Einzelbild herunterladen
 

Dreiheit und Recht!" ^tl^.*^.^ ' '"--I III|^^||^fflUM^-^IllmT~,-^^,^,,^,^a^M^I*^^^^^M^^^^^^^OTM"^*^l^*>l^*l^ ........... lynfunfi'iiBnii« warwminTnni'in -rtwam^W^^^MMI,ilMaMIBèMaKa|=a^

^M 267* Wiesbaden. Freitag, 9. November LZâN.

Die, Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 ft., auswärts out* die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bet der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge Die ZnserattonSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Haben wir eine Revolution gehabt oder nicht?

I. Artikel.

°o° Vom Taunus, Ende Oktober. Diese Frage hört man jetzt häufig aufwerfen; so weit find wir ge­kommen, so vollständig hat in Zeit von anderthalb Jahren die Reaktion gesiegt! Und nicht allein Ver­theidiger derrothen Monarchie", sondern auf der andern Seite auchrothe Republikaner" sind es, welche die Revolution leugnen. Dabei werden von gewißer Seite die Begriffe so durch einander geworren, daß man z- B. den Helden der nassauischen Marzrevolution, Vater H e r g e n h a h n ", der damals mit hochgeschwnn- genem Hirschfänger die Straßen durchzog, als den Mann -desGesetzes und der- Ordnung" in den Him­mel erhebt, während man Struve und Hecker als Revolutionäre in die Hölle verdammtdaß man die Petition desIdsteinerLanveskongreßes" eine Re­volution, wenn auch nur eineversuchte" nennt, während die Märzrevolution nur eine Petition, wenn auch eine etwasstürmische" gewesen sein soll. Wir hal­ten cs bei dieser, größtenteils absichtlich hervorgeru­feneil Begriffsverwirrung für nützlich, die Frage, ob wir eine Revolution gehabt haben, oder nicht, einmal etwas ausführlicher zu erörtern.

Um zu unserm Ziele zu gelangen, müssen wir uns vorerst im Allgemeinen klar machen: was ist eine Revolution? wir müssen das Wesen der Revo­lution untersuchen.

Wir müssen vor Allem das Wesen des Staates ins Auge fassen. Die Thätigkeit des Staates, dessen Inhalt und Zweck das Volk ist, ist eine ver m it t e l t e. Das Volk handelt nicht unmittelbar und spricht nickt fürjedc vorkommende einzelne Frage seinen Willen aus, sondern das Handeln des gesummten Volkes und die Entscheidung aller vorkommenden Fragefälle ist durch einzelne Personen, die Diener des Staates, und durch Gesetze und Institutionen vermittelt. Da aber nun die Intelligenz des Volkes, der Volks­geist, stets voranschreitet, und die gesellschaftlichen Fra­gen damit immer komplizirter und mannichfaltiger wer­den, so tritt, sobald die Staatseinrichtungen und die Staatsdiener nicht mit diesem Fortschritte des Volkes gleichen Schritt halten, ein Zwiespalt zwischen beiden ein. Wird dieser Zwiespalt nicht auf dem Wege der Reform gelöst, "so wird er immer tiefer und die gegenseitige Spannung immer größer. Dies dauert so lange, bis die Erplosion erfolgt, bis das längst vor­handene, aber nicht beachtete Bedürfniß der Volksge- seUschaft auf gewaltsame Weise sich befriedigt. Es findet also ein Zurückgehen auf das Ursprüngliche, das heißt auf das gesellschaftliche Bedürfniß statt. Der lange künstlich eingedämmte Volksgeist bricht sich plötz­lich Bahn; das kollektive Handeln des Volkes, wel­ches sonst durch dessen Organe, durch dieBehörden"

undStaatsdiener", vermittelt ist, wird zu einem unmittelbaren Handeln, der Wille des Volkes, der durch dieStaatsgesetze" und dieStaatsverfassung" vermittelt war, wird unmittelbar durch es (das Volk) selbst vollbracht: es tritt eine Revolution ein. Eine Revolution ist also in formeller, wie in materieller Hinsicht die Zurückführung der vermittelten Thätigkeit des Staates auf die unmittelbare Thätigkeit des Volkes, in materieller Beziehung, indem der Wille des Volks selbst an der Stelle der bisherigen Gesetze zur Geltung kommt und Gesetz wird, in formeller Beziehung, indem an der Stelle der seitherigen Behörden nunmehr das Volk selbst es ist, welches diesen seinen Willen zur Geltung bringt. Jede Revolution schließt also eine Umwandlung der Staatsinstitutionen und der Staats­werkzeuge sStaatsdiener) in sich.

