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Freie Zeitung

Freiheit und keeht!" '

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= Preußens herrliches Alr-egsheer.

(Fortsetzung.)

Der Freund der Wahrheit, der Verehrer wahrhaft sittlicher Größe, legt bei der Beurtheilung eines Kriegs- Heeres einen ganz andern Maaßstab an, als ein Herr­scher mit seinen servilen Lobhudlern. Dieser Maaß­stab ist Patriotismus, Tapferkeit und Hu- m a n i t ä t. Wenn diese drei Eigenschaften ein Heer in sich vereinigt, dann sind wir berechtigt, dasselbe ein herrliches zu nennen. Wohl gab es eine Zeit, wo die preußischen Heere von einem glühenden Patriotismus beseelt waren, wo sie mit Todesverachtung in den Kampf zogen, um für die Befreiung des Vaterlandes zu siegen, oder zu sterben. Ich erinnere hiermit an die große Zeit des sogenannten Befreiungskampfes, wo auf den Ruf des Königs von Preußen alle rüstigen Jünglinge und Männer zu den Waffen eilten, um Napoleons Herrschaft über Deutschland zu zertrümmern. Zwar erblicken wir in dem Patriotismus, den jene an den Tag legten, einen rühmlichen Gemeingeist, welcher sie mit hoher Thatenlust erfüllte und sie vor keiner Gefahr, vor keiner Feindesmacht erbeben ließ, aber ihr patriotischer Aufschwung war nicht mit einer klaren Erkenntniß des erhabenen Zieles gepaart, das ihnen allen in den Jahren von 1813 bis 1815 hatte vor Augen schweben sollen nämlich die vollständige Ver­nichtung nicht allein der ausländischen, sonoern auch der inländischen Unbeschränktheit. Ihr Patriotismus blieb nicht rein; derselbe ward vielmehr getrübt durch Nationalhaß, durch Haß gegen die französische Nation, welcher noch bis auf den heutigen Tag von so vielen Spießbürgern fortgenährt wird. Also nicht an Wärme, aber an Licht fehlte cs dem Patriotismus in damaliger Zeit. Die traurige Folge von dem Allem war, daß die preußischen Heere die Macht des französischen Welt- eroberers vernichten halfen, aber keine Freiheit im âm nern des Vaterlandes erstritten, sondern vielmehr aus beklagenswerther Unwissenheit und unseliger Verblen­dung dem einheimischen Despotismus neue Kraft und Stärke verliehen. Doch ich will jetzt von der Ver­gangenheit absehen und mich zur Gegenwart wenden. Von welcher Beschaffenhe.t ist der Patriotismus des gegenwärtigen preußischen Heeres ¥ Besteht er etwa in einer begeisterten Liebe zum deutschen Gesammtvaterland, zu der deutschen Nation, zu der cs gehört und zu Allem, was derselben theuer u. Heilig sein muß; besteht er etwa in einem edlen Eifer, eine volksgemäße und freie Verfassung, welche zugleich auf der andern Seite ein mächtiger Hebel der'Vaterlandsliebe ist, erringen zu helfen und wenn sie errungen ist, gegen feindliche Angriffe zu ver­theidigend Daß sich Gott erbarm! Das Schicksal der deutschen Neichsverfassung vom 28. März d. I. gibt uns darüber die beste Auskunft. Nicht den Anblick von ächten Patrioten, sondern von Söldnern, welche sich zur Knechtung des Volkes und zurNiedermetzlung

deutscher Freiheitskämpfer gebrauchen lassen, gewährt uns das preußische Kriegsheer. Es glaubt, das Vater­land zu lieben, wenn es bloß seinen König liebt und seine Machtgebote durch Bajonette und Kanonen un­terstützt. Nicht ein patriotischer Sinn, sondern ein eckclhafter Soldaten- und Kastengeist herrscht in seinen Reihen. Ein lächerlicher Preußenschwindel hat es ergriffen, der ihm Deutschland in Preußen aufgehen läßt. In ihm dienen gewiß noch Söhne jener hoch­herzigen Männer, welche an der Katzbach, bei Groß­beeren und Denncwitz, bei Leipzig und Waterloo, tod- tesmuthig gekämpft haben. Wie sehr stehen die erster» den letzter» nach! Schlug doch das Herz der Väter nicht allein für den vom Eorsischcn Despoten gedemü- thigten König, sondern auch für das untergejochte Va­terland.

