Freiheit und Nreht!"
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Wiesbsderr. Dienstag, 20. November
Ole, <tt e Zeliung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der AdonncmentSprctS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr., auswärts pnr# die Post' bezogen mit vrrbälmißmäStgem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Berdreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem .?Tf0lß8. — â InserattonSgrbühren betragen für die vrerspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
1848
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/ O Wiesbaden, 19. Nov. .Heute Nacht 3 Uhr, hat in bem Kaufladen des Silberarbcitcrs Kölsch / dar er ein Diebstahl mit Einbruch stakt,gefunden. Der Häupttoätee, ein Metzgerbürsche von Wiesbaden, sowie seine beiden Gehülfen sind bereits festgenommen und haben vollständige Geständnisse abgelegt. Von den cittwendeten Gold- und Silbersache» sind, wie man hört, auch noch viele auf der Flucht verloren gegangen
~>< Usingen, 17. Nov. Da Sie schon wiederholt die Bedeutung unseres großen Lesevereins auf Förderung der Volksbildung gewürdigt haben, da bereits andere Städte unserm Beispiel folgen und unsere Erfahrungen benutzen, so bitte ich Siè auch folgendem Aufruf, der in der heutigen Numer des „Taunusbote»" erschienen ist, in Ihrem geschätzten Blatte eine Stelle zu gönnen r-
An die Freunde der Wisscnschaft iin Amt U s i ii g e n.
Die Anlage einer französischen und englischen Bibliothek in Verbindung mit bem großen Leseverein betr.
Durch die Macht der Vereinigung ist uns schon so viel Großes in Bezug auf unsere Anstalt gelungen, daß wir durch diese Erfolge ermuthigt werde» in unserem Strebe» zu beharre». Unsere deutsche Bibliothek schreitet der Zahl von 2000 Bänden rasch entgegen und wir können nun an die Ausführung des längst gehegten Planes denken, auch eine französische und englische Bibliothek zu gründen. Dadurch erst, daß unsere Sprache des Gediegenste in diesen drei Sprache» besitzt, wird sie eine wahre Schule der Bildung, ein Hebel deS Fortschritts, eine Sonne, welche die Geiftcsnacht, die noch über dem Volke lagept, erhellt. Da unsere Geldmittel gering sind, da es im Amt Usingen leider noch an Männern fehlt, welche fähig sind, solchen Unternehmungen Geldopfcr zu bringen, so wenden wir uns vorerst an die Freunde der Wissenschaft im Amte Usingen unserer Anstalt durch Stiftungen französischer und englischer Schriften hilfreich entgegen zu kommen und dieselbe an Herrn Christian Kuhle meier, Verwalter des großen Lesevereins, eiiizusende».
Usingen, 12. November.
Einige Freunde der englischen und srauzö- scheil Sprache.
Q Dillenburg, 10. November. Von vielen hiesigen Bürgern unterzeichnet, ist heute nachstehende Adresse an die protestantische Gemeinde zu Langenbach ab-
gegange»:
Lange schon haben wir uns, verehrte Männer, von inniger Hochachtung gegen Euch durchdrungen gefühlt ob der seltenen Treue, mit der Ihr Eurem so vielfach gekränkten und verfolgten Geistlichen zur Seite gestan- j Bc den, ob der Mannhaftigkeit, mit der Ihr den mißlie- ! sch
bigsten Verfügungen eines verblendeten Kirchenregiments im Bewußtsein Eures guten Rechts Trotz geboten habt. Wir können nach diesen Vorgängen keinen Augenblick daran zweifeln, daß 3pr, was auch kommen möge, an der theuer erkaufte» evangelischen Freiheit mit allen ihren praktischen Folgen unerschütterlich fest halten werdet; es wird darum unsers ermunternden Zurufs nicht bedürfen, daß Ihr Euch treu bleiben und fort und fort feststehen möget in den Stürmen einer Zeit, die bei ihrer trostlosen Verkommenheit nur noch im Verrath und blutiger Gewaltthat ihre Größe sucht. Aber wir haben geglaubt, daß es gerade in dieser verworrenen, trüben Zeit Euch wohl thun müsse, zu vernehmen, daß auch ferne von Euch theilnehmende Herzen schlagen, die Euer Leid mit Euch theilen, die Eure Bedrängniß mit Euch suhlen, die Euren Kampf im Geiste mit Euch kämpfen und die an dem Beispiel Eures Muthes und Eurer Ueverzeugungstreue sich aufrichten und starken zu einem Kampf, in den nach und nach alle frei und klar denkenden Mitglieder der evangelischen Kirche unseres Landes werden eintreten
müffen.
