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WLesösden. Dienstag, 11. December

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Logen. Der AbonnementSprciS beträgt vierteltährla hier in Wiesbaden i , durch die Post bezogen mit verhâltnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien 3Hi»»«" a»m - ' auswärts Erfolge. Die JnserationSgebühren betragen für die vterfpaltige Petttzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. ° ° aets von wirksamem

'^Wiesbaden, 10. December. In ,dcr gestrigen Sitzung des demokratischen Vereins zur Wahrung der Volksrechte dahier wurden einstimmig folgende Be­schlüsse gefaßt:

1) Der Verein beschließt:sich an den Wah­len für den sogenannten Reichstag zu Er- fnrt nicht zu betheiligen;

2) den Vorort der demokratischen Ver­eine Nassau's zu ersuchen, von diesem Be­schlusse den einzelnen demokratischen Ver­einen Nassaus Mittheilung zu machen.

Dje Nassauische Allgemeine, derKauf­mann" Ohm und deralte Adam"^

Aus der Provinz. Die Nassauische Allgemeine hat einen Mitarbeiter, von welchem man mit Graf Platen sagen kann:

Er ist ein Held an Fruchtbarkeit, wie Salbeien und Lope, Uyd schmieret, wie man Stiefel schmiert; vergebt mir diese Trope!

Er ist kenntlich an einem dreifachen Gestirn, das er seinen Hallucinationen vorjufetjen pflegt, und an lateinischen Mottos, welche zu Allem zwischen Him­mel und Erde eher passen als zu denjenigen Aufsätzen, welche er damit zu zieren pflegt, grade wie auch ihrer­seits wieder jene Aufsätze eher zu allem in der Welt passen, als zu Stellen aus römisch-republikanischen Elassikern. Diese große dreifach bestirnte, mottorciche Stütze des nassauischen Ministeriums, welche die ver­derbte, von dem Gifte demokratischer Spottsucht infi- zirte Jugend als dennassauischen Plato" oder den alten Adam" zu bezeichnen pflegt, leistet in der That Unglaubliches. Wer an diese unglaublichen Leistungen nicht glauben will, der nehme sich Num. 287 der Nas­sauischen Allgemeinen Zeitung vom 4. Dezember zur Hand und er wird darin einen Aufsatz sinken, betitelt: Die moderne Demokratie von sich selbst gerichtet" und gezeichnet mit dem Zeichen der drei Sterne. Nun rathet was darin steht! Es steht darin abgedruckt das niederträchtig-ekelhafte Lügengewebe des be­rüchtigtenKaufmann" Ohm, jenes Menschen, her sich von Judas nur dadurch unterscheidet, daß jener Schamgefühl genug hatte, sich aufzuhängen und dieser nicht. Und jenes im Novrllenstyl der Krenzzritung gefaselte Zeug eines Menschen, der sich selbst alsPreuße" undRoyalist" bezeichnet, hält deralte Adam" für ein kompetentes Urtheil eines modernen Demokraten über die moderne Demokratie und schreibt daher:die moderne De­mokratie durch sich selbst gerichtet." O Adam, Avam, wo hast Du kein Feigenblatt; damit Du bede­ckest Deine Blöße! Deralte Adam" derKaufmann"

(sic) Ohm und das nassauische Hofblâttchen in trau­tein Verein! OQ h in, gebrandmarkt mit allen Kains­zeichen, ausgestoßen aus der menschlichen Gesellschaft, angespieen von Jedem, welcher Anspruch auf den Na­men eines ehrlichen Mannes macht, schüttle den Staub von Deinen Füßen, ergreife den Wanderstab und zieh hin nach jener Stadt an dem Solzbach, die man nennt Wiesbaden. Dort wirst Du finden einen Mann, der sich nennet deralte Adam" und der sich Halt für der Weisesten Einer in den Gauen Deutschlands. Du wirst ihn erkennen an dem Zeichen, daß er hat gele­sen von allen Büchern, von den neuen und neuesten, die Vorreden. Schüttle ihm die Hand und wirf Deine tugendhafte'Brust an seine tugendhafte Brust, und setzt Euch zusammen und richtet die Demokratie!" O komme, edler Ohm, dessen Angabensicherlich nicht ganz auö der Luft gegriffen sind" (denn Adam sagt's und Adam ist ein ehrenwerther Mann», und werde Mitarbeiter der Nassauischen Allgemeinen Zeitung. Denn für Die, welche sagt,daß du ja nicht ganz aus der Luft gegriffen", wirst Du wohl noch schreiben dürfen, auch wenn Dich dieNeuePreußische" genannt Kreuzzeitung, nicht mehr brauchen kann. O komme! Der alte Adam wird Dir ein Kalb schlachten, und wird Dich kleiden mit der Hälfte seines alten, einzigen, gelbknöppgen, blaufarbigen Frackes. Kamine, verlore­ner Sohn, komme!

^ Die «ächtste Aufgabe unserer Medici- «alreform.