Und wie steht cs mit der Tapferkeit der Preußi­schen Truppen, welche-jetzt ganz Deutschland durch­ziehen, um die Demokratie auszurotten und die alten Zustände wieder hirbeizuführeß? Sind das etwa Pro­ben ihrer Tapferkeit, was sie in Dresden, Iserlohn und in Baden gethan habe»? Alle Wagenthaten, die ein Heer im Kampfe gegen ein für seine Freiheit aufge­standenes Volk vernichtet, alle Siege, welche jenes über dieses davon trügt, haben keinen Werth, sie können den Freund der Menschheit nur mit Wehmuth oder Entrüstung erfüllen. Ruhmwürdig und herrlich steht in seinen Augen das Badische Volksheer da, dagegen niedrig das Preußische. Denn jenes hat für die Rechte des Volkes, für die ihr» vom Natioual-Parlament ge­gebene Neichsverfassung tapfer gefochten, dieses aber für die Befriedign g absolutistischer Herrschergelüste. Daß das erstere hat unterliegen müssen, das daS ganze Unternehmen, für welches es in den Kampf gezogen, mißlungen ist, thut seiner Ehre, wie seinem Ruhme keinen Abtrag, denn nicht nach dem Erfolg, sondern nach der leitenden Idee, nach den zu Grund liegenden Absichten, werden die Thaten der Menschen gemessen. Darum ist und bleibt der Kampf der Badenser ein heiliger Kampf. Möge» auch die Preuße» sich als Sieger brüsten, so verachten wir das, weil wir wissen, daß nur der Sieg, welcher für eine gerechte Sache erkämpft wird, ein ehrenvoller und preiswürdiger ist. Wie ver­schwindet ihre Herrlichkeit gegen das bewundernswerthe Heldenvolk der Ungarn, daS nur durch Verrath hat überwältigt werden können?

Was sind sie, um minder in die Vergangenheit zurückzugreifen, gegen die kleine Elite von Patrioten, welche meist Leonidas gegen eine ungeheure Persouen- macht zum Heldentod für's Vaterland führte? Was sind sie gegen die edlen Helvetier, welche bei Mor­garten das starke Panzerheer eines Leopold von Oest­reich niederwarfen? Was sind sie gegen die jubelnden Schaare» der jungen Republikaner Frankreichs in den 90ger Jahren, vor welchen die stolzen Armeen der Monarchen von halb Europa in Staub sanken? Was gegen das heldenmüthige Polenvolk, welches im

Anfänge des vorigen Decenninms so viele Todtenopfer gebracht hat, um das geliebte Vaterland aus den Klauen des Russischen Czaren zn reißen? Nichts mehr und nichts weniger, als die Perser unter Lerres, die Hunnen unter Attilla und die Mongolen unter Tamer- la», welche doch weiter nichts, als von Außen fortbe- wegte, auf den Wink ihrer Herrscher blindgehorchende, unterthänige Horden waren. Daß das Preußische Heer aus dem Schooße eines civilisirten Volkes her­vorgegangen ist, die Hunnen dagegen, die Perser und die Mongolen zu denjenigen Völker gehörten, welche von den alten Griechen und Römern Barbaren ge­nannt wurden, macht hier keinen Unterschied. Denn es gibt auch eine falsche Civilisation und die'Erfah­rung lehrt, daß ein Volk und sein Herr bei aller Cul­tur, bei aller Virtuosität in Kunst und Wissenschaft feige, niederträchtig und grausam sein kann. Den Hunnen stehen die Preußischen Soldaten wohl darin gleich, daß sie durch ihre Zahl und Stärke der Welt imponiren, durch ihr Benehmen den wehrlosen Men­schen Furcht und Schrecken einflößen, durch ihre Ueber- macht ein kleines, freisinniges Volk zu Boden werfen, dagegen keinen Funken von ächter Freiheits- und Va­terlandsliebe im Busen tragen und keine Thaten ver­richten, welche die Geschichte einst den kommenden Ge­schlechtern zur Nachahmung vorhalten könnte.

(Schluß folgt.)

D e tt t s eh l a N d-

Diez, 15. Nov. Gestern Abend wurden unsere guten" Bürger wieder einmal in ihrer Ruhe gestört, aber nicht Trommelwirbel und Sturmgeheule, soudern durch die Klänge einer friedlichen Musik. Eine große Menschenmasse setzte sich, mit Fackeln und Musik, die Blüthe der Jungfrauen der Stadt in der Mitte, vom Hirsch" aus in Bewegung nach der Wohnung des hier anwesenden Redakteurs dieses Blattes, um demselben, gegenüber den Anfeindungen seiner Gegner, eine verdiente Huldigung darzubringen. Die Jung­frauen überreichten ihm im Namen des hiesigen demo­kratischen Frauenvereins einen Becher, worauf perr Major Frensdorfdem Jüngling ohne Furcht und ohne Tadel" ein Hoch ausbrachte, in welches alle An­wesenden begeisternd einfielen. ' Herr Opper in a n n lehnte in seiner Rede die Ehrenbezeugung, insofern sie seiner Person gelte, von sich ab, erkannte sie aber mit um so größerer Freude als eine der guten Sache dar­gebrachte Huldigung an, die grade in der jetzigen trü­ben Zeit um so mehr zu schätzen sei, als man die Sache der Demokratie als eine verworfene zu brand­marken suche. Gleichwie man dem Stier, nicht um ihn zu tobten, sondern nur um ihn zu reizen, einen rothen Lappen vorhalte, so werde auch das Volk durch die momentane Niederlage, durch die allein Ge­fühl Hohn sprechenden Metzeleien nicht vernichtet, son-

Arrklageact wegen der auf dem Idsteiner Cöngresi begangenen Verbrechen.