Nachdem wir so den Begriff der Revolution fest­gestellt haben, wollen wir die deutsche Märzbewegung an diesen Begriff, wie er ans der Geschichte des Men­schengeschlechts abstrahirt ist, halten, um zu erfahren, ob dieselbe den Namen einer Revolution verdient oder nicht.

Detlachteu wir zuerst die formelle Seite der Bewegung, und zwar zunächst der nassauischen Be­wegung. Nicht dieBehörden" waren es, welche die Märzforderungen stellten, diese hatten sie, wenn sie auf dem Wege der Petitition u. s. w. vorgebracht wur­den, oft genug abgeschlagen; sondern das Volk selbst aus allen Theilen des Landes erschien zu Wies­baden mit Flinten, Heugabeln, Stöcken u. s. w. be­waffnet. In dieser Beziehung also hatte die Bewe­gung den Charakter einer Revolution. Ob dabei Blut vergossen wurde oder nicht, ob dabei verhaßte Volksdränger vertrieben wurden oder nicht, darauf kommt es nicht an; das Volk selbst, resp, seine Heu­gabeln, Flinten, Stöcke u. s. w., waren es, welche den Volkswillen zur Geltung brachten.

Oder blicken wir einmal arssPreuße ns 18. März. Noch ein Jahr. vor der Märzerhebung, am 11. April 1847, bei Eröffnung desVereinigten Landtags", hatte der Königfeierlich erklärt":daß es keiner Macht der Erde je gelingen solle, ihn zu bewegen, das natürliche Verhältniß zwi­schen Fürst und Volk in ein konventionel­les, konstittttionelles zu wandeln", und daß eres nun und nimmermehr zugeben werde, daß sich zwischen unsern Herrgott im Htm- mel nnt dieses Land ein geschriebenes Blatt, gleichsam als eine zweite Vorsehung, ein­dränge, um uns mit seinen Paragraphen zu regieren"; ferner:die Krone könne und dürfe nicht nach dem Willen von Majoritäten regieren." Indessen auch über Preußen kam das Jahr 1848; am 18. März lieferte das Berliner Volk demherr­lichen Kriegsheer" eine Barrikadenschlacht nnd Preußen wurde alskonstitutionelle" Monarchie pro-

klamirt. Es gab also doch eineMacht der Erde" und zwar eine andere, als die bis dahin in Preus­sen herrschende, welcher esgelang", den König zu bewegen, das natürliche Verhältniß zwischen Fürst und Volk in ein konstitutionelles zu wandeln re." Diese Macht der Erde" war aber des Volkes Macht und Stimme", die ja zugleichGottes Stimme" und Macht ist. Gerade hier also ist es besonders klar und deutlich, daß in formeller Beziehung die Märzerhebung eine Revolution war.

So könnten wir weiter die verschiedenen deutschen Länder durchgehen und an allen Bewegungen der­selben den revolutionären Charakter aufzeigen; doch fassen wir jetzt lieber sofort die zweite, die ma­terielle Seite tiefer Bewegungen ins Auge.

Diejenigen Staatsinstitutionen, welche längst als Bedürfniß anerkannt, aber von den Fürsten hartnäckig verweigert worden waren, sie wurden durch ein totales Abbrechen mit den bisherigen Zuständen mit Einem Schlage ins Leben gerufen. Daß dies in Preußen und so auch in Oesterreich diekonstitutionelle" Ver­fassung war, ist schon erwähnt worden, und es war noch _ mehr, es war Preßfreiheit, Vereins- und Verfammlungs- recht, Schwurgericht, freie Gemeindeverfassung, Ent­lastung des Grundeigenthums, Religionsfreiheit n. f. w. Daß die Gewährung dieser Forderungen der Zeit, daß die Erfüllung dieser dringenden Bedürfnisse des Volkes nun und nimmermehr" von der herrschenden Gewalt freiwillig jegegeben"worden wäre, daß es keiner Macht der Erde" jegelungen" sein würde, die herrschenden Gewalten dazu zubewegen", daß also auf dem sog. friedlichen Wege derReform" niemals ein der Zeit entsprechender Fortschritt gemacht worden wäre, das sah jeder vernünftige Mensch ein, wenn es auch nicht jene schon erwähnte Eröffnungsrede des preußischenVereinigten Landtags" noch zum Ueber- fluffe ausdrücklich undfeierlich" erklärt hätte. Das wäre jaNeulingshast" gewesen, ja das wäre nun jene so charakteristische Eröffnungsrede nennt uns selbst das schreckliche Wort! Der König sagt:Ein Theil der Presse fordert von mir und meiner Negierung ge­radezu Revolution in Kirche und Staat!" Und gerade das, was jenerTheil der Presse" (dieschlechte Presse!")forderte", das wurde durch die Märzerhe­bung Wirklichkeit. Was brauchen wir weiter Zeugniß, daß diese Märzerhebung auch in materieller Hinsicht eine Revolution war!

