ten, daß auch die Kammermajorität, die katholische Partei und die Regierung endlich einmal sogar au uns denken und sich die Mühe nicht verdrießen lassen, uns zu einem tüchtigen Vertreter zu verhelfen, damit wir ja nicht in unserm „beschränkten Untertyanenver- stande" gar an einen Linken gerathen. Zu unserer erfreulichen Ueberraschung gereichte es daher, als wir neulich erfuhren, das Herr Abgeordneter Zollmann (einer der bekanntesten und bedeutendsten Führer der Kammermajorität), Herr Abgeordneter, Pfarrer 9t a u (der bekannte Verfechter der Schulfreiheit (unter der freien Kirche) und Vertreter der katholischen Zntereßen) und Herr Hofrath Henow (die Seele der Domänenverwaltung und ein rechter Arm der Regierung), im trauten Verein auf dem Westerwalde, in dem Wahlbezirke Rennerod-Marienberg, nmherreisten, um für die bevorstehende Ersatzwahl für Herrn Krämer, den Herrn Receptur-Accessisten Kühn zu Rennerod, der allerdings für ihre Interessen sehr entsprechend erscheint, vorzuschlagen.
Wenn sich die durch unsere Kammermajorität vertretene schauer l ich e Bourgeoisie, und die durch den Hrn. Pfarrer Rau repräsentirte ultra montane Partei die Hände reichen und dazu vereinigen, die zur Erreichung ihrer Volks beglückenden Absichten geeigneten 'Candidaten in die Kammer vorzuschlagen, — wer wird einem solchen Vorschläge widerstehen können?
Aengstliche Gemüther verlangen nun allerdings noch, daß der Candidat auch von dem Gothaer Ausschüße, oder doch mindestens von Herrn Hergenhahn und von dem Verwaltungsrathe in Berlin, oder doch mindestens von Herrn Voll Pracht approbirt (d. h. gutgeheißen werde — aber das ist doch zu viel verlangt und im Grunde genommen auch nicht nöthig, denn der Verwaltungsrath in Berlin steht doch be- kanntlsch über allen Kammern und über allen Regierungen, wenigstens über der Nassauischen, (sonst wäre es ja kein Bundestag) und es können ihm deßhalb auch die Kammerbeschlüsse und somit auch die Kam- mermajoritâten der Einzelstaaten ganz gleichgültig sein, und die Gothaer, — nun, die kommen ja immer erst hintendrein und billigen dann die faits accomplis, (d. h., sie erklären: Was geschehen ist, ist nicht zu ändern, es ist aber wohl daran geschehen, und wir sind ganz einverstanden.) j
□ Diez, 8. Novbr. Heute Nacht um 1 Uhr wurde Die; durch Feuerruf und Trommelschlag aus dem Schlaf geweckt. Im unteren Stock der Kaserne brach auf eine unbegreifliche Weise in einem Zimmer, das gar nicht bewohnt wird, Feuer aus. Es ist dies seit kurzer Zeit schon der zweite Fall; nur wurde der Ausbruch das erste Mal schneller entdeckt. Zwei Zim- mer, sammt allen Mobilien, Weißzeug und Betten sind gänzlich ausgebrannt. Nur dem ausgezeichneten Fleiß der Diezer Bürger ist es zuzuschreiben, daß sich das Feuer nur auf die zwei Zimmer beschränkte. Die Soldaten, die im zweiten Stock schliefen, waren schlaftrunken und stürzten Hals über Kopf die Treppe herunter. Die Offiziere griffen sehr thätig zu und suchten vor allen Dingen die Waffen zu retten. Die vor der Kaserne stehende Wacht konnte das Feuerst erst dann bemerken, als die beide Zimmer verbindende Thüre bereits brannte, da das Feuer im Hintern Zim- mer ausgebrochen ist.
