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JK 2ßfh Wiesbaden. Sonntag, II. November 18â8

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Habe» wir eine Revolution^ gehabt oder nicht?

III. Artikel.

°o° Vom Taunus, Ende Oktober. Im vorigen Ar­tikel haben wir nachgewiesen, daß die Märzerhebung des deutschen Volkes wesentlich eine Revolution war, und daß die Reaktionäre, welche dieselbe zu leugnen und aus dem Buche der Geschichte auszulöschen sich bemühen, bei diesem heuchlerischen Beginnen sich in unauflösbare Widersprüche verwickeln. Aber daß die Reaktionäre dazu die Stirne haben, daß sie eS wagen können, die Revolution zu verleugueu, daß es ihnen sogar gelingen konnte, den Zweck und die Eon- sequenM derselben wirklich zu vereiteln, das muß aus schon von vornherein auf die Vermuthung bringen, daß der Revolution von Anfang an ein Mangel an­klebte, welches ihr baldiges Scheitern zur Folge hatte. Wir werden bald uns überzeugen, daß diese Vermu­thung richtig ist, und werden, wenn wir auf den von uns aufgestellten Begriff der Revolution zurückgehen, leicht entdecken, worin jener Mangel bestand. Haben wir das Wesen der Revolution darin erkannt, daß der Volksgeist in unvermittel ter Thätigkeit auftritt, daß der Geist unter Zerbrechung seiner bisherigen Daseinsform auf sich selbst zurückgeht und sich selbst aus seiner eigenen Urtiefe heraus eine neue Form schafft, haben wir ferner gesehen, daß dieses zugleich zerstörende und schöpferische Wirken des Geistes sich nach zwei Seiten hin erweist: formell als ein Ver­nichten und Neuschaffen der Werkzeuge des Staates (der Staatsbeamten), materiell als ein Vernichten und Neuschaffen der Staatsmstitutionen: so werden wir, wenn wir diesen Begriff streng festhalten, uns auch leicht davon überzeugen, daß an der Märzrevo- lution Vieles war, was diesem ihrem Begriff nicht adäquat, md)t entsprechend war.

Vergegenwärtig,»,, wir und in Kieser Beriebuna die Märzrevolution, so finden wir, es waren zwar faktisch für den Augenblick alle Staatsinstitutionen wie alle Staatsdiener außer Wirksamkeit gefegt, negirt, cs war faktisch so ziemlich tabula rasa gemacht; aber das Volk war noch nicht im Stande, diesen Zustand festzuhalten und zu einem dauernden zu macheu. Deuu die Negation als solche läßt sich überhaupt nicht fest­halten; die Negatiou alter Zustände läßt sich nur be­haupten durch die Position neuer. Aber das Negireu ist leichter als das Poniren, das Umstürzen leichter als das Aufbauen. Das letztere in den Hauptgrundzügen sofort unmittelbar selbst vorzunehmen, dazu war das Volk noch nicht im Stande. Das Volk stürzte durch den Sturm der Revolution zwar sofort und ausdrück­lich (durch seine Forderungen) viele abgelebte Institu­tionen, aber nicht alle, zwar z. B. die Zensur, das geheime Gerichtsverfahren, das Verbot der Vereine und Volksversammlungen rc>, aber nicht das indirekte

**** Ein Vorpostengefecht aus dem badischen Feldzuge.

(Schluß.)

Entsetzt sprang ich empor. Außer einem ziemlich schmerzhaften Huftritt auf die rechte Hand spürte ich keine Verletzung; ein glücklicher Griff ertappte meine Büchse und meinen Hut wieder. Alles dieses war das Werk eines Augenblicks gewesen. Dor mir auf der Chaussee sah ich Niemanden mehr; rechts und links krachten noch immer einzelne Schüsse aus den Kornfeldern; die Kugeln pfiffen dicht an mir vorüber instinktmäßig ging ich rückwärts und ehe ich noch so recht zur Besinnung gekommen war, stand ich schon wieder im Gliede bei meiner Compagnie, die einige Schritte rückwärts sich wieder gesammelt hatte. Das Schießen hatte unterdeß aufgehört. Meine Cameraden lachten zu meinem nicht geringen Erstaunen recht herzlich über diesesMißver- ständniß" wie sie sich ausdrückten.Die Studenten­compagnie hat uns für Preußen angesehen , auf uns gefeuert und beim ersten Schuß sind die 3 Dragoner umgekehrt und in unsere Colonne gerannt;" so hieß es allgemein; zweifelhaft zuckte ich die Achseln und fügte hinzu: nun so mochte ich nur wünschen daß dasMiß­verständniß" unblutig abgelaufen ist, da krachte cs von

