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doch in's Krankhafte," war die Antwort, und der Brief ging ab- Führwahr, eg ist eine traurige Ge­nugthuung , in dieser Angelegenheit ein Prophet gewe­sen zu sein!

Stuttgart, 3. Nov. Der Eulenspiegel ist ein geplagter Mann. Sowohl seine letzte als seine heu­tige Nummer hat die Polizei confiscirt. Beide sind beschuldigt, Anspielungen zu enthalten, welche religi­onsgefährlich seien. In der heutigen Nummer wurde überdieß ein Bild beanstandet, welches einenkleinen Fürsten" zwischen den beiden schnappenden Ungeheuern der Demokratie und des Abfolntismus dargestellt. Daß auf einem der Zähne des eines Ungeheuers der Name Dallinger" steht, wird wohl nicht Veranlassung zur Confiscation gegeben haben. (Beob.)

Berlin, 31. Oktober. (Z. f. N.) Heute wurde | auch das Gesetz über Aufhebung der bisherigen Klas- sensteuereremtionen angenommen, nach welchen nun keinerlei Ausnahmen für Prediger, Schullehrer und Beamte mehr zulässig sind. Nur für Wachtmeister, Feldwebel und Unteroffiziere wurden Ausnahmen ge­macht und angenommen. Es fehlte dabei wiederum nicht an Lobeserhebungen auf das Heer, dem die Kam­mer jetzt praktisch ihren Dank beweisen könne, wenn sie steuerfreie Unteroffiziere und Feldwebel darin fort­leben ließe. Auf der andern Seite wurde geltend gemacht, daß, wenn Ausnahmen doch gelten sollten, die armen Dorfschulmeister die gerechtesten Ansprüche dar­auf hätten. Das hielt jedoch der Geheimrath Stiehl für eine Beleidigung der Schullehrer und protestirte in ihrem Namen. Er hat gut reden, der Herr Ge- heimrath, der im Unterrichtsministerium mit 3000 Thlr. Gehalt sitzt. Was der Ehre der Feldwebel nichts zu Leide thut, würde der Schulmeisterehre wohl auch nicht den Hals brechen, genug aber, die Schulmeister wur­den nicht ausgenommen, wohl aber die Militärs vom Feldwebel ab, obwohl diese bei Weitem besser stehen, als die armen Lehrer.

Berlin, den I.Nov. (K. Z.) Die Verhandlung des Waldeckschen Prozesses wird am 17. stattfinden. Die Anklageschrift umfaßt etwa 90 Foliobogen. Si­cherem Vernehmen nach werden besondere milititärische Vorkehrungen am Tage der Prozedur getroffen werden.

Die Gerüchte über Auflösung der Kammern und die Schlußoktroyirung einer Verfassung mit erblichen Pairs und einem Hanse der Gemeinen nach Ständen zusammengesetzt, gewinnen immer weiteren Umfang, obwohl vor der Hand nicht daran zu glauben ist. Wahrscheinlich trägt die Vermehrung der Berliner- Garnison um einige Bataillone dazu bei, diese Gerüchte zu nähren, wozu noch kommen mag, daß noch auf ein Jahr Verträge mit den Hausbesitzern geschloffen wor­den sind, deren Grundstücke zu Privatkasernen einge­richtet wurden. Daß jeder Soldat fortgesetzt im Besitz von 60 scharfen Patronen ist, beweist nur, daß man auf alle Fälle gefaßt ist.

Berlin, 3. November. (F. I.) Die hiesigeDe­mokratische Zeitung" will wissen, daß das Ministerium die Versetzung von 200 Beamten, die sich im Novem­ber vorigen Jahres gegen die Regierung erklärt haben, beabsichtige. Auch solche Beamte, welche an den jüng­sten Wahlen nicht Theil genommen, sollen von solcher Maßregel bedroht sein.

Vorgestern wurde wieder ein demokratischer Verein aufgelöst. Dasselbe Schicksal drohte einem andern solchen Vereine gestern. Dr. Voigtländer sprach in demselben über das Wahlrecht und entwickelte, daß der Ausschluß der Almosenempfänger und selbst der be­straften Personen vom allgemeinen Wahlrecht aus dem Prinzip der Demokratie sich nicht rechtfertigen lasse. Der anwesende Constabler gebot, sofort in dem Vor­trage inne zu halten, da er solche Ausführungen nicht gestatten dürfe. Nur mit Mühe war dem Beamten begreiflich zu machen, daß derartige Entwickelnngen gegen kein Gesetz verstoßen.

