose Wuth die clerikale Partei über die Judenemancipation an den Tag legt, davon zeuge Folgendes: Der Moniteur derselben, der Volksbote, bringt den Kammerbericht über die gestrige Sitzung mit der Ueberschrift: „Schmachvolles Verfahren in der Abgeordnetenkammer". Alsdann folgt ein Sturmaufruf zu Adressen an das alt- baierische Volk. Drucken Sic als Zeichen der Zeit diesen Aufruf wörtlich ab; er lautet: „Die Linken und die Wackelmäuner haben ihren Handel gemacht! Jetzt gilt's für die Bürger und Bauern aller Gemeinden im ganzen Land sich augenblicklich zu rühren. Noch haben wir eine Reichsrathskammer! Sie muß erfahren, was die Gesinnung des bairischen Volks ist; also unverweilt Adressen, — Adressen aus allen Gemeinden! Oder wollt ihr künftig euch bücken vor Sr. Gnaden dem jüdischen Landrichter Schmul? Soll euch ein Jude vor dem Bilde des Gekreuzigten beeidigen , das er schmäht und mit seinen Händen entweiht? Wollt ihr eure Steuern und Abgaben einem jüdischen Rentamt- manu zahlen, der dabei mit seinen Stammesgeuossen durchsteckt? Wollt ihr jüdische Landgerichtsbeamte in euern Kirchensachen mitsprechen sehen? Wollt ihr etwa von ihnen in euere Kirchenstiftungen hineinge- redet wissen? Laßt den Zeitgeisttrompeter Lerch en- feld morgen Minister werden, so werdet ihr den Salat selber haben! Wenn der Gesetzentwurf wirklich Gesetz wird, so müßt ihr euch das Alles gefallen lassen: denn sonst seid ihr Empörer gegen das Gesetz; also sorgt jetzt für euch selbst! Ergreift den gesetzlichen Weg der Adressen an die Kämmer der Reichsräthe! Das ist nur gutes Recht; aber verliert feine Zeit! Verlangt, daß nicht blos vor der Hand, sondern ein für alle Mal kein Jude in einer Gemeinde sich an- sassig machen dürfte, wenn nicht zuvor zwei Drtttheile sämmtlicher Gemeindeglieder (nicht blos der Gemein- dcverwaUung, die überdies wechselt) in offener Versammlung dafür stimmen; verlangt, dâß kein Jude je zu einem Richteramt oder Finanzamt, oder zu irgend einem Amte zugelassen werde, das ihn mit euren christlichen Kirchenangelegenheiten irgend in Berü rung bringt, und verlangt unbedingte Aufhebung des Schacher yandels bei gehöriger Strafe! Diese Punkte sind das Mindeste, was verlangt werden darf." Die Raserei geht so weit, daß Aufhetzungsbriefe nach allen Ecken und Enden fliegen und selbst geistliche Würdenträger versichern zu dürfen meinen: die Abgeordneten, welche für die Emancipation gestimmt, würden in gewissen Wahlkreisen geradehin todtgeschlagen werden, wenn sie nach Hause gekommen.
