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Blutfließen" nach unserer Ansicht nicht nothwendig Ji dem Begriffe der Revolution gehört, wiewohl es als Phänomen häufig bei Revolutionen vorzukommen pflegt; aber das ist doch gewiß, daß unserer Märzre­volution Etwas abging, was zu ihrem Gelingen noth­wendig gewesen wäre. Worin dies bestand, darüber soll der folgende Artikel unsere Ansicht darlegen.

-ff- Die NeakLivn im Gebiete der Volks- schule.

Die Volksbildung ist die Mutter der Volksfreiheit. Was Wunder, wenn darum die Volksknechter, die Freiheit im Keime zu ertödteu, mit unversöhnlicher Erbitterung vor Allein gegen die Pra­ger der Volksbildung einschreiten. Wenn namentlich der Volkslehrerstand in dieser Beziehung trübe Erfah­rungen gemacht hat, so kann ihm das nur zur Ehre gereichen, denn es ist ja der einfachste Beweis, daß er seine Stellung und die Zeit begriffen.

Ja, die Volksschule und ihre Lehrer sind jetzt vor­zugsweise in Deutschland das Versuchsfeld der Reaktion.

Während sonst dem Gedankenmord ziemlich Ein­halt geschehen, muß der Lehrer den einfachsten Ein­trag in die Schulchronik dem Pfarrer zur Censur vor­legen. Ihm allein ist das Versammlungsrecht ver­kümmert; die Schulbehörden haben die bestimmteste Weisung dafür den Urlaub zu verweigern. Und wehe, wenn ein freies Wort entschlüpft; wer es versucht, seinem Berufe treu, das Volk aufzuklären über seine Rechte! Für Trunkenbolde und Lüderliche gibt's Ver­zeihung; für Euch aber kennt man keine Gnade, um so weniger, je größer Eure sonstige Unbescholtenheit und das Vertrauen, dessen Ihr Euch würdig erwie­sen. Nach Kleinsybin'en deportirt, kühlt man Euch das Demokratenblut ab, oder entzieht Euch das Amt, daß Euch der Hunger mürbe mache. Und das ist ja jetzt so leicht! Man braucht nur einen Hochver­rath aus der Luft zu greifen, so liegt zur Entlassung Grund genug vor. Daß die Untersuchung kein Ver­gehen findet, macht nichts zur Sache: der Zweck ist erreicht: man wird den Wühler mit Ehren los und hat ein warnendes Beispiel für Viele, doppelt war­nend darum, weil die rechtslose Stellung der Lehrer gegen solche Behandlung auch gar keinen Schutz gewährt.

Ihr Lehrer sollt nun einmal bei Euerm Katechis­mus verbleiben und ein schafsgeduldig Volk erziehen, das sein irdisches Jammerleben mit den künftigen Freu­den der Ewigkeit würzt, während sich wenige Privi- legirteder (Sin falt spottend vom Schweiße der Armuth mästen, und bedauern, daß die Ewigkeit nicht schon hinieden ist.

Das sind Proben der Reaktion im Gebiete der Volksschule. Doch täusche man sich ja nicht über ihren Erfolg. So lange mau nicht nach dem preußischen Musterstaate einige hundert Unteroffiziere oktroyirt, welche den Knechtsgeist in unsere Jugend hiueinholzen und für den beliebten Unterthanenverstand sorgen, so lange wird der ausgetretene Strom des Volksgeistes mit unwiderstehlicher Macht dahinrauschen, bis er ein neues bequemes Bett gefunden, aus welchem uns ruhig sein majestätischer Spiegel strahlt.

Der Geist läßt sich nicht dämpfen, und wenn un­sere Staatskünstler dies je verkennen sollten, so mögen sie sich wohl hüten, daß ihnen nicht über Nacht mit dem Donner der letzten Posaune B r o u g hams Aus­spruch wiederholt wird:Der Schulmeister ist vor der Thüre!"

