Commission in Kalisch niedergesetzt. 3« der sehr besuchten Erziehungs-Anstalt der Fraulein Fulleboin sind nun in diesen Tagen über 40 junge Mädchen verhört worden; die Commission hat ihre Kästchen, MustkaUen, namentlich aber die Schreibbücher einer genaue,. Con trete unterworfen, aber bis jetzt nur unerhebliche Radien gefunden, einige patriotische Gedichte, Lieder und Tänze wurden mit Beschlag Mß. Dw Commission besteht aus einem ruffadjen Oberst uno mehreren Polizei-Beamten. Die jungen Demagogmnen werden einzeln zu Protokoll vernommen, $ aber bei ihren Aussagen ganz trefflich hatt, n. Auck Confrontationen sind vorgekommen; die Tochter bi3 Bürgermeisters Stuzewski von Kalisch, welche die Anstalt besucht, tritt als Belastungszeuge auf und sagt jeder ihrer Mitschülerinnen ins Gesicht, was diese jemals Patriotisches geäußert, was sie für Lieder gesungen, Melodien gespielt oder Verse vorgetragen. .Jan ist allgemein gespannt auf den Ausgang bic|tr merkwürdigen Untersuchung. (K. Z.)
Bou drr russischen Grenze, 9. Nov. (Nat.-I ) Aus Ungarn erschallen Klagen, daß sich Räubeiban- aus entlassenen Honveds gebildet haben und daß das Land unter der entsetzlichsten Anarchie leide. Nach der Revolution und der Haynau lchcn Pacisikation^ ist das nicht zu verwundern. Aber was werden ^hre ; Leser sagen, wenn in einem Dorfe an der preußischen Grenze 6 Männer von der Bande des berüchtigten Krotinus, fast den ganzen Tag im Kruge nnbc- lästigt zubringen, essen und trinken und das Verzehrte gut bezahlen/ Ja, damit war es noch nicht genug. Am folgenden Tage erschien der Chef selbst und erkundigte sich, ob seine Leute sich auch ordentlich und anständig betragen hätten. Daß aber dergleichen Ereig- nisse in Preußen, wo die Anarchie doch ju Boden geschmettert ist, noch vorkommen können, beruht einzig^md allein auf den Verhältnissen an der Grenze. Das Zollsystem Rußlands bedingt einen sehr starken Schmuggelhandel, dem die russische Grenzbesetzung gewaltsain entgegentritt. Deshalb geht auch kein irgend bedeutender Waarentransport über die Grenze ohne bewaffnete Bedeckung; und wenn man die russischen Beschwerdeschriften über Grenzerzeffe, d. h. Gefechte zwischen russischen Truppen und Schmugglern lesen will, wird man mehr als einmal auf die ^chlußbemerkung stoßen, daß der Rückzug der Schmuggler mit einer mi- litärischen Ordnung bewerkstelligt sei, daß man voraussetzen müsse, es seien preußische Landwehrlcute dabei betheiligt gewesen. Aber nicht allein preußische, sondern auch russische Grenzanwohner sind bei dergleichen Affairen betheiligt. Vom Schmuggler zum Räuber aber ist nur ein kleiner Schritt.
Von Räubereien und Diebstählen, welche von der Bande des Krotinus vollführt wären, hört man auf preußischem Grund und Boden nichts, wogegen die russischen reicheren Gutsbesitzer von derselben sehr belästigt'werden. Auf preußischem Gebiete scheint dieselbe nur dann und wann vor den Verfolgungen russ. Behörden Schutz zu suchen, und darum auch mit den Einwohnern in gutem Einvernehmen sich zu erhalten. Wenn sich aber auch das Sprichwort, daß der Wolf da, wo er nistet, nicht raubt, bewahrheiten zu wollen scheint, so ist doch die Eristenz einer solchen Räuberbande lästig für den Verkehr. Einem^chneider, welcher den Jurawald passirte, ist zum Scherz die ganze
Baarschaft abgenommeu, und derselbe wurde durch Drohen mit Pulver und Blei nicht wenig geängstigt, bis man ihm schließlich das Geld^ mit der Entjchuldl- aung, man habe sich nur einen Spaß machen wollen, zurückgab, und noch ein Stück Brod und Speck als Wegzehrung hinzufügte.
Der Graf Terenzio Mamiani ist in Plg- nerol als sardinischer Depnlirter gewählt worden; in Genua hat man Manin gewählt.
