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^olaerunasart des Herrn Lieber verwahren müsse ^ dieses ausdrücklich im Protokoll bemerkt wissen nil l!^cn v Schüü, der nun das Wort ergriff, begann ebenfalls mit der Erklärung, daß er den Lehrer Ruhl nicht kenne, daß er aber dessen Versetzung fordern S weil derselbe in dieF eit Zeitung" geschrieben, was chm mißfalle. Vier andere Gemeinderathe er­matten darauf, daß sie nichts gegen den Lehrer hatten, aber wünschten, daß derselbe versetzt werde und Eam- bera einen wohlfeileren erhalte.

Doch möge die Versetzung zum Vortheile, nicht rum Nachtheile des Lehrers geschehen. Jetzt erhob sich Bou fier:Die Herren, welche die Versetzung des Lehrers Rühl beantragen begann ^oufier fernen sie kennten den Lehrer nicht, ich aber sage, ul) kenne'ihn, kenne ihn sehr genau! Aber eben, weil ul) ihn als Ehrenmann kenne, und weil selbst seine Feinde ihn als tüchtigen Lehrer anerkennen müssen, deshalb beantrage ich, daß dieser Mann hier verbleibe. Man hat gesagt, man wünsche nicht die Beeinträchtigung des Lehrers, sondern nur seine Versetzung, um seiner Ruhe willen. Aber warum wird der Mann verfolgt, weil er auf seiner frühern Stelle verfolgt wurde! Ihr wißt, wie man hier denselben verdächtigt hatte, ehe man ihn kannte, so will man eS ihm wieder ma­chen: denn er käme jedenfalls wieder zu Einem, der sieben Weihungen hat. Ich will keine Vertheidigung deS Lehrers übernehmen, weil er keiner solchen bedarf; aber mich jammert die arme Familie, die man gerne wieder obdachlos auf einen fremden Platz schickte, da­mit man dort abermals das Volk aufhetzte, dieselbe nicht aufzunehmen, wie hier. Hauptsächlich aber wün­sche ich das Bleiben des Lehrers im Interesse unserer Stadt." Dieser Erklärung schlossen sich die Gemcin- deräthe Marr, Prinz, Meckel nnd Halberstadt an, mit der Bemerkung, daß sie hierdurch zugleich die Gesinnung der weitüberwiegenden Majorität ausdrück- ten. Jettt brachte der Pfarrer ein Zeugenverzeichniß wegen angeblicher Wühlerei und Irreligiosität. Acht­zehn Zeugen sollen bestätigen, daß beim Turnerfest auf Pfingsten, Lehrer Rühl zum Kampfe aufgefordert.Diese Rede habe ich gehört, erklärte abermals Boufier Lehrer Rühl erklärte, daß 28 Regierungen die Reichs- Verfassung anerkannt, Preußen aber dieselbe verwor­fen, daß die Nassauische Regierung bereits ihre bewaff­nete Macht der Reichsgewalt zur Verfügung gestellt, er vertrau den Turnern, daß sie bereit sein wür­den, auf den Ruf der Regierung Gut und Blut für das Vaterland zu opfern." Dann meinte Bou fier, daß die Negierung ihren Beschluß habe fahren lassen, wäre kein Grund, es einem Manne übel zu nehmen, daß er die Negierung wegen des Beschlusses gelobt und das Volk aufgesordert, der Regierung zur Seite zu stehen. Gemeinderrth Marr erklärte, auch die Rede gehört zu haben, und daß er die Aussage Bou- f i e k's nur bestätigen könne.

Indessen die wichtigste Klage gegen Lehrer R ü h l ist doch die der Irrtt^ositat. ^(^ M^^fA eines Schusters Sohn. Wir sind begierig, ob die Ge­richte es für Irreligiösität erklären, der Meinung zu sein, ein Bischof sei eines Schusters Sohn, ob es viel­leicht gar eine Schande sein soll, von einem Schuster abzustammen nnd ob in diesem Falle Herrn Rühl die Einrede der Wahrheit gestattet wird.

Diez, 9. Nov. Das unruhige, bis in seine tiefsten Tiefen unterwühlte Diez, bietet in dem gegen­wärtigen Augenblick, gleich Paris, den Anblick größ­ter Ruhe. Still und ruhig fleußen die Tage dahin, und es muß schon etwas Außerordentliches sein, was Aufsehen machen soll. So haben wir z. B. an dem Hochverraths-Prozeß gegen den Redakteur dieses Blat­tes den wärmsten Antheil genommen und unser wackere Bürgerwehr-Musik feierte dessen Freisprechung an dem­selben Tage noch zu später Abendstunde' durch ein

am verflossenen Abend meine Feldflasche füllte, wurde sie jetzt geleert und von Neuem gefüllt.