Rastatt, 7. November. (D. Z.) Gestern Abend ereignete sich hier ein Fall, der großes Aufsehen erregt und viel böses Blut macht. Kriegsgefangene des badischen Aufgebots saßen von der Arbeit zurückgekehrt um den Ofen ihrer Casematte, um ihre vom Regen durchnäßten Kleider zu trocknen. Der außerhalb stehende Wachposten hielt bei der bereits herrschenden Dunkelheit den Wiederschein des Ofenfeuers für brennendes Licht und gab seiner Instruktion gemäß, durch ein Fenster hindurchschießend, Feuer in die Caseinatte. Diese eine Kugel, die zuerst gegen die gewölbte Decke des Zimmers schlug, traf sechs Mann der in dem Zimmer- befindlichen Gefangenen. Robert Ritter, ein kräftiger junger Mann, in der Nähe von Constanz zu Hause, erhielt eine Wunde in den Kopf, an der er nach einer- halben Stunde verschied. Drei Getroffene wurden nach dem Spital gebracht, bei den übrigen zweien sind die Verletzungen unbedeutend. Einer der ersteren hat zwei Wunden zugleich, eine an der Hand, die andere am Fuße erhalten. — Das hier zusammengetretene Kriegsgericht wird erst heute seine Sitzungen beginnen. Die Verhandlungen sind nicht öffentlich und das Urtheil wird nur nach Genehmigung von Seiten des Kriegs- ministtriums verkündet.
Der „Deutschen Reform" wird aus Baden vom 1. November geschrieben: Es arbeitet jetzt eine mächtige Partei, die katholisch-aristokratische Partei, mit dem Freiherrn von Andlaw an der Spitze, daran, den Großherzog zur Abdication zu bewegen.
Frankfurt, 6. November. Mehrfache Anzeichen lassen vermuten, daß man von Seiten der deutschen Regierungen die Eventualität eines Wiederausbruchs der Feindseligkeiten mit Dänemark ernstlich ins Auge faßt. Bereits ist die Rede davon, daß die als Neichs- Corps unter den Befehlen des Generals v. Peucker in Baden vereinigt gewesenen Truppen neuerdings in Bereitschaft zum Abmarsche gesetzt werden sollen. Zu diesen Truppen gehören bekanntlich auch das Frankfurter Linien-Bataillon und das hier liegende baierische Jäger-Bataillon. Die neuerlichen Rüstungen im Nassauischen scheinen obige Voraussetzungen zu bestätigen.
Für den Fall des Ausmarsches preußischer Truppen nach Holstein soll auch das seit Kurzem erst hier eingerückte 31. Linien - Regiment an der Erpedition Antheil nehmen. (Köln. Z.)
Schleswig-Holstein, 5. Novbr. (F.J.) Aus allen Maßregeln, welche die Laudesverwaltung im nörd- I liehen Schleswig trifft, ist zu entnehmen, daß sie einen j bedeutenden Schlag gegen die Rechte des Landes wieder zu führen gedenkt, der alle früheren an Ungesetzlichkeit und Gewalthätigkeit übertreffen wird. Schon tragen die Postwagen wieder die königliche Krone, schon haben Aeußerungen Flensburger Postillone dahin gedeutet, daß auch die Knöpfe ihrer Röcke mit diesem Zeichen dänischer Herrschaft baldigst versehen sein werden. Die dänischen Blätter freuen sich über die dänenfreundliche Aeußerung des Bürgerwehrmajors Eggers zu Altona und nennen ihn einen „Ehrenmann". Die Offiziere der Altonaer Bürgerwehr sind dieser Ansicht nicht und haben daher um seine Entlassung beim Präsidenten, Herrn Grafen zu Reventlow-Criminil, ange- tragen, die ihm auch sofort geworden — Der „Ostsee- Telegraph" vom 4. November veröffentlicht nun die Adresse an den König von Preußen, welche Mitte Oktobers, unterzeichnet von 660 Bürgern und Einwohnern der Stadt Flensburg, mit mehreren zum Belege und zur näheren Erörterung dienenenden Anlagen, abgesandt worden, und worin gegen den König von Preußen das Vertrauen ausgesprochen war, daß er zufolge seines gegebenen Wortes wohl nie darein willigen werde, daß, wie das ganze Land, so auch Flensburg je in eine auch nur nähere, geschweige denn unzertrennliche Verbindung mit Dänemark gesetzt und so der uralten Verbindung entzogen werden sollte, durch die Schleswig und Holstein seit Jahrhunderten aufs engste zusammengehören.
Republik Frankreich.