(Sortierung.)

Der Angeklagte Raht gibt zu, daß er im Nero» that dahier einer Versammlung beigewohnt habe, wo über die Zusammcubertuung eines Landescongresses bera­then worden sei, die nächste Veranlassung zu dieser Versamm­lung sei die Anwesenheit mehrerer Deputationen aus dem Lande gewesen, welche Petitionen wegen energischer Durchführung der Neichsverfassung überbracht hätten.

Er gesteht zu, die Aufforderung zur Beschickung deS Landescongresses unterzeichnet zu haben, er gibt auch zu, einige der Flugblätter, worin die Afforderung enthalten war, nach Dillenburg gesendet zu haben; er gesteht zn, in der Commission gewesen zu sein, welche dahier das Programm für die Idsteiner Versammlung entworfen habe. In seiner Eigenschaft als Mitglied der Linken der Ständeversammlung und Theilnehmer der Versamm- lrng im Ncrothal sei er nach Idstein gegangen, in der Versammlung (ei die Geschäftsordnung berathen worden, er sei Vorsitzender gewesen, cs sei auch ein Ligitimations- ausschuß ernannt worden, welcher die Vollmachten der verschiedenen Abgeordneten zu prüfen gehabt habe, und welcher die nichtlegitimirten Personen habe zurückweisen sollen; er habe die Versammlung in der Kirche am 10. Juni eröffnet, er sei zum Vorsitzenden erwählt worden,

welche Stelle er angenommen und als solcher die Ver­handlungen geleitet habe. Bei der paragraphenweise» Discusston seien verschiedene Anträge gestellt worden, die er nicht mehr angeben könne, und aus der Discus- sion seien die Beschlüsse hervorgegamgen. Es sei ein Ausschuß erwählt worden, welcher den Bericht der De­putation, welche die Beschlüsse dem Herzog habe über­bringen sollen , über den Erfolg davon in Empfang habe nehmen und habe überlegen sollen, was weiter vorzu- nehmen sei, in welchen Ausschuß er erwählt worden.

Die Beschlüsse in Idstein seien gedruckt und ver­breitet worden, auch glaube er, daß er solche in das Land gesendet habe.

Der Aufruf an das nassauische Volk vom 13. Juni |ci von ihm und den Andern, deren Unterschriften da­runter befindlich, ausgegangen. Es hätten dem Volk Vorschläge über das fernere Verhalten in der Reichs­verfassungsangelegenheit gemacht werden sollen, er habe das, diesen Aufruf enthaltene, Flugblatt auch an Be­kannte in Dillenburg abgegeben.

Der bet den Versammlungen gefallenen Aeußerungen einzelner Redner entsinne er sich nicht mehr, da er auf extravagante Aeußerungen wenig Gewicht gelegt habe, es sei Absicht gewesen, am Programm festzuhalten,^das Ende und die Beschlüsse hätten bewiesen, das dasselbe in wesentlichen Punkten nicht überschritten worden sei, und daß die Schranke der Gesetzlichkeit überall beobachtet worden wäre.

Ueberall, wo von Maßregeln und thätigem Ein­schreiten die Rede gewesen, sei dieses nur bedingungs­weise geschehen, wenn nämlich die Durchführung der Neichsverfassung und das gewaltthätige Widerstreben ein­zelner Fürsten dagegen dieses nothwendig mache.

Er habe solche Aeußerungen auch nur als Rede- floskeln, keineswegs als in ernstlicher Ab ficht ausge­sprochen , verstanden.

Als Vorsitzender einer Volksversammlung würde er es für einen großen Mißgriff gehalten und für llcber- schreitung seiner Befugnisse gehalten haben, wenn er gleich dem Präsidenten eines Collegiums sich discipli- narischer, polizeilicher oder mehr oder weniger mechanischer Mittel hätte bedienen wollen, um excessive Aeußerungen oder Anträge zu beseitigen. Nur ans gütlichem Wege durch Erwirkung gegenseitiger Ueberzeugung der Mehr­heit der Versammlung könnten llerbcrfcprcitungen Ein­zelner wirksam bekämpft werden.

Es widerstreite auch seiner Ansicht von der Freiheit der Rede sowohl, als seinen Grundsätzen hinsichtlich der Stellimg eines Vorsitzenden durch directe Verbote ein­zelnen Rednern Schweigen aufzucrlege» und einzelne Aeußerungen zu tadeln, die dadurch nicht ungeschehen gemacht werden konnten, sondern nur weit gefährlicher hingestellt würden, als sie in der That wären.

Die ganze Unternehmen habe nicht die Spur einer feindlichen Absicht gegen unseren Regenten und gegen unsere Verfassung an sich getragen. Die Ausschußmit-