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Wiesbaden. Donnerstag, 29 November

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DieFre-e Zeitung" erscheint, mit AaSnadme des MomagS, täglich in einem Zogen. Der äbonntnmtoprdd betragt vierteljährig hirr in Wiesbaden 1 fL 45 ft auömö''s vurch die Post bezogen mit verhälmißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereiiwilltg ausgenommen und sind bei der großen Berbrettang derFreien Zeitung" stets von wirksamem ^rwi g,. Die Jnserationâgebühren betragen für die vierspalUge Petitzrile oder deren Raum 3 Kreuzer.

abgehaltene»demokratischen Feiertage" auf und schließt unsere Kreisstadt leuchtet allen Städten des Nassauer­landes- in solche» Dingen voran, keine thut es ihr darin gleich".

Wie überall all überall, so haben sich anch hier die Rolle» seit den Märztagen sehr getauscht. Die, welche im März nicht genug umarme», die Hände drücken, das Bürgerthum vergöttern, Gott nicht genug für Viesen neuen Beweis (einer Güte und Gerechtig­keit danken und das arme Volk bedauern konnten, schmieden heute in geheimen Sitzungen Pläne, die Märztage mit ihren kleinen Errungenschaften zu ver­wischen, sie schwören Tod den Tage», welche sie in ihrer Demüthigung und Ohnmacht gesehen haben, und verbrüdern sich mit der Hefe der Menschheit, welche sie selbst noch vor dem Marz verabscheuten, Der 3wett heiligt die Mittel!

Man hört so viel von Idstein, daß man denken sollte, hier ginge die Anarchie brüllend durch die Stra­ßen, und das Pflaster erhebe sich selbstthätig als Op­position, doch ist es hier sehrruhig" und nur zwei Mensche» nebst ihren Gehülfe» sind es, welche im Dienste der; kirchlichen und politischen Hei­ligen dieses alles zum höhern Zweck hervor- za»bcrn. Diese zwei Menschen mit ihren schmutzigen Gehülfen sind es, welche die Stadt nach allen Seite» hi» verdächtige» »»d auf ihre» gemeinen, schmutzigen Wegen jede freie, menschliche Regung, jede Erruiige»- schast und die Gesetzlichkeit selbst mit ihrem Giftstachel begeifern.

Es ist wohl interessant, die frühere Geschichte jener zwei Männer und ihrer Gehülfen näher kennen zu lernen.

Die Lebensweise des Emen wird am besten und vollständigsten in der Rcglstcatur des hiesigen AmtS- lokals gepuiven. Er wucde am meisten genannt, als die fch.-M.-Geschichte die Augen auf Idstein zog. Für den DeutschkalhollziömuS glühte der Mann bei dem Erscheine» deS Pfarrers Kerbler, daß es demselben vor solcher Ergebenheit bangte. In den Märztagen wollte er alles verengen, die Regierung entsetzen, und prahlte überall, die Henkerbeile schon geschliffen zu haben.

Der Andere werth diesem an der Seite zu stehen findet seine Lebensbeschreibung größten Theils in der Amtsreglstratur lind dem Amtsgefangnisse. Sein Leben ist reich an Schlägereien und wilden Scenen der Gemeinheit. Die Marztage iahe» ih» schreiend wie immer mit gestreckter Sense die Straßen d»rch- ziehc», furchtbare Aussätze verlesen und Petitionen, zur Absetzung eines gewissen Präsidenten, vortragen und Idsteins Bürger zur Unterzeichnung auffordern, welche ihn jedoch verhöhnten.

Ihre Genogen haben sich ebenfalls der Amtsregist­ratur gut empfohlen und sich in neuerer Zeit dem Grundsätze derT h e i l u u g" zugewendet. Der eine übt diesen Grundsatz am Heu, der andere am Holz.

Die Chamäleonsnaturen in Idstein.

9 Idstein, gegen Ende November. Niemand konnte denken, die allgemeine nassauische Zeitung würde ihre Spalten in vollem Maße den allergewöhnlich- sten Leidenschaften öffnen, hätten uns nicht zwei Ar­tikel von Idstein in No. 273 davon überzeugt. Der eine Artikel ist über Idstein und bekundet neben der gröbsten Rohheit in der Zusammenstellung das unleug­bare leidenschaftliche Streben, Idstein auf jede Weise zu verdächtigen, um dann den Schluß ziehen zu können: in Idstein kann das Sch ullehrerseminarium nicht bleiben. Es ist dieser Artikel im Schooße der Partei zur Welt gekommen, welche im Politischen wie im Religiösen alle Mittel durch den alleinselig­machenden Zweck heiligt, welche mit grinsender Freund­lichkeit und unschuldvollem Lächeln schweigend den Blick zur Erde senkt, wenn sie ihre Schandsaat ausgestreut hat. Der zweite ist von Camberg und scheint in trau­tem Einklänge derselben Quelle, welche Loyola in allen Winkeln aufzusinden wußte, wie der von Idstein, ent­sprungen. Er trägt das unverkennbare Zeichen des gemeinen Neides, daß Idstein und nicht Camberg der Sitz des Kreisamtes geworden ist.