Wahlsystem, nicht die feudale Belastung des Grund- eigenthums, nicht die Zerstückelung Deutschlands, nicht einmal überall das Zweikammersystem it. s. w. Das Volk stürzte zwar viele einflußreiche hohe Staatsbe­amte, aber nicht alle, und gerade die einflußreichsten nicht. Das Volk glaubte das volksfeindliche Wesen des Beamtenthums vernichten zu können, ohne die einflußreichen volksfeindlichen Diener von ihren Staats­ämtern zu entfernen; es glaubte diese Personen umge- wandelt zu haben, nachdem es dieselben gezwungen hatte, mit ihm Brüderschaft zu trinken und die von denselben vorher so sehr gehaßte schwarz-roth-goldene Kokarde aufzustecken. Das Volk mußte fo das Haupt­geschäft bei dem Neubau des Staates aus den Hän­den geben, und in die Hände der von ihm gewählten Vertreter" legen, in deren Wahl es sich aber be­kanntlich und aus bekannten Gründen sehr häufig irrte oder von welchen es zum Theil schmählich getäuscht wurde. Anstatt die Revolution weiter zu führen und zu vollenden, ließen dieseVolksvertreter" in Deutsch­land nicht nur dasjenige, was von Anfang an hätte beseitigt werden müssen, aber stehen geblieben war, ruhig fortbestehen, sondern auch das Niedergeworfene sich wieder erheben, das wankend Gewordene und Er­schütterte sich neu befestigen, und wo das getäuschte und verrathene Volk seine Sache wieder selbst in die Hand nehmen wollte, z. B. in Wien, da halfen sie dasselbe niedertreten. Mittel, seine Vertreter zu über­wachen, wie zu schützen, hatte das Volk sich nicht geschaffen, kein Recht, dieselben abzuberufen, keine allgemeine Volksbewaffnung und keine Verschmelzung des stehenden Heeres mit derselben, nicht einmal eine Demokratisirung des Heeres: das Volk sank bald in seine Vereinzelung und Ohnmacht zurück.

So ist cs denn, weil die Revolution, die ihre Zwecke klar und bestimmt vor Augen hatte, nicht die rechten Mittel zur Erreichung derselben anwendete, dahin gekommen, daß das Volk in Deutschland, trotz V»« &lw~»**~"-------^ ^ ^^ ^ J ^ ^ )l ff ' L -«. CY\<ÉJ Vertretung und sonstiger gehörig beschnittener Mârzer- rungenschaften, welche aus den Trümmern der Revo­lution bis jetzt gerettet worden sind, gerade so weit, wie vorheer, ist. Nachdem dieRuhe und Ordnung" überall wieder hergestellt ist, werden dieWiener Kon­gresse" undBeschlüsse" nicht lange mehr auf sich warten lassen, um noch entschiedenere Maßregeln zur Beschneidung und Beseitigung der Märzerrungenschaf­ten zu ergreifen. Die offene, entschiedene und konsequente Reaktion, derweiße Berg", dessen Mann der weiße Zaar ist, wird und muß vor der Hand vollständig siegen, weil in jeder geschichtlichen Bewegung die konsequente und entschiedene Partei zu­letzt siegt. Die Halben, die GothaerEdlen" und besten Männer" sind längst von dem Schauplatz ver­schwunden und einer gründlichen allseitigen Verachtung anheimgefallen; die Demokratie wird, so sehr man sich auch oft diesen Anschein zu geben sucht, wenigstens

Neuem und mit dem Schrei:ich bin verwundet" stürzte mein Nebenmann links zusammen. Er war ein Pfälzer erst 16 Jahre alt und hatte schon bei der Belagerung Landau's und im Gefecht bei Kinthal gezeigt, daß er seine Büchse zu handhaben verstehe. Krampfhaft faßte er mit der blutbefleckten Hand den Griff meines Hirsch­fängers um sich wieder aufzurichten, als ihn sein Vor­dermann ein stämmiger Baier auf die Schulter hob und zurückschleppte. Ist die Wunde gefährlich? fragte ich den mittlerweile hinzugesprungeneu Arzt;ganz unbe­deutend, blos ins Schcnkelflcisch," antwortete der wackere Verwundete selbst.

Die Schüsse dauerten fort und das unheimliche Zischen der Kugeln heilte nun auch unsere Leute von der Illusion daß wir aus Mißverständniß von unsern eigenen Leuten beschossen würden. Die znrückkchrenden Abtheilungen der Studentencompagnie verscheuchten endlich alle Zweifel über diesen Punkt.

