„ Freiheit «ad Neeht!^
WèssbadsK. Dèenstag, 27. November
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Die „^rec Zeitung" erscheint, mit ^Ltdnaime des KonlagA, täglich in einem Lagen. '—■ Der übonnemeni3p*;i^ deträit viert rl^âbria t » ic . ourch die Poft bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind der der großen Brroreituna her âreten^ ' W’«4* Erfolge. - Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzetle oder deren Kaum 3 Kreuzer. " "°""" 5rUun8" »'tS von wirksamem
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*+* Frankreich in der Tiefe der Erniedrigung.
I.
Das Frankreich der ersten Revolution, das Julifrankreich, das Frankreich der Februartage des vorigen Jahres ist nicht mehr: cs gibt nur noch ein Frankreich im Bunde mit Oesterreich und Rußland.
j Vergebens die Begeisterung seiner Heere, als es galt, die Fremden von seinen Fluren zu vertreiben, vergebens sein muthiger Trotz, als es galt in der Enthauptung seines meineidigen Königs den Königen Europas den Fehdehandschuh hinzuwerfen; vergebens die Erbaumig der Julibarrikaden und die Vertreibung eines Adelskönigs; — vergebens endlich die Kriegserklärung an den Wucher und die Corruption, die Pro- klamirung der Republik der Gleichheit und Brüderlichkeit, die^Blutströme der Arbeiter im Juni für die letzte und heiligste ihrer getäuschten Hoffnungen: — vergebens Alles, vergebens ....
Wo ist die Erfüllung jener Versprechungen, welche die provisorische Regierung allen unterdrückten Völkern Europas machte, wo ist sie doch geblieben? Die Lombardei, „die Perle der österreichischen Kronländer", — ach, eine ewige Thräne der Unterdrückung — erhob sich gegen die langjährige Herrschaft eines fremden Kaiserthums, schnell wurden die bczahlteu Schergen aus allen Städten verjagt; die Republikaner erhoben ihre Stimme gegen den zweideutigen König Sardiniens, dein es nicht um die Freiheit der Lombardei, sondern nur um die Vergrößerung seines eignen Gebietes zu thun war; lind als Oesterreich seine Heere unter der Anführung seiner besten Generäle gegen die Lombardei heranwälzte, und das verrätherifche Benehmen des sardinischen Königs Allen klar war, da hatte Frankreich nichts als — Worte! Die Heere der Freiheit wurden geschlagen; von Neuem sank die Lombardei in das alte Loos der fremden Knechtschaft zurück.
Auch Polen, schon so oft bereit sein Blut gegen seine Peiniger zu verspritzen, erhob sich von Neuem; vergessen schien die Wunde, die ihm die dreimalige Besiegung seiner Erhebungen geschlagen. Auf Frankreich waren seine Blicke gerichtet, Frankreich, dessen Heere mit den seinen unter der Anführung der ruhmreichste» Feldherrn so lange vereint auf allen Schlachtfeldern Europa's gekämpft... Frankreich schwieg. Da forderten Diejenigen, in deren Herzen noch allein ein Gefühl für Ehre glühte, von den Vertretern der Nation die Unterstützung jenes heldenmüthigen Landes; ein kurzer Rausch der Siegeöfreudc, Erstürmung des PaUustes der Nationalversammlung, Zug nach dem Stadthause. . . Da wirbeln die Trommeln der Linie und Nationalgarde, die Sieger sind schnell unterdrückt, die Führer gefangen, und Frankreichs größte Männer, jene Propheten der Zukunft, die Blanqui, Barbes, Raspail schmachten nun auf den Galeeren und im Exile der Inseln der Verbrecher.
*** 3"r Beurtheilung des Entwurfs der neuen Medicinalorgauisation
(Fortsetzung.)