Bonn, 15. Dezember, halb 2 Uhr. So eben erschallt vielfaches Jubelgeschrei durch unsere Straßen, weil unser Mitbürger Toups, auch einer von denen die in Baden für die deutsche Freiheit mitgestritteu und gelitten haben, auf dem Transporte nach Köln hier durchgebracht wird. So zeigt das Volk seine Gesinnung: den Sieger von Baden empfing eine sehr kühle Stille, die gefangenen Männer des Volks empfangt anhaltender Jubel! Versteht Ihr diese Lehre Ihr Mächtigen? (N. B. Z.) 1 '
Berlin, 14. Dezember. Der Antrag der Polen in der zweiten Kammer gegen die Wahlen zum Erfurter Reichstag hat, wie sich erwarten ließ, die Befürwortung des deutschen Ausschusses, welchem derselbe zur dringlichen Behandlung überwiesen wurde nicht erlangt. Der Bericht, von Duncker abgefaßt empfiehlt, über den Antrag zur Tagesordnung zu gehen Es wird darin ausgeführt, daß die ^^^^^m^m^ vom
27. November, wie die Zahl der für Posen aufgeführ- ten Deputaten ergebe, und was auch durch positive Mittheilungen der Regierung, so wie durch die staatsrechtlichen Verhältnisse der Provinz bestätigt werde, sich nur auf den demarkirten deutschen Theil der Provinz erstrecke. Dieser diesseits der Demarkationslinie belegene Theil aber gehöre unbezweifelt zum deutschen Bunde, das sei „eine vollendete, zu Recht bestehende Thatsache." Der letzte Satz wird zu beweisen gesucht durch Bezuguahme auf den Beschluß des Bundestages vom 11. April 1848 und der deutschen Nationalversammlung vom 27. Juli 1848. Gegen die Behauptung des Antrages, daß Posen nach der Bundesakte von 1815 nur mit Zustimmung aller Unterzeichner jener Akte in den deutschen Bund ausgenommen werden konnte, wird eingewendet, daß Posen nicht ausdrücklich und namentlich vom Gebiet des deutschen Bundes ausgeschlossen sei, und daß Deutschlands innere und äußere Entwickelung von dem Belieben und der Genehmigung der Unterzeichner der Wiener Kongreß- Akte nicht abhängig gemacht werden .könne. „Eine Folgerung der Art wird Deutscher Seits niemals zugegeben werden." Die Bundesakte wie die Schlußakte widerspräche vielmehr einer solchen Folgerung, und die Unterzeichner der Verträge garantirten nicht blos den Bestand, sondern auch die Fortentwickelung des Bundes. (Westd. Z.)
Stuttgart, 17. Dezember. Was man nach dem Ausgang der letzten Sitzung erwartet hatte, ist nicht eingetroffen. Noch ist die verfassungberathende Versammlung nicht ausgelöst; dagegen hat das Ministerium seine Entlassung ein gereicht; es sollen Versuche zur theilweisen Umgestaltung desselben gemacht, bis jetzt aber gescheitert sein; wenigstens spricht man vou einer Berufung Reysche r's zum König. (Fr. 3 )
Frankfurt, 18. Dez.' (Fr. I.) Die Uebergabe der Centralgewalt an die für die neue Centralbundescommission von Oesterreich und Preußen ernannten Com- nuffarien findet Donnerstag, den 20. d. M. um die Mittagsstunde in dem fürstlichen Thurn und Tarischen Palais statt. Wie man vernimmt, werden diesem feierlichen Akte nicht allein sämmtliche hier anwesenden Bevollmächtigten der deutschen Regierungen, sondern, auch die Repräsentanten des Auslandes demselben beiwohnen. — Gestern und heute empfing der Erzherzog-Reichsverweser die offiziellen Besuche der Mitglieder des neuen Interims.
Wepublik Frankreich.
Paris, 15. Dez. Die Presse bringt heute einen fulminanten Leitartikel gegen C. de Montalembert, einen Artikel, der ohne Zweifel ein wahrer Leidartikel für ihn ist. Der schlaue Giradin eröffnet ihn mit folgendem Citat:
„Wenn sie Gegenwärtiges nicht werth halten sollten, in der Presse w.cdergegeben zu werden, so bitte ich, es doch als ein Zeichen meiner aufrichtigen Bewunderung für den edlen und seltenen Muth entgegennehmen zu wollen, den sie seit sechs Monaten in .einem Kampfe entwickelt haben, dessen Andenken in der Nachwelt leben wird." (Brief an E. de Giradin.)
Gez. C. de Montalembert.
