„Freiheit and Aeeht."'
Wiesbaden. Ureitag, U. December
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Sendschreiben an die freie christliche Gemeinde zn Diez und Freiendiez,
als Erwiederung auf deren Sendschreiben an die Gemeinde Langenbach,
(Siehe No. 252 der Fr. Z.) von Pfarrer F. H. Snell, im Namen und Auftrag der letztgenannten Gemeinde.
(Fortsetzung.)
Wie die Obrigkeit und die Staatsverfassung beschaffen war, ob republikanisch oder monarchisch, darum handelte sich's damals gar nicht, sondern die Christen sollten nur erkennen, daß eine Obrigkeit da sein müsse, daß das Zusammenleben der Menschen in Staaten und unter einer geordneten Regierung, wenn dies auch eine heidnische Regierung sei, nothwendig und eine göttliche Ordnung sei: sie sollten „aller menschlichen Ordnung", als einer göttlichen, „Unterthan" sein. Die Handvoll Menschen, welche damals sich zum Christenthum bekannten, das kleine Häuflein der Gläubigen in einem abgelegenen Winkel des ungeheuren römischen Reichs, wie hätten sie sich vermessen können, die Berfa,,ung und Regierung dieses Reiches umzuändern! Dies lag noch so ganz und gar hinter ihrem Gesichtskreis, daß sie es auf natürliche Weise, ohne übernatürliche Hilfe nicht einmal für möglich hielten, alle diese Millionen, die das römische Reich bewohnten, zum Christenthum zu bekehren. Sie hatten daher weiter Nichts zu thun, als den thörichten Aberglauben, als ob die heidnische Obrigkeit vom Teufel sei, aufzugeben, sich als stille Bürger zu betragen, und so „die Unwissenheit der thörichten Menschen mit Wohl- thun zu verstopfen", d. h. die Verleumdungen ihrer Feinde, welche ihnen nach,achten, „sie hätten die Freiheit zum Deckel (Deckmantel) der Bosheit" (1 Petri 2, 15. 16.) thatsächlich zu widerlegen — und dies Alles „um des Herrn willen", weil es „der Wille Gottes" so verlange (a. a. O. B. 13 und 15), oder wie Paulus (Römer 13, 5 ) sagt, „nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen." Denn cs war „der Wille Gottes", daß die Christen vor der Hand auf nichts Anderes denken sollten, als den christlichen Glauben und somit auch die Grundgedanken der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit'in der Welt auszubreiten. Wenn dieses Werk — freilich eine Arbeit von Jahrhunderten — vollbracht war, so mußte Alles Andere von selbst kommen. Vorerst mußten die Christen, ohne sich um die Einrichtungen des römischen Reiches im Großen und Ganzen zu kümmern, sich darauf beschränken, in ihren kleinen Kreisen, jenen Grundgedanken ihrer Religion, so gut dies im Kleinen gehen wollte, zu verwirklichen. Wenn ;. B. Paulus (1 Korinther 12, 13.) sagt: „wir sind alle durch Einen Geist zu Einer Liebe getauft, wir seien Knechte, (v. ist Sklaven) oder Freie", so mußte daraus als Konsequenz die Abschaffung der Sklaverei folgen. Da aber das kleine Häuflein der Christen dies nicht zu thun vermochte, so konnte man denselben nichts Anderes gebieten, als in ihren Kreisen thatsächlich die Sklaverei aufzuheben, d. h. mit ihren Sklaven auf dem Fuße vollkommenster Gleichheit zu leben, wie denn anch im Kolofferbricfe (Kap. 4, 1.) wirklich geboten wird: „Ihr Herrn, was recht und gleich ist, das beweiset den Knechten."
Eben so war den Christen, wie wir gesehen haben, zwar der Gehorsam gegen die Obrigkeit dringend eingeschärft; aber dennoch werden dieselben ermahnt, wo es möglich sei, die Berührung mit derselben zu vermeiden und dieselbe zu umgehen. Die Christen sollten lieber unter sich durch freigewahlte Schiedsrichter ihre Streitigkeiten schlichten, als dieselben vor den heidnischen Richter bringen. Eine merkwürdige Stelle dieser Art findet sich 1 Korinth. 6, 1 ff., wo Paulus spricht: „Wie darf Jemand unter euch, so er einen Handel hat mit einem Andern hadern vor den Ungerechten (d. i. den Heiden), und nicht vor den Heiligen (d. i. den Christen) ? Wisset ihr nicht, daß "die Heiligen die Welt richten werden? So denn nun die Welt soll von euch gerichtet werden: seid ihr denn nicht gut genug, geringere Sachen zu richten?" 2c.