Ferner finde ich in dem Zwang zum Staatsdienst eine Ungerechtigkeit gegen die Aerzte. Dem, der die Arbeit thut, gebührt auch der Lohn! Bei der Einrick- tuug des Entwurfs muß man alt werden, um den Lohn seiner Arbeit zu erhalten. Der gute Arzt reibt sich auf erwirbt sich nichts, stirbt früh und hinterläßt die Sei- nigen im Elend; der schlechte oder träge Arzt dagegen, welcher geschont wird, oder sich selbst schont, wird alt und deutet das, was der tüchtige gesäet hat, indem er in eine gesickerte Stellung kommt und die ©einigen ohne Nahrungüsorgen Hinterläßt. Mit jedem Handwerk unD jedem Geschäft kann ein kenntnißreicher, zuverlässiger, einflußreicher Mensch sich vorwärts bringen, der Jurist kann seine Anstellung aufgeben, und sich als Anwalt ernähren, der tüchtigste zunerlâssigste und fleißigste Arzt aber kaun je nachdem der Ort ist, an den er gebannt ist, und von dem er sich auf keine Weise losmachen kann, gezwungen sein, am Hungertuch zu nagen.
Wenn ferner, wie es der Entwurf will, alle Aerzte eingestellt und alle Gerichtsärzte sind, wenn sie sich also in die Vorfälle in gerichtsärztlicher Beziehung theilen, so fehlt die Uebung und damit die Tüchtigkeit, woher es denn kommt, daß wir gegenwärtig so wenig brauch- 6are Gerichtsärzte besitzen. Ganz anders würde sich
Auch der stille Ruf der Heldenstadt an der Donau mit ihren begeisterten Jünglingen und todtesmuthigcu Arbeitern, jener bange stille Hülferuf fand kein Echo in den Fluren Frankreichs: was gingen es die Völker an, die auf seinen Ruf und in der Hoffnung auf seine Hülfe die Fahne der Insurrektion erhoben? Die Tapferen wurden besiegt und Wien hüllte sich in Trauer.
Das Land aber, das schon einmal von Frankreich verlassen war, wurde zum zweiten Male sich selber überlassen, da es für ganz Deutschland zu den Waffen gegriffen. Doch nein, nicht genug, daß die Republik ihm keine Hülfe sandte, sie unterstützte im Geheimen die Politik der Fürsten, ließ die Gesandten der badischen prov. Regierung gefangen setzen, auswcisen, freute sich im Stillen, als der preußiiche Prinz das Land von allen Kämpfern deutscher Freiheit gesäubert.
Abermals hatte sich Italien erhoben. Florenz und Rom entfalteten das Banner der Republik. Einheit und Freiheit war, wie im Deutschen Vaterlande, so auch in Italien, das Losungswort der Patrioten. Der Papst, seiner weltlichen Macht entsetzt, floh in die Arme des Königs von Neapels, jenes berüchtigten Würgers der Freiheit aus dem Geschlechte der verruchten Bourbonen. DaS Volk in Rom erklärte durch den Mund seiner rechtmäßig gewählten Vertreter, daß es die Republick wolle, und keinerlei weltliche Gewalt des Papstthums. Die Ordnung, die Sicherheit der Personen, wie des Eigenthums wurde nirgends verletzt: nur der Verrathet Steffi verfiel der Rache. Da beging Frankreich den unerhörten Verrath, unter dem Vorwande, die durch Anarchisten und Zerstörer der Gesellschaft gefährdete Ordnung wieterherzustelleu und dem durch dieselben darniedergehaltenen wahren Willen des Volkes wieder Ausdruck zu verschalen, seine Armee an der Küste Italiens landen zu lassen, und Nom zur llebergabe aufzufordern. 