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Arm Zeitung.

jkreiheit und Keeht!"

JS266

Wiesbaden. Donnerstag, 8. November

1819

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ig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Raum 3 Kreuzer.

= Einiges aus den Verhandlungen der freien Gemeinde in Halberstadt.

Vom Rhein. Auf der zu Anfänge vorigen Monats in H a l b e r st a d t stattgehabten Versammlung von Ver­tretern freier Gemeinden Deutschlands, in welcher auch deutschkatholische Gemeinden repräsentirt waren, trat die Magdeburger freie Gemeinde, etwa 6000Seelen stark, Uhlich an der Spitze, dem großen Vereine bei. Uhlich wandte sich zu Begründung des Bundes einfach gegen Baltzer mit den Worten: Gib mir Deine Hand!" worauf dieser in männlicher Weise einschlug - ein Akt, der Alle sichtbar ergriff. Die Verhandlung über die erste Frage, die auf der Tagesordnung stand:was einigt uns?" oder über die Stellung der verschiedenen Gemeinden zu einander, führte nach längerer Debatte zu folgendem Resultate: Das uns einigende Prinzip (Grund, atz) ist die un­bedingte sich offenbarende Freiheit des menschlichen Geistes. Uhlich hatte eine andere Fassung dieses Grundsatzes vorgeschlagen, die vielleicht populärer, leichter verständlich fei, etwa so: nicht Vie Kirche, nicht die Satzungen, nicht das Priesterthum vermögen das Heil der Menschheit zu begründen; denn sie haben stets, so weit die Geschichte reicht, Unfrieden, Irrthum und Lüge erzengt, sondern allein die Freiheit und Wahrheit des menschlichen Geistes.

Da es sich jetzo auf dem kirchlichen Gebiete in un­serm Herzogthume gewaltig zu regen beginnt und die Bewegung um so ernster und lauter zu werden ver­spricht, je schweigsamer die Geistlichen der Landeskirche über gewisse Punkte werden und in je weitere Ferne die Synode, geschweige denn die wahre Befreiung der Kirche vom Staate bereits gerückt ist, so können wir nicht umhin, Einiges aus den Berichterstattungen über die einzelnen Gemeinden auf jener in jeder Beziehung höchst interessanten und anziehenden Halberstadter Ver­sammlung hier folgen zu lassen.

Mit besonderem Zntereye wurde der Bericht von K a t t m a n n über die fr e i e p r o t est a n t i sch e Gemeinde Kirchbrombach ausgenommen. Derselbe erzählte, wie durch den 16jährigen Druck eines Geistlichen und durch die Nichtbeachtung aller Beschwerden beim Obercon,lsto- rium die freie protestantische Gemeinde Kirchbrombach entstanden sei. Zwar habe dieselbe die Cultusformen der protestantischen Kirche, dem Standpunkte der Ge­meinde und ihrem religiösen Bedürfnisse gemäß, beibe- halteu, aber sie habe doch geglaubt, sich eine freie nennen zu dürfen, da sie festhalte an dem Streben nach Erkenntniß und Freiheit, sich losgesagt habe von dem bestehenden Kirchenregimente und allein der Gemeinde das Recht zuerkenne, den Geistlichen sich zu wählen, das Kirchen­gut zu verwalten. Die Gemeinde habe sich aber eine protestantische genannt, weil sie fort undfort protestiren wolle gegen jede Gewalt und jedes äußere

♦xx* Cin Freischaaren - Cinzug in Karlsruhe.

(Sortierung.)

Nur langsam verwandelte sich der tobende Tumult in verbissenes Zähneknirschen. Nach wiederholten vergeb­lichen Versuchen gelang es endlich dem Vater Willich sich Gehör zu verschaffen.Kinder, begann er, laßt mich nur sorgen, ich weiß, was Euch zukommt, ich werd' Euch's auch verschaffen und wieder zu dem hohl­äugigen Minister gewendet, sprach er:Gebt mir nur den zehnten Theil der von den flüchtigen Reaetionäreu verlassenen Wohnungen oder eine Viertelsetage des leer­stehenden Großh. Schlosses, so quartiere ich meine ganze Mannschaft hinein; gebt mir ferner eine Portion Brod und ein Faß Wein nnd jeder einzelne meiner Leute wird glauben, sein Geburtstag sei heute." Willich hatte uns aus der Seele gesprochen, ein weithintöuendes Bravo folgte dem Schluß seiner Worte; Brentano blieb falt wie ein Fisch , strich in der Verlegenheit die Mähnen seines Rosses und wiederholte in anderem Style seine früheren Worte. Der stellvertretendes Kriegsminister machte das Echo. Abermalige Zeichen des Unwillens in unsern Reihen, und zwar in gesteigertem Maaße. Dießmal half weder das Zureden der umherstehenden Bürgerschaft noch das Commandowort Wittichs. Unsere Geduld war zu Ende; als ob das Singnal zum Schwär-

Regiment,'welche das religiöse Bedürfniß im Innern oder Aeußern zu überwachen oder zu beherrschen sich anmaßen wollten. Christum erkenne die Gemeinde nicht ausschließlich als Gottes Sohn, da wir ja alle mit Christus auch Gottes Söhne und Kinder seien; wohl aber als die größte Persönlichkeit, die je unter den Menschen aufgetreten und zur Zeit auch von nie­mand Anderem erreicht worden sei.