Durch diese tiefsinnigen Worte des größten der Apostel werden wir zugleich auf eine andere wichtige Seite des Urchristenthums geführt. „Die Heiligen, sagt Paulus, werden die Welt richten", die christlichen Grundsätze werden dereinst die ganze Welt und alle Verhältnisse und Einrichtungen des Lebens durchdringen
und umgestalten. Die tiefe Sehnsucht und die ferne
I Hoffnung auf einen solchen endlichen Sikg der Grundgedanken des Christenthums zieht sich, ungeachtet die ersten Bekenner desselben mitten unter den Heiden lebten und sich mit aller Ergebung der ihnen doch immer verhaßten heidnischen Staatsregierung völlig unterworfen, wie ein rother Faden durch die ganze urchristliche Zeit. Denn nichts Anderes, als diese Hoffnung, ist es, wenn die Christen der ersten Jahrhunderte, welche noch gar nicht absehen konnten, wie auf natürlichem Wege, durch die christlichen Grundsätze die Welt könne umgestaltet werden, eine solche Umgestaltung, — einen „neuen Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnet" (2. Petri 3, 13) — auf übernatürliche Weise erwarteten. Nichts Anderes ist der Sinn der urchristlichen Erwartung der Wiederkunft Christi, wie dieselbe unter mancherlei Bildern fast in allen Büchern des Neuen Testaments beschrieben wird. Schon Christus selbst sagte bei seinem Scheiden den Jüngern, die sich danach sehnten, daß auch die damals so trostlosen weltlichen Verhältnisse umgestaltet werden möchten und ihn fragten: „Herr wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel?", die auf die Zukunft hinweisenden Worte: „es gebühret euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater feiner Macht Vorbehalten hat!" (Apostelgeschichte 1, 6. 7.)
Und das letzte Buch des Neuen Testamentes, die Offenbarung Johannes, hat den alleinigen Zweck, unter allerlei morgenländischen Bildern den einstigen Sieg deS Christenthums über die Welt zu beschreiben. So sind alle die zahlreichen Stellen der Bibel, welche von der Wiederkunft Christi reden, zu deuten. Denn daß sich in diesen bildlichen und sinnlichen Vorstellungen der ersten Christen noch Vieles ändern, und der bleibende Kern aus der vergänglichen Schale sich loslosen müsse, das sagte schon Christus selbst, indem er zu oen oben angeführten Worten über das Nichtwissen von Zeit und Stunde der Aufrichtung des Messiasreiches unmittelbar hiuznfügt: „sondern ihr werdet die Kraft deS heiligen Geistes empfahen" (Apostelg. I, 8). Dasselbe sagen die bekannten Worte Jesu: „Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen, wenn aber' der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten" (Johannes 16, 12 13). Denn gerade daS Evangelium Johannes ist es, welches die Vorstellung von der Wiederkunft Christi am geistigsten auffaßt.
Daß die Christen den Zustand der Unterdrücküng und selbst Verachtung, in welchem sie sich befanden, daß sie namentlich ihr Unterworfensein unter das Regiment einer heidnischen Regierung schmerzlich empfunden, und es lieber gesehen hätten, wenn diese Regierung eine christliche gewesen wäre, dies geht auch aus einer Stelle im Briefe an die Römer (Kap. 13, 5) hervor, wo Paulus den Römern zuruft: „so seid nun aus Noth Unterthan", d. h. wenn man euch auch euer Mißbehagen über euer Verhältniß zu der römischen Regierung, als einer heidnischen, nicht übel nehmen kann, so ist's einmal vor der Hand noch nicht zu än
dern und ihr müßt euch in die Nothwendigkeit fügen.
In den ersten Zeiten aber kam cs, wie gesagt, den Christen noch gar nicht in den Sinn, diese Aenderung,
diesen Sieg deS Christenthums auf natürlichem Wege, einen Sieg der Wahrheit durch ihre eigene Kraft zu erwarten. Von übernatürlicher Wirkung, von einem unmittelbaren Eingreifen überirdischer Mächte erwarteten sie und als mit Einem Schlage vollendet, stellten sie sich vor, was durch die natürliche Kraft des menschlichen Geistes und die siegende Gewalt der Wahrheit selbst allmälig im Laufe der Jahrhunderte sich vollen- den sollte.