Ich wischte das getrocknete Blut meines Cameraden vom Hirschfängerkoppel, band einen Lappen um meine geschundene Hand und vergaß nach einem crguickenden Kaffee in Morpheus Armen den unglücklichen Vorfall, bis ich nach kurzer Rast von der Allarmtrommel geweckt zu neuen Gefahren erwachte.

An demselben Tage wurde Die Schlacht bei Wag- bau|el geschlagen; durch einen günstigeren Erfolg unserer Mission wäre dieser Tag vielleicht für das Schicksal Badens cnttdwDcnD gewesen, bei Waghäusel waren Die Preußen faktisch geschlagen, unser Sieg hätte ihre Nieder­lage vollendet und welche Folgen diese erste siegreiche Schlacht gegen die Preußen in Baden gehabt hätte, das weiß ^ever zu beurtheilen der Die Simpathien welche jeDe siegreiche Volksarmee stets für sich hat, nicht strikt ableugnen will, und Der die Stimmung in Der prenß. Werner, auch anders als aus Den offiziellen Berichten des Prinzen von Preußen kennt.

Ständchen. Wir halten eS jedoch für unsere Pflicht, dabei zu bemerken, daß sich unser ehemaliger Stadt­schultheiß in keiner Weise dabei beteiligte.

In gesellschaftlicher Beziehung ist bei uns wie­der wie" vor dem 4. März; unsere haute volé das sind die Angestellten amüsirt sich wieder in dein Casino, ißt Küchen, trinkt Thee und freut sich, wieder vergnügt beisammen sein zu können. Aber wie keine Freude vollkommen, so hat auch unsere haute vclé ihre Kümmernisse ; denken Sie sich, die allerhöchste volé das sind die Offiziere verschmäht es, Vi­siten zn machen und das Casino mit ihrer Gegenwart zu beehren und zu verherrlichen. Unsere früheren Of­fiziere beanspruchten doch blos die Vornehmsten unter den Vornehmen zu sein, aber diese Vornehmen ganz zu ignoriren, nein, bei Gott, das ist schlimm, Und wer hat das Alles verschuldet? Das haben ne De­mokraten, die Hecker" mit ihrem Wühlen gethan ; sogar das Casino, das unschuldige, haben sie in een Geruch der Demokratie gebracht, da die Offiziere nur überhaupt wissen, daß Diez ein Heckernest" ist, so können dieselben begreiflicherweise keine Gesellschaf­ten besuchen; können sie ja doch nicht wissen, ob nicht vielleicht ein Demokrat, und wenn auch nur ein Ach­tels-Demokrat darinnen ist.

Das wichtigste Ereignis ist der in der verflossenen Nacht in der Kaserne ausgebrochene Brand, bei wel­chem eine nicht unbeträchtliche Anzahl InventariatS- stücke verbrannt sein soll. Wie das Feuer entstanden, ist derzeit unbekannt; nur ist es räthselhaft, wie das­selbe in einer Kaserne so unbemerkt um sich greifen konnte.