Es sind die Preußen! Steht Kinder! Compagnie Besancon vor!" schrie Willich, der zu Fuß mit cer Pistole in der Hand ohne Hut an uns vorüber gegen den Feind stürzte.Nicht geschossen, mit dem Bajonnet vor!" tönte es aus den Reihen, aber der Rackssolgen- deu waren wenige. Unschlüssig stand die heitere Cvlvnne auf der Chaussee; die ausgerissenen Dragoner hatten eine fürchterliche Verwirrung hervorgebracht und durch ihr Geschrei:Rettet Euch, wir sind verloren" eine

nicht verachtet, sondern nur gehaßt und gefürch­tet. UnD gerade dies ist, wenn auch sonst nicht viel von den Errungenschaften der Revolution übrig bleiben wird, der große, unendliche Gewinn derselben: das Volk hat einen ungeheuren Fortschritt in der politischen Bildung gemacht; die Demokratie ist zu einer nicht mehr zu besiegenden Macht geworden, zu einer Macht, die alle Poren des gesellschaftlichen Lebens durchdringt. Sie wird, trotz aller Erschießungen, Einkerkerungen und Verbannungen, trotz ihres in Strömen vergossenen Blutes und gerade wegen desselben, wenn ihre Stunde schlägt, auf dem Platze sein, um die Gerech­tigkeit zu verherrlichen.

Deutschland.

z Camberg, 7. November. Heute noch herrscht eine große Aufregung in unserm Städtchen, die ihre Folgen zurücklassen wird.

Gestern kam der Kreisamtmann mit Sekretär hier­her, um Schulvorstand und Gcmeinderath wegen der Angaben des Pfarrers gegen den Lehrer Rühl zu vernehmen. Wie zu einer Assisenfitzung strömten die Bürger zum Rathhause, wurden aber abgewiesen, weil die Sitzung eine geheime sei. Diese Kunde erbitterte noch mehr; denn die Nothwendigkeit des Geheim-Be- rathens schien Vielen auf faulen Gründen zu beruhen.

Nachdem der Gemeinderath versammelt, kam eine kleine Prozession, der Herr Pfarrer an der Spitze, ge­gen das Rathhans gezogen. Die Sitzung selbst endigte gegen 2 Uhr und jetzt suchte Jeder Nachricht zu er­forschen. Und die geheime Sitzung ist öffentlich bekannt geworden. Zuerst hatte in derselben der Bürgermeister tockmann erklärt, er kenne den Lehrer Rühl nicht näher, höre denselben als Lehrer allgemein rühmen, eben so dessen Leben, im klebrigen habe er denselben von einer toeite ebenfalls sehr rühmen, von der andern Urtheil' gegen 'denselben "erlauben. "Im" yntcY^V"S^ Lehrers müsse er aber wünschen, daß derselbe auf eine bessere Stelle befördert würde, damit demselben Ruhe werde.

Darauf erhob sich Dr. Moritz Lieber und er­klärte auch er kenne den Lehrer nicht, müsse aber auf Entfernung des Lehrers antragen, da .demselben der Ruf der Irrgläubigkeit und Wühlerei vorausge- gangen, der Pfarrer daher den Lehrer nicht wünsche, und wenn Zwist zwischen dem Geistlichen und Lehrer sei, so müsse man den Lehrer versetzen.

Diese Folgerung kann ich indessen nicht begreifen entgegnete P rin; ich glaube, wenn Einer ver­setzt werden muß, so treffe cs den Schuldigen. Und wenn es der Papst wäre, der Hader mit dem Lehrer hatte und der Papst hatte Unrecht, so begreife ich nicht, wie man den unschuldigen Lehrer deßhalb strafen könnte.

Eben so erklärte Meckel, daß er sich gegen die

Anzahl Unentschlossener mit sich fortgerissen ; die Ar­tilleristen hieben die Gespannstricke durch und ritten mit den Pferden davon, die Unordnung in den Reihen noch vermehrend.

Vergebens riefen wir den Hintenstehenden zu: Vor­wärts Cameraden; wir machcn's wie vorhin in Spuk! Niemand folgte! Unter diesen Umständen müssen wir and» zurück brummte Willich, vor Zorn auf den Boden stampfend. Wir machten kehrt; da hörten wir einige Schritte seitwärts im Felde eine klägliche Stimme um Hülfe rufen. Einige Mann sprangen hinzu, und brachten einen ins Knie geschossenen Offizier der Nenstädter Turner NamenS Weber, zurück; der Unglückliche war gefähr­lich verwundet und ist, wie ich später erfahren, bei der Amputation im Lazareth zu Karlruhe gestorben.

Langsamen Schrittes und fest geordnet märschirten wir zur Colonne zurück, welche wir damit beschäftigt fanden, die unbespannten Kanonen ins nächste Dorf zurückzufahren. Noch einmal schickten uns die Preußen ihre Kugeln nach, ohne jedoch diesmal den geringsten Schaden anzurichten.

Mit hereinbrechender Morgendämmerung märschirten wir auS Neuthard, wo wir uns wieder gesammelt, die Kanonen bespannt, und für die Verwundeten Wagen requirirt hatten; auf der Straße nach Blankenloch zurück L und auf derselben Stelle, wo mir der einsichtsvolle Bauer