Mit dem größten Vergnügen habe ich in den nassaui­schen Zeitungen eine Einladung zu, einer öffentlichen Versammlung und münblichen Berathung von Aerz­ten in Biebrich gelesen; und ich freue mich, daß eine solche gelungen ist, während die Bemühungen für eine zweite Limburger Versammlung, zu der in der Nass. Allg." Rro. 147 aufgefordert war, gescheitert sind, indem man sagte, man verspräche sich davon nichts, während man doch die erste für sehr nöthig hielt. Eine kleine Versammlung ist jedoch in Limburg am 22. Nov. gehalten worden, zu der Herr M. 91. Herz von Weilburg eingelaven hatte. Es haben sich 16 Aerzte der Umgegend beteiligt; an die entfernte­ren hatte man nicht geschrieben. Ueber das Resultat ist mir nichts bekannt. Allerdings war es unmög­lich, daß die entfernt Wohnenden jetzt in Biebrich oder Limburg erscheinen, cs hätte eine frühere Jahreszeit genommen werden müssen, wie auch in derRaff. Allg." Rro. 247 vorgeschlagen war; deßhalb aber muß ich an die Geschäftsführer der Biebricher und Limburger Versammlungen hauptsächlich die dringende Bitte richten, ihre Protokolle sofort in einer nas­sauischen Zeitung zu veröffentlichen, damit anâ; wir, denen es nicht vergönnt war, an jenen Orten mit den Herrn Collegen zu berathen, in Kenntniß gc-

Freiheit und Neeht!"

1849

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setzt werden von ihrer Beurtheilung des Entwurfs, von den Wünschen und Beschlüssen der Aerzte in den verschiedenen Gauen des Vaterlänbchens.

Wenn unsre Reformvorschläge Geltung, wenn sie Dauer haben sollen, so müssen sie conform unseren üb­rigen Saatseinrichtungen sein; es kann nur dann ein heilsamer Erfolg erreicht werden, wenn die Gedanken, die unsre Zeit als richtigen Coinpaß am Steuer des Staats erkennt, dabei die leitende Hand führen. Deß, halb muß ein v o l k6t h ü m l i ch e s Medicinal - Col- leg geschaffen werden, ein Medicinal-CoUeg, das auf der Höhe der Wissenschaft steht, das aber auch den Werth per Erfahrung für sich hat. Nan schaffe ein Mevicinal-Colleg, dem Vas volkstümliche Element beigegeben ist, das die wahre sociale Bedeu­tung, die Reuter so sehr hervorgehoben hat, dadurch erhalt, daß es zum Theil gewählt wird. Dann ent­steht ein Medicinal-Colleg, basvie Regierung, die Aerzte und das Publikum gleich befriedigen muß. ES empfiehlt sich daher der Vorschlag sehr, der in derNass Allg." Rro. 275 von S. gebracht wurde. Haben wir ein solches Medicinal-Colleg, dann können wir diesem die Festsetzung der einzelnen kleinern Punkte getrost über- lassen, und ich beschwöre die Herrn Collegen bei ihrer $iitif die kostbare Zeit und Gelegenheit nicht zu ver­geuden, indem sie minder wesentliche Dinge besprechen. Haben wir erst ein solches Medicinal-Colleg, dann kön­nen wir täglich unsre Wünsche in Berathung ziehen lassen, und man braucht sich nicht dabei zu übereilen: aus der allgemeinen Versammlung steht jedem gleiches Recht zu Interpellationen und Gesetzesvorschlägen zu. Ist so für Fortbildung unserer Mebicinal- Reform gesorgt, ist so das Stabilitätsprincip, dieser fürchterliche Hemmschuh allen Fortschrittes vernichtet, dann wird man stets den Anforderungen der Zeit können Rechnung tragen. Gerade über dies Stabilitatsprincip ist der Stab zuerst zu brechen, denn dies war es, was die Entwickelung unsrer Me- dicinal-Verfaffung stets und stets hinderte, und nur ein gewähltes und sich durch freie Wahl ergänzendes Me- bicinal-Colleg vermag diese Fessel zu lösen.

Aber vergessen wir nicht, daß aller wahrer Fort­schritt von d e r W i s s c n s ch a f t selbst ausgehen muß; vergessen wir nicht, daß eine richtige Medicinal-Orga- nisation nur auf Wissenschaftlichkeit im weite­sten Sinne des Worts bajut sein kann. Deshalb ist mein fernerer Vorschlag, nicht allein die tüchtigste Bo r- und Ausbildung des Mediciners zu berücksichtigen, sondern auch für dessen Fortbildung die höchste Sorge zu tragen. Nur wer weiß, der kann! Daher gestatte man wenigstens in Anbetracht der neuen so erfolgreichen Richtung unsrer physikalischen Wissen­schaft dein künftigen Mebiciner seine Vorbereitung auf dem Realgymnasium (Vergleiche Nass. Allg. Nr. 248 und 263 ); man prüfe dann während des Universitäts­studiums in den bisher fälschlich sogenannten Hilfswis­sen sch asten, denen der Name Grundwissenschäften

Proceß Waldeck.

Rede des Herrn Dorn , Vertheidigers des Herrn Waldeck.

(Fortsetzung.)