Darmstadt, 7. Nov. (N. D. Z) Ueber den Ver­lauf des großen Eisenbahnprozesses kann ich Ihnen einiges Interessante mittheilen. Seit einigen Tagen hat nach Abhör aller Zeugen das Verhör der Ange­klagten selbst begonnen. Wider Erwarten war durch die Zeugenaussage sehr wenig Gewißheit hergestellt worden, namentlich erschien darnach bei den meisten Angeklagten die Vorsätzlichkeit, die selbstständige und fortgesetzte Theilnahme an den inkriminirten Handlun­gen ganz zweifelhaft. Dagegen hatten bei den frühe­ren protokollarischen Vernehmungen die Angeklagten selbst, namentlich die minder Gravirten, geschreckt, mürbe gemacht,"reuig" durch die iwrgc)leUtc Aus­sicht der Straflosigkeit u. dgl. zarte Iustizmittel mehr, viele Geständnisse gemacht, die, wenn wahr, wenig­stens die Anführer sehr beeinträchtigen. Bei der münd­lichen Vernehmung der Angeklagten stellt sich nun die Sache anders heraus. Die bis jetzt Verhörten lang- neu den größten Theil der abgegebenen Protokolle ab, indem sie meist die obigen Rücksichten als den Grund der damaligen Aussagen bezeichnen. Wir hörten darü­ber sehr pikante Antworten der Angeklagten, z. B., ja, das habe ich damals so wissen müssen und da habe ich cs eben gewußt, 's ist aber anders," oder: Ja, das hat mir der Herr Landrichter gesagt, danach D o.....p- ^vnm Vvrrvmmnlssc wer­fen aus die Voruntersuchung ein mehr als zweideu­tiges Licht. Sie können sich denken, daß Herr Weiß, der Unparteiische, das den Angeklagten nicht unge- rügt hingehen läßt unddas den Geschwornen und Richtern Zeit und Geduld raubende System der An­geklagten hart angreift. Freilich, Herr Weiß hat zu hohe Begriffe von seiner Zeit und Geduld, als daß er sie sich durch einen Angeklagten, der sich verthei­digt, gutwillig rauben ließe. Hiergegen findet er Worte, aber nicht gegen einen StaatSanwalt, der den Ange­klagten in's Gesicht ihr Auftretenals eine abgekar­tete Komödie" bezeichnet. Daß eine derartige Animo­sität eines in seiner Bequemlichkeit gestörten .Richter- personals bei den Geschwornen nur günstig für die Angeklagten wirken kann, liegt in der Natur der Sache und hat die Erfahrung gelehrt. Diese Herren neh- ' men es wenigstens nicht so streng, als jene, wenn ein

'* Damals! Und jetzt?

Ük H. E bhardt erzählt in seiner Beschreibung Der Stadt Wiesbaden, derScbwindclgcist" habe 1525 auch Wiesbaden ergriffen und es fei, mit Den bekannten Be-

Ichwcrden des Bauernkriegs, zmn Aufstand gekommen. Minderung Der Abgaben, freier Gebrauch Der Jagden nnD Waldungen rc. rc. sei verlangt worden. Das Volk habe Die Schlüssel zu Den Stadtthoren wcggenommeu, den Beamten mit dem Tode gedroht, Pfarrer rc. abgesetzt, die Zinsbücher entwendet, die Kasseuvorräthe getheilt und die gröbsten Ausschweifungen begangen, wobei sich gewißer Schweitzer, Der damals zu Wiesbaden ge­wohnt, ausgezeichnet habe.

ein

Die Sache habe sich jedoch endlich von selbst bei­gelegt; cs IeieII wohl Unters uchuugeu äuge­st c l l t worden, man habe aber Die Berge h e n mit Milde der Vergessenheit ilbergeben.

Hört es! Und wenn Ihr nichts Neues lernen wollt, so vergeßt doch wenigstens des Alten nicht. Das neun­zehnte Jahrhundert muß sich ja sonst in Wiesbaden vor dem sechszchntcn schämen!

Ein Rcichsschulmeister.

Angeschuldigter die Unverschämtheit hat, unschuldig zu sein.

Das voraussichtliche Ende des Prozesses ist durch diese Vorgänge noch weit hinausgeschoben worden. Da zufolge der Differenzen zwischen den früheren und jetzigen Aussagen der Angeklagten, sämmtliche Proto­kolle vorgelesen und mit den Verhören verglichen wer­den, was dann nicht selten zu Wortwechseln zwischen demUnparteiischen" und den Angeklagten Anlaß gibt. Die Geschworenen werden zu entscheiden haben, welchen Aussagen, den früheren schriftlichen, geheimen oder Den jetzigen mündlichen mehr Glauben zu schen­ken ist.

Mannheim, 8. Nov. (Verfügung.) Der Rudolph Friedrich Reinhold aus dem Königreich Hannover wird wegen zwecklosen Herumtreibens und Tragens eines HeckerhuteS mit 8 Tagen geschärftem Gefängniß bestraft. Mannhe i m, 8. Nov. 1849. Der Ma­jor und Kommandant: v. Plehwe.

Rastatt, 8. Nov. (D. Z.) Nächträglich theile ich Ihnen mit, daß der vorgestern durch einen Schuß in den Kasematten Getödtcte von einem Schrotkorn ge­troffen wurde, das ihm in das Gehirn drang. Sämmt­liche andere Verwundete haben gleichfalls nur Schrot- wunden. Ob das Gewehr nur mit Schrot oder auch mit einer Kugel geladen war, wird die Untersuchung, die hoffentlich eingeleitet werden wird, ergeben.

Trotz der strengsten Maßregel sind gestrige Nacht wieder zwei Kriegsgefangene aus dem Lazarett) ent­sprungen.