Es liegt außer unserer Absicht, diese Artikel einer Kritik zu unterwerfen, da dieselben unter und au­ßer aller Kritik stehen; jedoch wollen wir einen kur­zen Auszug geben und dann zu einer Schilderung von einigen Personen übergehen, welche Idstein verdächti­gen und welche de» Stempel der A»archie auf die Stadt drücken und im Dienste der oben angeführten Partei der kirchlichen und politischen Heili­ge» die Demokratie zu lästern suchen. Wenn dies ein blos lokales Feld zu berühre» scheint, so halten wir ei' dennoch im Interesse der Demokratie für ge­boten, jene Leute zu entlarven, welche hinter ihrem Kothe die Demokratie zu verdächtigen suchen, uud wir halten es für sehr gut, wenn dieses aller Orten ge- ' schahe. Das Licht scheut der Teufel und fein

Heer!

Der Artikel von Idstein erzählt zuerst einen Raub- anfall bei Idstein, von zwei mit Turnjacken und Hecker- Hüten bekleideten Freischärlern, welche auf diese Weise ihre Bemühungenzur Durchführung der Reichsver- fassung sortierten", kommt sodann auf einen hier vor­gefallene» Diebstahl, und gibt zuletzt an, daß hier R. BI u m s-Feier stattgefunden, Redakteur Opper m a n n Huldigungen erhalten habe, ein Theil der Bürgerwehr ungesetzlich ausgerückt sei und schließt,daß diese De­monstrationen von Tag zu Tag mehr und mehr den Beweis führten, daß man zum Sitze einer Anstalt zur Bildnng der Volkölehrer keinen bessereren Ort im Lande wählen könne, wie Idstein."

Der Artikel von Camberg beginnt mit Lehrer R., setzt Zweifel in das Urthcilsvermögen des hiesi­gen Kreisamtes, verbreitet sich über die Idsteiner In­dustrieschule-Angelegenheit, zählt sodann die in Idstein

*

Dieses sind die Leute, welche als Werkzeuge der Gesellschaft der politischen und religiösen Hei­ligen dienen, untg die Pläne der geheimen Sitzun­gen, wenn diese ihren Gang durch die drei Häuser genommen, zur Ausführung zu bringen suchen. Der März mit seinen Demokraten, mit seinen Neuerungen und Errungenschaften muß aus der Welt, das ist ihr Losungswort.

Ueberall legt man die Ohren an, jedes Wort, was im demokratischen Vereine gesprochen, trägt man, IiV gen haft entstellt, weiter; Märtyrer-Feiern, welchen je­des menschliche Gefühl eine Thräne weihet, folgt man, um neue Punkte zu Verdächtigungen aufzufinden. Ar­tikel mit Lügen und Entstellungen, oft von unter­richteten und sehr frommen Händen znsammenge- webt, schicken sie in dieAllgemeine Zeitung", ohne den Muth zu haben, auf die kräftigen Aufforderungen des Bürgervereins und des Stadtraths, ihre Namen zu nennen. Alles dieses zum höher» Zweck. Kreisamt und Justizamt dahier haben aber wohl schon eingesehen, wo die Anarchie hier sitzt und werden es noch mehr sehen.

So lange die heilige Partei sich solcher Werk­zeuge bedienen muß, so lange sie mit Gemeinheit, mit Lug und Trug gegen die Demokratie auftreten muß, so lange haben wir den doppelten Beweis für unsere heilige, wahre, offene Sache. Wir werden uns durch solche Kräfte nicht irren lasse», der Tag des Lichts wird auch durch diese Finsterniß dringen.

Dem in derNassauischen Allgemeinen Zeitung" »»gekündigte»nächstens vielleicht ein Meh­reres!" wird nächstens vielleicht ein Mehre- res über die Gesellschaft der heiligen Partei, ihre Persönlichkeiten, Thaten und Geschichten der Vorzeit folgen. Der Vorhang in der heiligen Kapelle muß zerrissen werden, damit das Volk seine Pharisäer und Schriftgelehrten kennen, und wenn die Zeit kommt würdigen lernt.

R Z. Dom östlichen Fuße des Taunus, 25. Nov. Vor drei Jahren zog der erste evangelische Pfar­rer in die Mauern der Stadt Oberursel ein, außer seinen Glaubensgenossen, von kaum einer Seele beach­tet; heute Abend wurde ihm beim Scheide» von meist katholischen Männern uno Jünglingen ein Abschievs- gesang mit Fackelzug gebracht. Herr Herdt erwarb sich daselbst die allgemeine Achtung und Liebe im höch­sten Grade. Als würdiger Geistlicher stand er seiner kleinen Gemeinde vor und als edler Mensch war er beliebt in jedem Kreise. Wie der größte Volksfreund, Jesus Christus, nicht in Synagogen und Tempeln predigte, sondern hinaus trat mitten unter das Volk, so gab auch er ein »och schöneres Beispiel durch sein Leben, als durch die Worte seines Mundes. Früher besuchten die evangelische» Christen der Stadt meist

V Zur Beurtheilung des Entwurfs der neuen Mediciualorganifation.