In diesem Style schrieb Herr v. Montalembert am 8. April v. I. an Giradin. Der Letztere wirft ihm nun sans sacons vor, daß die einzige Entschuldigung, welche er heute habe, die wäre, daß er (Mon- talcmbert) ihn, oder vielmehr sein Journal, die „Presse", damals nöthig gehabt habe, um sein (Montalemberts) Zirkular an die Wähler verschiedener Departements zu veröffentlichen. In diesem Zirkular sagt Montalembert, daß die Fahne, unter welcher er stehe: Freiheit in Allem für Alle sei; daß die Freiheit das Ideal seiner Seele, daß er keiner andern Inspiration als jener, welche aus Liebe zur Freiheit entspringt, gefolgt
sei, daß 'er die Septembergesetze, wie alle cinschrän- kenden und Wülkürmaßregeln bekämpft, weil er überzeugt gewesen sei, daß die Regierungen in Frankreich niemals mit einer so beklagenswertsten Schnelligkeit gesunken wären, wenn es nicht wegen Mangels an Aufrichtigkeit und. wegen Nachgiebigkeit gegen er finstre Leidenschaften geschehen sei. Weder seine Ueberzeugung, noch sein Wandel würden sich ändern. Ihre Wähler, so fährt nun Girardin fort, haben Ihnen aufs Wort geglaubt, und ihr Wandel hat sich allerdings nicht geändert, denn Sie sind 1849, was Sie 1848 uni) 1847 waren. 1847, unter Louis Philipp, war es Kleinigkeit und gefahrlos zur Opposition zu gehören. 1848 hatten Sie Furcht und ich beruhigte Sie; ^ie aber schmeichelten mir! 1849 statten Sie keine Furcht mehr, und ich erschreckte Sie; Sie aber beleidigten mich. Das beweist doch, daß sie stets derselbe sind, brav, wenn es keine Gefahren gibt, demüthig, wenn Sie zittern, arrogant, sobald sie sicher sind! Aber ich werde Sie schon demüthig wieder sehen, sehr demüthig, denn die Gefahren sind nicht verschwunden, denn der Tag ist vielleicht gar nicht so ferne, wo die Deserteure der Freiheit vor ihre Kriegsgerichte gebracht, unerschrockener Vertheidiger bedürfen. An diesem Tage, mein Herr, (also eher nicht,) werde ich die Injurie von gestern vergessen haben. Die Religion, welche auf Ihren Lippen ist, ist in meinem Herzen."
Nunmehr geht Girardin ins Detail und erinnert Mon- talembert daran, daß er gesagt stabe, Frankreich würde an der Kapitalsteuer zu Grunde pesten. Er aber (Gi- radin) erwiedere ihm, daß die Steuer auf die Konsumtion, ihn (Montalembert) zu Grunde richten würde. Denn er möge nur wissen, daß die Getränkesteuer auf dem Schlachtfelde der Wahlen mehr Republikaner des kommenden Tages lassen werde, als die 45 Centimen- steuer deren vom verflossenen Tage gelassen stade. Die Steuer aufs-Kapital, sagt Girardin weiter, hat zu Florenz unter den Medicis eristirt und ist seit zwei Jahren vom Staate Louistänna adoptirt. Sie ist die getreue Uebersetzung des Gedankens von Baubanu „Jemehr eine Person über andere durch Geburt oder Würde erhaben ist, je größere Güter sie besitzt, desto mehr bedarf sie der Protektion des Staates, und ist sie dabei interessirt zu seiner Erhaltung beizusteuern." Die Kapitalsteuer sei auf folgende Ansichten Turgots gegründet: „Was ist die Steuer? Ist es eine Last, welche die Gewalt dem Schwachen auferlegt? Diese vsdee wäre analog jener, wenn ein Gouvernement einzig und allein sich auf das Recht der Eroberung stütze; dann würde der Fürst als der gemeinschaftliche Feind der Gesellschaft betrachtet werden müssen; die Stärkt rn würden P'ch so gut sie vermöchten gegen die Steuer wehren, die Schwächeren müßten sich erdrücken lassen. Dann wäre es also ganz einfach, daß die Reichen und Mächtigen die ganze Last auf die Schwachen und Armen walzten. Das ist aber nicht die Idee, welche man sich von einem väterlichen, auf eine nationale Konstitution gestützten Gouvernement macht. Die Kapitalsteuer sei auf folgende von Adam Smith prokla- mirte Grundsätze gestützt." „Die Tare, welche ein jedes Individuu