Detmold, 3. Okt. (D. A. 33 Die deutsche Frage ist heute endlich auf unserm Landtage zur Verhand­lung gekommen und mit 13 gegen 9 Stimmen (drei Mitglieder fehlten) dahin entschienen, daß dem von der Regierung in Berlin abgeschlossenen Vertrage rück- sichtlich des Beitritts zum engern Bunde unbedingt die Genehmigung ertheilt werde.

Berlin, 6. November. (Nat.-Ztg.) Es ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen sagte Johann Jacoby am 2. November.

Es ist das Ungliief der Könige und der Völker, daß beiden selten die Wahrheit gesagt wird. So ist es selbst am 18. März 1848 hier in Berlin gewesen.

Damals ging eine letzte Deputation der Stadtver­ordneten und des Magistrats zum Könige. Herr von Raumer, der bei dieser Deputation war, erzählt in seinenD iesen aus Frankfurt und Paris," wie dem König die < lle ungeschminkte Wahrheit gesagt sei. Er berichtet auch, was und wie der König geantwortet. Man bat um Preßfreiheit. Ist schon bewilligt. Um Berufung des Landtages. Desgleichen Um Veränderung der Grundsätze über Wahlen und Ab­stimmungen. Antwort günstig, jedoch so bedingt, daß kein bestimmtes Ergebniß hervorging. Gleich­stellung aller Religionsbekenntnisse, ohne staatliche Be­vorzugung. Antwort: ich bin der größte Freund brr NttiaionSdnIdiina: Die Leute Dürfen sich ja nur aussprechen. Zwischen Ew. Maj. und dem Volke stehen Räthe, welche das Vertrauen des Volkes nicht besitzen. Antwort: diese Männer meinen cs redlich mit dem Volk und der Krone. Auf den Antrag die von der Stadt Berlin vorgetragenen Wünsche dem Landtage zur Berathung vorzulegen und nach Empfang (eines Gutachtens zu entfcheiben, ging der König nicht einfach ein; weil ja zu prüfen sei, ob die Wünsche sich zu solch einer Vorlegung eignen. Der König sprach nach seiner Weise noch viel gemüthlich; hierauf von seiner Macktt, seinem Recht, seinem göttlichen Beruf. Sagen Sie laut, rief er, daß ich, so wahr mir Gott helfe, Alles thun will, was zum Wohle meines Volkes gereicht, daß ich aber niemals auch nur einen Fingerbreit von meinen Grundsätzen abweichen werde, daß mich keine Macht der Erde jemals dazu vermögen wird."

Und die Deputation? Herr von Raumer be­richtet:Wir stellten endlich das Mildeste und Wesent­lichste aus allen Reden des Königs zusammen, so daß Bewilligungen, Versprechungen lind Hoffnungen jeden Gemäßigten befriedigen konnten."

Das Volk hat nicht die Wahrheit erfahren. Noch einmal, das ist der Volker und der Könige Unglück, daß sie nur selten die Wahrheit erfahren" einer vom andern, weil sie sich beide zu fern stehen. Das ein­geführte Hofceremoniell schließt die Könige vom Volke * ab. Die Könige hören nicht, oder hören zu spat, was eigentlich im Volke lebt und wie es im Lande aussicyt. Offizielle Berichte, offizielle Empfangsfeierlichkeiten find nicht im Stande, sie darüber aufzuklären. Sehen sie das Volk festlich geschmückt, hören sie eS Lebehoch ru­fen, so mögen sie glauben, es sei ein zufriedenes, glück­liches Volk. Sie mögen glauben, daß auch das Volk mit Ministern zufrieden sei, welche ihre Zufriedenheit besitzen. Eine freigewät-lte Vertretung des ganzen Vottes, nicht bloß einzelner Klassen, nicht allein einer begünstigten Minderheit ist das einzige Mittel, wie auch den Königen Die Wahrheit offenbar werden kann, und zwar bei Zeiten, ehe es zu spät ist. Wird aber eine Vertretung künstlich so eingerichtet, daß sie das Volk nicht vertritt, daß sie weder seine Interessen noch seine Bedürfnisse, noch seinen Willen aüsdrückt; daß Die eim JfhienJÖertre er no^ dazu sei es durch Rücksichten auf amtliche Stillung und Diszipljuaraeselle die sie von oer Wcklkur der Minister ab^ngi^Ä dèrt werdm""nack"^^ ^umnalprozeburen, verhin- rert werden, nach ihrer Ueberzeugung zu reden, und