(Schluß.)

will Bc- vcr=

Was nun die Gebührenordnung aubelaugt, so ich dieselbe einer Kritik nicht unterwerfen. Eine flimmimg derselben scheint mir aber so durchaus werstich, daß ich nicht mit Stillschweigen darüber hiu- weggehen kann. Es wird nämlich ein Unterschied zwischen wohlhabenden und mindervermögcudeu Staats­bürger» gemacht und derselbe nach den Steuerklassen fest­gesetzt. Das unbillige, unpraktische uud nachthcilige dieser Bestimmung hat Rcutcr a. a. O. Seite 26 und 27 nachgewiesen. ES ist gewiß ganz in der Ordnung, daß wenn man überhaupt eine Gebührenordnung cinfuhrc» will, dem Arzt ein nach den Umständen und nach dem Werth , den er seiner Kunst und Geschicklichkeit beilegt, zu benutzender Spielraun, jgelassen ist. Wie soll aber der Arzt seine Ansätze nach den Steuerklassen machen, die er nicht kennt und und deren Verzeichniß cr nicht nach- führeu kann? Wie leicht kann dem, der in einer niederen Steuerklasse steht, der höhere Betrag ohne Absicht vom Arzt angcforbert werden, und wie wird cs mit dem Ansehen dcö Arztes stehen, wenn ein solcher Fall vor die Gerichte kommt und daselbst die Hälfte des ange= forderten Betrags gestrichen wird?! Ohne alle Schuld

kommt derselbe in den Ruf eine? Betrügers und geht der Achtung und des Vertrauens seiner Mitbürger verlustig.

Marschen rind Halligen.

E r i n >i e r u n g e n aus S ch l c s w i g.

(AuS derNational Shilling".)

Kein schöneres Land wie Schleswig, der Zwillings- bruder Holsteins, kein deutscher gesinntes Land, als diese beiden nördlichen Herzogthümer, die man vom Mutter- lande nun auf immer abreißen will, um sie zur Schmach des ganzen deutsch» Volkes den Tauen zu opfern. Haben diese uralten Feinde Deutschlands nicht Jahr­hunderte lang gestrebt, das beut fel)e Land bis zur Elbe zu erobern, und ist cs ihnen nicht bis auf den heutigen Tag damit gelungen? Haben sie nicht auf Kosten Deutschlands noch in neuester Zeit für Norwegen, das sie verloren, das deutsche Lauenbuag erhalte», und hat es etwas geholfen, daß der Freiherr von Stein, als ihm gesagt wurde, Dänemark müsse doch existiren, kalt­blütig erwiederte:Ich sehe die Nothwendigkeit durch­aus nicht ein!" Ja, Dänemark existirt vornehmlich

auf Kosten Deutschlands. Es existirt von dem Raub- zoll am Sunde, den ihm unsere Schiffe zahlen, cs existirt durch die deutschen Herzogthümer Schleswig und Hol­stein, existirt durch die Elbzölle, welche es unserer Schiffahrt auf dem größten deutschen Strome abzwingt, und wird auf unsere Kosten weiter existiren, so lange nicht, statt der Diplomaten der Kabinette, die Diplo­maten des Volkes dieser Existenz Schranken setzen.

Wenn man den Fuß über die Eider sitzt ist man in Schleswig. Der Fluß bildet die politische Grenze der Herzogthümer, aber eine natürliche Grenze tritt erst am Flensburger Meerbusen ein. Dort hört der deulsa c Stamm auf und die Bevölkerung wird jütisch. Die andere Sprache, die veränderte Gesichtsbildung der Menschen, die abweichende Bauart der Hâuser, Alles zeigt deutlich, daß Deutschland hier aufhört, und wenn die Dänen dies nördliche Schleswig fordern, in welchem ein paar deutsche Städte, wie Inseln im Meere liegen, so muß man ihnen zugestehen, daß sie nicht Unrecht haben, denn die jütischen Schleswiger sind keine Deut­schen, sie wollen keine sein und werden niemals Deutsche werden. Hier am F ensbuxgcr Meerbusen liegt die wahre Scheidegrenze der beiden verwandten und doch so feindlichen Volksstämme, die Scheidegrenze der Na­tionalitäten, die kein Volk ungestraft mißachten darf. Was geht es uns an, ob vor Jahrhunderten einmal Jüten an der Eider, Slaven an der Elbe, Wenden in den Marken oder in Pommern wohnten? Deutschland