D e u t s ch l a n d.

Z Vom Westerwald. (Ueber die Schwur­gerichte.) Obgleich man, bereits ehe die Märzb: - wegung begann, fast allgemein von den Vorzügen der Schwurgerichte und der damit in Verbindung stehen­den Institute vor dem früheren Untersuchungsverfah­ren überzeugt war, obgleich sich auch die Stimme vie-

Gedichte von Friedrich Stoltze, i. In einem Kerker.

Vielleicht war dieser Gitterdraht Einmal ein gutes Schwert, Das Wunder für die Freiheit that Und nun die Freiheit wehrt.

Vielleicht daß diese Thüre gar Einst stvlj als Eiche stand Die, Freiheit rauschte tausend Jahr Und nun die Freiheit bannt.

Und diese Mauern insgesammt Einmal ein Fels vielleicht, Der bei der Hermannsschlacht geflammt. Und nun als Kerker bleicht.

Und der Gefangne hier, so trüb, Einst frei und früh genug; Wenn nur sein Herz daffelbe blieb, Das für die Freiheit schlug.

II.

Die Gefangene.

Im Thurme, hinter'm gvth'schen Erker So stark vergittert ganz und gar, Sitzt eine Taube in dem Kerker, Weil sie gedacht hat, wie ein Aar.

Gefangen, hinter Eisenstäben, Steht eine Ros' schon manchen Tag, Weil in dem lieben Blumenleben DaS Rauschen einer Eiche lag.

*2^* Ein Borpostengefecht ans dem badischen Feldzuge.

(Fortsetzung.)

Eine kurze Strecke vor Durlach wurde plötzlichHalt" commandier, die zerstreuten Haufen ordneten sich, und auf das Commandomit Zügen links schwenkt" gingt in der Richtnng nach Bruchsal auf einem schlechten Feld­wege weiter.Jetzt geht es endlich gegen die Preußen" ertönte es von Mund zn Mund und alS ob den Leuten die Zeit schon zu lang würde, so fielen sie unwillkühr-

ans dem gewöhnlichen langsamen Fcldschritt in ein rascheres Tempo.

Die letzten Strahlen der blutroth untergebenten Sonne beleuchteten schillernd die Ruinen des Durlacher Schloß­bergesund die goldgelben Kornfelder, aus denen hier und da eine freundliche Schnitterin unsGute Reise" zuwünschte. Das Roth bedeutet Preußenblnt" paradirte ich eben halblaut vor mich hin, als eine wohlbekannte Stimme hinter mir scherzend ergänzte, so singt man in unseren Tagen. Es war mein Freund und Landsmann Gottfried Kinkel den ich in KaiserSlauteen zuleyt gesehen hatte und der jetzt ebenfalls als simpler Freischärler mit der Mus­kete auf dem Nacken in die Compagnie Besancon ciu- getreten war.Entweder sind wir morgen früh in Bruchsal oder todtgeschossen." begann mein neuer Gamerat nach kurzen gegenseitigen Mittheilungen über unsere letzten Erlebnisse;wir sollen die preuß. Vorposten zu- rückdrângen oder ihre Linie durchbrechen mit Bruchsal überrumpeln. General Sznaide wird uns Nachfolgen mit uns nöthigenfalls mit Truppen unterstützen; wir bilden die Avantgarde."Das Ueberrumpeln wird seine -Schwierigkeiten haben," erwiederte ich,die preuß. Vor­posten pflegen verflucht gut aufzupasseu und unsere An­kunft dürfte jedenfalls der Besatzung von Bruchsal früh­zeitig genug gemeldet werden, um sich auf unsern Em­pfang vorbereiten zu können."Mir scheint dies auch mehr als wahrscheinlich, ich kenne den prenß. Vorposten­dienst aus Erfahrung," bemerkte unser Flügelmann ein