Ihr Lehrer aber fahrt fort, dem Zwecke zu dienen, für welchen Ihr mit Eurem Amte eingestanden seid. Ihr könnt am allerbesten der Freiheit vorarbeiten, trotz der Spionage, mit der man Euch allseitig um­strickt. Sind auch unsere Stände in dem bekannten Geiste der Majorität Euch nicht sehr ermunternd ent- gegengekommen, um so sicherer ist Euch der Dank des dem ganzen Dorfe war kein lebendes Wesen zu sehen; nur ans den Häusern tönte das Wehklagen und Jammer­geschrei ängstlicher Kinder und furchtsamer Frauen trau­rig an unser Ohr Wir löschten die Feuer aus und sammelten uns mitten in den, Dorfe auf einem freien Platze; die Studentencompagnie war voraus; von den andern Abtheilungen fehlte kein Mann; auch nicht eine einzige Verwundung war vorgekommen. Unser seitheriger Wegweiser hatte bei den ersten Schüssen unter dem jämmerlichen Geschrei:O meine arme Frau und meine Kinder!" Reißaus genommen. Willich requirirte daher einen neuen. Von diesem, der durch sein ganzes Wesen jedoch unser Mißtrauen erregte, erfuhren wir daß eine Abtheilung Preußen vom Rheine hergekommen heute bei ihnen durch und in der Richtung nach Philipps­burg weiter marschirt seien; daß diese die Wachtposten und das Läuten ungeordnet hätten unter der Drohung, das Dorf in Brand zu stecken, wenn die bezeichneten Maßregeln bei unserer Annäherung unterblieben und bau das Schießen und Sturmläuten durch Bauern ge­schehen je i. Sie hätten jedoch nur in die Lust geschossen fügte er hinzu.

Durch die Feigheit der Bauern, welche sich von den Preußen hatten einschüchtern lassen, war unsere Aufgabe nun eine bedeutend schwierigere geworden. Die Schüsse und das Sturmläuten mußten den Feind aufmerksam ge- macht haben uns es war mit Gewißheit zu erwarten, daß er auf unsern Empfang vorbereitet sei. Auch

Volkes; und sollte selbst Dieser und Jener seinem red- liebem Streben auch ferner zum Opfer fallen, Ihr wißt es ja:Ein fröhlich Auferstehen kostet eine Höl­lenfahrt." _________

Deutschland»

# Wiesbaden, 8. Nov. Am 3. d. Mts. ist dem Landtagsabgeordneten, Amtssekretär Hehner zu Ren­nerod von dem Justizamte daselbst folgendes Dekret zugcstellt worden :

ad H. & A. G. Num. 12062.

Dekret.

In Gemäßheit Rescripts des Herzoglichen Staats- ministeriums vom 27. l. Mts. ad N. St.-M 11677, die Untersuchung gegen Carl Schapper von Weinbach und Eonsorten, wegen Hochverrath betr.,

wird dem Herzoglichen Amtssekretär Hehner zu Ren­nerod eröffnet, daß, da er nach dem Urtheile des An­klagesenats des Herzoglichen Hof- und Appellations­gerichts zu Wiesbaden vom 29. September l. I. we­gen der gegen ihn erhobenen Anklage der Theilnahme an Hochverrath vor die Assisen verwiesen worden ist, das Herzogliche Staatsministerium beschlossen hat, den­selben vorläufig vom Dienste zu suspendiren.

Wegen des demselben während seiner Suspension zu bewilligenden Quiesceutengehalts wird weitere Ver­fügung folgen.

Dillenburg, den 30. Oktober 1849.

Herz. Nass. Hof- und Appellationsgericht. Ebhardt. vdt. Horstmann.

Wieder muß also ein Mann in unserm glücklichen Lande erfahren, wie gefährlich und theuer der Dienst für die Freiheit ist. Es wäre nun in diesem Falle sehr interessant, zu wissen, ob die fragliche Suspension in Folge eines Beschlusses des Anklagesenats, oder in Folge eines einfachen Antrags des Staatsprokurators verfügt worden ist. Wie wir vernehmen, hat der Abgeordnete Hehner auch bereits um Aufklärung über diesen Punkt bei dem An- klagesenat angefragt, und wir wünschen sehnlichst, der Abgeordnete Hehner möchte, sobald es ihm möglich ist, die ihm gewordene Antwort, auf die gewiß Viele sehr gespannt sind, der Oeffentlichkeit übergeben.