Paris, 31. October. sDie heilige Allianz und Frankreich.) Der pariser Korrespondent der „Times" schreibt derselben unter dem 30. October:
„Es wird mir versichert, daß kürzlich drei Agenten oder Commissionäre von Rußland, Oesterreich und Preußen in Frohsdorf bei demGrafen von Cham bord waren, oder vielleicht noch dort sind, um ihn , wenn nicht in officieller, doch wenigstens in officiöser Weise dazu zu bestimmen, seine Ansprüche auf die Krone Frankreichs an den Grafen von Paris abzutreten! Man stützt sich dabei besonders darauf, daß die Ehe des Grafen von Chambord kinderlos ist und aller Wahrscheinlichkeit nach auch bleiben wird. Diese Entsagung würde natürlich alle Legitimisten und Orleanisten in der Nationalversammlung zu einer compacten Masse für die konstitutionelle Monarchie vereinigen, die wichtige Folgen herbeiführen könnte. Von den drei Mächten soll der Kaiser von Rußland die Resignation des Grafen von Chambord am meisten wünschen und betreiben. Jene drei Agenten suchen besonders geltend zu machen, daß der öffentliche Friede und die innere Ruhe nur bei dem Systeme einer monarchischen Regierung gesichert werden kann. Die Unterhandlungen sind noch im Gange, werden aber sicher bald zu einem Resultate führen.
Paris, 6. Nov. Der neue Ministerrath versammelte sich gestern zum ersten Male unter L. Napoleons Vorsitz im Elysee; die Sitzung dauerte von halb eilf bis 2 Uhr. — Der „Moniteur" bringt ein von vorgestern datirtes Dekret, wodurch General Baraguay d'Hilliers an die Stelle des jetzigen Kriegsministers zum Oberbefehlshaber der Erpeditions-Armee des Mittelmeeres ernannt wird. — Der „Constitutione!" sagt, unsere Flotte habe bekanntlich den Befehl erhalten, nach der Levante zu segeln; wenn er jedoch recht unterrichtet sei, so habe die versöhnliche Stimmung aller Cabinete, bezüglich der russisch-türkischen Frage die Lage so verändert, daß die Flotte auf dem Punkte stehe, eine andere Bestimmung zu empfangen. — Wie man hört, soll sich die Flotte in Folge des Zwistes mit Marocco nach der maroccanischen Küste begeben. — Nach dem „Univers" ist der Dominicaner-Orden dahier feierlich wieder installirt worden. — Bois-le-Comte soll die ihm angebotene Gesandtschaft in Washington nicht angenommen haben und daher der frühere General -Conjul Delaforest diesen Posten erhalten. — Wie schon gemeldet, bildet sich jetzt die parlamentarische Partei unter der Leitung des Repräsentanten de la Moscowa, deren Zweck die Unterstützung der persönlichen Politik des Präsidenten ist. Auch spricht man von de la Moscowa für das Ministerium des Auswärtigen, falls de Rattneval dasselbe ablehnt. Ein legitimistisches Blatt erzählt nun heute, ba£ L. Napoleon, als ihm Jemand die socialistischen Schriften de la Moscowa's zeigte, geäußert habe: „Diesen Menschen werde ich nie anstellen oder gebrauchen." — Ei- nem Abendblatt zufolge hat die Regierung gestern wieder schlimme Nachrichten aus Algerien erhalten. General Herbillon soll einen dritten Sturm auf die Zaatcha versucht und dabei wieder eine Schlappe erlitten haben. Unser Verlust seit dein Beginne des Kampfes gegen den rebellischen Stamm soll schon 200 Todte und 500 Verwundete betragen. Major Pierre Bonaparte war in der Nähe des Kampfplatzes unb sollte sofort mit Verstärkungen dahin abgehen.'
Italic«.
Aus Rom wird vom 17. Oktober gemeldet, daß die Absperrung des Ghetto (Judenviertel) am 26. um Mitternach aufhörte. — Dem Vernehmen nach besteht jetzt ein etwas besseres Einverständniß zwischen der Coinmission der Cardinäle und Herrn v. Corcelles, als früher. — Mit den Finananzen sieht es noch immer kläglich aus; das Deficit beläuft sich monatlich auf 3 Millionen Francs. — Ein bedeutendes österreichisches Truppencorps zieht sich in Ancona zusammen und auf dem Wege nach Rom werden Festungswerke angelegt. — Livorno ist gegenwärtig der Sammelplatz der für Neapel geworbenen Schweizer. 100 Rekruten sind dort kürzlich angekommen, welche auf ein Schiff warten, das sie nach dem Orte ihrer Be- stimmung befördern soll. — Lucien Murat hat dem Könige von Sardinien sein Creditiv am 31. Oktober überreicht und Graf Redern, der preußische Gesandte, das seinige am 23. Oktober. — General Pepe ist in Turin auf die ehrenvollste und herzlichste Weise empfangen worden. Er stattet den Ministern d'Azeglio und Balbo am 28. Oktober einen Besuch ab.