Mit diesen Grundsätzen erklärte sich auch Uhlich vollkommen einverstanden, so wie auch aus den Be­richten der deutschkatholischen Prediger hervorging, daß ihre Gemeinden nach ihren Bekenntnissen wesentlich damit übereinstimmten. Demuth aus Frankfurt an der Oder entwickelte schön und klar, wie es die Auf­gabe der freien Gemeinden sei, auch die Schwachen zu tragen und nachzuziehen, und wie sich der Einzelne nicht damit befriedigen dürfe, wenn er die Höhe eines Berges erklommen und nun freie Luft einsauge und den^Blick weithin erhebe, sondern ste^ im Auge haben müsse, wie er auch den am Fuße des Berges Klim­menden die Hand reiche und ihnen zur Höhe hinan­helfe. Im Laufe der Verhandlungen wurde, unter der RubrikStellung der freien Gemeinden zum Staate", auch die Frage erörtert: Wie verhalten sich die freien Gemeinden zu den Vereinen, zu den politischen, wie sozialen Bewegungen des Volkes? Benfey aus Stettin setzte in längerem Vortrage auseinander, wie dieß eine der wichtigsten Fragen der Verhandlungen sein müsse, damit die de­mokratische Partei im Volke einmal klare Anschauung davon gewönne, welchen Standpunkt die freien Ge­meinden den Strebungen der Gesellschaft, im socialen wie politischen Leben, gegenüber einnehmen; und er glaube, daß die großen Gedanken, die in der franzö­sischen Februar-Revolution wie ein Blitzstrahl die Maff-N .»ntjiii-ihni- ^ÄHpn ^'ü "te Gedanken der Frei­heit , der Gleichheit, der Brüderiichreir aua; zu vm höchsten Grundsätzen der freien Gemeinden erhoben und von diesen durch die Erkenntniß des freien Geistes in das Leben des Volkes getragen werden müßten. Die­sem stimmte namentlich auch Kerbl er von Seiten der deutschkatholischen Gemeinveu bei, wie der Deutschka- tholizismus von vornherein zugleich eine politische Be­wegung in der Kirche gewesen sei und darauf Hinziele, den Menschen wahrhaft frei zu machen, alle Vorrechte aufznhebeu, die Bruderliebe im Leben zn verwirklichen. Die Versammlung stimmte im Ganzen damit überein, daß Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, ebenso auf die Fahnen der freien Gemeinden, wie^ aller politischen Bewegungen, geschrieben werden müsse.

Nun, wie gefällt euch das, ihr nassauischen Staats- Kirchen-Glieder alle? Regt sich denn nicht so was Verwandtes, solchen Grundsätzen Entsprechendes und Befreundetes auch in euren Adern? Was werden denn die Christen zu Langenbach, zu Diez, zu Idstein, zu St. Goarshausen und Biebrich dazu sagen, und was

die hochwürdigen Herren Geistlichen?!

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men gegeben wäre, so rannte das ganze Corps mit Sack und Pack auseinander, in ein Paar Minuten war der Platz leer; außer Brentano und Mayerhoffer und ^em mit diesen parlamentirenden Willich kein Mensch mehr zu sehen. Der größte Theil der wie Speen auseinan- ver gestobenen Mannschaft fand sich jedoch instinktmäßig nach und nach in einem Bierhause zusammen und kaum hatten wir hier unsern Aerger mit einigen Gläsern Gersteu- sast hinuntergespült, als uns schon wieder der General- marsch auf den eben verlassenen Play trieb, wo Willich allein, in jeder Hand eine Anzahl Qnartierbillett haltend unserer wartete. Diesmal dauerte es lang, bis wir alle zusammen waren, eine halbe Stunde mochte darüber hingegangen sein, welche Willich mit Moralpredigten anëfüllte, die jedoch gänzlich ihren Eindruck verfehlten. Einigermaßen versöhnend wirkte endlich Die Ansthcilung der Quartierbillets, welche Willich doch durch unaus­gesetztes Petitioniren endlich ansgewirkt hatte. Zudem noch die Zusicherung eines Rasttages in der Residenz und die aufgeregten Freischaarengemüther beruhigten sich nach und nach gleichzeitig mit der Befriedigung der ma­teriellen Bedürfnisse Hinter der gedeckten Tafel meines Wirthes an der Seite seiner liebenswürdig.'n Tochter vergaß auch ich zuletzt meinen Aerger.