Aus Neapel wird vom31.. Okt. geschrieben, daß ; man dort der formellen Abschaffung der faktisch schon lange nicht mehr bestehenden Constitution entgegensah. Die Veröffentlichung des darauf bezüglichen Dekrets erwartete man binnen wenigen Tagen. Um diese Maßregel nicht als einen tyrannischen Schritt der Regie- rung erscheinen zu lassen, waren den Municipalitäten des ganzen Landes dem Vernehmen nach schon vor einigen Wochen gedruckte Adressen zngesandt worden, in welchen die Unterzeichner den König im Namen der betreffenden Gemeinde bitten, die Verfassung zn- rückzunehmen, weil sie seinen güligen^Absichten nicht entsprochen habe, vielmehr nur die Quelle von Jin» ruhen und Verlegenheiten aller Art gewesen sei. D lo- hungen, Versprechungen, Strafen, Bestechungen u. s. w. sollen bewirkt haben, daß die Regierung die abgesandten Rundschreiben mit einer ihr genügend erscheinenden Anzahl von Unterschriften zurückerpielt.
Nepublik ^raukreiâ
Paris, 9. November. Der Gesandte^ der Vereinigten Staaten hat gestern bei Louis /Napoleon zu Mittag gespeist; wie man hört, sind die Differenzen mit der Washingtoner Negierung der völligen Beilegung nahe. — In der gestrigen Versammlung der Haupt-Redakteure der hiesigen Jonrnale machten sich besonders E. d. Girardin (von der „Presse") und Du ras (vom „National") durch die Unumwundenheit und Energie ihrer Sprache bemerklich. <ie erklärten, daß sie die Ersten sein würden, die Verfassung gegen einen Staatsstreich im offenen Straßen-Aufstanve zu vertheidigen.
Paris, 13. Nov., Abends. Der hohe Gerichtshof zu Versailles hat edf Angeklagte freigesprochen; neunzehn wurden zur Deportation und drei zu filnf- 1 jähriger Gefängnißstrafe verurtheilt. (it. Z)
Madrid, 6. Novbr. Die gestrige Kammersitzung zog viele Neugierigen heran. Alle Minister waren auf ihren Plätzen, sowie viele Gesandten in den Tribünen. Olozaga entwickelt seinen Antrag auf die Vorlage mehrerer, die innere und äußere Politik betreffenden Dokumente. Der Redner wünscht, daß die Verbindung mit England auf eine der Wurde Spaniens entjpre- chende Weise wieder ausgenommen werde, und bespricht die italienische Erpedition vom politischen und sman- ziellen Gesichtspunkte aus. Die letzte Palastrevolution wird vom Redner hart mitgenommen. Narvaez meint, die Thronrede gebe häufig Anlaß zu unnützen Diskussionen und ihr Weglassen verhindere nicht die ernste Besprechung. Der Redner beantwortet die übrigen
Punkte einen nach dem andern. Mon gibt die Erklärung ab, daß er ungeachtet seines Austrittes aus dem Ministerium dennoch dessen Politik vertreten werde. Das Ministerium trägt darauf an, den Vorschlag Olo- zaga's in Berathung zu nehmen. Die Kammer nimmt den Vorschlag des Ministeriums an. Bei Abgang der Post war die Debatte über den Vorschlag Olozaga'ö noch nicht geschlossen.
Großbritannien.
London, 10. Nov. Die „Times" hat Berichte aus Konstantinopel vom 25. Hiernach Hütte Sir Stratford Canning Tags vorher Depeschen von Lord Pal- merston vom 9. Oct. erhalten, wonach das englische Gouvernement seinen festen Entschluß anzeigre, den Sultan im Nothfalle materiellen Beistand zu leisten und eine Defensivallian; mit der Pforte zu schließen, falls der Czaar seine Drohungen wahr machen wurde. Admiral Parker war angewiesen, sich deßfa^s mit dem englischen Gesandten in Beziehung zu setzen, und die englische Flotte lag am 25 schon an der Mündung der Dardanellen. Obgleich die letzten Instructionen deS Generals Aupick in demselben Sinn waren, schien Frankreich nicht geneigt, cm Schutzbündnis; mit der Türkei einzugehen. Die 'Erklärung des französischen CabinetS soll dahin lauten, Frankreich würde der Türkei so lange beistehen, als sie mit Klugheit aufträte. Direkte Mittheilungen aus Petersburg fegten noch und alle diplomatischen Beziehungen waren noch unterbrochen Man hoffte übrigens, daß die Differenzen beigelegt werden würden. Aus Persien hört man auch von großer Gährnng. Zu Teheran ist ein Aufstand ansgebrochen.
A m e r i £ o
New-Uork, 24. Okt. Der Zufluß von deutschen Einwanderern dauert noch immer fort. Es sind derselben im Laufe dieses Jahres in unserem Hafen wenigstens 10,000 angekommen, von denen sehr viele aller Mittel entblößt waren, als sie landeten und folglich einem härteren Loose entgegengingen, als demjenigen, ivelchem sie in Deutschland zu entgehen glaubten. Das Elend dieser Unglücklichen, meist durch lügenhafte Vorspiegelungen verlockt und betrogen, läßt sich nicht schildern. Beim Amerikaner finden sie weder Mitleid noch Hülfe; er betrachtet und behandelt sie wie Paria, wie die Verworfe- nen des Landes, dem sie Lebewohl gesagt haben. Die deutsche Gesellschaft zur Unterstütznng deutscher Auswanderer bietet Alles auf, das Elend dieser Heimathlosen zu mildern, verschafft ihnen Arbeit am Hafen, beim Straßen- unv Eisenbahnbau, oder befördert sie ins Innere, wo ihr Loos übrigens in den ersten Jahren ein sehr bitteres sein wird. Allen kann die Gesellschaft nicht helfen, und zudem befinden sich unter dieser Masse auch viel arbeitschenes, liederliches Gesindel, das von Bettelei und Müssiggang zu leben gewohnt ist. Handwerker aller Art, die arbeiten wollen, finden noch fortwährend ein anständiges Fortkommen: am gesuchtesten sind aber — Frauenzimmer. (K.Z.)