3 m geheimen Bunde mit Oesterreich, Spanien un^ Neapel wurden republi- kanische Soldaten dazu erkoren, einer Schwesterrepublik den Todesstoß zu versetzten, einer Republick, die für die gerechteste Sache auf Erden kämpfte. Nach dem bewundernswürdigsten Kampfe, nach einem Monate der Vertheidigung, der Entbehrung, der ungeheuersten Anstrengungen mußte die Riesenstadt ihre Thore dem Feldherrn öffnen, der gesagt hatte: „Die Armee und die Kutte wäre berufen, die Ordnung zu erhalten in Europa". Die rechtmäßigen Gewalten des Volkes wurden entsetzt, um einer allem Sieepte und aller Menschlichkeit Hohnsprechenden Militär — und Prie- stertyrrannei Platz ju machen. Der Pabst wurde wieder eingesetzt mit unumschränkter Gewalt in sein weltliches Reich. Und das Alle-, damit ein elender Wicht sich die katholische Geistlichkeit Frankreichs zu seinen selbstsüchtigen Plänen geneigt macke, ein Wicht um so viel kleiner, als der Stame seines Oheims groß war. Nimmer, nimmer hatte die Entehrung Frankreichs einen größeren Höhepunkt erreicht, nimmer,
dies gestalten, wenn die Praxis frcigegebcn wäre. Es könnte dann der Staat leicht die brauchbarsten und die, welche sich mit besonderer Vorliebe dem Studium der gerichtlichen Medici» gewidmet, zur Anstellung als Gerichtsärzte auswähleu, und würden diese dann bei der Uebung, in der sie erhalten werden, hinreichende Gelegenheit zur Fortbildung finden.
Ich hebe weiter noch hervor, daß bei der geringen Taxe, welche mit der Besoldung nothwendig verbunden ist, derjenige, welcher vom Arzt weit entfernt wohnt, denselben besonders, wenn er nicht sehr gewissenhaft ist, mir schwer lind selten bekommen kann, während bei höheren Taxen als einer nothwendigen Folge der freien Praxis der Arzt ein Interesse hat, den Fernwohncuden zu besuchen, was auch dann erhalten wird, wenn die Gemeinden durch Abschließen von Con trabten die Forderungen des Arztes ermäßigen. Man scheint dies gefühlt zu haben, da man in dein Entwurf für die enb legeneren Orte höhere Taxen bestimmt. Hierin liegt aber eine Unbilligkeit gegen die Bewohner derselben, da sie zu der Besoldung der Aerzte ebensoviel beitragen, wie die der nächstgclcgcncn Orte.
Das sociale Prinzip, welches durch die mind ren Taxen in der bisherigen Organisation vorherrschend und so sehr zu loben sein |o(l, ist nur scheinbar vorherrschend. Diekes, wie Reuter a. a. O. sich ausdrückt, unserer Zeit vorauScilende Prinzip, diese große sittliche in tiefem Zusammenhang mit ter Frage der Gegenwart stehende ;
seitdem cs im Bunde mit drei mächtigen Staaten die Freiheit eines kleinen Volkes meuchelmordete, seine eig- nen Soldaten belog, seine Gesandten belog, seine Vertreter belog, die Regierung der Römischen Republik belog, alle Welt belog, intern es sie weiß zu matten suchte, es wolle Rom von dem Terrorismus einer Fremdherrschaft, bem frechen Treiben einer.aus losem Gesindel bestehenden Minderzahl befreien.
Wie konnte ein solches Frankreich Worte und Thaten haben für ein Volk, dessen Freiheitsräinpfe, dessen in den Pußten der Theiß, in den Bergen Siebenbürgens, an den Wällen Ofens und Comorns gelieferte Schlachten unsterblich sind, Thaten für das edle Volk der Magyaren? Selbst der Ruf: die Russen auf deutschem Boden! konnte das Frankreich nicht aufschrecken, nicht die Waffen ergreifen lassen für Ungarns, für seine Freiheit. (Schluß folgt.)
D e rz L f eh i K » d.