Denn wer könnte cs heut zu Tage, wo selbst nach de» bedenklichen Erschütterungen des vorjährigen Völkersturms die heiligsten Interessen des Staatsbürgers, die religiösen und sittlichen Angelegenheiten der Gememdc, nach wie vor der Mitbetheiligung des Volkes vorenthalte», wodurch die Satzungen einer vormärzlichen Staatsrirche die religiöse Bewegung eines frei gewordenen Volkes gemaßregelt und in Fesseln gehalten werden soll, wer könnte cs da noch verkennen, daß das Volk, von der Mehrzahl seiner geistlichen Führer im Stiche gelassen, sich selbst helfen muß? Was die Kirchenreformation des 16. Jahrhunderts von dem Augenblick an, da Luther in unseliger Verblendung von der politischen Erhebung des deutschen Volks im Bauernkrieg sich abgewendèt und das Blulgericht der Fürsten gegen sie heraufbeschworen hatte, unvollendet gelassen, das ist unserer Zeck zu vollführen als Erbtheil anheim gefallen, und das Gebäude der Priesterherrschaft muß endlich fallen vor den Angriffen des freien Geistes, wie er in frei gewordenen, furchtlosen Männern sich ausspricht, und wenn es des Teufels Bollwerk wäre.— Ob wir diesen Streit des Herrn innerhalb der Schranken unsrer bisherigen Glaubensgcnossenschaft ausfechten, ob wir, nach Erschöpfung aller gesetzlichen Widerstandsmittel, aus derselben hinaustretcn müssen, um auf dem unentweihten Boden einer freien christlichen Gemeinde die geretteten Heiligthümer aufzupflanzen und fortan in freier Ueberzeugung die erhabenen Grundsätze der reinen Chriftuslehre gläubig zu bekennen und thatsächlich zu entfalten: das wird davon abhänge», in wie weit die weltliche Macht, im Widerspruch mit §. 17 unsrer Grundrechte, gegen die auf S e l b st r e g i e r u n g I und Selbstverwaltung der Gemeinden gerichteten Bestrebungen unseres Volkes fernerhin feindlich einzu- »reiten wagen sollte. In jedem Falle erwarten wir
von Euch, daß Ihr nicht aufhören werdet zu Protestiren gegen Menschensatzungen und Gewissenszwang und alle die Mittel der Gewalt, durch welche man Euren tapferen Widerstand allgemach beugen zu können erwähnt; seid aber auch dabei versichert, daß ein namhafter Theil Eurer protestantischen Genossen Euch brüderlich zur Seite steht und mit Nath und That Euch beizuspringen bereit ist, wenn es deren bedürfen sollte.
Der Geist Gottes aber, der die Seinen bis dahin wunderbar geleitet, der möge auch Euch sieghaft in alle Wahrheit einführen; denn wo der Geist Gottes ist da ist Freiheit.
** Aus dem Lahnthal. Es wäre endlich an der Zeit, daß wir, gleichwie es schon in andern Ländern der Fall ist, auch in unsern Landstädten Sammlungen von Ackergeräthmodellen anlegten, damit der Landmann durch Vergleichung der neueren Verbesserungen geistig gweckt und angeregt werde, das ihm zweckmäßig Erscheinende in seiner Landwirthschaft einzuführen. Wir empfehlen den bevorstehenden landwirthschaftlichen Kreistagen diesen Gegenstand zur Erwägung. Wir haben zu vorstehendem Vorschlag dieses Blatt und nicht das landwirthschaftliche gewählt, weil in letzterem schon so viele gute Vorschläge gestanden aber nirgends berücksichtigt worden sind. Vielleicht geht es uns hier besser.
§ Vom Taunus. Bei der bevorstehenden Organisation der Centralverwaltung fragt sich jeder Freund des Unterrichtswesens, wer denn wohl zu Beisitzern des SchulcoUegs gewählt werden wird. Auf Einen Mann vereinigen sich die meisten Stimmen. Es ist Professor Kirschbaum zu Wiesbaden, an welchem der Staat in neuerer Zeit früheres Unrecht gut zu machen angefangen hat, und welchen seine Mitbürger wegen seines unerschütterlichen Rechtsgefühls, welches sich durch keine Verhältnisse, keine Personen, keine besondere Tendenzen irre machen läßt, zum Geschworenen gewählt haben, eine Ehre, welche in der Hauptstadt nicht gar vielen Staatsdienern zu Theil geworden ist. Professor Kirschbaum wird durch keinen einzigen Lehrer im Lande an gediegener und zugleich vielseitiger Wissenschaftlichkeit in Kenntniß der Sprachen, sowie der sogenannten Realien übertroffen, ja wir sprechen es getrost aus, eine solche Vielseitigkeit nebst solcher Gründlichkeit und Einsicht in die pädagogische Bedeutung und Behandlung eines jeden Unterrichtszweigs besitzt keiner unserer nassauischen Schulleute. Dazu kommt sein ungewöhnlich scharfer, praktischer Blick und seine außerordentliche Arbeitskraft. Seine Charakterfestigkeit sowie seine allen (Wremen abholde Gemüthsart hat er in den letzten Zeiten bewiesen. Er kennt durch eigene Anschauung und vieljährige Mitarbeiterschaft die Gelehrten-Anstalten des Landes, sowie er auch die Aufgabe einer jeden andern Lehranstalt wohl zu würdigen und zu bestimmen weiß. Wenn die Regierung
Anklageact wegen der auf dem Idsteiner Kongreß begangenen Verbrechen,
unter die Befehle eines, die Nationalversammlung an- erkennenden ReichSgeneralcS gestellt werden.