Berlin, 3. Nonember. Das heutige Militär-Wo­chenblatt enthält die Verordnung, betreffend die Zu­lassung der aus dem meckleuburg-strelitzschen und dem anhalt>deßau-, cöthen- und bernburgschen Gebiete ge­bürtigen jungen Leute zum einjährigen freiwilligen Dienst.In Gemäßheit der resp, unterm 2. April, 27. April und 16. Mai d. J. abgeschlossenen Verträge zwischen Sr. Majestät dem Könige von Preußen einer­seits und Sr. königl. Hoheit dem Großherzoge von Mecklenburg-Strelitz, resp. Sr. Hoheit dem Herzoge von Anhalt-Deßau (für die Herzogthümer^lnhalt-Deßau und Anhalt-Cötben) unb Sr. Hoheit dem Herzoge von Anhalt-Bernburg andererseits, betreffend den Anschluß der großherzoglichen resp, herzoglichen Militär-Contin- gente an die königlich preußische Armee, können aus dem meckleuburg-strelitzschen, dem anhalt-deßanischen, dem anhalt-cöthenschen und dem anhalt-bernburgschen Gebiete gebürtige junge Männer, welche nach preußi­schen Gesetzen die Berechtigung zum einjährigen frei­willigen Dienste besitzen würden, unter gleichen Be­dingungen wie jeder Preuße, bei jedem preußischen Truppentheile als Freiwillige in den Dienst treten. Vorstehendes wird der Armee hierdurch bekannt gemacht. Berlin, den 23. Oktober 1849. Kriegsministerium: von Griesheim. Allgemeines Kriegsdepartement: von Herwarth."

r^- Paderborn, 1. November. (Wests. Zeit.) Die k6.-Corresp. in Berlin läßt sich aus Westphalen schrei­ben:In Folge der Habeascorpusakte ist das Diebs­gesindel um das Zehnfache gewachsen, und die Diebstähle

werden in so großer Zahl und mit einer Kühnheit ausgeführt, wovon man sonst keinen Begriff hatte. Wir leben hier mitten in Westpfahlen und haben noch nichts von dem Zunehmen der Diebstähle gehört, wir müssen aber beklagen, daß das Lug- und Truggesindel ' der Reaktion alle Tage neue Entstellungen und Ver- , läumdungen in die Welt sendet und selbst das ehrloseste : Mittel nicht scheut, um zu seinem Zwecke zu gelangen.

Die ministeriell-konstitutionelle Correspondenz ist neulich wegen ihrer Verlâumdung gegen ungarische Offiziere zurechtgewiesen worden ; gleich darauf läßt sie sich wieder aus Frankfurt die Lüge berichten, daß ein Zu­sammenstoß der Demokraten und baierischen Soldaten zu^fürchten sei; kurz darauf meldet sie aber selbst, daß der vermuthete Zusammenstoß nicht stattgefunden habe. In Frankfurt selbst hat man aber gar nichts der Art vermuthet und befürchtet.

Coblenz, 30. Oktober. Das gestrige Dampfschiff von Köln nach Mainz hatte den Reichsverweser und die Herren v. Gagern und Mathy an Bord. Das zufällige Zusammentreffen des Reichsverwesers mit dem , ehemaligen Präsidenten seines, Ministeriums war nicht ohne Interesse. Sie sahen sich auf dem Verbeck beim Auf- und Niedergehen. Nach dem beiderseitigen Gruß fragte der Reichsverweser Hrn. v. Gagern, woher er komme.Von Hamburg zurück", war die Antwort. Und ich fomme aus Belgien", entgegnete der Erz­herzog. Noch ein Gruß und die Unterredung war zu Ende unb wurde nicht wieder angeknüpft. (D. R.)

Posen, 31. Oktober. (Schles.Z.) Unter der hie- sigen deutschen Bevölkerung verbreitet sich die nicht unwahrscheinliche Nachricht, daß die seit Jahr und Tag so viel besprochene Posener Frage folgende Lösung erhalten habe oder erhalten werde:Das Großherzog- thum Posen wird ungetheilt in den deutschen Bundes­staat ausgenommen, eine Demarcation findet auch als administrative Maßregel nicht statt und bleiben dem­nach die Regierungsbezirke Posen und Bromberg in ihrem seitherigen Umfange bestehen, die Reorganisation soll auf das sprachliche Element nach dein Bedürnisse der Bevölkerung beschränkt werden.

Glückstadt, 31. Okt. Jetzt sind auch die letzten Soldaten, welche wegen ihrer Betheiligung an den Un­ruhen im fünften Bataillon zur Zuchthausstrafe ver- urtheilt waren, zur Festungsstrafe begnadigt worden, so daß, sind wir recht berichtet, wegen Disciplinarver­gehen kein Soldat mehr im Zuchthause betinirt wird.