H- Von der Lahn. Es ist erfreulich, daß in mehreren Gegenden unseres Lahnthals von den Leprern die Beschlüsse der Oraniensteiner Versammlung, beson­ders'die Einrichtung der Lokal-Lehrer-Versammlungen, allmählig auch wirklich ins Leben eingeführt werden. Wir hoffen, daß durch diese zweckmäßige Einrichtung der gesummte Lehrerstand an Aufschwung und allseiti­ger Bildung gewinnen werde. Bei der unläugbaren Ausbildung der Methode fehlte es hier und da nur au der hohen Begeisterung, trotz der unwürdigen Stel­lung, in welcher sich der Lehrerstand noch vielfach be­findet, für Volk und Vaterland diejenige aufopferungs­volle Thätigkeit zu entwickeln, ohne welche das hohe Geschäft der Menschen- und Bürgerbildung nicht ge­deihen kann. Es fehlte noch manchem Voltslehrer an dem Muth, die Stelle einzunehmen, weiche dem Lehrer­stand bei der Wiedergeburt des Vaterlandes durch die Natur der Verhältnisse und nach dem Willen Gottes zufallen muß. Dieß wird anders werden, wenn die Lokal-Volksbildungs-Vereine überall auf zweckmäßige Weise eingerichtet werden. Die Lehrer müssen, wie es bereits auf der allgemeinen deutschen Lehrerversamm- lung zu Nürnberg auf so erfreuliche Weise an den Tag trat, in diesem Augenblicke weniger die Verbesse­rung ihrer eignen Lage, so traurig dieselbe auch sein mag, ins Auge fassen, als vielmehr die Schule, ihre eigne Ausbildung und die gesummte Volksbildung selbst. Ist nur erst einmal die Theilnahme des Volkes für Bildmig mehr geweckt, so wird man auch den wichtig­sten Stand, den Stand der Volksbildner nicht länger in Verhältnissen schmachten lassen, in welchen ihm die

konnte dieser unerwartete und uns jedenfalls höchst nach- ; theilige Zwischenfall seinen Eindruck auf Die Mannschaft nicht verfehlen. Die Unzuverlässigkeit Der befreundeten Einwohnerschaft, welche sogar von Vielen, vielleicht mit Recht, für offenen Verrath gehalten wurde, wirkten im höchsten Grade nieder,chlagend auf Die kurz vorher noch

' so muthige Schaar; schon jetzt verzweifelte ein großer Theil an dem guten Erfolge unseres Unternehmens; und wenn einmal das Selbstverteauen geschwunden ist, so ist die Sache schon zur Hälfte verloren. Zwar sprach sich Niemand in diesem Sinne auS, aber wer die Leute vor einer halben Stunde gesehen hatte, und beobachtete sie jetzt wieder, dem mußte die Aenderung der Stimmung im Augenblick auffallen. Wir marschirten indeß weiter. Am Ende des Dorfes trafen wir die sich sammelnde Studentencompagnie wieder und in derselben Ordnug wie bisher gingS vorwärts. Nach kurzem Marsche kamen wir in das Dorf Neuthard. Unser Zug war eben bei den ersten Häusern angelangt, als ans einem Fenster rechts ein Flintenschuß fiel. Offenbar wieder ein Sig- nalschuß für den Feind. Ich sprang mit gezogenem i Hirschfänger auf das Haus los, aus welchem ter Schuß ! gefallen war, mehrere Schützen folgten; wir fanden Die i Thüre verschlossen und fingen an, mit den Büchsenkolben i dieselbe cinzuschlagcu, als uns der Hauptmann zur Com­pagnie zurücktrieb. Nur mürrisch gehorchten wir. Ein Theil der Sudentencompagnie hatte das Dorf umgangen der Rest marschirte circa 50 Schritt auf der Straße

Kraft und das freudige Bewußtsein fehlen muß, ohne welche sein schweres Geschäft nicht gedeihen kann. In mehreren Orten haben sich die Lehrer mit den Geistlichen, Schul-Inspektoren, Gemeinde- und Kreis­rathen, Bürgermeistern und Laudständen und - allen, welche Sinn für Volksbildung haben, zu Versammlun­gen vereinigt, so daß alle Einseitigkeit der Berathung wegfällt. HeberaU stellte sich die Ansicht heraus, daß sobald als möglich ein lebensvoller Unterricht in Geo­graphie, Nuturlehre und Geschichte in den Volksschulen, welche uns ja die künftigen Geschwornen, Kreisrâthe und Landstände meist liefern, ertheilt werden müsse, und daß die Jugend ebenso mit den geeigneten vater­ländischen Dichtern bekannt zu machen sei, damit sie nach dem Vorbilde unserer Vorfahren und dem Bei­spiele aller tüchtigen Völker auf die zweckmäßigste Weise in das Leben des Volkes eingeführt werde, welchem sie vielleicht einst vorzustehen berufen ist. Daß dies Alles nur durch zweckmäßig eingerichtete Fortbildungs­schulen , wie sie von der Schulkommission beabsichtigt sind, in Verbindung von Gemeinde-Bibliotheken und Lesevereinen, für welche der Landmann im Winter hinreichend Zeit hat, erreicht werden kann, versteht sich von selbst. Jede Schule besitzt durch die frühere Vor­sorge der Regierung, bereits einige gute Bücher, welche bis­her nur leider wenig gelesen wurden, wie auch das landwirthschaftliche Vereinsblatt, von welchem sich in jeder Gemeinde mehrere Eremplare vorfinden, selten von den Gemeindebürgern durchgesprochen wurde. Die Lehrer werden nun zu allem Guten und Gemeinnützi­gen den Anstoß geben. Unsere Volksschule muß fortan eine ganz andere Stellung im Organismus des Unter­richtswesens, sowie des ganzen Volkslebens einnehmen. Nicht allein das Wissen, sondern vor Allem muß das Können und Wollen, das deutsche Gemüth, die charakter­volle Gesinnung, die Lust und der Muth zu edlen Hand­lungen besser geweckt werden. Eine ächt nationale Bildung, wie sie unsere Brüder zu Nürnberg entwickelt haben, muß angestrebt werden. Ist die Volksschule erst einmal gesund, so wird der wohlthätige Einfluß auf Gymnasium und Universität, wo noch so viel auf­zuräumen ist, auch nicht ausbleiben. Vor Allem also die Wurzel gesund! Darum wünschen wir den Bestre- bungen der Lokal-Lehrer-Vereine des Himmels besten Segen._ Möge sich ein Jeder als ein lebendiges Glied des nassauischen und im weiteren Kreise des allgemein deutschen Lehrervereins, welchem hoffentlich eine gewich­tige Rolle für die Entwicklung der deutschen Einheit und Freiheit zugetheilt ist, erkennen und bethätigen !