Um Ihnen die Einwirkung dieses Gödschc auf den Gang der Untersuchung zu schildern, und die Nichts- würkigkeiten dieses Menschen karlegen zu können, muß ich zurückgehen auf den Moment des Entspringens von Ohm. Sie erinnern sich, der Polizei-Präsident wurde in der Nacht vom 12. 14. Mai dieses Jahres durch Gödsche geweckt; es wurde ihm eine Abschrift des viel besprochenen Briefes, in dem von Königsmord die Rede ist, überreicht; der Polizei-Präsident stellte am 14. Mai den Befehl zu sofortigen Verhaftung Ohm'S aus; der Befehl wurde nicht sofort vollstreckt; awi Tage ver­gingen ; am 16. endlich wurde Ohm in seiner Wohnung verhaftet; es wurde bei ihm jener Brief gefunden. Zu­nächst, wie wunderbar, weßhalb zwischen dem Erlasse Zenes Befehls und der Vollstreckung eine so lange Zeit? Jener Befehl des Polizei-Präsidenten ist Ihnen wörtlich verlesen worden , eS ist darin der Grund des Befehls ausgedrückt, es heißt darin: Das Polizei-Präsidium habe Kunde davon erhalten, daß der Weinhändler Ohm in Berlin in Verbindung stände mit den Häuptern des Auf­standes in Dresden. Der Polizei-Commissarius Greiff

wurde mit der sofortigen Vollstreckung des Befehls be­auftragt, und dennoch zögerte er zwei Tage lang; cS blieb mindestens ein voller Tag dazwischen; der 15. Mai. Von dem ersten Augenblicke, als ich die Akten zu Gesicht bekam, war mir dieser Umstand im äußersten Grade auffällig. WaS konnte dieser 15. für ein Tag gewesen sein? Und wäre es ein Sonntag gewesen, die Polizei ruht auch am Sonntage nicht! Irgend ein anderer Grund mußte Vorgelegen haben. Ich vermuthete, daß vielleicht ter falschen Brief der gefunden werden sollte, noch nicht fertig gewesen sei, daß er noch erst in Ohm's Schlaf­rocks-Tasche practicirt werden müsse, daß Darauf gewar­tet worden sei. Indessen dieser Grund schien mir zu unhaltbar; diese falsche Briefe konnten einen Tag früher gemacht werden, ter Verhafts-Befehl konnte einen Tag später ausgestellt werden. Ein tieferer Grund lag vor. Einen Fingerzeug gibt dieKreuz-Zeitung", mit Der in der Hand man überhaupt den Prozeß studiren muß. DieKreuz-Zeitung" forderte sofort, daß Walbeck vor ein Kriegsgericht gestellt werde. Was ist am 15. I Mai b. J. geschehen? Es wurde an diesem Tage pro- mulgitt Die Suspension des Art. 7 Der Verfassung, welcher lautet:Niemand darf seinem persönlichen Richter entzogen werden." Kriegsgerichte traten damals ein. Der Polizei-Präsident hielt den Haftsbefehl zurück, Damit Zeit gewonnen würde, jene Suspension des Art. 7 aus- zusprcchcn. Man wußte sehr wohl, wenn am 14. Mai jene Verhaftung vorgenommen worden wäre, cs hätten

sich Compctcnz-Strcitigkeitcn entsponnen, wie sich bei anderen Gelegenheiten solche darüber entsponnen haben, ob Der vor Promulgation des Kriegsrechts Ergriffene Der Kompetenz des Kriegsgerichts unterworfen sei. Darum wurde gewartet. Der Befehl des StaatsmiuistcriumS tatirt vom 14. Mai; in Der Nacht vom 13. zum 14. hatte Der Polizei-Präsident den falschen Brief erhalten. Der Beschluß Les ^taatsmmisteriums ist also tatirt vom 14., unb am 15. wurde das Kriegsgericht promul» girt. Nun wurde am 16. Waldeck verhaftet. Ich glaube meine Herren, Sie blicken jeyt klar, Sie wissen jetzt, weßhalb Die Zeit dazwischen liegt, Sie wissen, weßhalb der Pvlizei-Cvmmissär vor Ihnen nicht antwortete, nicht mit Der Sprache heraus wollte; es wird Ihnen klar werden, warum Herr von Hinckcldcy sagte, solche Hafts- defehle würden zuweilen im Voraus ausgestellt. Wenn der Polizei-Präsident Den Haftbefehl im Voraus hätte ancstellen wollen in einem solchen Falle, wo sofortige Verhaftung angeorbnet wird, wo jeder Augenblick kost­bar war, wo Der Brief bei Ohin wieder verschwinden konnte, wie würde sich das rechtfertigen? Der Haftbe­fehl wurde ausgestellt und Greiff observirte das Haus um allenfalls sofort mit Dem Haftbefehle in ter Tasche i Vorgehen zu können. Der Zusammenhang wird Ihnen I also klar fein, und weßhalb man Waldeck trotzdem nicht I vor ein Kriegsgericht gestellt hat, auch der Grund, glaube ich, liegt klar zu Tage. Der Untersuchungsrichter scheint 1 sein großes Gewicht auf jene falschen Briefe gelegt zu