zu zahlen verpflichtet ist, muß nicht der Willkür unterworfen sein. Sie muß so cingerich- tet sein, daß aus den Händen des Volkes uns eben das, was mindestens möglich, und dem Staatsschatz nöthig, in dieselben fließe." Was aber noch mehr die Unwissenheit Montalemberts bekunde, und gegen seine Ansichten von Kapital- und Verzehrssteuer spreche, das seien die Worte einer berühmten Autorität, die Worte Vaubans, der gesagt habe: „Die indirekten Taren schaden dem Unterhalt des Volkes, dem Handel und dem Vezehr. Der wahre Reichthum eines Staates besteht in der Fülle der Lebensmittel. Die Abgaben auf Lebensmittel, wie Brod, Fleisch, Wein, machen den Verzehr theuer. Dadurch werden die ar- meu Arbeiter noch ärmer, müssen noch mehr arbeiten, und verkaufen ihre Arme um einen elenden Lohn; ihr
Sitz ber National-Versammlung angegeben wäre Es müßte diese Bedingung ausdrücklich in der Berufung ausgesprochen sein, um irgend eine rechtliche Wirkung daraus herzulcitcn. 9
Allein nirgends — weder in den erwähnten Bundcs- tagsbeschlüssen noch in der preußischen Wah,Verordnung — nirgends, sage ich, steht geschrieben, daß die deutsche Nativnal-Vcrsammlung in Frankfurt tagen müsse. Die preußische Wahlvcrordnung und der Buudeölagsbeswiuß vom 7.Apnl 1848 einigten sein Wortüberden Sitz derNmional- vZhnnmluug, nur in dem Bnttdcstagsbeschlusse vom 30. Mai 1848 ist davon die Rede, und zwar in folgenden Worten:
" beschlossen, die Bundesrcgiernngen aufzuforbern in ihren lammtllehcn — dem deutschen Staatensysteme angehörigen Provinzen auf verfassungsmäßig bestehen- . Mm oMr Mort «èr-ndcm W.g- SW™ „m MmtwrtMeni migiiorMm, welche _ am Sitte Mr <BunM»^ an einem lWlnig|t ^ stellenden Termine zmammcnzutretcn haben um u f w Bemerken Sie, meine Herren, daß in ter W Ö ’ aste wiederum die Worte: „an einem schleunigst stellenden Termine" — weggelassen sind. 9
VDU einer Bedingung — nichts von einem anv,wl>eßt>chcn, dauernden Aufcnthaltsvrt, sondern allein — „Zusammentritt" der Abgeordneten an einem bestimmten „.erminc ,n Frankfurt! — Sie sehen schon hier- Eine Herren daß mit vollem Rechte der Abqe- «Miete Sei) m »er früher Matten »»r sagen sonn«:
„die National-Versammlung ist zwar berufen, ihre Sitzungen in Frankfurt a. M. zu beginnen/sie kennt jedoch keine Verpflichtung, nur in kieserStadt zu tagen."
Und in der ^.hat ! Wer hätte auch wohl im März des Jahres 1848 eine derartige Verpflichtung der deutschen National-Versammlung auferlegen, eine solche Bedingung ihr vorschreiben sollen?
Versetzen Sie sich, meine Herren, in die damalige Zeit! Noch nicht 2 Zahle sind verflossen, — und doch sind seitdem so wunderbare Ereignisse in schnellem Wechsel stuf einander gefolgt, das jene Zeit wie eine längst ver- schwundcni Vergangenheit hinter uns liegt. Gestatten Sie mir, den wahren Hergang der Sache Ihnen in das Gedächtniß zurückrufen.
Wer hat die deut,che National-Versammlung berufen, — wer den Ort ihres Zusammentritts bestimmt? Gewiß?, weder der Bundestag noch die preußische
(Fortsetzung folgt.)
Auch ferne denk ich Dein mit Liebe, ilmgaukelt mich auch stilles Glück;
Denn Dein sind meines Herzens Triebe — An Dich denk ewig ich zurück.
Und Ihr, die Ihr in sanfter Weise, So wunderhold die Herzen rührt — Lebt wohl! ans Eurem frohen Kreise, Das Schicksal mich von dannen führt.
Doch bleibt mir ja das süße Hoffen, Als schönster Trost das Wiederseh'n; Es hat mich nicht der Schmerz getroffen, Auf ewig von Euch weg zu gehn!
Abschiedsgruß an den Westerwald.
Noch einmal lebet wohl, Ihr Alle!
Mein Gruß erscheint mir wie ein Traum, Da leider ich bin in dem Falle, Entfernt zu lein vom HeLenbanm.
Therese
Mein Wald im West, der mich geboren,
Wie gerne weilte ich bei Dir!
Wie viel hab ich mit Dir verloren, Wie warst Du hold und freundlich mir!