a Keine Ahnung hatten sie noch davon, daß drei Jahrhunderte allein dazu erforderlich sein würden, um nur einmal das äußerliche Bekenntniß der christlichen Religion im römischen Reiche zur Herrschaft zu bringen, daß dann wieder eine lange Reihe vonJahrbun- derten dazu verwendet werden müsse, um das Christenthum einestheils zu allen Völkern Europa's zu bringen, anverutheils äußerlich unter der Form des Papstthums als eine in sich gegliederte und geschloffene Krrche auszubilden; keine Ahnung hatten sie davon, daß noch einmal eine Reformation nothwendig werden wurde, um nur die Grundgedanken der christlichen Religion als solche, mit Unterdrückung aller Versuche, dieselben in den Lebens- und Staatsverhältnissen (tm Bauernkrieg) zu verwirklichen, in ihrer ganzen Tiefe
zu fassen, und rein innerlich als Glauben in die Gemüther zu pflanzen, keine Ahnung, daß von da an abermals drei lange Jahrhunderte unter Druck und Noth für die Christenheit verstreichen würden, ehe der von der christlichen Religion aufgesäugte und großge- zogeke Geist den Muth haben werde, endlich den christ- ^,^uben in die Wirklichkeit zn übertragen und die Grundgedanken der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen in den Staats- und Le- benseinrichtungen in Fleisch und Blut zu verwandeln Von dieser ganzen natürlichen Entwicklung des Chri- stcnthuins hatten die ersten Bekenner desselben keinen Beguff. Gehaßt und verfolgt, verachtet und gedrückt, wandelten sie als Knechte ihre Lebensbahn, selig bloß 'n dem Glauben. (Forts, folgt.)
Ueber das »affariische Bauwesen.
Die unter dieser Überschrift in Nr. 275 der Freien Zeitung gegen meine Wirksamkeit im Dienste gerichteten persönlichen Verdächtigungen würdige ich einer Erwiederung nicht; dagegen kaun ich es nicht unterlas- Ssoweit Ansstellungen gegen den Straßen- und Wasterbau im Allgemeinen, und gegen einzelne Bauanlagen gemacht werden, thatsächliche Berichtigungen hiermit ein treten zu lassen. . 3
Die gewünschte Reorganisation des Banwesens berührt meine Dienststellung nicht.
Daß in früheren Zeiten nicht allein im Herzog- tbnm, sondern auch in andern Ländern viele, mehr als unbeqncme Straßen gebaut worden sind, ist bekannte Thatsache, die jedoch der Gegenwart nicht zur Last gelegt werden darf. 7 5 1
Mit meinem Dienstantritt bei der Herzoglichen Landesregierung waren die Straßenstrecken jenseits Ke- mel und von Schlangenbad nach Langenschwalbach der Vollendung nahe. Wahrend meines Referats sind die Chausseen: 1) durch das Amt Reichelsheim, 2) von Ems über Niederlahnstein nach Horchheim; 3) von Dillenburg über Eibelshausen nach der Laudesgrenze; 4) von Höchstenbach über Herschbach nach der preu- ßllchen Grenze bei Dierdorf und 5) von Ziegenberg ms Usthal nach Usingen (diese Straße ,v^W über das Gebirge projectirt, auch Hessischer Selts bereits ausgeführt) entstanden.
Diese Straßenbauten unterscheidcn sich sämmtlich von den alteren Anlagen dadurch, daß bei mäßiger aber genügender Breite allenthalben unbequeme Steigungen (nicht über 3 Grade) vermieden worden sind
Nach denselben Grund,ätzen sind die Pläne für die Chausseen von St. Goarshausen nach Hozhausen mit der Fortsetzung nach Diez, sodann von Usingen über Ödstem nach Laugen, chwalbach mit der Verbindung von Wiesbaden nu Aarthale, und die Straßenanlage von Siez nach Nassan beantragt worden.
Ueber die Stiftung der Letzteren von der Diezer Vorstadt aus war bereits vor etwa 20 Jahren ohne mein Zuthun bei der Bestimmung der Baulinie ent- ,chieden, und^es würde sich die Umgehung der neu entstandenen Ortsstraße und des Ortes Altendiez auch dann nicht rechtfertigen lassen, wenn der Weg des Herrn Anonymus, welchen sich das liebe Rindvieh ^latt^ "'"°" "ich-
M ^ur'x ^ V^- ?* der S«&n zur Umgehung bcö Hollricher Bergrückens konnte ,chon der Kosten wegen nicht jn Betrachtung kommen. Wäre jedoch eine Veranlassung zur Berücksichtigung zulässiger Ersparung nicht vorhanden; so würde eS zwar nicht für unmöglich erachtet, einen Weg in den theils sehr festen, theils losen, bis zum Lahnspiegel in beinahe senk- rechter Stellung reichenden Felsen ein;nschroten; allein cs konnte dabei nicht unbemerkt bleiben daß sich von der angegriffenen Felsenwano fortwährend zeltwel,c Stemmassen und Gerölle ablösen und die Passa gefährden werde, was nicht zu verhindern stand. . D'e nach dem Ausbau verbleibende Steigung des Wego über den nicht hohen Hollricher Berg auf ganz kiiize Strecke mit 3 Grad ist aber um so weni- ger zu beachten, als ein gleiches Ansteigen auf diö ganze Weglange von der Gellbachsbrücke bis zur Was sann ^6 ^ D^'ârger Weg nicht vermieden werden
Beziiglich des Wasserbaues hat die anonyme Ta- dchucht anzugcben übersehen, wo unser Ländchen die theuren Erfahrungen hat inachen müssen, und was gej.