Nach Briefen aus Turin vom 2. November war es nicht nur der Kriegsminister Bava, welcher zurücktreten wollte, sondern auch Galvagno, der Minister des Innern, und Lancargherita, der Justizminister, hatten ihre Entlassung eingereicht. Von dein Könige war sie jedoch noch nicht angenommen worden. Als Gegner Bava's werden hauptsächlich der Herzog von Genua, der Prinz von Cavignan und General Lamarmora genannt. (K. Z.)
Portugal.
Lissabon, 30. Oktober. Das Programm der Opposition ist vor Kurzein erschienen. Die Veröffentlichung desselben bezweckt die Bildung eines Wahlmodus und die festere Organisation der Partei. Zur Erreichung dieses Zweckes soll in der nächsten Woche eine Versammlung abgehalten werden. Unterzeichnet ist das Aktenstück von 31 Personen, unter anderen von den Grafen Antas, Boinfil, Mello und Villa-Real, dem Marquis von Loule, Julio Gomes, Passos und anderen Septembristen. Silva Cabral setzt in dem unter seinem Einflüsse stehenden Journal „Estandarte" die Opposition gegen das Cabinet seines Bruders, des Grafen von Thomar, in so entschiedener Weise fort, daß kaum irgend Jemand an ein geheimes Einverständniß zwischen beiden Brüdern glaubt. Costa Cabral hat vor einigen Tagen einen im Ministerium des Innern angestelltcn Beamten entlassen, scheinbar aus keinem anderen Grunde, als weil derselbe ein persönlicher Freund seines Bruders war. — Die Nachricht von der Ermordung des Gouverneurs von Macao hat hier eine traurige Sensation erregt. Männer alter Parteien stimmen darin überein, daß seine Ernennung zu jenem Posten ein Mißgriff war. Amaral galt für einen tüchtigen See-Offizier, aber auch für einen jähzornigen Charakter, — eine Eigenschaft, welche ihn für eine so delicate Stellung, wie die war, die er in Macao einnahm, nicht besonders tauglich erscheinen ließ. - (K. Z.)
Ungarn.
Eiu Schreiben aus Wien im National theilt über die scheußlichen Szenen in Arad noch einige interessante Einzelheiten mit, denen »vir Folgendes einlehnen. Ain 6. Oktober früh um vier Uhr wurden Kiß und seine drei Todesgefährten erschossen. Das Niederbüchsen des Generals Kiß war eine wahre Schlächterei, denn es mußten drei Salven gegeben werden, ehe er sein Leben ausathmete, was gegen zehr» Minuten dauerte. Um sechs Uhr des Morgens mürben die neun ungarischen zum Galgen verurteilten Generale auf den Nichtplatz geführt. Es wurde sogleich mit dem Henkergeschäft begonnen und bis zehn Uhr Vormittags, also volle vier Stunden bamit fortgefahren. Graf Vecsa y, an dem man hauptsächlich seine Rache kühlen wollte, weil er die Belagerungsarbeiten von Temesvar geleitet und den Festungswerken bedeutenden Schaderr zugefügt, wurde zuletzt aufgeknüpft. Auf diese Weise mußte dieser Unglückliche vier Stunden lang Zeuge der Todeskrämpfe seiner Waffengenoffen sein, die lang- fam einer nach dem andern vor ihn: den schrecklichen Tod erlitten! Denn man hatte zwar neun Galgen in einer Reihe neben einander aufgeschlagen, aber nur einen Henker mit zwei Knechten bestellt, die in ihrer scheuslichen Arbeit sich durchaus nicht beeilten. Und während dieses schrecklichen Schauspiels blieben alle Herzen dieser edlen Schlachtopfer unerschüttert; keiner dieser Helden wurde ohnmächtig. Aulich war der Begünstigte; er bestieg der Erste die Leiter. Gegen acht Uhr rief Graf Leinigen, der Dritte in der Reihe, welchen die grausam angeordnete Langsamkeit ungeduldig machte, höhnisch aus: „Man hätte uns doch wenigstens ein Frühstück geben sollen!" — „General, wollen Sie trinken?" fragte ihn ein Soldat, indem er tm seine Feldflasche hinreichte. — „Danke mein Freund — antwortete Leiningen — ich brauche keinen Wein, um mir Muth zu trinken. Bringe mir ein Glas Wasser." — Dann schrieb er auf seinem Knie einige Zeilen an seinen Schwager, der noch in der Festung Arad gefangen sitzt. Sie lauten: „Das Krachen der Kugeln, die diesen Morgen meine armen Kameraden darniedergestreckt, tönt noch in meinen Ohren und vor mir sehe ich die Leiche Atts — In diesen»