Noch einmal rief unS die Allarmtrommel an diesem verhängnißvollen Tage auf den Sammelplatz. Heitere Mienen verkündeten mir schon von Weitem den Zweck der Zusammenkunft. Richtig! Es wurde die Löhnung

Wollt ihr Weiteres über die geistdurchwehte Ver­sammlung in Halberstadt erfahrens so lest den Lucifer", dem wir obigen Bericht bruchstückweise entnommen haben, oder auch dieNeue Reform" von G. A. Wislicenus in Halle.

Beide Blätter thun im Augenblicke dem nassauischen wie noch andern Ländchen und den zahllosen Gemein­den darin, die im Begriffe stehen, durch einen kühnen Griff sich selbst ihr uraltes Recht vom Himmel herab Zu langen, wenn's ihnen ihre Geistlichkeit immer höher hängen will, recht noth. Sie sind auf allen Postäm­tern gar wohlfeil zu beziehen und werden auch nach der salbungsvollsten Sonntagspredigt noch gar wohl munden! 'Kur soll man nach einer solchen Lectüre, wie allgemein verlautet, Sonntags darauf nicht gerne in eine Hof- oder Garnisonskirche gehen, weil einem das Dankgebet für die glückliche Beendigung der Re­bellion etwas schwer ankäme. Aber lest nur!

Biebrich, 1. Nov. Diegesinnuugstüchtigen" Blätter, z. B. das Mainzer Journal, die Frankfurter Oberpostamtsamtszeitung, die Nassauische Allgemeine und wie die standrechts-heitern Cultuspflanzen alle heißen mögen, fangen, wie auf den Pfiff des Cama- rillen-Häuptlings, uni sono plötzlich an, mit und ohne Krokodillsthränen gegen das Schwurgericht zu belfern., Was^Herr v. Gerlach schon längst gesagt hat, daß das Schwurgericht nämlich ein Privilegium für Verbrecher sei, das kommt denallgemeinen" Damen, die von der Gnade hoher Herrn leben, erst jetzt zur Erkenntniß. Ein Paar Assisensitzungen haben bereits hingereicht, diese offizielle Ueberzeugung zu er­wecken. Denn, wie können es die Geschwornen in

, wu xhp p rrmu ii ii sreizu- sprechen; wie kann das Schwurgericht in Darmstadt, Gießen, Leipzig, Cöln, Bautzen, Mainz u. s. w. es wagen, die politischen Angeklagten fürnicht-schuldig" zu finden, ins Zuchthaus zu wandern und Wolle zu spulen! Warum tanzen die Geschwornen nicht hübsch nach der Pfeife der Regierungen, und machen es nicht wie jener Richter, der einen Bauern, weil er seinen König todtbeten" wollte, als Hochverräther zum Tode verurteilte! Ja, das ist freilich schrecklich, und geeignet, der glücklichen Wiedererreichung des Metter- uich'schen Hafens hinderlich zu sein!

Es gehört übrigens nicht viel Verstand dazu, um die Ursache dieserbetrübenden, die Sittenlosigkeit der Unterthanen" beweisenden Erscheinung zu entdecken, wenn man nur an Prinz Hamlets Worte denkt:Es ist wo faul im Staate Dänemark!"

Auch der Schreiber dieser Zeilen gehört nicht zu Denen, welche meinen, daß der Geschworne über dem Gesetz stehe, und namentlich politische Prozesse nach seinem Parteistandpunkte beurtheilen dürfe; er stimmt

ausgcthcilt! Meinen Namensaufruf beantwortete ich mit einem lauttönendenHier!" und der Furier drückte mir ein Sechskreuzerstück in die Hand!Du bist gestern eingetreten," sagte er,hier den Sold für den heutigen Tag." Im nächsten Wüthshause sind die 6 Kreuzer geblieben. Zwei Glas Bier hab' ich für meinen ersten Sold getrunken.

ii.

Ein Vorpostengefecht aus dem badischen Feldzuge.

Die Stadt Karlsruhe khat während der ganzen ba­dischen Revolution den Typus der Residenz keinen Augen­blick verloren. Ich meine nicht etwa deßhalb, weil an allen öffentlichen Gebäuden neben der Aufschrift: Großhe rzvgliches Salz- oder Steuer-Amt Grobherzogliches Heu- oder Mehlmagazin u. s. w. der Zähringer Löwe mit seinem Schweif einen furchtbaren Reif schlagend, den Vorübergehenden zehneflälsebend an- grinzte; nicht etwa weil das dritte oder vierte Haus neben andern gemeinen Haubwerksschildern mit einem fettgedruckten Renommir-Plakate eines Hof-Schneiders, Schusters oder Handschuhmachers behängt war: nein, Alles was mir in die Augen fiel, schien mir mit einem Stempel versehen, worauf die Worte:Gr Herzog -