0 Aus der Grafschaft Westerburg, im Novbr. Wir glaubten seither immer, daß unser Abgeordneter Krämer, von dem wir fast nie etwas hörten, nur in der Kammer gewesen sei, um die Zahl der Abgeord­neten von 41 und die Zahl der sog. constitlitionellen Partei unter denselben von 22 voll zu machen, und glaubten selbst dann nicht, daß er von großer Bedeu- tung jei, als wir das wiederholte Bestreben der sog. ConstitutioncUen wahrnahmeu, denselben, trotz des ge­gen ihn erkannten Eoneurses, gegen die klaren Bestim­mungen des Wahlgesetzes in der Kammer zu behalten, da ja die Herren Wirth und Großmann feierlich und wiederholt versicherten, daß dieses nicht des Man­nes und seiner Stimme wegen geschehe, sondern nur des Prinzips wegen, und damit eine Majorität nicht über eine Minorität herrschen könne, wie ja auch un­widerleglich von ihnen damals dargethan worden ist.

Aber Herr Krämer muß doch von mehr Bedeu- lung gewesen sein, als wir dachten, was wir daraus schließen, daß sich die Kammermajorität, die katholische Partei und sogar, wie man uns versichert, unsere Re- gierung so sehr darum bemühen, einen entsprechen­den Ersatzmann für ihn in die Kammer zu bringen.

Es freut uns ordentlich, daß wir von diesem un­serm Irrthum über die Bedeutung des Hrn. Krämer geheilt worden sind, sowie es uns noch mehr freut, I daß wir jetzt sehen, was wir früher nie erwartet häl-

vor unS her. Ganz vorn, als Spitze ritten die 3 ba- dischen Dragoner. Etwa 1060 Schritt jenseits des Dorfes Neuthard auf dem Wege nach Karlsdorf endlich stießen wir auf ernstlichen Widerstand. Die zerstreuten yiänf= (er der Studentencompagnie wurden plötzlich auf mehreren Punkten zugleich angerufen; ohne zu antworten rückten sie rasch mit gefälltem Gewehr vor; da krachten von allen Vorposten die Schüsse. Ein Theil unserer Com­pagnie stürzte augenblicklich ohne Commando in der Richtung der fortwährend fallenden Scküsse querfeldein vorwärts um die Tirailleure der Studentencompagnie zu unterstützen. Ich war im Begriff dasselbe zu thun und schob eben, indem ich quer über die Chaussee schritt, die SicherheitS-Vorrichtliug an meiner Büchse zurück, als mich plötzlich ein unsanfter Stau kopfüber in den Graben stürzte; in demselben Augenblicke hörte ich über und neben mir ein rasch verhallendes Pferdegetrappel und einige Huftritte. Dieser Moment war für mich ein fürchterlicher. Ich glaubte nichts anderes, als eine feindliche Cavallerieabtheilung habe unS überfallen, schon meinte ich den Spieß eines preuß. II blauen im Nacken zu spüren und eiskalt überlief es mich, als mir in dem wüsten Wirrwarr meiner Gedanken die Nköglichkeit einer Gefangennahme in ihrer ganzen Scheußlichkeit vor die Seele trat.

(Schluß folgt.)