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
Bekanntmachungen.
Mit Bezugnahme aus meine Bekanntmachung vom 15. October die- XX' ses Jahres, beehre ich mich ergebenst anzuzeigen, daß ich heute am Eck gX der Webergasse im Badhans zum Stern meine XS HS Gleich- â l4m3?d!mmSh?o£ XX eröffnet habe, und empfehle dieselbe nochmals dem Wohlwollen des ver- ehrlichen Publikums.
IS Wiesbaden, 15. November 1849.
(1203) Wilhelm Koth.
(1205) Sonntag den 18. November, Morgens halb 10 Uhr, Gottesdienst der freien christlichen (deutschkatholischen) Gemeinde im bisherigen Locale.
Der Vorstand.
Antwort auf viele Anfragen.
(1204) Soeben haben wir wieder Ercmpläre der interessanten Prophezeihung erhalten:
Die gekrönte Schlange
oder
Das rothe Männchen")
Sieben Sätze, in welchen eine merkwürdige Prophezeihung über Europa'ë politische Zukunft bis zum Jahre 1860 entwickelt wird. — Aus einem zu fäll io aufgefundenen lateinischen Manuscript übersetzt von Dr. C. H. Ladenpreis 18 kr
*) Wer erinnert sich nicht dieses räthselhaftcn Männchens, das ganz roth gekleidet, beim großen Kaiser öfters gesehen wurde? — Vor allen großen Begebenheiten und Schlachten hatt, es mit Napoleon eine Unterredung und hätte er seinem Rathe gefolgt, so wäre der Zug na4 Rußland unterblieben. Anmerk, des Uebersetzers.
(1065) DaS von der König!, preuh. und Herzog! nassauischen Landesregierung genehinigte Bureau zum Trhutze der Auswunderer
in Ceblenz
befördert die Passagiere monatlich 3mal über aSereve und 4 mal über Atif teerten nach Mem- Horfe und Mem-OHemas mit dem Verspreche» der reellsten B.hauolung. — Näheres bei H. Biegel in Limburg, H. Lanz in Weilburg und bei mir.
H\ §r Üeilhuusem in Coblenz, Castorpfaffengasse 409, A.
(1073) 3n der H. W. Ritter'schcu Buchhandlung ist wieder vorrâlhig:
Blicke in das Labyrinth der Zukunft.
Zn merkwürdigen Weissagungen des Johann Ad. Müller, weiland Bauersmann auf dem Maisbach^r Hofe bei Heidelberg.
Preis 12 kr.
D e c r e t.
(1196) Die Ueberschuldung des Vermögens der Wittwe des Joseph Kremer, geb. Regine Dorn von Eltville, insbesondere
fase. III.
die Liquidation der Forderungen betr.
Nachdem das Concurserkenntniß hiesigen Justizamts vom 25. Juli L I. rechtskräftig geworden ist, so wird Termin nur Geltend» machung dinglicher und persönlicher Ansprüche an der ConcurSmasse unter dem Rechtsnach» theile deS von selbst eintretenden Ausschlusses von derselben bei unterzeichneter Stelle aus Donnerstag den 13. Dezember, d. I-,
Vormittags 8 Uhr, anberauint.
Eltville, den 1. November 1849.
Herzog!. Nass Justiz-Amt Jung.
(1208) Eine Parthie Waizen, welcher sich zur Sckweinsmastung. foivu auch zu jeder andern Fütterung qnaüficirt, ist per Malter 2 fl. 30 fr. zu haben bei
&’. L. Helsel, Burgstraße.
(1181) 100 fl., 500 fl., 700 fl. 1000 fl., 1200 fl., 2500 fl. unD 26000 fl. fine sogleich durch %. Schaus in Wiesbaden zu haben.
(1190) 600 fl. sind gegen doppelt gerichtliche Sicherheit zu verleihen. Wo? sagt die Expedition d. Bl.
(1180) Ein an dem Rhein in Biebrich gelegenes, mit der schönsten Aussicht auf denselben sowohl nach Mainz als dem Rheingau, im besten Zustande sich befindendes herrschaftliches Wohnhaus steht zu verkaufen und ist das Näher« hierüber zu erfahren bei
$. Schaus in Wiesbaden. X