P. Aus dem Amte ^Nassau. Bei Gelegenheit der letzten allgemeinen, nassauischen Lehrerversammlung zu Diez wurde Seitens der Lehrèr eine zahlreichere Betheiligung beim Lesen des „Schulblattes" gewünscht, weil davon allein die Existenz dieses Blattes abhängig sei. Auch meine entschiedene Meinung ist es, daß die Lehrer Alles aufbieten müssen, um für Schulangelegenheiten nicht das einzige Organ der gegenseitigen Belehrung und Mittheilung untergeben zu lassen. Was jedoch viele Leser dieses Blattes schon längst beklagten und sofort noch beklagen müssen, ist das unregelmäßige Erscheinen desselben. 14 Tage, ja 3 bis 4 Wochen später besam man erst einzelne Blätter von den Pöst- Expeditionen. Was die Ursache hiervon ist, will ick) ununtcrsucht lasse», nur »och bemerken, daß die Unregelmäßigkeit des Erscheinens der Hanptkrebsschadeu ist, woran beregtes Blatt leidet. Wenn nicht alsbaldige Hülfe geschafft wird, so dürfte es eben in Folge dieses das „Sein" mit dem „Nichtsein" ehestens vertauschen müssen!
/ Vom Taunus. In Nro. 275 der „Nass. Allgein." stellt ein *** die Frage: „Haben cs die Demokraten mit der Durchführung der endgültig beschlossenen N e i ch 6 v e r f a s su n g ehrlich gemeint?" und beantwortet dieselbe in einem länger» Artikel mit „N c i n".
Der Herr Verfasser jenes Artikels möge es nicht übel nehmen, wenn wir die Beweise, durch die er seine Antwort begründet, näher beleuchte» — und zu dem Zwecke insbesondere seine Beschuldigungen der Demokraten etwas genauer prüfen.
Im genannten Artikel heißt es unter Andern:: „Bctrachtcn wir jedoch genauer und tiefer die Geschichte der Aufstände in Dresden, Breslau ?c. und die der sch m ä h l ich e n Revolution in Baden und Rheinbaiern, so sehen wir, daß es den Rädelsführern nicht um die angebliche Durchführung der Reichsverfassung, sondern um den Umsturz aller bestehenden Verhältnisse, um die
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Idee, welche an die herrschenden Ideen der Zeit anknüpfte, b e v o r d i c s e l b e n n o ck e i u g c t r e t e» iv a r e n; und ihnen Recknung trug, ist in der That nicht aufzufinden. Der Arzt, welcher bei der jetzigen Emrichtnng nur notdürftig will leben können, muß jeden, der nur irgend zahlen kann, jeden Taglöhner und jeden armen Knecht oft mit blutendem Herzen zur Zahlung anhalten, während der Wohlhabende und Reiche fast nicht angezogen wird, denn von der Erlaubniß über die Taxe hinauSgchcndc Belohnungen anzunehmen, welche die Instruction den Aerzten gibt, können dieselben, wie ich versichern kann, in den seltensten Fällen Gebrauch macken. Ist die Taxe höher, so wird der Reiche und Wohlhabende nach Vermögen zahlen und der Arme frei auSgehen, wie wir daS in andern Staaten sehen. Und wenn man dann noch zur Bildung von Vereinen an regt, welche durch Einzahlung kleiner Wochen- oder Monatsbeiträge sich Fonds bilden, aus welchen der Arzt, die Apotheke und selbst, wie dies bei vielen Gewerkschaften der Fall ist, der während der Krankheit ausfallende Arbeitslohn bezahlt wird, taun sehe ich eher ein sociales Princip verkörpert, als in der jetzigen Einrichtung.
Es bleibt mir nur noch übrig einige Einwürfe, welche man gegen daS Frcigcbcn der Praxis zu machen pflegt, zu entkräften.
Man behauptet, in armen, schlechten Gegenden, würde sich kein Arzt niederlassen. Dies wird allerdiugS bisweilen der Fall fein, sehr leicht wird sich aber da-