§. 5. Die Nassauische Regierung ist, um die allgemeine Volksbewaffnung auf daS schleunigste herzustellen, zur Beschaffung der Waffen von Seiten deS StaatS aufzufordern.
§. 6. Von der Nassauischen Regierung wird erwartet, daß bei der dermaligen Besetzung der höheren Stellen der VolkSwehr nur solche Männer gewählt werden, welche entschieden daS Vertrauen deS Volks besitzen.
§. 7. An die Regierung wird daS Verlangen gestellt, i alsbald eine vollkommene Amnestie für alle wegen politischer Vergehen Angcschuldigten und Vernrtheilten, sowohl auS dem Civil- als Militärstande, ohne Ausnahme , eintreten zu lassen.
§: 8. Da der bestehenden Versammlung der Abgeordneten der Charakter einer verfassnnggebendcn fowohl ; von der Regierung als auch von der Kammermajorität : bestritten wird , dieselbe auch daS erforderliche Vertrauen deS Volkes nicht genießt, so wird die unmittelbare Berufung einer, nach dem Prinzip der direkten Wahl zu wählenden, vcrfassungebcndcn Versammlung verlangt.
§. 9. Wir verlangen, daß die Nassauische Regierung an die Stelle derjenigen nassauischen ReichStagSabgeord- neten, welche sich bis zum 14. d. Mts. nicht in Stuttgart eingefunden haben, unverzüglich neue Deputirlc wählen lasse.
§. 10. Schließlich erklären wir, daß nur ein solches
(Fortsetzung und Schluß.)
§. 1. Die constiluirende deutsche Nationalversammlung ernennen wir als solche und deren Beschlüsse alS unbe- blugt bindend an; sie ist unsere höchste Behörde, in welcher Stadt des Vaterlandes auch immer die Nationalversammlung sey.
§ 2. D-c Regierung deS HerzogthumS Nassau hat gleich »oder deutschen Regierung die Verpflichtung, den Ver- fiigiingen der von der Nationalversammlung am 6. L Mts. als höchst Reichsgewalt eingesetzten Regentschaft uinvcigcr» lich F lge zu leisten.
§ 3. Jeder, der mit der seitherigen provisorischen Centralqcwalt oder einem reichoverfassungofeindlichen Staate eine, die Deutsche Reichsverfassung vom 28. März d. I., oder deren Durchführung gefährdende, Verbindung unterhält, ist deS Hvchverratheö schuldig.
§. 4. Die Nassauische Regierung wird aufgefordert, unsere Truppen auS ihrer sittlichen Stellung gegen Baden und Rheinbayern sofort zurückzuziehen uud zur Verfügung der Reichsregentsebaft zu stellen. Wir verlangen ebenfalls, daß die Nassauische Regierung sofort bei der Regentschaft dahin wirke, daß die Nassauischen Truppen in Schl ßwig-Hvlstein von den Preußen getrennt und
Ministerium das Vertrauen des Landes besitzen wird, welches sich die Vollziehung der vorstehenden Beschlüsse zur Aufgabe seyt.
insbesondere des §. 8. derselben, bestimmt war, eingetreten sind, auch die Angeschuldigten Justi, Lang, Müller, Raht, Snell und Wenckenbach, den die nassauische Regierung als eine pflichtvergessene und volksfeindliche bezeichnenden Aufruf an das nassauische Volk de dato Wiesbaden den 13. Juni also lautend:
An das nassauische Volk!
Der zu Idstein am 10. d. M. abgehaltene LandeS- congrcß hat zur Durchführung *cr von demselben gefaßten Beschlüsse eine aus sieben Mitgliedern bestehende Commission gewählt unter dem Namen LandeS- auSschuß, dessen Aufgabe eS nunmehr ist, die Mittel und Wege zu veröffentlichen, welche er zur Ausführung der Beschlüsse für geeignet erachtet.
Auf die von dem Cvngrcß gestellten, dem Herzog überbrachten Forderungen hat daS Ministerium durch Bekanntmachung vom 12. l. MtS. eine Antwort ertheilt, wie sie noch dem der Deputation gewordenen Empfang und der mündlichen Aeußerung deS Herzogs zu erwarten stand. Dies'lbe ist bezüglich aller Punkte als entschieden ablehnend zu betrachten.
Die Regierung verlâugnet die Nationalsouveränität | und die von der deutschen Nationalversammlung cndgül-