Wien, 1. November. Dem Vernehmen nach be­schäftigt sich der Ministerrath gegenwärtig mit der Er­wägung eines Vortrages des Justizministers v. Schmer­ling, über die Errichtung eines allgemeinen Kassations­hofes für^ie ganze Monarchie. Für Ungarn, Kroa­tien und Siebenbürgen werden wahrscheinlich bis da­hin, wo das dort noch rechtskräftige Corpus Juris mit dem allgemeinen Gesetzbuche des Reiches in Einklang gebracht sein wird, besondere Sek ionen in diesem hohen Gerichtshof eingerichtet werden. (Presse.)

Wien, 2. Novbr. In Arad ist Ludwig Kacrinczyi von Szephalom, ehemals Oberlientenant beim 9. Hu­sarenregiment und im Jahre 1846 ans dem Militär­stand ausgetreten, wegen seiner Theilnahme am ungarischen Aufstande, dem er als Oberst diente, zufolge Urtheils des Kriegsgerichts am 25. Oktober erschossen worden.

Polen.

Krakau, 28. Oktbr. (Bresl.Z.) Der allerletzte Durchmarsch des russ. Militärs, gegen 3000 Mann Infanterie, soll heute stattgefunden haben. Trotz dem klingenden Gelde, bas die Offiziere hier zurückgelassen, wirb man doch allgemein froh sein, dieser freilich er­betenen Gäste los zu sein, da man jetzt täglich, be­sonders vom Landvolke, gar viele Klagen über das zügellose Benehmen der russischen Truppen vernimmt. Die russischen Soldaten sollen in den Dörfern gar fürchterlich gehaust, und den armen Bauern das bis­chen Vieh, das nicht gesetzlich zur Ernährung der Truppen gegen Quittung requirt wurde, entweder ge­stohlen oder geradezu geraubt haben. Es soll auf dem Lande gar jämmerlich aussehen, und mancher Bauer außer dem Verlust seiner Habe auch noch den Kinder beklagen. Es ist nämlich eine sonderbare, aber nur allznwahre Thatsache, daß die russischen Soldaten nach Zigeunerart in vielen Dörfern den Wirthsleuten ihre Kinder gestohlen unb mit sich geführt haben. Es läßt sich nicht begreifen, was sie zu diesem nicht einträgli­chen Diebstahl vermochte, da sie diese Kinder nicht ein­mal nach Rußland bringen, und sie ihnen doch, dort angelangt, abgenommen werden. Der russische Soldat ist also in jeder Beziehung seinem ihm vorausgegan- genen Rufe treu geblieben; was aber unendlich über­raschte, und mir selbst zu berichten schwer wird, ist das traurige Faktum, daß selbst russische Offiziere sich die Schändlichkeit zu Schulden kommen ließen, die sie gastfreundlich aufnehmenden Landleute zu berauben. Besonders macht ein in Seibusch bei Viala vorgekom­mener Fall Aufsehen und trägt nicht wenig zu dem Grolle gegen die Russen bei. Ein Offizier packte näm­lich in dem ihm fürs Nachtlager angewiesenen schön­sten Zimmer im Hanse eines wohlhabenden Bauers alle Habseligkeiten des Wirthes zusammen, schloß das Zimmer und begab sich in aller Frühe aufs Gericht, um Klage zu führen, daß der Bauer ihn bestohlen habe. Der Bauer wurde natürlich sogleich citirt, der Offizier hatte indessen, während der Bauer bei Gericht

war, seine eigenen Sachen und das gestohlene Gut zu- sammengenommen und Haus und Hof verlassen.

Italien.

Rom. Das Statnto berichtet in einem Schreibett I aus Rom vom 25. Oktober:

, ^eit mehreren Wochen circuliren unheimliche Ge­rüchte, daß in Ghetto viele während der Anarchie ge- stohlene und geraubte Gegenstände verborgen seien. Mehrere Fanatiker benutzten diesen Umstand, um zu verlangen, daß die römischen Israeliten von Neuem hinter Mauern und Thore eingeschlossen, und diesen Unglücklichen abermals jene verdammenswerthen, im Geiste der gehässigsten Unduldsamkeit ersonnenen Fesseln angelegt werden mögen, welche der milde und weise Sinn Sr. Heiligkeit des Papstes zu brechen begonnen.

Heute Morgens war nun plötzlich das ganze Ghetto umrungen, und fast in Belagerungszustand gesetzt; den 4000 dort wohnenden Israeliten wurde der Aus- und Eingang verwehrt; alles Silbergeräthe, das nicht mit den Familienzeichen versehen war, wurde sogleich weg­genommen; gleiches geschah mit Wäsche, Kleiderstoffen unb selbst mit jenen uralten Brokaten, welche in den Synagogen von jeher als heiliger Schmuck gebraucht worden waren. Auf solche Weise wurde ein ganzes römisches Stadtquartier, bewohnt von ehrenvollen und geachteten Kaufleuten, auf infamirende Weise beschul­digt, und gleich einer Räuberhöhle behandelt.

Im Ghetto, so wie an andern Orten, Mögen sich vielleicht Gegenstände befinden, die nicht auf rechtliche Weise herbeigeschafft wurden; dort, so wie im übrigen Rom können Verbrecher und Diebeshehler sich vielleicht verborgen halten. Hierin ist jedoch noch kein Grund zu solchem Verfahren gelegen, und vor allem fällt es auf, daß Frankreich sich zu Handlungen hergegeben, die in so schreiendem Widerspruch zur Civilisation des Jahrhunderts stehen.

Die Römer aber wünschen sich Glück, daß nicht römische Truppen auf so unwürdige Weise verwendet worden.

Verona, 25. Oktober. Reformen beginnen. In­haltsschwer wird diesmal die Ankunft des Marschalls, der in Verona seinen stabilen Sitz anfschlägt. Die Detail-Kanzlei ist schon auf dem Wege von Monza hieher. Mit 1. November b. J. wird das Militär- Departement des General-Kommandos aufgehoben und mit der Detail-Kanzlei vereinigt. Die italienische Ar­mee besteht aus 137 Bataillons, 33 Eskadrons und der entsprechenden Zahl Geschütze. Diese stehen unter vier Militär-Kommanden, zu Mailand, Verona, Triest und Leibach, welche mit dem Kriegsministerium un­mittelbar korrespondiren dürfen. Die Eintheilung ber Beamten geht von diesem letzter,: aus. Laut Be­schluß des Handelsministeriums wird mit 1. Oktober 1849 ein veränderter Postrittgeld-Tarif im Umfang des ganzen lombardisch - venetianischcn Königreichs ein- geführt.

T n r k e i.

Nach einem derAugsb. Allg. Ztg." aus Kon­stantinopel vom 1 / Oktober zugegangenen Schreiben war man in der türkischen Hauptstadt noch im' unge­wissen über den Ansgang des diplomatischen Konflikts. Die Gesandten von England und Frankreich hatten von ihren Regiernngen die Billigung ihrer Schritte erhalten. Das englische Geschwader in den jonischen Gewässern sollte auf den ersten Wink Sir Stratford Cannings im Archipel ober vor den Dardanellen er­scheinen. Die Pforte setzte ihre Rüstungen fort. Der Aufstand in Samos hatte einen ernsthaftern Charakter angenommen. Die Insel ward in Blokadestand erklärt.

Republik Frankreich.

Paris, 3. Nov. (Mz. Z.) Die Ceremonie der In­stallation der Magistratur hat heute in dem Saale der Pas perdus unter dem Bubrange von mehr als 3000 Personen stattgefunden. Vorher begab sich ber Präsident, in die Uniform eines Generals der Natio­nalgarde gekleidet, in Begleitung des Vieepräsidenten, des Justizministers, einer Deputation ber Kammer und der hohen Würdenträger ber Magistratur in die St.- Chapelle, wo der Erzbischof von Paris die Messe las. Die Zeremonie ber Einsetzung begann um halb zwölf Uhr und dauerte bis ein Uhr. Der Iustizminisier, der erste Präsident Portalis und ber Generalprokura­tor Dupin nahmen einer nach dem andern das Wort. Hr. Rouher hielt eine Lobrede auf Odilon Barrot und He. Dupin entwarf in einem großen Umrisse die Geschichte der französischen Magistratur. Hierauf wurde das Gesetz über die Vereidigung verlesen und drei Magistratsmitglieder wiederholten nach Verlesung der Eidesformel die Worte:Ja, ich schwöre cs!" Der Präsident der Republik schloß die Handlung mit einer Anrede, welche allgemeinen Beifall fand.

General v. Hautpoul empfing gestern die Beam­ten feines Ministeriums. Er äußerte sich dahin, daß er so wenig an seine Ernennung gedacht, daß sein Ge­päck sich auf dem Wege nach Marseille befinde.

Die Minister haben gestern von ihren Hotels Be fitz genommen.

, Das Urtheil der heutigen Journale über das mi­nisterielle Programm läßt sich in zwei Kategorien thei­len: von der einen Seite, unb zwar im monarchischen Interesse, wirb das Programm gelobt, und hintenher lauert mau auf eine Gelegenheit, um sich des Präsi­denten sammt der Konstitution zu entledigen; von der